Skip to main content

Full text of "Pathologisch-anatomische Untersuchungen über Puerperal-Eklampsie"

See other formats


PATHOLOGISCH-ANATOMISCHE 

UNTERSUCHUNGEN 

ÜBER 

PUERPEKAL-EKLAMPSIE 

VON 

Dr. med. GEORG SCHMORL, 

Privatdocenten und I. Assistenten am pathologischen Institut zu Leipzig. 
MIT 4 FARBIGEN TAFELN UND 1 LICHTDRUCKTAFEL. 




LEIPZIG, 
VERLAG VON F. C. W. VOGEL. 
1893. 



MEINEM HOCHVEREHRTEN LEHRER 



HERRN 



GEH. MEDICINALRATH PROF. DR. BIRCH- HIRSCHFELD 



GEWIDMET. 



Wenn wir die umfangreiche Litteratur, welche sich im Laufe der Zeit 
in Betreif der puerperalen Eklampsie angehäuft hat, überblicken, so ergiebt 
sich, dass alle bisher über die Pathogenese dieser Krankheit aufgestellten 
Theorien ohne Ausnahme nicht im Stande sind, die ganze Reihe der Er- 
scheinungen, welche wir unter dem Namen der puerperalen Eklampsie 
begreifen, nach allen Richtungen hin zu deuten und zu erklären. Alle 
bewegen sich mehr oder minder in theoretischen Spekulationen, zum Teil 
gestützt auf pathologische und physiologische Analogien. Nun kann es 
aber keinem Zweifel unterliegen, dass das Theoretisiren über das Wesen 
einer Krankheit stets die grosse Gefahr in sich birgt, auf falsche Bahnen 
zu geraten, besonders dann, wenn, wie dies bei der Eklampsie der Fall 
ist, die dem Krankheitsprocess zu Grunde liegenden anatomischen Ver- 
änderungen noch nicht nach allen Richtungen hin gekannt und sicher 
gestellt sind. Es muss daher, wenn wir eine sichere Grundlage gewinnen 
wollen, auf der wir erst Schritt für Schritt in das Verständniss des 
schwierigen Krankheitsprocesses einzudringen vermögen, als erste Aufgabe 
erscheinen, den anatomischen Thatbestand in seinen wesentlichen Zügen 
festzustellen. 

Zur Erreichung dieses Zweckes schien mir eine systematische, mit 
Hülfe der neueren Untersuchungsmethoden angestellte Untersuchung, die 
sich nicht nur auf die am Sektionstisch als verändert erkannten Teile 
zu beziehen hatte, sondern sich auf wo möglich sämmtliche wichtige Körper- 
organe erstrecken musste, am geeignetsten zu sein. Dank dem grossen 
Material des hiesigen pathologischen Institutes war es mir möghch, eine 
verhältnismässig grosse Zahl einschläglicher Fälle in relativ kurzer Zeit 
zu sammeln und daran meine Untersuchungen anzustellen. Bevor ich 
über die von mir erhobenen Befunde berichte, möchte ich zunächst auf 
die hauptsächlichsten, bisher bei Eklampsie gefundenen anatomischen 
Veränderungen in Kürze eingehen. 

Nachdem der englische Geburtshelfer Lever *) auf das Vorkommen 
von Eiweiss im Urin Eklamptischer hingewiesen hatte, wandte sich ganz 
natürlich die Aufmerksamkeit der Kliniker und Anatomen den Nieren 
zu. An diesen Organen Hessen sich nun auch bei der grossen Mehrzahl 
der Fälle mehr oder minder schwere Veränderungen nachweisen. In den 
wenigsten Fällen handelte es sich dabei um Läsionen, welche ihrem ana- 

Schmorl, Eklampsie. 



— 2 — 



tomischen Charakter nach als chronische Dezeichnet werden mussten, 
ganz in Übereinstimmung mit der den Klinikern längst bekannten That- 
sache, dass im Verlauf chronischer Nephritiden, d. h. solcher, welche 
bereits vor Anfang der Schwangerschaft bestanden hatten, nur selten 
Eklampsie ausbricht; in weitaus der Mehrzahl der Fälle fand man an 
den Nieren Veränderungen, welche als akute Störungen angesehen weiden 
mussten und anatomisch im wesentlichen als Degenerationsprocesse (trübe 
Schwellung, Verfettung, Nekrose) der Epithelien des Nierenlabyrintlis 
gekennzeichnet waren 1 ). Daneben Hess sich in einer Eeihe von Fällen eine 
ein- oder doppelseitige Dilatation der Nierenbecken und der Ureteren 
nachweisen als Ausdruck einer intra vitam bestandenen Harnstauung, 
welch' letztere auf eine durch den im kleinen Becken fest eingepressten 
Kindesteil bewirkte Ureterenkompression zurückgeführt wurde. Diese 
Nierenveränderungen, auf welche sich eine der bekanntesten Theorien 
der Eklampsie, welche dieselbe mit der Urämie identificirt, aufbaut, waren 
lange Zeit die einzigen einigermassen konstanten Befunde, denen man bei 
den Sektionen Eklamptischer begegnete. 

Erst in neuerer Zeit ist man auf Veränderung eines anderen Organs 
aufmerksam geworden, welche, soweit die bisherigen wenig zahlreichen 
Mitteilungen darüber einen Schluss zulassen, zum mindesten ebenso häufig 
wie die erwähnten Nierenläsionen gefunden worden sind. Es sind dies 
hämorrhagische Veränderungen der Leber. Dieselben sind zwar schon 
früher hier und da gesehen und beiläufig erwähnt worden, aber grössere 
Beachtung haben sie bis in die neueste Zeit nicht gefunden. Es ist das 
unbestreitbare Verdienst von Jürgens 2 ), zuerst auf diese hämorrhagische 
Hepatitis, um seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen, hingewiesen, ihr 
konstantes Vorkommen betont und eine genaue Beschreibung ihres makro- 
skopischen Aussehens gegeben zuhaben. Jürgens war es ferner, der im 
Anschluss an diese Befunde darauf aufmerksam machte, dass infolge der 
Leberveränderungen Leberzellen in die Blutbahn hineingeraten und mit 
dem Blutstrom verschleppt werden, ein Befund, der von Klebs 3 ) bei zwei 
Fällen von Eklampsie, bei denen ebenfalls ausgedehnte Leberläsionen vor- 
lagen, bestätigt worden ist. 

Merkwürdigerweise haben diese interessanten Beobachtungen von 
Jürgens weder bei den pathologischen Anatomen, noch bei den Geburts- 
helfern die gebührende Beachtung gefunden. Es finden sich zwar nach 
dem Bekanntwerden der Jürgens' sehen Befunde in der Litteratur Mit- 
teilungen über Leberveränderungen, aber derartige Befunde wurden stets 
als aussergewöhnlich angesehen. Erst in neuester Zeit hat P Uli et 4 ) den- 
selben grössere Aufmerksamkeit geschenkt und auf Grund eines sich auf 



1) Vergl. die Arbeiten von Leyden: Über Schwangerschaftsniere: Zeitschr. f. 
klin. Med. Bd. II. u. XI, sowie die Arbeit von Prutz, Zeitschrift f. Geburtshülfe und 
Gynäkologie. Bd. XXIII, welche eingehende Litteraturangaben enthält. 



22 Falle von Eklampsie stützenden Beobachtungsmaterials die Vermutung 
ausgesprochen, dass diese Leberveränderungen konstante, für die Patho- 
genese der Eklampsie wichtige Befunde bilden möchten. Pilliet's Verdienst 
ist es ferner, diese Veränderungen zuerst genauer mikroskopisch unter- 
sucht und nachgewiesen zu haben, dass es sich dabei nicht um einfache 
Blutungen, sondern um mehr oder minder ausgedehnte nekrotische Herde 
bandelt. Zu den gleichen Resultaten sind Lubarsch und Prutz 5 ) ge- 
kommen, von denen der erstere 12, der letztere 9 Fälle von Eklampsie 
untersuchte. Von sonstigen Veränderungen, die man bei Obduktionen 
Eklamptischer häufiger beobachtet hat, erwähne ich ferner das mehr oder 
minder hochgradige Gehirnödem, sodann die bei einer Reihe von Fällen 
gefundenen Hirnblutungen. Weiterhin möchte ich noch auf die von 
Virchow 6 ) und Jürgens zuerst beobachtete Fettembolie, welche in den 
meisten Fällen die Lunge allein, in einigen aber auch die Nieren betraf, 
und endlich mit Rücksicht auf meine eigenen Befunde auf die von Klebs 
im Gehirn, Leber, Nieren und Nebennieren gefundenen Thrombosen 
kleiner Gefässe hinweisen, welche der genannte Autor in Beziehung zu 
den in die Blutbahn eingedrungenen Leberzellen bringt. 

Wenn ich nun an die von mir bei Eklampsie erhobenen pathologisch- 
anatomischen Befunde herantrete, so will ich an erster Stelle die Ver- 
änderungen, die ich an den Lebern Eklamptischer gefunden habe, einer 
eingehenden Besprechung unterziehen, weil sie der Ausgangspunkt für 
meine Untersuchungen gewesen sind. Hier muss ich nun an erster Stelle 
hervorheben, dass ich bei den von mir beobachteten 17 Eklampsie- 
fällen Leberveränderungen niemals vermisst habe. Meine Befunde be- 
stätigen somit die vonPillietin einer seiner letzten Publikationen über 
diesen Gegenstand ausgesprochene Vermutung, dass es sich dabei um 
konstante Befunde handeln möchte. Ob diese Vermutung sich in ihrem vollen 
Umfang wird aufrecht erhalten lassen, darüber werden weitere Beobach- 
tungen zu entscheiden haben. Das von Pilliet und mir zusammen- 
getragene Material ist entschieden noch zu klein, um ein sicheres Urteil 
darüber zu gestatten. 

Was nun meine Beobachtungen anlangt, so waren in allen Fällen 
mit Ausnahme von zweien, auf welche ich später zurückkommen werde, 
die Leberveränderungen so zahlreich und so ausgedehnt, dass sie schon 
bei der makroskopischen Besichtigung am Sektionstisch deutlich hervor- 
traten. Im allgemeinen möchte ich zwei Formen der Leberveränderungen 
bei Eklampsie unterscheiden, welche sowohl in ihrem makroskopischen 
als mikroskopischen Verhalten Verschiedenheiten darbieten, die ich aber, 
wie ich gleich hier bemerke, durchaus nicht principiell von einander 
trennen will, sondern die meiner Ansicht nach bezüglich ihrer Pathogenese 
auf eine Stufe gesteUt werden müssen. Bei beiden Formen handelt es 
sich um Nekrosen der Leber, die in der einen Reihe der Falle hämor- 
rhagischen, in der anderen anämischen Charakter zeigen. .Bast in allen 



Fällen finden sich Kombinationen beider Formen, meist aber in der Weise, 
dass die eine oder die andere Art der Veränderungen überwiegt. Mag aber 
diese oder jene Form der Leberläsion vorliegen, stets bietet die Leber 
dabei ein so charakteristisches Aussehen dar, dass man, wenn man diese 
Veränderung nur ein- oder zweimal gesehen hat, sofort mit Sicherheit 
eine Leber als von Eklamptischen stammend erkennen wird, ohne dass 
die näheren Verhältnisse des Falles bekannt sind. 

Wenn es sich vorwiegend um hämorrhagische Nekrosen handelt, 
welche nach meinen Beobachtungen, sowie nach den Angaben anderer 
Autoren entschieden am häufigsten vorkommen, so pflegt das Organ die nor- 
malen Grössenverhältnisse nur wenig oder gar nicht zu überschreiten. 
Die Konsistenz ist eine pralle, in einigen Fällen lag ein deutliches Ödem 
vor, daran kenntlich, dass auf Fingerdruck eine seichte, sich langsam aus- 
gleichende Stelle zurückblieb. Auf der Oberfläche sowohl, als auf der Schnitt- 
fläche treten mehr oder minder zahlreiche rote Streifen und Flecken der ver- 
schiedensten Grösse hervor, welche oft netzartig unter einander verbunden 
sind und der Oberfläche eine landkartenartige Zeichnung verleihen. Die 
roten Flecken springen sowohl an der Oberfläche als an der Schnittfläche 
ganz wenig hervor und zeigen ein leicht gekörntes Aussehen, ohne dass die 
Acini deutlich erkennbar sind. Sie sind mit zackiger, aber scharfer 
Grenze gegen das umgebende Lebergewebe abgesetzt. Letzteres erscheint 
in der Mehrzahl der Fälle braunrot gefärbt, nur in einigen wenigen 
Beobachtungen zeigte es eine bräunlich gelbe Farbe, Hess aber die acinöse 
Struktur deutlich erkennen. In ihm treten meist mehr oder minder 
reichlich feinste punktförmige bis halberbsengrosse, opake, weissgelbliche 
Herde hervor, welche ein trockenes Aussehen ohne erkennbare acinöse 
Struktur darbieten und meist durch einen schmalen roten Saum von der 
Umgebung abgesetzt sind. Ähnliche Herde bemerkt man mitunter, wenn 
auch wenig reichlich, innerhalb der roten Flecken und Streifen. Die genannten 
Veränderungen waren in allen hierher gehörigen Fällen unregelmässig 
über das ganze Organ verteilt, eine Prädilektionsstelle für dieselben 
habe ich nicht gefunden; in einigen Fällen schien es mir, als ob der 
Lobulus Spigelü am meisten afficirt wäre. An den grösseren mit der 
Schere verfolgbaren Gefässen fanden sich keine Veränderungen; es möge 
aber hier bemerkt sein, dass die tiefrotgefärbten Flecken bis unmittelbar 
an die grossen Lebervenen bisweilen heranreichen und durch die dünne 
Wand hindurchschimmern, gerade so, als ob ausgedehnte Blutungen an der 
Aussenseite der Venen vorhanden wären. Ein etwas anderes Aussehen 
zeigte die Leber in den Fällen, bei welchen die Eklampsie einen pro- 
trahirten Verlauf genommen, und in solchen, bei denen sich im Verlauf 
der Krankheit Ikterus entwickelt hatte. Im ersten Falle erschienen in 
dem meist bräunlich-gelb gefärbten Leberparenchym braunrote Flecken 
und Streifen, die ein trockenes Gefüge darboten und meist deutlich unter 
die Schnittfläche zurücksanken; bei den mit Ikterus komplicirten 



— 5 — 



H allen deren ich bisher zwei beobachtet habe, zeigte die Leber die grösste 
Ähnlichkeit mit der unter dem Namen akute gelbe Atrophie bekannten 
^ eranderung, mit dem Unterschied, dass hier die Leber nicht verkleinert 
erschien Bei der mikroskopischen Untersuchung stellten sich aber, wie 
ich gleich hier erwähnen will, Differenzen zwischen beiden Veränderungen 
heraus; auf dieselbe werde ich später zurückkommen. 

Wesentlich anders als das im Vorstehenden gezeichnete Bild ist jenes 
welches die Leber in den Fällen darbietet, bei denen vorwiegend anämische 
Nekrosen vorliegen. Auch hier ist das Organ meist nicht, oder nur un- 
bedeutend vergrössert und zeigt eine ziemlich feste Konsistenz. Die Ober- 
fläche ist übersät mit feinsten punkt- bis zehnpfennigstückgrossen gelb- 
weissen oder reinweissen Herden, welche meist ziemlich unregelmässig 
geformt, mit scharfem, schmalem, tiefrot gefärbtem Saum sich gegen das 
umgebende braunrote, mitunter leicht ikterische Lebergewebe absetzen; 
am häufigsten liegen sie an den freien Bändern der Leber und an jenen 
Stellen, wo sich die Aufhängebänder an das Organ ansetzen, doch werden 
sie auch an der übrigen Oberfläche nicht vermisst; schneidet man diese 
oberflächlich gelegenen Herde ein, so zeigen sie eine keilförmige Gestalt, 
ein dichtes Gefüge und ein homogenes, trockenes, gelbweisses Aussehen, 
wodurch sie anämischen Infarkten der Leber und Milz frappant ähnlich 
werden. Neben diesen gelbweissen Herden treten an der Oberfläche auch 
mehr oder weniger zahlreiche rote Flecken und Streifen hervor, welche 
genau dasselbe Verhalten zeigen, wie die oben erwähnten hämorrhagischen 
Nekrosen. Ein Querschnitt durch das Organ bietet dasselbe bunte Aus- 
sehen wie die Oberfläche dar, nur zeigen hier die gelbweissen Herde 
eine sehr unregelmässige Form. Hier erkennt man deutlich — besonders 
mit Loupenvergrösserung — dass die feinsten opaken gelbweissen Streifen 
meist den Verzweigungen des periportalen Gewebes folgen, häufig aber 
feine zackige Ausläufer in die Substanz der Acini hineinsenden. 

Ebenso charakteristisch wie das makroskopische Aussehen dieser Lebern 
ist auch der an ihnen erhobene mikroskopische Befund. Fassen wir zu- 
nächst die hämorrhagischen Nekrosen in das Auge, so muss zunächst be- 
züglich ihrer Lage hervorgehoben werden, dass die kleinsten stets in der Um- 
gebung des periportalen Bindegewebes ihren Sitz haben, und zwar meist in 
der Weise, dass die peripheren Teile der an einen solchen Bindegewebszng 
angrenzenden Acini fast gleichmässig von der Veränderung ergriffen sind. 
Bei grösseren Herden erstrecken sich die gleich zu beschreibenden Nekrosen 
meist auf sektorartige Ausschnitte verschiedener Acini, mitunter umfassen 
sie aber auch eine ganze Gruppe von solchen. Diese Veränderungen zeigen 
nun je nach ihrem Alter ein recht verschiedenes Aussehen. Sind sie noch 
frischen Datums, so erscheinen sie als mehr oder minder ausgedehnte 
Blutungen. Ich kann der Ansicht Pilliet's, welcher als erstes Stadium eine 
Kapillarektasie ansieht, durchaus nicht beipflichten. An Alkoholpräparaten 
kann man, besonders wenn man etwas dickere Schnitte untersucht, 



- 6 — 



allerdings sehr leicht zu der von Pilliet vertretenen Ansicht geführt 
werden; allein an Präparaten, die zur Konservirung der roten Blut- 
körperchen in Sublimat oder in Müller'scher Lösung fixirt und in möglichst 
feine Schnitte (Paraffineinbettung) zerlegt wurden, kann man sich sicher 
davon überzeugen, dass hier Blutungen, die allerdings mit einer starken 
Gefässdilatation verbunden sind, vorliegen. Denn man sieht, dass sich das 
Blut zwischen die Leberzellenbalken und die Kapillarwände hineingewühlt, 
letztere vielfach durchbrochen und unterwühlt hat, derart, dass vereinzelte 
oder mehrere zusammenhängende Leberzellen allseitig von roten Blut- 
körperchen umgeben werden (Fig. 1). Dabei zeigen die letzteren in den 
verschiedenen Herden ein auffällend verschiedenes Verhalten gegenüber der 
Eosinfärbung; in manchen nämlich nehmen sie diesen Farbstoff ebensogut 
an, wie die innerhalb der Blutbahn an intakten Leberstellen gelegene; 
dabei sind ihre Konturen gut erhalten, jedenfalls nicht in der Weise ab- 
geplattet, dass man eine Stagnation annehmen müsste. Ich möchte mich 
bezüglich dieses Verhaltens der von Klebs 7 ) ausgesprochenen Vermutung 
anschliessen, dass hier noch eine langsame Circulation stattgefunden hat. 
An anderen Stellen dagegen glaube ich daraus, dass die roten Blut- 
körperchen blass oder gar nicht gefärbt und derart an einander gepresst 
waren, dass ihre Konturen nur schwer erkannt werden konnten, schliessen 
zu können, dass hier eine vollständige Stase vorhanden war. Ich erwähne 
diese Einzelheit deshalb, weil an den Stellen, wo eine völlige Stagnation 
meiner Vermutung nach nicht besteht, die aus ihrem Verband losgelösten 
Leberzellen mit dem circulirenden Blute fortbewegt und so in die Blutbahn 
eingeschwemmt werden können, und weil auf diese Weise der Befund 
von Leberzellen in der Blutbahn, auf welchen ich später noch zurück- 
kommen werde, seine Erklärung findet. 

Die im Bereich der frischen hämorrhagischen Herde gelegenen Leber- 
zellen zeigen meist schon deutliche Zeichen der Auflösung und des Zer- 
falls, welche sich besonders in ihrem Verhalten gegen Farbstoffe kenntlich 
machen, denn ihre Kerne sind nur noch schwach, mitunter überhaupt 
nicht mehr färbbar, ihr Protoplasmaleib, welcher sehr häufig unregelmässige 
und verwaschene Konturen zeigt, verhält sich ebenfalls meist ablehnend 
gegen die Aufnahme von Eosin resp. Carmin; besonders hochgradig ver- 
ändert erscheinen meist die unmittelbar am periportalen Gewebe liegenden 
Zellen: sie sind völlig kernlos, besitzen einen eigentümlichen Glanz und 
sind nicht selten in ein aus feinen Fasern gebildetes Netzwerk, das sich 
mit der Weigert'schen Fibrinfärbung tief blau tingirt, eingebettet. Sind 
die Herde schon etwas älteren Datums, so tritt dieses feine Fibrinnetz 
in der ganzen Ausdehnung derselben auf; die in seinen Maschen liegenden 
Leberzellen sind völlig kernlos und gequollen, die roten Blutkörperchen 
geschrumpft und nicht mehr mit Eosin färbbar. Die ältesten Herde 
endlich bestehen aus einer völlig homogenen, mitunter etwas glänzenden 
Masse, in welcher neben Pigmentkörnchen und zerfallenden roten Blut- 



korperchen bisweilen zahlreiche verschieden grosse, sich mit kernfärbenden 
Farbstoffen intensiv tingirende Körnchen enthalten sind, welche grosse 
Ähnlichkeit mit Kokken besitzen, von diesen sich aber leicht durch ihre 
verschiedene Grösse und unregelmässige Form unterscheiden. Nach meinem 
Dafürhalten sind diese Körnchen als Kerndetritus zu deuten. In der 
Umgebung dieser nekrotischen Partien bemerkt man nicht selten eine 
nicht unbeträchtliche Kapillarektasie, sowie dichtgedrängte Leukocyten 
mit fragmentirten Kernen, welche mitunter auch in die peripheren, 
seltener in die centralen Abschnitte der nekrotischen Herde einwandern.' 
Was nun die anämischen Nekrosen anlangt, so habe ich bereits oben 
erwähnt, dass sie in ihrem makroskopischen Verhalten die grösste Ähn- 
lichkeit mit den bekannten anämischen Infarkten der Niere und Milz 
besitzen; noch deutlicher tritt dies bei der mikroskopischen Untersuchung 
hervor (Fig. 2). Solange sie noch frisch sind, ist in ihrem Bereich die 
Leberstruktur noch deutlich erhalten; aber die Leberzellen sind ge- 
quollen, ihr Protoplasma nur noch schwach mit Eosin färbbar, ihre Kerne 
entweder völlig geschwunden oder noch als unregelmässig gekörnte, ab- 
geblasste und geschrumpfte Gebilde erkennbar. Die Kerne der Kupfer- 
schen Sternzellen dagegen, sowie die der Gefässendothelien sind meist 
noch gut färbbar; die Kapillaren sind an der Peripherie der Herde hier 
und da durch hyaline Thromben verschlossen, in den centralen Teilen 
dagegen völlig leer. Die nekrotischen Herde sind ausserordentlich scharf 
gegen das umgebende Lebergewebe, welches nur in ganz vereinzelten 
Fällen eine stärkere Fettinfiltration erkennen lässt, abgegrenzt, derart, 
dass kernlose, blass gefärbte Leberzellen unmittelbar neben gut gefärbten 
kernhaltigen Zellen liegen. Sind die Herde schon etwas älter, so ver- 
lieren auch die Kerne der Kupferschen Sternzellen und die der Gefäss- 
endothelien ihre Färbbarkeit. Das nekrotische Zellmaterial quillt auf 
und sintert zu einer homogenen Masse zusammen, welche mehr oder minder 
reichliche aus Kerndetritus bestehende Körperchen einschliesst; meist stellt 
sich jetzt in der Peripherie der Herde eine Ansammlung von Leukocyten 
ein, welche mitunter ziemlich tief in die centralen Teile der nekrotischen 
Partie einwandern. Diese anämischen Nekrosen liegen, solange sie einen 
grösseren Umfang noch nicht besitzen, ebenso wie die hämorrhagischen 
fast stets dem periportalen Bindegewebe unmittelbar an. Allerdings 
kommt es nicht selten vor, dass zwischen dem periportalen Gewebe und 
dem nekrotischen Herd eine oder zwei Reihen von wohlerhaltenen Leber- 
zellen eingeschaltet sind. # , 

Von grosser Bedeutung scheinen mir ferner eine Reihe von Verände- 
rungen zu sein, welche ich am Gefässsystem der von Eklamptisckeii 
stammenden Lebern habe nachweisen können. 1 ) Es handelt sich hier um 



1) Dieselben Beobachtungen sind von Lubarsch nnd Prnti gemacht worden, 
deren Arbeiten mir erst nach Abschluss des Manuskriptes zu Gesicht kamen. 



- 8 — 



ausgedehnte Thrombosen, welche in der Mehrzahl der Fälle die kleineren 
im periportalen Bindegewebe verlautenden venösen und kapillaren Gefässe 
betrafen, in zwei Fällen aber auch grössere Gefässstämme beteiligten. Was 
zunächst diese zwei Fälle anlangt, so sind es jene oben kurz erwähnten, 
bei denen sich bei der makroskopischen Besichtigung der Leber entweder 
keine, oder nur unbedeutende Veränderungen — kleine circumscripte rote 
oder gelbweisse Flecken — finden, welche nicht ohne weiteres als nekro- 
tische Herde, als welche sie sich thatsächlich bei der mikroskopischen Unter- 
suchung erwiesen, angesprochen werden konnten. Hier stellte sich nun 
bei näherer Untersuchung der in hohem Grade auffallende Befund einer 
totalen Pfortaderthrombose heraus; dass hier nicht etwa eine agonale 
Verstopfung vorlag, ging mit absoluter Sicherheit daraus hervor, dass der 
Pfropf, welcher sich übrigens sowohl in die äusseren — vena mesenterica 
superior und lienalis — als auch in die im Inneren der Leber gelegenen 
Verzweigungen der Pfortader fortsetzte, das Lumen prall ausfüllte, der 
Gefässwand ziemlich fest anhaftete und schon bei der makroskopischen 
Besichtigung, noch deutlicher aber bei der mikroskopischen Untersuchung 
eine deutliche Schichtung erkennen liess. Ob die in diesen zwei Fällen 
vorhandene Pfortaderthrombose für die in diesen Fällen so geringe Aus- 
breitung der bei den übrigen Eklampsiefällen so sehr ausgedehnten Leber- 
veränderungen verantwortlich gemacht werden kann, resp. muss, wage 
ich nicht zu entscheiden. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass in 
allen Fällen von Eklampsie, bei denen ausgedehnte Leberveränderungen 
nicht vorhanden sind, die Pfortader und ihre Verzweigungen in und 
ausserhalb der Leber einer genauen Untersuchung unterzogen werden 
müssen. 

Die bei den übrigen Fällen gefundenen Thrombosen (Fig. 3) kleinerer 
Gefässe lagen ganz vorwiegend in der unmittelbaren Nähe von nekrotischen 
Herden und waren besonders , wenn es sich um hämorrhagische Nekrose 
handelte, fast stets mit ausgedehnten Hämorrhagien in das periportale Binde- 
gewebe vergesellschaftet. Sie fanden sich aber auch an solchen Stellen der 
Leber, an denen Nekrosen noch nicht nachweisbar waren; gerade diesen 
letzterwähnten Befund möchte ich besonders betonen, weil er meiner Ansicht 
nach beweist, dass die Thrombosen nicht als sekundäre, von den Nekrosen 
abhängige Veränderungen, sondern vielmehr als selbständige und, wie ich 
später zeigen werde, als die primären, die Nekrosen bedingenden Processe 
aufzufassen sind. Die Thromben bauten sich meist aus glänzenden, mit- 
unter feinstreifigen hyalinen Massen auf, welche sich mit Eosin leuchtend 
rot, mit der Weigert'schen Fibrin färbung tiefblau färbten. Zum Teil aber 
bestanden sie aus feinen, sich mit Eosin und Nigrosin intensiv färbenden 
Körnchen, welche ich als Blutplättchen deuten möchte. Die hyalinen 
Thromben fanden sich meist in kleinsten Venen und Kapillaren, deren 
Wände mitunter ausgedehnte hyaline Degeneration erkennen Hessen; 
während die Plättchenthromben meist die etwas grösseren Interlobular- 



venen ausfüllten; doch wurden in letzteren mitunter auch Pfropfe gefunden, 
welche aus Fibrin, weissen und roten Blutkörperchen und feinkörnigen 
Massen bestanden. 

An den Gallengängen Hessen sich in den meisten Fällen keine Ver- 
änderungen nachweisen; in einigen aber fand sich eine recht bedeutende 
Gallenstauung, vorwiegend in den kleinen Gallengängen und Gallenkapil- 
laren, die besonders schön in den in Sublimat gehärteten Präparaten zu Tage 
trat. Besonders hochgradig war diese Gallenstauung in den zwei schon 
oben kurz berührten Fällen, welche mit Ikterus komplicirt waren. Ich 
habe bereits darauf hingewiesen, dass in diesen Fällen die Leber bei 
der makroskopischen Betrachtung ein ausserordentlich ähnliches Aus- 
sehen darbot, wie bei akuter gelber Atrophie, nur mit dem Unterschiede, 
dass in unseren Fällen eine auffallende Verkleinerung der Leber, wie sie 
für die letztgenannte Affektion charakteristisch ist, nicht vorhanden war. 
Wenn man aber berücksichtigt, dass auch die ikterischen Lebern Eklamp- 
tischer deutlich verkleinert sein können, wie die Beobachtungen von 
Stumpf 8 ) und Klebs zeigen, so scheint mir, dass in Berücksichtigung des 
Umstandes, dass einerseits die idiopathische akute gelbe Leberatropliie 
bei foudroyantem Verlauf ein der Eklampsie ähnliches klinisches Krank- 
heitsbild darbietet, sowie andererseits, dass, wie die gebräuchlichen 
klinischen Handbücher lehren, gerade bei graviden Frauen die akute 
gelbe Leberatrophie relativ häufig beobachtet wird, die Vermutung nicht 
unwahrscheinlich, dass die mit Ikterus verbundenen Leberveränderungen, 
wie wir sie bei Eklamptischen beobachten, mit der idiopathischen akuten 
gelben Atrophie verwechselt worden sind. Die Ähnlichkeit, welche zwischen 
diesen beiden Erkrankungen besteht, beschränkt sich allerdings nur auf 
das makroskopische Aussehen, das die Leber darbietet; bei der mikro- 
skopischen Untersuchung stellen sich dagegen bedeutsame Unterschiede 
heraus. Während bei der akuten gelben Atrophie der Leber, deren mikro- 
skopische Veränderungen zuerst und am eingehendsten von Zenker, dessen 
Darstellung ich dieser Betrachtung aus Mangel an eigener Erfahrung zu 
Grunde lege, festgestellt worden sind, im Bereich der gelbgefärbten Partien 
das Leberparenchym in mehr oder weniger hochgradigem Zerfall begriffen 
ist, und im Bereich der roten Herde die Leberzellen völlig zu Grunde 
gegangen und nur die Gefässe übrig geblieben sind, zeigt sich bei den 
von uns beobachteten ikterischen Eklampsielebern, dass die gelbgefärbten 
Stellen, abgesehen von der Gallenstauung und der galligen Imbibition 
der Leberzellen, entweder gar nicht, oder nur sehr wenig (leicht ge- 
trübt oder wenig verfettet) verändert sind, die roten Herde aber aus- 
gedehnte, im periportalen Bindegewebe und in der Substanz der Acim 
liegende Blutungen darstellen, in deren Bereich sich teils nekrotische, 
teils im Absterben begriffene Leberzellen finden. Ich möchte daher 
diese bei ikterischen Eklamptischen betrachteten Leberveränderungen nicht 
ohne weiteres der akuten gelben Atrophie zuzählen, wie es Stumpf tliut. 



— in — 



Was die Genese des bei diesen Fällen beobachteten Ikterus anlangt, 
so kann ich mich der Ansicht Pilliet's 9 ), dass „le mecanisme de l'ictere 
terminal est loin d'etre elucide", durchaus nicht anschliessen. Unsere 
Untersuchungen zeigen uns vielmehr eine Reihe von Veränderungen, 
welche für die Entstehung des Ikterus verantwortlich gemacht werden 
können. Einmal haben wir direkt durch die mikroskopische Unter- 
suchung das Bestehen einer Gallenstauung nachgewiesen. Diese Gallen- 
stauung wird meiner Meinung nach dadurch hervorgerufen, dass die 
kleineren Gallengänge — denn nur auf diese erstreckt sich die Stauung — 
durch die ausgedehnten Extravasate im periportalen Gewebe komprimirt 
werden. In zweiter Linie aber wird dadurch, dass durch die Hämorrhagien 
umfängliche Partien von Lebergewebe zerstört werden, Gelegenheit dazu 
gegeben, dass sich die Galle unmittelbar in die Blutbahn ergiessen kann. 
Drittens aber wird auch die von uns nachgewiesene Verstopfung zahl- 
reicher Interlobularvenen nicht ohne Bedeutung für das Zustandekommen 
des Ikterus sein, da, worauf Frerichs 10 ) zuerst hingewiesen hat, hierdurch 
ein Sinken des Seitendruckes in den Pfortaderkapillaren eintritt, welches 
Veranlassung zur Gallenresorption geben kann. Man könnte mir hier 
den Einwand machen, dass die von uns für das Entstehen des Ikterus ver- 
antwortlich gemachten Momente deswegen nicht hinreichend zur Erklärung 
des Ikterus seien, weil genau dieselben Momente auch bei den ohne 
Ikterus verlaufenden Eklampsiefällen vorhanden sind. Hiergegen möchte 
ich aber bemerken, dass auch bei diesen Fällen ein Eintritt von Gallen- 
bestandteilen ins Blut sicher stattfindet, da ich bei zahlreichen solchen 
Fällen Gallenfarbstoff im Urin habe nachweisen können. Meiner Ansicht 
nach lässt sich das Fehlen des Hautikterus in diesen Fällen darauf 
zurückführen, dass das Leben zu kurze Zeit erhalten blieb, als dass 
der Ikterus sichtbar werden konnte, oder aber dass bei wenig aus- 
gedehnten Leberveränderungen die Menge der in das Blut eingetretenen 
Gallenbestandteile zu gering war, um eine deutliche ikterische Hautfärbung 
hervorzurufen. 

Am Schlüsse dieses den Leberveräuderungcn gewidmeten Abschnittes 
nmss ich noch auf den schon oben kurz erwähnten Befund von Leber- 
zellen in den Lebergefässen zurückkommen, den ich bei zahlreichen von 
mir beobachteten Fällen erhalten habe. Das Eintreten von Leberzellen 
in die Blutbahn ist schon seit einiger Zeit bekannt. Jürgens 11 ) hat auf 
der Berliner Naturforscherversammlung zuerst auf das Vorkommen dieser 
Zellen im Herzblut und Gefässsystem der Lunge hingewiesen und darauf 
aufmerksam gemacht, dass, wenn eine bedeutende Verfettung der Leber 
vorliegt, durch das massenhafte Eintreten von verfetteten Leberzellcn in 
die Blutbahn eine Fettembolie der Lunge zustande kommen kann. 
Klebs l2 ), welcher, wie bereits erwähnt, bei zwei Fällen von Eklampsie 
ebenfalls Leberzellen in den Blutgefässen nachweisen konnte, hat dann 
das Schicksal dieser Zellen weiter verfolgt und glaubt gefunden zu haben, 



— 11 — 



dass diese Zellen die Kapillarität der Lungen passiren und mit dem 
arteriellen Blutstrom m andere Organe verschleppt werden können. Ich 
habe bei den von mir untersuchten Eklampsiefällen ganz ähnliche Be- 
funde gemacht, wie sie von Klebs beschrieben worden sind, insofern ich 
unzweifelhafte Leberzellen nicht nur in den Lebervenen, sondern auch 
in den Pfortader- und Leberarterienästen, sowie in den Lungengefässen, 
in den Venen der Niere und des Gehirns nachweisen konnte. Auch habe 
ich die von Klebs in den Nieren- und Nebennierengefässen beobachteten 
Zellen, welche er als junge Zellbrut der direkt in den Blutstrom ein- 
geschwemmten Leberzellen betrachtet, in verschiedenen Fällen aufgefunden. 
Ich hatte zuerst die Überzeugung, dass hier ausgedehnte Parenchymembolien 
von Leber- und Nierenzellen — denn ich hatte bei meiner Untersuchung 
bestimmte Anhaltspunkte dafür gewonnen, dass die von Klebs als junge 
Leberzellen beschriebenen Zellen als Nierenzellen angesehen werden 
mussten — vorlagen; allein ich glaube mich jetzt auf das bestimmteste 
davon überzeugt zu haben, dass die meisten dieser Zellen nicht intravital 
in die Gefässe hineingelangt, sondern postmortal bei der Sektion an 
ihren Fundort befördert worden sind. Wenn man nämlich ein Organ 
durchschneidet, so werden stets mehr oder weniger zahlreiche Zellen 
aus ihrem Zusammenhang gelöst und können entweder schon durch den 
beim Schneiden ausgeübten Druck mechanisch in die Gefässe hinein- 
gepresst, oder aber durch das die Schnittfläche benetzende Blut resp. 
durch das zum Abspülen benutzte Wasser ziemlich tief in dieselben 
hineingeschwemmt werden. Dass diese Argumentation den thatsächlichen 
Verhältnissen entspricht, davon kann man sich sehr leicht überzeugen, 
wenn man aus irgend einem Organ einer beliebigen Leiche kleine Stücke, 
wie sie ja meistens zur Fixirung und Härtung benutzt werden, heraus- 
schneidet und nach Einbettung in Paraffin oder Cello'idin 1 ) in feine 
Schnitte zerlegt. Man wird dann je nach dem Organ, welches man ge- 
wählt hat, in den Arterien sowohl, als in den Venen (bei der Leber auch 
in den Pfortaderästen) mehr oder minder zahlreiche Zellen, ja selbst 
Zellverbände antreffen, welche mit denen des untersuchten Organs über- 
einstimmen (Leberzellen in den Lebergefässen, Nierenepithelien und Frag- 
mente von Harnkanälchen in den Nierengefässen, Fetzen hohen Cylinder- 
epithels in den Lungengefässen) 2 ). Ich glaube nun, dass Klebs bei seinen 
Beobachtungen derartige Artefakte vorgelegen haben. Bezüglich des 



1) Einbettung ist nötig, damit das in den Gefässen enthaltene, die Zellen um- 
schliessende Blut nicht aus den Schnitten herausfällt. 

2) In einem in Bonn (Versammlung der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie 
1891) gehaltenen Vortrag hatte ich diese Nierenzellenembolien als intravitel entstanden 
hingestellt. Erst nachträglich bin ich auf den schweren Irrthum aufmerksam geworden. 
Dr. Lubarsch (Rostock), welcher ganz ähnliche Befunde erhoben und zunächst eben- 
falls eine intravitele Entstehung derselben angenommen hatte (private Mitteilungen), 
hält dieselben ebenfalls für Artefakte. 



— 12 — 



Befundes von Lcberzellen in den Portalästen gesteht er selbst die 
Schwierigkeit einer plausiblen Erklärung für das Hineingelangen der 
Leberzellen in diese Gefässe zu; er sagt: „Eigentümlich ist allerdings 
dabei, dass die Einschwemmung stets in die portalen Gefässe erfolgt, 
während man doch eher annehmen sollte, dass dieser Strom sich gegen 
die Centraivene wenden müsste in der Richtung des natürlichen Blut 
stroms. Es wäre demnach auch möglich, dass diese kapillare Extra- 
vasaten innerhalb der Acini sich erst infolge der Obstruktion von portalen 
Gefässen ausgebildet habe; es müsste dieselbe alsdann eine Folge der 
Übertragung des arteriellen Blutdruckes auf die peripheren Kapillaren 
des Leberläppchens sein und würde dieselbe ein Analogon der Hirn- 
blutungen (bei Eklampsie) darstellen." Diese Erklärung scheint mir 
durchaus unzureichend zu sein, denn wie sollen Leberzellen in die Portal- 
gefässe hineingelangen können, wenn letztere verlegt sind? Ich glaube, 
dass es sich hier um postmortal in diese Gefässe hineingeschwemmte 
Zellen handelt, weil ich dieselben Befunde auch in völlig normalen Lebern, 
bei denen keine Blutungen vorhanden waren, habe erheben können. Un- 
zweifelhaft liegen nun aber derartige Artefakte bei den in den Nieren- 
und Nebennierenarterien von Klebs gefundenen und beschriebenen Zelkn 
vor, welche er, wie erwähnt, als junge Leberzellen betrachtet; ich stehe 
nicht an, sie für Nieren- resp. Nebennierenzellen zu erklären, welche auf 
die eben von mir auseinandergesetzte Weise in die Gefässe erst postmortal 
hineingelangt sind. Um derartige Artefakte zu vermeiden, welche nicht 
nur bezüglich der hier in Rede stehenden Parenchymembolien , sondern 
auch für andere embolische Processe, so z. B. für die Metastase von Mikro- 
organismen, von Bedeutung sind, ist es durchaus nötig, unmittelbar bei 
der Sektion verhältnismässig grosse Stücke aus den zu untersuchenden 
Organen herauszuschneiden und erst, wenn sie gründlich durchgehärtet 
sind, aus den centralen Teilen vorsichtig mit scharfem Rasirmesser 
Stückchen zur mikroskopischen Untersuchung zu entnehmen; wenn man 
dann weiterhin die den obersten Schichten dieser Stücke entnommenen 
Schnitte ausschliesst, so kann man nach den Erfahrungen, welche ich 
auf Grund zahlreicher Kontroiuntersuchungen gewonnen habe, sicher 
die oben erwähnten Artefakte vermeiden. 

Unter Einhaltung dieser Kautelen habe ich nun meine Untersuchungen 
auf Parenchymembolien, speciell auf die hier zunächst in Rede stehenden 
Leberzellenembolien angestellt, und habe Leberzellen nur in den Leber- 
venen, in der Lungenarterie und Kapillaren, in denen ich sie, ebenso wie 
im Herzblut, bei der frischen Untersuchung gefunden hatte, sowie in 
einzelnen Fällen auch in den Venen der Niere und des Gehirns nach- 
weisen können, während mir im arteriellen und portalen Gefässsystem 
der Leber, sowie in dem Arteriensystem anderer Organe niemals Zellen 
begegnet sind, welche ich mit Sicherheit als Leberzellen hätte ansprechen 
können. Wie erklärt sich aber der unter diesen Verhältnissen in hohem 



- 13 - 



Grade auffällige Befund von LeberzeUen in den Gehirn- und Nierenvenen? 
Icn halte es in hohem Grade für unwahrscheinlich, dass diese Zellen nach 
Passirung der Kapillarität der Lungen und der derjenigen Organe, in 
deren Venen sie lagen, an ihren Fundort gelangt sind, zumal sie noch 
verhältnismässig gut erhaltene Konturen zeigten und mitunter zu zweien 
oiler dreien zusammenhingen. Hier scheint mir nur die Möglichkeit zu- 
lässig, dass sie durch retrograde venöse Embolie an ihren Fundort be- 
fördert worden sind. An dem thatsächlichen Vorkommen eines derartigen 
retrograden Transports von festen, in der venösen Blutbahn enthaltenen 
Partikelchen kann beim Menschen nach den Untersuchungen von Heller 13 ), 
von v. Becklinghausen 14 ) und Arnold 15 ) nicht mehr gezweifelt werden. 
Wenn wir nun bedenken, dass gerade bei der Eklampsie während der 
mit hochgradigen Stauungen verbundenen Anfälle die günstigsten Be- 
dingungen für eine Umkehr des venösen Stromes gegeben sind, so kann 
es nicht wunderbar erscheinen, dass Leberzellen, welche nach unseren 
Untersuchungen sicher im Blute der unteren Hohlader und im Herzen 
vorhanden sind, durch eine rückläufige Blutwelle in die Nieren- resp. in 
die Gehirnvenen geschleudert werden. 

Wenn ich mich nun den Veränderungen zuwende, welche ich an den 
Nieren der von mir beobachteten Eklampsiefälle gefunden habe, so muss 
ich an erster Stelle betonen, dass bei der makroskopischen Untersuchung 
diese Organe ein recht verschiedenes Bild darboten ; am häufigsten habe ich in 
Ubereinstimmung mit anderen Autoren blasse, grauweisse, seltener grau- 
gelblich gefärbte Nieren gefunden, doch sind mir auch graurote, normal 
gefärbte und tief dunkelrote Nieren wie bei akuter Stauung begegnet. 
In der grössten Mehrzahl der Fälle überschritten diese Organe die nor- 
malen Grössenverhältnisse gar nicht oder nur sehr wenig; nur in einem 
Falle wurde eine beträchtliche Verkleinerung konstatirt, welche auf eine 
länger bestehende interstitielle Nephritis zu beziehen war. In Betreff 
der Konsistenz der Nieren kamen ebenfalls beträchtliche Schwankungen 
vor, doch habe ich bei meinen Untersuchungen den Eindruck gewonnen, 
dass man häufiger festen, prallen Nieren bei Eklamptischen begegnet, als 
schlaffen und weichen. Der Blutgehalt schwankte je nach der Far>>. 
die die in Rede stehenden Organe darboten; meist war er ein gerin-. i. 
und zwar war die Rinde gegenüber der Marksubstanz oft auffallend 
anämisch. Erstere war intensiv getrübt und verwaschen, undeutlich ge- 
zeichnet und bei mehreren Fällen der Sitz von kleinsten, punktförmigen 
Ekchymosen. In zwei Fällen endlich fanden sich in der Rinde mehrere 
kleine, erbsengrosse Infarkte. 

Bei der mikroskopischen Untersuchung der Nieren wurden konstant 
Veränderungen am secernirenden Parenchym und an den Gefässen gefunden. 
Was zunächst die ersteren anlangt, so waren sie in den einzelnen Fallen 
in verschiedenem Grade ausgebildet: stets aber handelte es sich um 
degencrative Processe an den Epithelien. Bei einem Falle lag fast ledig- 



— 14 — 



lieh eine sehr starke trübe Schwellung der Epithelial des Nierenlabyrinthes 
vor, welche selbstverständlich an den den frischen Organen entnommenen 
Schnitten am deutlichsten hervortrat, an dem gehärteten Präparat da- 
gegen bemerkte man in den Epithelien meist keine Veränderungen, nur 
hier und da stiess man auf kernlose oder von der Wand abgestossene 
Epithelien, welche unregelmässig konturirt waren. Man hätte die Niere 
für völlig gesund halten können, wenn nicht die später zu beschreibenden 
Veränderungen am Gefässsystein, sowie ein das Lumen der Glomerulus- 
kapseln und zahlreicher Harnkanälchen ausfüllendes Exsudat, welches 
teils aus feinsten körnigen Massen, teils aus hyalinen Cylindern bestand, 
daraufhingewiesen hätten, dass hier intravitam schwere Funktionsstörungen 
vorhanden gewesen sein mussten. Bei den übrigen Fällen aber waren 
konstant mehr oder minder schwere Veränderungen an dem das Nieren- 
labyrinth auskleidenden Epithel nachweisbar. Dasselbe war in mehr 
oder weniger grosser Ausdehnung völlig kernlos, gequollen, z. T. in 
seinem Zusammenhange gelockert, z. T. auch von der Wand abgestossen. 
In einigen Fällen war diese Epithelnekrose so ausgedehnt, dass man 
Mühe hatte, Stellen aufzufinden, welche noch kernhaltiges, aber meist, 
auch schon stark getrübtes Epithel enthielten; in anderen Fällen trat 
aber die Epithelnekrose mehr herdförmig auf, aber auch hier zeigten 
die noch kernhaltigen Epithelien meist eine hochgradige trübe Schwellung. 
Ich brauche nicht zu erwähnen, dass in allen diesen Fällen exsudative 
Vorgänge, in dem Lumen der Harnkanälchen nicht fehlten. An den 
Glomerulis habe ich in den meisten Fällen mit Ausnahme feinkörniger 
Eiweissniederschläge in die Kapselhohlräume keine Veränderungen nach- 
weisen können, nur in einigen wenigen Fällen bestand eine Schwellung 
und Trübung des Epithels, hie und da wurden wohl auch nekrotische 
und abgestossene Zellen beobachtet; aber das waren nur ausnahmsweise 
Befunde. Eine ausgedehnte fettige Degeneration der Harnkanälchen und 
Glomerulusepithelien, wie sie Leyden 16 ) bei manchen Eklampsienieren 
gefunden hat, habe ich bei den meisten Fällen meiner Beobachtungsreihe 
vermisst; es fanden sich allerdings bei verhältnismässig zahlreichen 
Fällen vereinzelte, mit kleinen Fetttröpfchen erfüllte Epithelien, aber 
diese Verfettung war weder so ausgesprochen, noch so ausgedehnt, dass 
ich sie in den Vordergrund stellen und sie als etwas für die Eklampsien ierc 
Charakteristisches ansehen möchte. Nur in einigen wenigen Fällen, in 
denen die Eklampsie einen protrahirten Verlauf genommen hatte, und 
bei denen infolge dessen längere Zeit die Chloroformnarkose in Anwen- 
dung gekommen war, bestand eine hochgradige Verfettung. Ich glaube 
aber, dass hierbei die Verfettung auf die lange dauernde Chloroform- 
narkose zu beziehen ist; wissen wir doch aus zahlreichen Experimental- 
untersuchungen, dass gerade dieses Narkotikum bei längerer Applikation 
zu ausgedehnten fettigen Degenerationen innerer Organe Veranlassung 
giebt. Als Stütze für meine Ansicht möchte ich anführen, dass ich in einigen 



— 15 — 



anderen ebenfalls protrahirt verlaufenen Fällen, welche nur mit Morphium 
behandelt worden waren, ähnliche hochgradige Verfettungen vermisst habe 
Bemerkenswert ist fernerhin der Befund, den ich bei einem ebenfalls 
sehr protrahirten Fall an den Nieren erhalten habe. Hier fand sich 
nämlich eine ganz hochgradige Verkalkung der Epithelzellen der gewun- 
denen Kanälchen und der Henle'schen Schleifen in einer Ausdehnung, wie 
sie bei Sublimatintoxikation beobachtet wird. Da hier eine Sublimat- 
vergiftung, für welche weder der übrige anatomische Befund noch 
auch die eingehenden, post mortem eingezogenen Erkundigungen Anhalts- 
punkte ergaben, absolut ausgeschlossen erscheint, so muss der Grund 
für diese bei Eklampsie jedenfalls extrem seltene Nierenveränderung in 
besonderen Umständen gesucht werden. Besonders möchte ich dafür die 
lange Dauer der Krankheit, welche sich allerdings mit tageweisen Unter- 
brechungen auf zehn Tage erstreckte, verantwortlich machen; denn nach 
meinem Dafürhalten haben wir in der Verkalkung nur den letzten Aus- 
gang der auch bei den meisten übrigen Fällen gefundenen Epithelnekrose 
zu sehen. Ich will damit durchaus nicht die Ansicht vertreten, dass jede 
Epithelnekrose der Niere schliesslich zur Verkalkung führen müsse, 
aber in der Eklampsieniere liegen die Verhältnisse für den Eintritt einer 
solchen besonders günstig wegen der am Gefässsystem nachweisbaren 
Veränderungen. Es fanden sich nämlich in denselben in einigen Fällen 
ausgedehnte, in anderen aber nur spärliche Gefässverstopfungen. Schon 
bei der Untersuchung von den dem frischen Organ entnommenen Schnitten 
findet man sehr häufig, dass zahlreiche Kapillaren und kleine Venen 
so vollgestopft sind mit roten Blutkörperchen, dass dieselben unter Ver- 
schwinden ihrer Konturen zu einer homogenen, roten, glasigen Masse zu- 
sammengesintert sind, welche das Lumen der betreffenden Gefässe prall 
ausfüllt. Es handelt sich also um hochgradige Stasen; als rote Thromben 
möchte ich diese Pfropfe deswegen nicht bezeichnen, weil man im ge- 
härteten Präparat, in dem man, besonders wenn man Fixirung in Sub- 
limat angewendet hat, diese homogenen mit Eosin sich ziegelrot färbenden 
Massen leicht wiedererkennt, selbst an den dünnsten Paraffinschnitten 
weder feinfädiges Fibrin, noch feinkörniges Material (Plättchen) findet. An 
gehärteten Präparaten überzeugt man sich aber leicht, dass ausser diesen 
Stasen noch typische Thromben vorhanden sind, welche teils die Kapillaren 
und kleineren Venen, teils aber auch die kleinsten Arteriolen verlegen und 
teils wandständig, teils obturirend auftreten. Diese Thromben bestehen meist 
aus feinkörnigem Material, welches mehr oder minder zahlreiche rote und 
weisse Blutkörperchen einschliesst — Plättchenthromben, teils aber aus 
Glänzenden, teils homogenen, teils feinstreifigen hyalinen Massen, welche 
sich mit Eosin und Carmin leuchtend rot, bei Anwendung der Weigert'schen 
Fibrinfärbung tiefblau färben — hyaline und fibrinöse Thromben. Ge- 
mischten, aus einem Fibrinnetz, roten und weissen Blutkörperchen sich aut- 
bauenden Pfropfen bin ich dagegen nur ganz ausnahmsweise begegnet. 



— 16 — 



Das interstitielle Gewebe war in vielen Fällen vollständig normal, 
insbesondere fehlten Rundzellenherde gänzlich, auch war ein stärkeres 
Ödem, welches sich in Kochpräparaten hätte leicht nachweisen lassen 
müssen, nicht vorhanden. In anderen Fällen aber war das interstitielle 
Gewebe der Sitz von spärlichen Rundzellenherden, welche meist in der 
Umgebung kleiner Venen und Kapillaren gelegen waren. Nur in zwei 
Fällen fanden sich ausgedehnte Infiltrate, welche hier durch die An- 
wesenheit von embolisch zugeführten Mikroorganismen ihre Erklärung 
fanden. Die oben erwähnten Blutungen lagen teils im interstitiellen 
Gewebe in der Umgebung prall gefüllter oder thrombosirter Gefässe 
teils im Lumen der Harnkanälchen und der Glomeruli. 

Einer besonderen Erwähnung bedürfen noch die in zwei Fällen ge- 
fundenen Infarkte. Ein Teil derselben war sicher embolischen Ursprungs, 
da sich an Serienschnitten der verstopfte Arterienast nachweisen liess. In 
zwei anderen Fällen aber konnte, da die zuführende Arterie offen war. ein 
embolischer Ursprung ausgeschlossen werden. Hier fanden sich ganz ähn- 
liche Verhältnisse, wie sie von v. Recklinghausen 17 ) in zwei Fällen be- 
schrieben worden sind, von denen der eine infolge einer Blutransfusion zu 
Grunde gegangen war, der andere ein an Pleuritis verstorbenes Individuum 
betraf. Die innerhalb der infarcirten Partien gelegenen kleinen Arterien- 
stämmchen waren mit einer aus glänzenden hyalinen Massen bestehenden 
Schicht ausgekleidet, welche der Intima fest auflag und in ihrer Dicke 
wechselte, mitunter aber das Gefässlumen bis auf einen schmalen Spalt 
völlig verlegte; die intertubulären Kapillaren waren teils leer, teils mit 
hyalinen Thromben erfüllt, ebenso die Glomeruli. 

Ich schliesse mich in betreff der Genese dieser Veränderungen der 
von v. Recklinghausen gegebenen Erklärung an, dass die Gerinnung in 
den kleinsten Gefässen begonnen hat und nach den Arterien zu aufge- 
stiegen ist. 

Endlich habe ich noch eines bei drei Fällen am Gefässsystem der 
Niere erhobenen Befundes Erwähnung zu thun, nämlich einer Fettembolie, 
welche in einem Falle nur wenig ausgedehnt war, in den beiden anderen 
Fällen sich aber auf den grössten Teil der Glomeruli erstreckte und auch 
die intertubulären Kapillaren in Mitleidenschaft zog. Diese zuerst von 
Virchow bei Eklampsie gefundene Veränderung steht in engster Be- 
ziehung zu der gleichen Veränderung in der Lunge. 

In diesem Organ scheint bei Eklampsie nach meinen Beobachtungen 
eine mitunter recht ausgedehnte Fettembolie nicht zu den Seltenheiten 
zu gehören, da ich sie bisher fünfmal habe nachweisen können. •) Was 
die Quelle anbetrifft, aus welcher das Fett stammt, so kommt meiner 

1) Die Fettembolie findet sich nicht nur bei eklamptischen Puerperae, sondern 
wurde auch, wie Kontroiuntersuchungen ergaben, an zwei an Uterusruptur gestorbenen 
Frauen, sowie bei einer an Verblutung gestorbenen Puerpera beobachtet. 



— 17 — 



Ansicht nach hiev teils das subcutane Fettgewebe, welches ja während 
der eklamptischen Anfälle vielfachen und zum Teil sehr ausgedehnten 
Quetschungen unterworfen ist, teils das während des Geburtsaktes zer- 
quetschte Fett des Beckenbindegewebes und der Geburtswege in Be- 
tracht. Dagegen kann ich die Leber, welche Jürgens in manchen 
Fällen von Eklampsie als Ausgangspunkt der Fettembolie angesehen 
hat , nicht als Ursprungsort des Fettes betrachten, da dieselbe bei den 
hier in Rede stehenden Fällen eine stärkere Verfettung nicht er- 
kennen liess. 

Was die übrigen an den Lungen erhobenen Befunde anlangt, so 
will ich hier wieder der Übersichtlichkeit wegen die am eigentlichen 
Parenchym und die am Gefässsystem gefundenen Veränderungen gesondert 
besprechen. 

In betreff der ersteren ist zunächst zu erwähnen, dass bei einer 
irrüsseren Anzahl von Fällen ausgedehnte Pneumonien, welche meist in 
einem oder auch in beiden Unterlappen lokalisirt waren und ihrem ana- 
tomischen Charakter nach als katarrhalische bezeichnet werden mussten, 
vorhanden waren. Dieselben waren ebenso wie die bei zwei Fällen ge- 
fundenen multiplen Abscesse durch die sekundäre Ansiedelung von ent- 
zündungserregenden Mikroorganismen, Staphylokokken und Streptokokken, 
welche durch Aspiration von Mundinhalt auf das Feld ihrer Thätigkeit ge- 
langt sein dürften, veranlasst. Diese Mikroben Hessen sich in Schnittpräpa- 
raten regelmässig nachweisen. Abgesehen von diesen offenbar erst sekundär 
entstandenen entzündlichen Processen und völlig unabhängig von ihnen, 
fanden sich noch zwei Arten, wie mir scheint, nicht unwichtiger Ver- 
änderungen. Einmal nämlich mehr oder minder ausgedehnte erbsen- bis 
kirschgrosse Blutungen. Dieselben lagen teils in den centralen Teilen der 
Lungen, teils aber subpleural und ähnelten durch ihre mitunter exquisit 
keilförmige Gestalt hämorrhagischen Infarkten, von denen sie sich 
aber durch ihre weniger scharfe Abgrenzung, durch ihr lockeres Ge- 
füge und ihre bedeutend hellere Farbe unterschieden. Auch bei der 
mikroskopischen Untersuchung traten, wenn auch weniger prägnante Unter- 
scheidungsmerkmale hervor: während nämlich bei den typischen hämor- 
rhagischen Infarkten, wie man sie bei Herzfehlern findet, die roten Blut- 
körperchen im Lumen der Alveolen meist so dicht liegen, dass ihre Kon- 
turen stellenweise verschwinden, fand sich hier meist eine vie ,1 wenigei 
dichte Ausfüllung der Alveolen mit roten Blutkörperchen ^ e 
noch gut erhalten und mit Eosin gut färbbar waren, teüs aber schon 
g chSmpft erschienen und der Eosinfärbung nicht 
waren; in letzterem Falle lagen sie meist m einem aus feinen Fasern 



um einen 

Schmoll, Eklampsie. 



- 18 - 



nachweisbaren Herden auftritt, teils aber über grossere Partien eines 
Lappens ausgebreitet ist und dann meist schon bei der makroskopischen Be- 
sichtigung durch die feste Konsistenz , die graugelbliche oder grauweisse 
Farbe und die trockene, mitunter etwas körnige Beschaffenheil der Schnitt- 
fläche erkennbar ist. Bei der mikroskopischen Untersuchung stellen sich 
diese Veränderungen unter einem ähnlichen Bilde dar, wie die allerersten 
Anfangsstadien einer croupösen Pneumonie (Fig. 4). Man findet nämlich in 
den Alveolen eine fibrinöse Ausscheidung, die teils in Form eines schmalen 
glänzenden Bandes die Oberfläche der Alveolen auskleidet, teils aber als 
feines, zartes Netzwerk den ganzen Alveolarhohiraum durchzieht; während 
aber bei der croupösen Pneumonie stets in diesem Fibrinnetz mehr oder 
minder reichliche weisse und rote Blutkörperchen, sowie desquamirte 
Lungenepithelien eingeschlossen liegen, ist bei den uns hier beschäftigenden 
Veränderungen für gewöhnlich von einer Bundzellenanhäufung oder einer 
Abstossung der Epithelien nichts bemerkbar, letztere scheinen vielmehr 
einer hyalinen Metamorphose zu unterliegen und an der Bildung des oben 
erwähnten glänzenden Bandes teilzunehmen. Ich vermutete zunächst, als 
ich diese eigentümliche Exsudation sah, dass sie durch Mikroorganismen 
bedingt sein möchte; allein diese Annahme erscheint mir wenig wahr- 
scheinlich; absolut ausschliessen kann ich sie aber nicht, da ich aus den 
betreffenden Herden keine Kulturversuche angestellt habe. In Schnitt- 
präparaten aber, welche ich den verschiedensten Lungenabschnitten und 
den verschiedenen Lungen, in welchen ich die genannten Veränderungen 
überhaupt gefunden, entnahm, ist es mir niemals gelungen, Mikroorganismen 
aufzufinden; auch scheint mir das Fehlen jeder Leukocytansammlung gegen 
die Annahme eines mykotischen Ursprungs zu sprechen. Ich glaube 
vielmehr, dass diese Veränderungen abhängig sind von der ausgedehnten 
Kapillarthrombose, welche in dem ganzen Bereich der eben beschriebenen . 
Veränderung nachweisbar war. Dies führt mich zu den Veränderungen, 
welche am G-efässsy stein der Lunge gefunden wurden, und welche nach 
meinem Dafürhalten auch für die Genese der meisten Blutungen verant- 
wortlich zu machen sind. 

Gerade ebenso wie in der Leber und Niere finden sich auch in den 
Lungen Eklamptischer ausgedehnte Thrombosen, welche aber hier nicht 
nur die Kapillaren und die kleinsten arteriellen und venösen Gefässe 
betreffen, sondern sich auch auf verhältnismässig grosse Gefässe er- 
strecken (Fig. 5). In den Kapillaren finden sich neben ausgedehnten Stasen 
meist hyaline Thromben, ebenso in den kleinsten venösen Gefässen; in 
den grösseren arteriellen und venösen Gefässen aber begegnet man teils 
wandständigen, teils total obturirenden Thromben der verschiedensten Zu- 
sammensetzung. Bald bestehen die Pfropfe aus feinkörnigen, sich mit 
Hämatoxylin und Eosin bläulichgraurot färbenden Massen, welche ich 
als Blutplättchen ansprechen möchte, bald finden sich Thromben, die 
aus Blutplättchen und weissen Blutkörperchen zusammengesetzt sind, 



— 19 — 



derart, dass die der Gefässwand anliegenden Teile aus Blutplättchen, 
die centralen fate aus .ahlreichen weissen und ganz spärlichen roten 
Blutkörperchen bestehen; in anderen Gelassen wieder trifft man auf 
Gerinnungen, welche ihrer Hauptinasse nach sich aus feinen Fibrinfäden 
und spärlichen weissen und roten Blutkörperchen aufbauen; andere 
1 hromben endlich zeigen einen deutlich geschichteten Bau derart, dass 
/wischen mehr oder minder dicken, aus hyalinem und feinfädigem 
Material bestehenden Lagen dünne, nur aus roten Blutkörperchen und 
zahlreichen Leukocyten bestehende Schichten eingebettet liegen. Diese 
Thrombosen finden sich an denjenigen Stellen am häufigsten, an denen die 
oben erwähnten Veränderungen an den Alveolen nachweisbar sind, mitunter 
w erden sie aber auch in Lungenabschnitten gefunden, an denen keine 
Läsionen erkennbar sind. 

Die eben besprochenen Thromben schliessen nun sehr häufig die schon 
oben erwähnten Leberzellen ein, welche jedoch auch in nicht thrombosirten 
Gefässen gefunden werden. Ausser diesen Leberzellen bin ich in den 
arteriellen Gefässen und in den Kapillaren der Lungen Eklamptischer 
noch anderen, höchst eigentümlichen Zellformen begegnet (Fig. 7 a, b; 
8a, b; 9a, b; 10a, b; IIa, b;). In allen Fällen von Eklampsie näm- 
lich, bei welchen der Tod entweder intra partum oder kurze Zeit 
port partum eingetreten war, fanden sich am zahlreichsten in den 
Kapillaren, weniger häufig in den grösseren arteriellen Gefässen grosse, 
vielkernige Zellen. Dieselben lagen teils locker im .Kapillarlumen 
derart, dass ihre Konturen durch einen schmalen, mitunter von roten 
Blutkörperchen ausgefüllten Spalt sich scharf von der Kapillarwand 
abgrenzten; teils aber waren sie derartig fest in das Kapillarlumen 
eingekeilt, dass dasselbe, da die Konturen der Zelle nicht mehr deutlich 
erkannt werden konnten, durch einen Haufen von Kernen verstopft er- 
schien. Diese Zellen zeigten eine recht verschiedene Form: teils waren 
sie rund, teils oval, teils ziemlich stark in die Länge gezogen, nicht 
selten über eine Fläche gebogen, so dass sie im optischen Querschnitt 
convex-concav erschienen. Auch in ihrer Grösse traten recht beträchtliche 
Verschiedenheiten hervor. Der deutlich erkennbare, scharf konturirte, 
mit Eosin nur schwach tingirbare Protoplasmaleib dieser Zellen schliefst 
fast stets eine grosse Menge (6—15) Kerne, die beinahe immer im Genti um 
der Zelle dicht neben und über einander liegen, ein. Letztere sind meist 
oval, seltener rund und heben sich durch ihre intensive Färbbarkeit 
ausserordentlich scharf von den übrigen Zellen ab, so dass es, wenn man 
einmal auf diese Zellen aufmerksam geworden ist, nicht schwer fällt, sie 
selbst mit schwachen Systemen leicht und sicher aufzufinden. Ausser 
durch ihr Verhalten gegen die kernfärbenden Farbstoffe besitzen diese 
Kerne auch in den zahlreichen feinen, meist ganz gleichmässig über die 
ganze Kernsubstanz verteilten, runden Nukleolen ein sie vor allen^übngen 
in den Lungen vorkommenden Zellenkernen auszeichnendes Gepräge 



— 20 — 



Wie sind nun diese Zellen, welche meist ziemlich gleichmässig üher beide 
Lungen verteilt und häufig äusserst zahlreich vorhanden sind, zu deuten? 
Der Umstand, dass sie nur im arteriellen Gefässsystem der Lunge ge- 
funden wurden, lässt nur die zwei Annahmen zu: entweder dass sie im 
venösen Stromgebiet des Körpers oder der Lungengefässbahn selbst ge- 
bildet wurden, oder dass sie ebenso wie die Leberzellen als fremde 
Elemente an irgend einem Punkte in die venöse Blutbahn hineingelangten 
und mit dem Blutstrom den Lungen zugeführt wurden. 

Man könnte zunächst daran denken, dass es sich hier um zu grösseren 
Klumpen zusammengeballte weisse Blutkörperchen handeln möchte, allein 
diese Annahme scheint mir völlig unhaltbar, weil diese Zellen nur im 
arteriellen Gefässgebiet der Lunge gefunden wurden, und man doch, 
wenn in der That bei der Eklampsie eine eigentümliche, allerdings bisher 
noch nicht beobachtete Verklebung von Leukocyten im strömenden oder 
stagnirenden Blute zustande käme, erwarten sollte, dass ähnliche Gebilde 
auch im Gefässsysteme anderer Organe sich finden müssten, was, wie er- 
wähnt, durchaus nicht der Fall ist, mit Ausnahme der später zu be- 
sprechenden Eintrittspforte dieser Zellen in die Blutbahn; zweitens steht 
aber auch die Form und der ganze Habitus der Zellen der Annahme 
einer solchen Konglutination entgegen, insbesondere erscheint es in hohem 
Grade unwahrscheinlich, dass der scharf konturirte protoplasmatische 
Leib dieser Zellen, welcher völlig homogen erscheint, durch die supponirti' 
Verschmelzung von weissen Blutkörperchen hervorgegangen ist; ferner 
ist aber auch die Grösse und das sonstige morphologische Verhalten der 
Kerne dieser Zellen mit einer derartigen Anschauung durchaus nicht in 
Einklang zu bringen. 

Man könnte ferner annehmen, dass sie aus Elementen der Gefäss- 
bahn, besonders aus den Endothelien sich gebildet, durch den Blutstrom 
fortgeschwemmt und in der Lungenkapillarität gleichsam abfiltrirt Avorden 
seien. Wenn diese Annahme richtig wäre, so müsste sich die Ursprungs- 
stelle dieser Zellen im venösen Gefässgebiet nachweisen lassen. Da sich 
dieselben aber nur in den Lungengefässen finden, so müsste die Lungen- 
arterien- resp. Kapillarbalm selbst die Bildungsstätte derselben sein, 
d. h. es müssten sich Proliferationserscheinungen am Gefässendothel nach- 
weisen lassen; da aber letztere nirgends vorhanden waren, und da, wenn 
man die oben erwähnten fest in das Kapillarlumen eingekeilten Zellen 
als solche deuten wollte, es völlig unerklärt bliebe, durch welchen 
Mechanismus diese Zellen, welche die Blutcirculation in den sie ein- 
haltenden Gefässen völlig unmöglich machen würden, von der Gefässwand 
losgelöst und in der dem Blutstrom entgegengesetzten Richtung in die 
grösseren arteriellen Gefässe eingeführt worden wären, so scheint mir 
auch diese Annahme jeder Begründung zu entbehren. Unter diesen Um- 
ständen ist nur die zweite der oben angeführten Möglichkeiten zulässig, 
nämlich diese Zellen ebenso wie die oben erwähnten Leberzellen als 



— 21 — 



dem Blute und dem Gefässsystem fremde Elemente anzusehen, welche 
an irgend einem Punkte in das venöse Stromgebiet hineingelangten und 
mit dem Blutstrom embolisch in die Lunge hineingeschwemmt wurden. 
Wo ist aber der Ursprungsort dieser vielkernigen Zellen oder, wie ich 
sie kurz nennen will, dieser Riesenzellen zu suchen? 

Meines Erachtens nach können hier nur zwei Organe in Betracht 
kommen: einerseits das Knochenmark, andererseits der Uterus und die 
Placenta, weil diese Organe die einzigen sind, in denen derartige Zell- 
formen vorkommen. Von diesen beiden Organen kann nach meinen Unter- 
suchungen das Knochenmark als Ausgangspunkt dieser Zellembolien aus- 
geschlossen werden. Denn, wenn hier die Quelle für die in Rede stehenden 
Zellembolien zu suchen wäre, so müssten sich in demselben Gefässrupturen 
und entsprechende Blutungen finden, durch welche den in den Markräumen 
enthaltenen, also extravaskulär gelegenen Riesenzellen erst der Eintritt 
in die Blutbahn ermöglicht würde. Dies ist aber durchaus nicht der Fall. 
Ich habe selbstverständlich nicht das Mark sämmtlicher Knochen bei den 
von mir beobachteten Eklampsiefällen untersuchen können, ich habe 
aber doch bei einer grösseren Reihe von Fällen dasselbe an einer Anzahl 
von Knochen einer genaueren makroskopischen und mikroskopischen 
Besichtigung unterzogen, ohne auch nur einmal auf eine Blutung zu 
stossen. 

Es bleibt demnach nur noch die Annahme übrig, dass die Decidua 
oder die Placenta der Ausgangspunkt für diese Zellenembolien ist. Erstere 
als den Mutterboden der in Rede stehenden Zellen anzusehen, erscheint 
mir wenig wahrscheinlich, denn abgesehen davon, dass die decidualen 
Riesenzellen in ihrem morphologischen Verhalten, insbesondere in Bezug 
auf die intensive Färbbarkeit und die Struktur der Kerne weniger 
Ähnlichkeit mit den in der Lunge befindlichen Zellen zeigen, als dies 
bei den placentaren Riesenzellen der Fall ist, muss hier noch der Um- 
stand berücksichtigt werden, dass die Deciduazellen extravaskulär liegen 
und demnach nur dann in die Uterinvenen gelangen können, wenn sie 
durch Blutungen aus dem Zusammenhange mit dem übrigen Decidua- 
2 . webe gelöst sind. Dies ist nun thatsächlich bei denjenigen Eklamp tischen 
der Fall, bei denen der Tod erst post partum erfolgt ist. Ich möchte 
daher, wenngleich es wahrscheinlich ist, dass die Trümmer des Decidua- 
gewebes mit dem aus den Uterusgefässen ausströmenden Blut grösstenteils 
na.-h aussen in die Uterushöhle gespült werden, die Möglichkeit, dass 
gelegentlich vereinzelte Deciduazellen, und zwar besonders bei partieller 
Lösung der Placenta, in die Uterinvenen hineingelangen, nicht strikte 
von der Hand weisen. Als Hauptquelle der Zellenembolien aber muss 
meiner Überzeugung nach die Placenta angesehen werden, und zwar sind 
es hier die den Zotten aufsitzenden vielkernigen, von Kolli ker als 
Epithelknospen bezeichneten Zellen, welche vom Blutstrome abgelost, m 
die Lungen eingeschwemmt und hier gleichsam abfiltrirt werden, da sie 



wegen ihrer Grösse die Lungenkapillarität nicht zu passiren vermögen. 
Für diese Annahmen sprechen folgende wichtige Momente: 

1. liegt bei diesen Zellen die Möglichkeit, dass sie von dem Blut- 
strom losgerissen und weggespült werden, besonders nahe, weil sie un- 
mittelbar in Hohlräume hineintauchen, welche mit strömendem Blute 
erfüllt sind; 

•2. stimmen die in den Lungengefässen sich findenden Zellen, worauf 
ich schon oben hingewiesen habe, in ihrem morphologischen Verhalten 
völlig mit den placentaren Riesenzellen überein; 

3. habe ich diese Zottenriesenzellen auf ihrem Wege von der 
Placenta bis in die Lunge in allen den Fällen, bei denen der Tod ante 
partum erfolgte, verfolgen können; denn ich habe sie nicht nur freiliegend 
in den intervillösen Räumen gefunden, sondern ich habe sie auch in den 
Venen der Uteruswand, sowie im frischen Herzblut nachweisen können. 
Gerade bei diesen Fällen konnten deciduale Riesenzellen kaum in Be- 
tracht kommen, weil die Placenta der Uterusinnenfläche noch überall 
fest aufsass und Blutungen an der uterinen Seite der Placenta nicht 
nachweisbar waren; 

4. habe ich bei mehreren Fällen in kleinen Lungenarterienästen 
kleine kubische, zu zweien, dreien oder vieren zusammenhängende Epi- 
theüen gefunden, welche in ihrem morphologischen Verhalten völlig mit 
den Zottenepithelien übereinstimmten und wohl nur als abgelöste und 
mit dem Blutstrom fortgeschwemmte Epithelien zu deuten sind. Endlich 
ist es mir, allerdings nur in einem Falle, gelungen, in einem etwas 
grösseren arteriellen Gefäss der Lunge eine Riesenzelle aufzufinden, mit 
welcher mehrere Zottenepithelien zusammenhingen. 1 ) 

Wenn es demnach im höchsten Grade wahrscheinlich erscheinen 
muss, dass bei Eklampsie placentare, also fötale Zellen in den mütter- 
lichen Organismus hineingeraten, so knüpft sich daran die weitere Frage, 
durch welche Momente die Loslösung dieser Zellen von ihrem Mutter- 
boden veranlasst wird. 

Ich glaube, dass hierfür im wesentlichen Placentarerkrankungen 
verantwortlich gemacht werden müssen. Schon Wiedow 18 ) hat darauf 
hingewiesen, dass bei Eklampsie recht häufig Placentarveränderungen 
vorkommen, welche er in Beziehung zur Albuminurie und Schwanger- 
schaftsnephritis bringt. Dieselben erscheinen nach den Untersuchungen 
Wiedow's als zahlreiche gelbweisse, teils in der Placenta materna, teils 
an der Oberfläche der Placenta foetalis sitzende Knoten, welche sich 



1) In anthrakotischen Lungen finden sich mitunter im Innern von Alveolen grosse, 
vielkernige Zellen, welche mehr oder minder reichlich mit Staub beladen sind. Diese 
Staubriesenzellen dürften kaum mit den in Rede stehenden Placentarzellen verwechselt 
werden, da die ersteren stets blass gefärbte Kerne besitzen, ferner im Protoplasma 
Staubkörnchen enthalten und endlich ausserhalb der Gefüssbahn in den Alveolen liegen, 
Eigenschaften, welche den placentaren Riesenzellen abgehen. ' 



23 — 



mikroskopisch als das Produkt einer Coagulationsnekrose darstellen. Ich 
kann die Mitteilung des genannten Autors in jeder Beziehung bestätigen 
Ich habe allerdings bisher nur bei einem Teil der von mir beobachteten 
Eklampsiefalle die Placenta einer eingehenden mikroskopischen Unter- 
suchung unterzogen, aber in diesen Fällen habe ich konstant neben älteren 
weissen Infarkten multiple, teils schon bei der makroskopischen Unter- 
suchung erkennbare, teils kleine, erst mikroskopisch nachweisbare, frische 
nekrotische Herde und ziemlich ausgedehnte Blutungen in der ' Zotten- 
substanz gefunden. Selbstverständlich können diese Herde, welche völlig 
kernlos erscheinen, nicht als die Ausgangspunkte der in Rede stehenden 
Zellenembolien angesehen werden. In ihrer Umgebung aber findet sich 
sehr häufig eine Auflockerung und eine ausgedehnte Desquamation des 
die Zotten überkleidenden Epithellagers, und ich glaube, dass hier die 
Hauptquelle für die in die mütterliche Blutbahn eindringenden Zellen zu 
suchen ist. 

Es erhebt sich nunmehr die Frage: Haben wir in diesen Placentar- 
zellenembolien ein der Eklampsie eigentümliches Vorkomniss zu erblicken, 
oder hat dasselbe auch bei anderen, besonders bei schweren, langan- 
dauernden Geburten statt? Soweit meine, allerdings sich auf nicht allzu 
zahlreiche Beobachtungen stützende Erfahrung reicht, scheint es allerdings, 
als wenn diese ausgedehnten Placentarzellenembolien nur bei Eklampsie 
vorkommen. Ich habe bisher vier Fälle zu untersuchen Gelegenheit gehabt, 
welche kurze Zeit post partum den Exitus letalis genommen hatten, und 
zwar zwei infolge von Verblutung gestorbene Fälle und zwei Fälle von 
Uterusruptur; ich habe aber bei keinem einzigen Placentarzellenembolien 
nachweisen können, trotzdem ich zahlreiche, aus den verschiedensten 
Lungenabschnitten entnommene Stücke der eingehendsten Untersuchung 
unterzogen habe. Wenngleich ich diesen wenig zahlreichen Kontroiunter- 
suchungen keine allzu grosse Bedeutung für die hier in Rede stehende 
Frage beizumessen geneigt bin, so glaube ich aus ihnen doch den Schluss 
ziehen zu dürfen, dass, wenn überhaupt bei nicht eklamptischen Frauen 
Placentarzellen embolisch verschleppt werden, ein so massenhaftes Ein- 
dringen dieser Zellen in die Blutbahn, wie wir es bei Eklampsie gefunden 
haben, sicher nicht vorkommt. 

Ich wende mich nunmehr den Befunden zu, die ich am Central - 
nerve nsy stem der von mir beobachteten Eklampsiefälle erhoben 
habe. Hier muss ich nun gegenüber den Angaben in der Litteratur 
zuvörderst hervorheben, dass ich bei zahlreichen Fällen im Gehirn 
schon bei der makroskopischen Untersuchung auffallende Veränderungen 
gefunden habe, bestehend in mitunter nur vereinzelten, mitunter aber 
auch multiplen Blutungen, welche teils in den weichen Hirnhäuten, 
teils in der Hirnrinde und den Centralganglien, seltener in der weissen 
Marksubstanz ihren Sitz hatten. Dieselben waren allerdings in der 
Mehrzahl der Fälle sehr wenig umfangreich und überschritten nur 



- 24 — 



selten die Grösse eines Stecknadelkopfes; nur in einem Falle handelte 
es sich um eine sehr ausgedehnte Hämorrhagie, welche den ganzen 
linken Stirnlappen zertrümmert und zu einer ausgedehnten blutigen 
Infiltration der weichen Häute geführt hatte. Von weiteren, schon bei 
der makroskopischen Untersuchung erkennbaren Veränderungen möchte 
ich ausser dem in mehreren Fällen hochgradigen Ödem noch zwei 
Befunde erwähnen: einmal den durch einen aus einer mittelgrossen 
Lungenvene stammenden Embolus herbeigeführten Verschluss der beiden 
Carotides communes in Fall X und die bei Fall XIV notirte Sinus- 
thrombose, welche sich auf mehrere oberflächliche, mittelstarke Piavenen 
fortgesetzt hatte. 

Diese bei der Untersuchung am Sektionstisch gewonnenen Erfahrun- 
gen Hessen erwarten, dass die mikroskopische Untersuchung noch weitere 
Veränderungen zu Tage fördern würde; und in der That wurden diese 
Erwartungen nicht getäuscht. Denn es liessen sich in allen Fällen kleinste 
Hämorrhagien und Erweichungen, sowie Verstopfungen von Blutgefässen, 
welchen wir schon vielfach in anderen Organen Eklamptischer begegnet 
sind, nachweisen. Die kleinen, erst mikroskopisch erkennbaren Blutungen, 
welche ebenso wie die grösseren mit Vorliebe in der Rinde und den 
Centralganglien ihren Sitz hatten, lagen meist in der Umgebung enorm 
dilatirter Kapillaren und kleinster Venen, welche meist, wie sich an 
Serienschnitten nachweisen Hess, in total thrombosirte grössere Venen- 
stämmchen einmündeten. Seltener fanden sich kleine Blutungen in der 
Umgebung kleiner Arterien, deren Lymphscheide prall von roten Blut- 
körperchen erfüllt und oft mächtig ausgebuchtet war. Die Erweichun- 
gen (Fig. 6), welche nur bei der mikroskopischen Untersuchung erkennbar 
und meist in solchen Fällen, bei denen die Eklampsie über 36 Stunden 
gedauert hatte, in grösserer Zahl nachweisbar waren, fanden sich sowohl 
in der grauen, als auch in der weissen Substanz und lagen entweder in 
der Umgebung von kleinen verstopften Arterien, deren Wand fast stets 
eine hyaline Degeneration erkennen liess, oder an solchen Stellen, wo 
eine grössere Anzahl von Kapillaren thrombosirt war. Bei denjenigen 
Fällen, welche einen sehr rapiden Verlauf genommen hatten, fehlten, 
wie erwähnt, die miliaren Erweichungen vollständig, wohl aber waren 
hier Verstopfungen von Kapillaren und kleinen Arterien nachweisbar, in 
deren unmittelbarer Umgebung die Gehirnsubstanz nicht selten einen 
eigentümlichen starren Glanz zeigte und mit Eosin und Carmin intensiv 
färbbar war, so dass es den Anschein hatte, als ob die verstopften Ge- 
lasse von hyalinen Scheiden umgeben würden. 

Bezüglich der Gefäss Verstopfungen, welche, wir wir soeben sahen, 
in engster Beziehung zu den Blutungen und Erweichungen stehen und 
meist auch in den weichen Häuten in ziemlich grosser Ausdehnung nach- 
weisbar waren, möchte ich darauf hinweisen, dass es sich nach meinem 
Dafürhalten, soweit Venen in Betracht kommen, um autochthon entstan- 



— 25 — 



dene Thomben handelt, während es mir für die in den Arterien gefun- 
denen Pfropfe wahrscheinlich ist, dass sie embolischen Ursprungs sind 
und aus dem Gefässsystem der Lunge, in dem sich ja, wie wir gesehen 
haben, ausgedehnte Thrombosen fanden, eingeschwemmt worden sind. 
Bezüglich der Kapillarverstopfungen dürfte es schwer sein, eine Entschei- 
dung zu treffen, ob sie autochthon entstanden oder embolisch zugeführt 
worden sind, da dieselben ein charakteristisches Gepräge, aus welchem 
man auf ihre Abstammung schliessen könnte, nicht zeigen. Denn sie be- 
stehen fast stets aus völlig homogenen, glänzenden Massen, während die 
in den grösseren Gehirngefässen sich findenden Pfropfe in ihrem Bau 
dieselbe Verschiedenheit der Zusammensetzung zeigen, wie wir schon an 
anderen Organen gefunden haben. 

Am Herzen habe ich die schon bekannten degenerativen Processe 
am Myokard fast niemals vermisst. Dieselben fanden sich sowohl in den 
rasch tödtlich verlaufenden Fällen, als auch in solchen, bei denen der 
Tod erst nach mehrtägigem Krankenlager erfolgte, und traten in der 
Mehrzahl der Fälle herdförmig auf. Meist handelte es sich um eine 
mehr oder minder hochgradige albuminöse Trübung der Muskelfasern, 
während eine stärkere fettige Degeneration nur in protrahirt verlaufenden 
Fällen gefunden wurde und hier mit grösster Wahrscheinlichkeit auf die 
längere Anwendung von Chloroform zurückzuführen war. Neben diesen 
degenerativen Processen am Myokard Hessen sich in zahlreichen Fällen 
kleine, teils schon makroskopisch sichtbare, teils erst bei der mikro- 
skopischen Untersuchung erkennbare Blutungen nachweisen, in deren 
Bereich die Muskelfasern teils in hyaline Schollen zerfallen waren, teils 
kernlos erschienen und ihre Querstreifung nicht mehr erkennen Hessen. 
Die in den bisher besprochenen Organen gefundenen Gefässverstopfungen 
fehlten auch im Herzen nicht, waren aber hier bei weitem seltener als 
in jenen und betrafen meist nur vereinzelte Kapillaren. In einigen 
Fällen fanden sich auch in kleinsten Arterien wandständige und total 
obturirende Pfropfe, welche teils aus feinkörnigen Massen bestanden, 
teils aus roten und weissen Blutkörperchen, Fibrin und Blutplättchen 
sich aufbauten und wohl teils autochthon entstanden, teils emboliscli ans 
(It n Lungengefässen eingeschwemmt waren. Nur in zwei Fällen war es 
zu einer Verstopfung eines etwas grösseren Arterienastes gekommen 
und hier hatten sich im Anschluss an diesen Arterienverschluss, wi>lcher 
in dem einen Fall wohl sicher durch autochthone Thrombose zustande 
gekommen war, typische anämische Infarkte entwickelt. 

Die Milz bot in den meisten Fällen vollständig normale Verhältnisse 
dar ; nur dann, wenn sich in den Lungen oder im Genitalapparat ausge- 
dehnte entzündliche Processe entwickelt hatten, fand sich eine mehr 
oder minder hochgradige Schwellung des Organs. Das Gleiche war der 
Fall bei jenen beiden oben erwähnten Fällen, bei denen sich eine totale 
Thrombose der Pfortader fand. Umbolischen Processen bin ich nur ein- 



mal begegnet und zwar bei Fall XV, bei dem im Anschluss an den 
sicher cmbolisehen Verschluss einer kleinen Arterie ein etwa erbsengrosser 
Infarkt zustande gekommen war. 

Das Pankreas, welches bei der makroskopischen Betrachtung stets 
normal erschien, zeigte in mehreren Fällen erhebliche Veränderungen, 
bestehend in zahlreichen kleinen nekrotischen Hoden und Blutungen; 
welche auch hier stets ihren Sitz in der unmittelbaren Umgebung kleiner 
thrombosirter Gefässe (Arterien und Venen) hatten. 

Der Magen und Darmkanal Hessen bei zahlreichen Fällen weder 
bei der makroskopischen noch bei der mikroskopischen Untersuchung 
Veränderungen erkennen; in einer Reihe von Fällen fanden sieh multiple 
Blutungen in der Magen- und Darmschleimhaut, sowie in einem Kalle 
zahlreiche und ausgedehnte hämorrhagische Erosionen, ähnlich denen, 
über welche Langerhans 19 ) berichtet hat. 

Bei der mikroskopischen Untersuchung Hessen sich häufig im Be- 
reich der Blutungen Thrombosen und Stasen in den kleinen Gelassen 
nachweisen, welche sich mitunter bis in grössere, in der Submucosa ge- 
legene Gelasse verfolgen liessen. 

Am Schlüsse dieser die thatsächlichen Befunde betreffenden Mit- 
teilungen muss ich noch auf sehr interessante Veränderungen hinweisen, 
welche ich in den Organen mehrerer von eklamptischen Frauen stammen- 
der Kinder gefunden habe. Im ganzen habe ich bisher sechs derartige 
Kinder ') zu untersuchen Gelegenheit gehabt, von welchen zwei lebend 
geboren, aber kurze Zeit nach der Geburt gestorben waren, vier dagegen 
bei der Sektion in utero gefunden wurden. Die Kinder waren sämmtlich 
reif oder der Beife nahe und liessen bei der äusseren Besichtigung 
keine Veränderungen erkennen; insbesondere möchte ich hervorheben, 
dass kein einziges von ihnen Ödeme darbot, welche Leyden 20 ) bei 
einem von einer eklamptischen Mutter geborenen Kinde beobachtet hat. 
Bei der Untersuchung der inneren Organe fanden sich bei vier Kindern 
und zwar bei drei in utero abgestorbenen und einem lebend geborenen, 
abgesehen von zahlreichen supleuralen und subperikardialen Blutungen, 
denen ich keine grössere Bedeutung zumessen möchte, ausgedehnte Ver- 
änderungen, welche hauptsächlich die Nieren betrafen, in zwei Fällen 
sich aber auch auf die Leber erstreckten. In ersteren waren schon bei 
makroskopischer Betrachtung punktförmige Hämorrhagien auf der Ober- 
fläche und in der Rinde, welch' letztere deutlich verbreitert und intensiv 
getrübt erschien, erkennbar; bei der mikroskopischen Untersuchung fand 
sich aber ausserdem noch eine teils herdförmig auftretende, teils diffus 
über grössere Abschnitte verbreitete Nekrose der Epithelicn der gewundenen 
Kanälchen und mitunter auch der Henle'schen Schleifen, welche mit 



Ii Ks sind dies die Kinder von Fall III, VIII, IX. XV, XVII und ein von einer 
genesenen eklamptischen Frau stammendes Kind, 



— 27 — 



hyalinen Cylmdern erfüllt waren. In der Leber handelt es sich in 
einem Falte um spärliche, im periportalen Gewebe liegende Blutungen; 
bei dem zweiten aber fanden sich genau dieselben Veränderungen 
(Hamorrhagien, Nekrosen, hyaline Thrombosen), wie ich sie oben in der 
mütterlichen Leber beschrieben habe, wenn auch weniger ausgedehnt 
und weniger zahlreich. 

Aus dem Vorstehenden geht hervor, dass wir bei 18 Fällen eines 
Krankheitsprocesses, bei dem nach den Angaben der verbreitesten Hand- 
und Lehrbücher der Gebnrtshülfe der Sektionsbefund ein wenig konstanter 
sein soll, mit der grössten Regelmässigkeit schwere Veränderungen an 
den lebenswichtigsten Organen haben nachweisen können. Dieselben 
sind einerseits durch Nekrosen und Blutungen in den parenchymatösen 
Organen, andererseits durch multiple Verstopfungen im Gefässsystem 
charakterisirt. Wenn wir nunmehr an die Frage herantreten, auf 
welche Weise diese Veränderungen zustande kommen, so muss an erster 
Stelle hervorgehoben werden, dass die Gleichartigkeit, welche die in den 
verschiedenen Organen gefundenen Läsionen in ihrem anatomischen 
Charakter zeigen, von vornherein die Annahme wahrscheinlich erscheinen 
lasst, dass sie einer gemeinsamen Ursache ihre Entstehung verdanken. 
Prüfen wir nunmehr zunächst, ob eine der bisher in betreff der Patho- 
genese der Eklampsie aufgestellten Hypothesen im stände ist, diese Ver- 
änderungen in befriedigender Weise zu erklären und zu deuten. 

Es liegt nicht in meiner Absicht, hier eine eingehende Kritik sämmt- 
licher Theorien der Eklampsie zu geben, ich will hier nur diejenigen, 
welche sich bis in die Neuzeit zahlreicher Anhänger zu erfreuen gehabt 
haben, mit Rücksicht auf die von uns gefundenen anatomischen Läsionen 
einer kurzen Besprechung unterziehen. 

Die Thatsache, dass bei der grossen Mehrzahl der Eklamptischen 
Störungen von seiten der Nieren beobachtet wurden, und dass diese 
Organe bei Sektionen ausserordentlich häufig mehr oder minder schwere 
Läsionen erkennen Hessen, hat Veranlassung zur Aufstellung der Hypo- 
these gegeben, dass die Eklampsie als akute Urämie zu betrachten sei, 
zumal der klinische Symptomenkomplex beider Krankheitsprocesse 
ein ausserordentlich ähnlicher ist. Soweit die Nierenveränderungen bei 
dieser Hypothese in Frage kommen, so sind unsere Befunde im stände, 
dieselben zu stützen, denn wir haben in allen unseren Fällen mehr 
oder minder schwere Läsionen an diesen Organen nachweisen können, 
welche, sich ihrem anatomischen Charakter nach im wesentlichen mit 
den von anderen Autoren erhobenen Befunden decken. Was dagegen 
die an den übrigen Organen gefundenen Veränderungen anlangt, so 
können diese von der in Rede stehenden Hypothese aus nicht erklärt 
werden. Denn, wenn wir auch bei Urämien nicht allzu selten Blutungen 
im Gehirn und Degenerationen am Herzfleisch begegnen, so vermissen wir 
doch bei urämischen Individuen stets die übrigen von uns bei Eklampsie 



- 28 



nachgewiesenen Veränderungen. Es finden sich, wie ich mich durch zahl- 
reiche, eingehende Kontrolversuche überzeugt habe, bei Urämie niemals 
die charakteristischen Leberläsionen, die schweren Veränderungen am 
Herzfleisch, die Nekrosen im Pankreas und besonders die ausgedehnten 
Gefässverstopfüngen. Mit Rücksicht auf die Leberveränderungen hat 
allerdings Klebs 21 ), welcher die Nierenveränderungen als die primären 
Störungen bei Eklampsie ansieht, die Ansicht geäussert, dass dieselben 
dadurch zustande kommen möchten, dass die Leber infolge der heftigen 
Konvulsionen Quetschungen erleidet, welche ihrerseits wieder zu multiplen 
Rupturen Veranlassung geben. Dieser Ansicht ist bereits von Virchow ge- 
legentlich der sich andie Jürgens'sche Mitteilung anknüpfenden 1 »skussion 
begegnet worden mit dem Hinweis, dass bei anderen, mit Konvulsionen 
einhergehenden Krankheitsprocessen ähnliche Leberveränderungen wie 
bei Eklampsie nicht beobachtet worden. Aber selbst, wenn man zugeben 
wollte, dass bei den von Eklampsie befallenen Frauen die Verhältnisse 
im Abdomen wesentlich anders liegen als bei Nichtgraviden, dass ins- 
besondere infolge der enormen Vergrößerung des Uterus der Raum in 
der Bauchhöhle beengt und die Leber bei Eintritt von Konvulsionen 
leichter Quetschungen ausgesetzt sei als unter normalen Verhältnissen, 
so ist dem gegenüber zu bedenken, dass diese Quetschungen, falls sie 
überhaupt vorkommen, — was mir aber in Anbetracht der Verschieblichkeit 
der Leber nicht wahrscheinlich erscheint — , wohl kleine, oberflächliche 
Blutungen, niemals aber so komplicirte, über das ganze Organ verstreute 
Veränderungen, wie wir sie bei den von uns beobachteten Eklampsiefällen 
gefunden haben, herbeiführen werden. 

Ebenso wenig wie die eben besprochene Theorie vermag uns aber 
diejenige Ansicht, welche die Eklampsie als eine nervöse Störung be- 
trachtet, Aufschluss über die Genese der Veränderungen zu geben. Ge- 
rade diese neuerdings besonders von Osthoff 2 -) und von v. Herff 23 ) 
vertretene Anschauung hat sich vieler Anhänger zu erfreuen, weil sie. 
fast alle Formen der Eklampsie, die Graviditätseklampsie mit oder ohne 
Albuminurie, sowie die Puerperaleklampsie auf einheitlicher Grundlage 
erklärt. „Die Grundursache so ziemlich für alle Formen der Schwanger- 
schaftsniere und der Eklampsia gravid, part. und puerp. ist," sagt Osth off, 
„eine ungewohnt starke Innervation des Splanchnicus, welche ausgeht von 
den Bewegungen des Fruchthalters in den verschiedenen Stadien seines 
W achstums und seiner Rückbildung, und welche sich fortpflanzt in der 
nächsten Nähe auf die Vasoconstriktoren der Niere mit daraus folgender 
Bindenanämic und Degeneration, oder in stürmischer Weise namentlich 
unter der Geburt auf die nervösen Centraiorgane ohne vorausgehende 
Affektion der Nieren zunächst auf das für die Vasomotoren in der Medulla 
oblongata liegende Centrum. " 

Diese Anschauung identificirt demnach die Eklampsie mit der Epilepsie, 
und wir müssten folgerichtig erwarten, dass wir bei Individuen, welche 



- 29 - 



während oder kurze Zeil Dach epileptischen Anfäll,,, gestorben sind, die 
gleichen Veränderungen finden, wie bei Eklamptischen. Dies ist jedoch 
nicht der Fall Ich habe, seitdem mir der so überaus charakteristische 
Befund bei Eklamptischen bekannt ist, mehrere nach zahlreichen und 
heftigen epileptischen Krämpfen gestorbene Individuen an, Sektionstisch 
zu untersuchen Gelegenheit gehabt, ohne auch nur ein einziges Mal auf 
Veränderungen zu stossen, welche den bei Eklamptischen gefundenen 
auch nur entfernt ähnlich gewesen wären. Aber selbst, wenn man an- 
nehmen wollte, dass bei Eklamptischen ein hochgradiger Gefässkrampf 
besteht, so würde sich der anatomische Befund nicht erklären lassen; 
denn wie sollte ein hochgradiger Gefässkrampf im stände sein, die multiplen 
Gefässverstopfungen, welche nicht nur die kleinsten, sondern selbst grössere 
Gefässe betrafen, hervorzurufen! 

Es erübrigt nunmehr noch auf eine dritte betreffs der Pathogenese 
der Eklampsie aufgestellte Hypothese einzugehen, welche unter dem 
Einfluss der in der Neuzeit in der medicinischen Forschung herrschenden 
Strömung die uns hier beschäftigende Krankheit auf die Einwirkung von 
Mikroorganismen zurückführt. Der von uns erhobene anatomische Befund 
spricht von vornherein nicht gegen die Richtigkeit dieser Ansicht, denn 
die multiplen Blutungen und Nekrosen sind Veränderungen, welche wir 
nicht selten bei Krankheitsprocessen von sicher infektiöser Natur be- 
obachten. Die thatsächlichen Beobachtungen freilich, auf welche sich 
diese Ansicht stützt, müssen nach meinem Dafürhalten als unzureichende 
und ungenügende betrachtet werden, da von keinem einzigen Autor, 
welcher diese Ansicht vertritt, eingehende bakteriologische Untersuchungen 
angestellt worden sind. Blanc 24 ), welcher die in Rede stehende, zuerst 
von Doleris 25 ) ausgesprochene, aber sehr bald wieder aufgegebene An- 
sicht mit besonderem Eifer vertritt, konnte aus dem Urin eklamptischer 
Frauen ein feines Stäbchen isoliren. Die Thatsache, dass bei Infektions- 
versuchen mit diesem Bacillus die Thiere Konvulsionen bekamen, genügte 
ihm, um den gefundenen Mikroorganismus als den speeifischen Erreger 
der Eklampsie anzusprechen, ohne dass er sich die Mühe genommen 
hätte, denselben in, Blut oder den inneren Organen, zum mindesten in 
den Nieren Eklamptischer nachzuweisen. 

Favre 26 ) stellte seine bakteriologischen Untersuchungen an zwei 
von eklamptischen Frauen stammenden Placenten an und isolirte aus 
diesen Organen drei verschiedene Mikroorganismen. Favre glaubt, dass 
jede dieser Mikroorganismenarten und wohl auch andere gelegentlich, 
falls günstige Bedingungen vorhanden sind, Eklampsie zu erregen im 
stände ist. Er ist der Ansicht, dass infolge einer schon vor der 
Gravidität bestehenden Endometritis Mikroorganismen in die Placenta ein- 
dringen, in derselben Veränderungen (weisse Infarkte) erzeugen und durch 
ihr, Stoft'we.chselprodukte eine Nephritis zu erzeugen vermögen. Solange 
die Niere funktionsfähig bleibt, können diese Ptomaine resp. die von der 



— 30 — 



Placcnta aus in das mütterliche Blut gelangten Mikroorganismen aus- 
geschieden und damit unschädlich gemacht werden; ist aber die Nieren- 
t'unktion hochgradig^ beeinträchtigt, so kommt es zu einer Anhäufung der 
Mikroorganismen resp. der von ihnen abgesonderten Stoffwechselprodukte 
im Körper und es tritt der Symptomencomplex ein, welcher unter dem 
Namen der puerperalen Eklampsie bekannt ist,. Favre sucht seine An- 
sicht durch Thierversuche zu stützen; denn es gelang ihm bei Versucbs- 
thieren, deren Nierenfunktion durch experimentelle Eingriffe gestört war, 
durch Injektion der von ihm isolirten Mikroorganismenarten krankhafte 
Erscheinungen, mitunter auch Konvulsionen hervorzurufen. 

Die Thierversuche Favre's, um mit diesen zu beginnen, beweisen 
meiner Ansicht nach nicht das geringste, denn es ist ja eine bekannte 
Thatsache, dass durch exquisit saprophytische Bakterien, z. B. durch 
Proteusarten, resp. durch die von solchen Mikroben abgesonderten Stoff- 
wechselprodukte, sobald sie reichlich in die Blutbahn gebracht werden, 
Krankheitsbilder, die dem von Favre geschilderten gleichen, hervor- 
gerufen werden können. Aber auch in anderer Hinsicht kann ich den 
Ausführungen Favre's nicht folgen. Zunächst ist darauf hinzuweisen, 
dass das theoretische Gebäude Favre's sich nur auf zwei bakteriologische 
Untersuchungen von Placenten, also von Organen stützt, welche bei ihrem 
Durchgang durch den Geburtsschlauch mit allerlei Keimen in Berührung 
kommen. Fernerhin ist es in hohem Grade unwahrscheinlich, dass 
so typische anatomische Veränderungen, wie wir sie bei der Eklampsie 
finden, durch verschiedene Mikroorganismen hervorgerufen werden sollten. 
Ich halte daher die Ansicht Favre's, dass die Eklampsie eine durch 
Bakterien bedingte Ptomainämie sei, solange derselbe keine besseren Be- 
weise bringt, für durchaus unbewiesen. 1 ) 

Mit Rücksicht auf die bereits oben hervorgehobene Ähnlichkeit, 
welche zwischen dem von uns bei Eklamptischen erhobenen Befund und 
manchen unzweifelhaft durch die Einwirkung von Mikroorganismen be- 
dingten Veränderungen besteht, hielt ich es für notwendig, eingehende 
bakteriologische Untersuchungen anzustellen. Dieselben durften sich nicht 
nur auf dieses oder jenes Organ, welches sich gerade bei der Sektion 
als am meisten erkrankt erwies, beschränken, sondern mussten auf mög- 
lichst viele Organe ausgedehnt werden; denn es war ja nicht unwahr- 
scheinlich, dass die an einem bestimmten parenchymatösen Organ ge- 
fundenen Veränderungen nicht sowohl durch die direkte Einwirkung 
eines speeifischen Mikroorganismus bedingt waren, als vielmehr durch 
einen Giftstoff hervorgerufen waren, welcher von einem in einem anderen 
Organ lokalisirten Mikroorganismus producirt sein konnte. 

1) Neuerdings hat Gerde s (Centralbl. f. Gynäkol. u. Münchn. med. Wochenschr.) 
einen Bacillus beschrieben, welchen er als Erreger der Eklampsie anspricht. Dass 
dieser Bacillus aber nichts mit der Genese der uns beschäftigenden Krankheit zu thun 
hat, ist ein wandsfrei von Hofmeister (Fortsein-, d. Med. 1892) nachgewiesen worden. 



— 31 — 



Ich habe daher bei fast allen von mir beobachteten Eklampsiefällen 
möglichst alle Organe der mütterlichen und soweit es anging, auch des 
kindlichen Körpers, incl. der Placenta, einer eingehenden bakteriologischen 
Prüfung unterzogen; ich habe aber weder bei meinen Kulturversuchen, 
bei welchen die verschiedensten Züchtungsmethoden (aerobe und anaerobe) 
und die verschiedensten Nährmedien zur Verwendung kamen, noch bei 
der genauesten Durchmusterung von Schnittpräparaten Mikroorganismen 
gefunden, welche ich als speeifische hätte ansehen müssen. In den 
Fallen, bei welchen ich ihnen in Kulturen und in Schnittpräparaten be- 
gegnet bin, handelte es sich entweder um Bakterienarten , welche mit 
Sicherheit als Saprophyten angesprochen werden konnten, oder aber um 
eiterungserregende Mikroben, deren Anwesenheit sich unschwer aus den 
bei den betreffenden Fällen in den Lungen oder in den Genitalien 
bestehenden entzündlichen Veränderungen erklärte. Ich halte es nach 
den negativen Resultaten, die sich bei meinen bakteriologischen Unter- 
suchungen ergaben, und die sich in erfreulicher Übereinstimmung mit den 
von Lubarsch angestellten befinden, für wenig wahrscheinlich, dass 
Mikroorganismen bei der Genese der Eklampsie beteiligt sind. Absolut 
ausschliessen möchte ich freilich die Möglichkeit nicht, weil es sich um 
Mikroorganismen handeln könnte, die sich mit unseren jetzigen Methoden 
nicht nachweisen lassen. 

Aus den vorstehenden Betrachtungen geht hervor, dass keine der 
bisher bekannten Theorien in betreff der Pathogenese der Eklampsie im 
stände ist, eine befriedigende Erklärung des anatomischen Befundes 
zu geben. 

"Wir müssen daher untersuchen, ob sich nicht an der Hand des von 
uns erhobenen Befundes Anhaltspunkte betreffs der Genese der nach- 
gewiesenen Veränderungen gewinnen lassen. Wenn wir uns fragen, welche 
von diesen Veränderungen als die bedeutungsvollste angesehen werden 
muss, so kann es nach meinem Dafürhalten keinem Zweifel unterliegen, dass 
den Gefassverstopfungen die wichtigste Rolle zugeschrieben werden muss. 

Die intravitale Entstehung derselben kann keinem Zweifel unterliegen, 
denn der Bau der Pfropfe ist ein solcher, wie wir ihn nur bei sicher 
intravital entstandenen Gerinnungen finden. Dass die Gefässverstopfungen 
als die primären Störungen angesehen werden müssen und nicht etwa 
erst sekundär im Anschluss an die im Parenchym sich abspielenden 
Processe entstanden sind, glaube ich daraus schliessen zu dürfen, dass 
wir neben den im Bereiche der parenchymatösen Veränderungen gelegenen 
Gefässverstopfungen letzteren auch an solchen Stellen begegnet sind, an 
denen Veränderungen am benachbarten Gewebe entweder überhaupt noeü 
nicht, oder im ersten Beginn nachweisbar waren; ferner sind aucli die 
am Parenchym sich findenden Veränderungen derart, wie wir sie ge- 
wöhnlich nach Gefässverstopfungen auftreten sehen. 



— 32 — 



Welcher Natur sind nun die von uns nachgewiesenen Gefässver- 
stoplüngen? Sind sie als autochthone Thromben zu deuten, oder sind sie 
auf embolischem Wege entstanden? Bei Erörterung dieser Frage müssen 
die in den verschiedenen Organen gefundenen Gefässverstopfungen ge- 
sondert betrachtet werden. 

Für die in dem Pfortadersystem gefundenen Pfröpfe, welche in weit- 
aus der Mehrzahl der Fülle die kleinen interlobulären Äste verlegten, 
in zwei Fällen aber auch zu einem Verschluss des Hauptstamni es der Pfort- 
ader geführt hatten, bedarf es keines Beweises, dass sie als autochthone 
Thromben angesehen werden müssen, da die spärlichen in den Darmgefassen 
in einigen Fällen gefundenen Venenthromben kaum zu so ausgedehnten 
Fnibolien Veranlassung geben können. Was die in der Lunge gefundenen 
Pfröpfe anlangt, so müssen dieselben nach meinem Dafürhalten ebenfalls 
als autochthone Thromben angesprochen werden, denn im ganzen Orga- 
nismus existirt kein Ort, aus dem sie in so grosser Menge, wie wir sie 
gerade in diesem Organe gefunden haben, embolisch eingeschwemmt sein 
konnten. Man könnte hier zwar daran denken, dass sie aus den Venen 
des Genitaltraktus herstammen möchten. Diese Annahme wäre aber 
höchstens für diejenigen Fälle zutreffend, bei denen der Tod post partum 
eintrat, und bei denen Thromben in den Uterusvenen gefunden wurden: 
für diejenigen aber, bei denen der Tod ante partum eintrat, bei denen 
aber ebenfalls Gefässverstopfungen in den Lungen gefunden wurden, 
nruss sie zurückgewiesen werden, weil bei denselben keine Thromben in 
den Uterusvenen zu finden waren. Wenn man endlich mit Bücksicht 
auf die von uns nachgewiesenen, im Gefässsystem der Lunge lokalisirten 
Placentarzellenembolien die in den intervillösen Bäumen der Placenta 
gefundenen Gerinnungen als Ausgangspunkt der Embolien ansehen wollte, 
so ist zu bedenken, dass bei der Enge der aus den intervillösen Bäumen 
hervorgehenden Venen nur sehr kleine Pfröpfe von hier aus in die Blut- 
bahn gelangen können. Es könnten demnach durch dieselben nur Kapil- 
laren und die kleinsten arteriellen Gefässe der Lunge verlegt werden. 
Nun sind wir aber gerade in der Lunge Verstopfungen begegnet, 
welche verhältnismässig grosse Arterienäste betrafen; diese als Stag- 
nationsthrombosen, die sich im Anschluss an die Verstopfung der 
kleinsten Gefässe entwickelt haben, zu deuten, ist nicht gut angängig, 
weil in Serienschnitten ein Zusammenhang dieser Thromben mit den in 
den kleinsten Gefässen befindlichen nicht nachweisbar war. Wenn dem- 
nach für die in den kleinsten Lungengefässen gefundenen Verstopfungen 
ein embolischer Ursprung nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen 
ist, so kann ein solcher für die in den grösseren Arterienästen gefun- 
denen Pfröpfe aus den eben erörterten Gründen mit Sicherheit ausge- 
schlossen werden; dieselben müssen demnach als autochthone Thromben 
angesprochen werden. Dass die iu den Lungen venen sich findenden 
Pfröpfe an ihrem Fundorte selbst entstanden sind, bedarf keines Be- 



— 33 - 



weises; das Gleiche gilt für die in den Venen des Gehirns, der Niere and 
des Herzens nachgewiesenen Gerinnungen. Was dagegen die in den 
Kapmaren und Arterien der letztgenannten Organe sich findenden Pfropfe 
anlangt, so dürfte ein grosser Teil derselben von den in den Lungen- 
venen lokahsirten Pfropfen abstammen und demnach embolischen Ur- 
sprungs sein, worauf ich schon oben hingewiesen habe. Besonderen 
Wert möchte ich hier darauf legen, dass dieselben häufig, wie sich bei 
der makroskopischen und mikroskopischen Untersuchung nachweisen 
liess, der Teilungsstelle eines grösseren Gefässes reitend aufsassen. 

Es erhebt sich nunmehr die Frage, welchen Ursachen verdanken 
die autochthonen Thrombosen ihre Entstehung? Von einer primären 
Läsion der Gefässwände, welche wir bei vielen Fällen von Gefäss- 
verstopfung als Ursache von Thrombosen ansprechen müssen, können 
dieselben nicht abhängig gemacht werden, da wir bei unseren Unter- 
suchungen eine solche nicht haben nachweisen können. Ebenso wenig 
können diese Thrombosen als marantische, von einer primären Herz- 
schwäche abhängige betrachtet werden, denn wenn auch bei Eklampsie 
sub finem vitae eine solche ganz entschieden beobachtet wird, so ist die- 
selbe ohne Zweifel eine sekundäre und einerseits von der infolge der 
multiplen Gefässverstopfungen auftretenden allgemeinen arteriellen 
Anämien, andererseits von den in den Gefässen des Herzens selbst nach- 
gewiesenen Gerinnungen und den infolge davon sich einstellenden de- 
generativen Processen am Herzfleisch abhängig. Unter diesen Umständen 
müssen wir die Ursache der Gerinnung im Blute selbst suchen. 

Durch zahlreiche Experimentaluntersuchungen ist die Thatsache 
erwiesen worden, dass durch Einbringung gewisser Substanzen in die 
Blutbahn zahlreiche Gerinnungen im Gefässsystem erzeugt werden können. 
Naunyn 27 ) und Franken 28 ) führten durch intravenöse Injektion von 
lackfarbenem Blut, von Äther und von gallensauren Salzen ausgedehnte, 
tödtliche Thrombosen im rechten Herzen, in den Lungengefässen, den 
Cavis und der Pfortader und ihren Ästen herbei, Befunde, welche von 
Plosz und Györgyni 29 ) bestätigt wurden. Magendie 30 ), Panum 31 ), 
Landois 32 ), Ponfick 33 ) und andere erzeugten durch intravenöse Ein- 
führungen von fremdartigem Blut, Arnim Köhler 34 ) durch Ferment- 
blut, Edelberg 35 ) und andere Schüler A. Schmidt's durch Ferment- 
lösungen, Wooldridge 36 ) durch eine im wesentlichen aus Lecithin be- 
stehende Proteidsubstanz tödtliche, intravaskuläre Gerinnungen. Dasselbe 
erzielte Groth 37 ) durch Injektion von Leukocyten, Nauck 38 ) durch 
Stromata roter Blutkörperchen, Föa nnd Pellacani ;!U ) durch Zellen- 
emulsionen der verschiedensten Organe, Hanau 40 ) und Klebs 41 ) durch 
Leberzellen 

Aus den genannten Experimentaluntersuchungen gehen aber noch 
andere wichtige Thatsachen hervor. Wenn nämlich die gerinnungs- 
erregenden Substanzen nicht in zu grosser Menge und unter zu hohem 

Sehmorl, Eklampsie. 



— 34 — 



Druck tnjicirt wurden, so bildeten sich am Orte der Injektion keim- Ge- 
rinnungen; dieselben cut wickelten sich vielmehr häufig in den Kapillaren 
des grossen Kreislaufes und des Pfortadersystems. Ferner zeigte sich, 
dass die durch l'ennentative Vorgänge bewirkten Verstopfungen der Ge- 

l'ässe fast stets von Blutungen hegleitet, waren, seihst, wenn sie solche 

Organe betraten, in denen erfahrungsgemäss Gefässverschlüsse, die durch 
marantische Thrombose oder Embolie bewirkt werden, ohne jede Störung 
ertragen werden. 

Aus der menschlichen Pathologie kennt man bisher nur wenig 
sichere Beispiele von fermentativer Thrombose. Zuerst wurde man aui 
dieselben durch die üblen Erfahrungen, welche man bei der Trans- 
fusion mit Thierblut am Menschen machte, aufmerksam. Die schweren, 
sehr oft tüdtlich endenden Erscheinungen, die man nach dieser zu 
therapeutischen Zwecken eingeleiteten Operation eintreten sah, mussten, 
wie anatomische Untersuchungen ergaben, auf ausgedehnte intravaskuläre 
Gerinnungen zurückgeführt werden, welche ihrerseits durch das bei dem 
Zerfall der roten Blutkörperchen gebildete Fibrinferment oder durch 
eine diesem Körper nahestehende Substanz bedingt waren. Neuerdings 
haben die eingehenden Untersuchungen von Silbermann 42 ) undWelti l3 ), 
welche ich auf Grund eigener Untersuchungen bestätigen kann, gezeigt, 
dass für den tödtlichen Ausgang, zu welchem ausgedehnte Hautver- 
brennungen führen, ebenfalls multiple Gefässverstopfungen verantwortlich 
gemacht werden müssen. Diese Beobachtungen zeigen jedenfalls, dass 
durch äussere Einwirkungen, welche das Blut treffen, beim Menschen 
Veränderungen in der Zusammensetzung desselbei. geschaffen werden 
können, die intravaskuläre Gerinnungen zu veranlassen vermögen. Es 
kann demnach auch, wie bereits von v. Becklinghausen 44 ) hervor- 
gehoben wird, die Möglichkeit nicht von der Hand gewiesen werden, 
dass spontan sich entwickelnde Blutveränderungen oder solche, die im 
Anschluss an Erkrankungen innerer Organe entstehen, Ähnliches be- 
wirken. Nach meinem Dafürhalten liegt ein derartiger Fall bei der uns 
hier beschäftigenden Krankheit vor, zumal die von uns nachgewiesenen 
Veränderungen ganz auffällig Befunden gleichen, welche von einzelnen 
Autoren an Thieren erhoben worden sind, denen behufs Erzielung intra- 
vaskulärer Gerinnung Proteidsubstanzen in die Blutbahn eingeführt 
worden waren. Allerdings sind bei den meisten in dieser Hinsicht an- 
gestellten Versuchen derartig grosse Mengen von gerinnungserregenden 
Substanzen in die Blutbahn eingespritzt worden, dass der Tod der Versuchs- 
thiere unmittelbar herbeigeführt wurde, so dass es zu Veränderungen 
an den von der Thrombose betroffenen Organen nicht kommen konnte. 
Einzelne Autoren aber haben durch Injektion geringerer Mengen oder 
durch besondere Versuchsanordnungen die Thiere längere Zeit am Leben 
erhalten und Veränderungen erzielt, welche mit den von uns bei 
Eklampsie gefundenen Läsionen eine geradezu frappante Übereinstimmung 



— 35 — 



zeigen. Von grösstem Interesse sind in dieser Hinsicht die von Franken 
undNaunyn sowie besonders die von Wooldridge angestellten Ver- 
? UC \ e :., + ßei Bedeutung, welche dieselben für die uns hier 

beschäftigende Frage haben, sei es mir gestattet, etwas näher auf die- 
selben einzugehen. 

i i , N 1 aun y n D1 und franken injicirten Katzen, Kaninchen und Hunden 
lackfarbenes Blut oder Auflösung gallensaurer Salze in eine Mesenterial- 
vene. Nach der Injektion trat entweder eine lokale Thrombose des 
Pfortaderstammes ein, welche den Tod der Thiere rasch nach sich zog 
oder aber es kam zur Thrombose kleinerer Pfortaderäste. In letzterem 
Kalle nun fanden sich, wenn die Thiere nach einigen Tagen getödtet 
wurden oder spontan starben, in der Leber zahlreiche Stecknadelkopf- 
es über kirschkerngrosse Herde, innerhalb deren die Lebersubstanz 
weich und weiss gefärbt war, und die sich an der Peripherie durch 
einen intensiv rot gefärbten Saum gegen das umgebende Lebergewebe 
scharf absetzten. „Auf Querschnitten die feinsten Äste der vena portarum 
in den Herden von zinnoberrot gefärbten Thromben erfüllt." (Naunyn 
hatte der Injektionsflüssigkeit Zinnober zugesetzt, um die Thromben 
leichter nachweisen zu können.) „Bei der mikroskopischen Untersuchung 
in den Herden die Leberzellen stark verfettet, an der Peripherie die 
Kapillaren stark ausgedehnt und in ihnen und in ihrer Umgebung zahl- 
reiche rote Blutkörperchen, die Thromben in den zuführenden Portal- 
ästen fast völlig entfärbt." In einem anderen Versuch beschreibt 
Franken 45 ) die Leberveränderungen folgendermassen: „In der Leber 
traten auf der Oberfläche, sowie auf dem Schnitt sehr zahlreiche gräulich 
gefärbte Punkte hervor, die sich mikroskopisch als diskrete nekrobiotische 
Herde höchstens von Stecknadelkopfgrösse erwiesen. In diesen Herden 
finden sich vergrösserte und stark körnig getrübte Leberzellen, von denen 
einzelne scharf begrenzt sind und vollkommen die Form der normalen 
Leberzellen darbieten; andere lassen sich zwar auch noch deutlich als 
Leberzellen erkennen, zeigen jedoch mehr oder weniger unregelmässige 
Begrenzungen, wie wenn Stückchen von ihnen abgebrochen wären. Auf 
Zusatz von Essigsäure lösen sich die Körnchen zum grössten Teil auf, 
und die Zellen werden aufgehellt, so dass ihre früher unsichtbaren Kerne 
jetzt deutlich hervortreten. An einzelnen Stellen dieser findet man nichts 
mehr von erkennbaren Leberzellen, nur Kerne, isolirte und zusammen- 
geballte Körnchen, ähnlich jenen, wie sie sich in den obengenannten 
Leberzellen befanden, dazwischen treten auf rote Blutkörperchen, teils 
gut erhalten, teils in verschiedenem Grade geschrumpft, ausserdem Lymph- 
körperchen ähnliche Zellen, bald etwas reichlicher, bald sehr spärlich, 
immer jedoch nur in mässiger Menge. Was die zu solchen Herden 
führenden Gefässe betrifft, so ist der interlobuläre Pfortaderast stets 
strotzend mit Blutkörperchen, die dicht neben einander stehen, gefüllt 
und zeigt wohl auch hin und wieder infolge der Ausfüllung stärkere 

3* 



- 36 — 



Ausbauchungen, auch die im Umkreise befindlichen Kapillaren sind von 
Blutkörperchen ausgedehnt." 

Wooldridge, dessen Versuche mir für die in Hede stehende Frage 
von noch grösserer Bedeutung zu sein scheinen, als die von Naunyn 
und Franken, benutzte bei seinen Versuchen ein wässriges Extrakt 
aus der Thymus, den Hoden oder aus anderen Drüsen, welches er mit 
dem Namen Gewebsfibrinogen bezeichnete. Spritzte er diesen Proteid- 
stotf Kaninchen in die vena jugularis ein, so gingen diese Thiere stets 
rasch an grossartigen, intravaskulären, besonders die Lunge betreffenden 
Gerinnungen zu Grunde; bei Hunden jedoch war der Ausgang des 
Experimentes ein verschiedener, je nachdem dieselben zur Zeit des Ver- 
suches nüchtern oder in Verdauung begriffen waren. In letzterem Falle 
kam gerade so wie bei Kaninchen eine ausgedehnte Thrombose der 
Lungengefässe und des rechten Herzens zustande, welche]- die Thiere 
rasch erlagen. Wurde das Gewebsfibrinogen dagegen nüchternen Hunden 
in die Jugularis injicirt, so entwickelte sich in einzelnen Fällen und zwar 
besonders, wenn grosse Quantitäten von Gewebsfibrinogen zur Verwen- 
dung gekommen waren, eine Thrombose des Hauptstammes der Pfortader, 
welche, da sie zu einem rapiden Herabsinken des Blutdruckes Veran- 
lassung gab, häufig den Tod de]- Thiere herbeiführte. In anderen Fällen 
aber überlebten die Hunde den Eingriff' und zeigten dann, wenn sie nach 
einiger Zeit getödtet wurden, multiple Infarkte in der Leber, welche, wie 
die mikroskopische Untersuchung ergab, auf thrombotischen Verschluss 
der kleinsten interlobulären Pfortaderäste zurückgeführt werden mussten. 

Diese in hohem Grade auffallenden und interessanten Versuchs- 
resultate, die Wooldridge bei der Injektion seines Gewebsfibrinogens 
erhielt, stehen im Gegensatz zu den von Cohnheim und Litten 4,; ) 
angestellten Versuchen, denen es bekanntlich nicht gelungen ist, durch 
Einführung blanden Materials in die Pfortader- oder Leberarterienäste 
bemerkenswerte Circulationsstörungen und Infarkte in der Leber zu er- 
zielen. Nach der Ansicht Wooldridge's erklärt sich die auffallende Ver- 
schiedenheit zwischen den von ihm und den von Cohnheim und 
Litten erhaltenen Versuchsresultaten daraus, dass durch die Injektion 
von gerinnungserregenden Substanzen neben ausgedehnten Thrombosen 
eine schwere Alteration in der chemischen Zusammensetzung des 
Blutes herbeigeführt wird, welche ihrerseits eine schwere Schädigung 
der Gefässwände nach sich zieht. Denn einerseits ist das Blut nach der 
Injektion inner- und ausserhalb des Thierkörpers völlig gerinnungsunfähig 
geworden, andererseits aber erweisen sich die Gefässwände abnorm durch- 
gängig für die Blutbestandteile. Es treten jetzt nach Eingriffen, welche 
für gewöhnlich völlig unschädlich verlaufen, ausgedehnte Blutungen und 
Ödeme auf; so entwickelt sich stets an der Zur Ausführung der Injektion 
angelegten Wunde ein enormer Bluterguss. Ferner führen Unterbin- 
dungen von Venen, welche unter normalen Verhältnissen ohne Schaden 



— 37 — 



ertragen werden, z. B. die der vcna cruralis, beim Hund multiple Blutungen 
und ein ausgedehntes Ödem herbei. 

Es ist unverkennbar, dass zwischen den von N au nyn -Franken 
und Wooldridge experimentell erzeugten Leberveränderungen und den 
bei Eklampsie sich findenden Leberläsionen eine ganz frappante Ähnlich- 
keit besteht. Leider finden sich weder bei Naunyn-Franken, noch bei 
Wooldridge Angaben über das Verhalten der übrigen Organe. Da nun 
besonders mit Rücksicht auf die von Wooldridge festgestellte und von 
Groth und Nauck bestätigte Thatsache, dass durch Injektion gerinnungs- 
erregender Substanzen das Blut tiefgehende Veränderungen in seiner 
chemischen Zusammensetzung erfährt, von vornherein die Annahme nicht 
unwahrscheinlich war, dass auch andere Organe durch den experimen- 
tellen Eingriff eine Schädigung, erfahren möchten, so hielt ich es für not- 
wendig, die Wooldridge 'sehen Versuche zu wiederholen. Eine Wieder- 
holung dieser Versuche schien aber noch aus mehreren anderen Gründen 
wünschenswert: einmal nämlich, weil von Eberth 17 ) auf Grund eigener 
Versuche die Versuchsresultate von Wooldridge in Zweifel gezogen 
werden, ferner weil von Wooldridge genauere Angaben über das mikro- 
skopische Verhalten der von ihm erzielten Leberveränderungen nicht ge- 
macht werden, und endlich, weil gegen die Wooldridgc'schen Versuche 
der Einwurf gemacht werden kann, dass die Leberveränderungen nicht 
sowohl durch den thrombotischen Verschluss der Interlobularvenen , als 
vielmehr durch Einwirkung von gleichzeitig mit in die Blutbahn einge- 
spritzten Mikroorganismen bedingt gewesen seien. 

Ich habe mich bei meinen Versuchen eines aus der Kalbsthymus 
nach der Wooldridge'schen Vorschrift hergestellten Gewebsfibrinogens 
bedient und ausschliesslich an nüchternen Hunden experimentirt, da es 
mir darauf ankam, die Thiere möglichst lang am Leben zu erhalten. 
Allerdings passirte es mir gleich bei dem ersten Versuch, dass das Thier, 
welches ein Gewicht von 4 Kilo hatte, unmittelbar nach der Injektion von 
25 cem Gewebsfibrinogen unter Aussetzen der Atmung starb. Bei der 
unmittelbar nach dem Tode bei noch schlagendem Herzen vorgenommenen 
Sektion zeigte es sich, dass der plötzliche Tod auf eine totale Thrombose 
der Pfortader zu beziehen war. Ich hatte offenbar eine zu grosse Dosis 
des Gewebsfibrinogens injicirt. Bei den folgenden Versuchen spritzte ich 
o-erino-ere Quantitäten derselben Eibrinogenlösung (circa 5 cem pro Kilo 
Körpergewicht) ein und erhielt die Thiere stets am Leben. Als dieselben 
■H resp 48 und 72 Stunden nach der Injektion getödtet wurden, zeigte 
sich bei der Sektion, dass genau den Wooldridge'schen Angaben ent- 
sprechend die Leber hochgradig verändert war. Sie war sowohl auf 
der Oberfläche, als auf dem Durchschnitt von zahlreichen Stecknadelkopf 
b^linsengrossenHerden übersät, welche meist <^±^^ 



oeftrbt waren und sich scharf gegen das umgebende Lebergewebe 
rbsetzten Bei der mikroskopischen Untersuchung stellte sich heraus, 



- 38 - 



dass es sich um anämische und hämorrhagische Nekrosen handelte, in 
deren Bereich die interlobulären Venen durch hyaline und Plättchen- 
thromben verschlossen waren. Ich gehe nicht näher auf die Beschreibung 
des mikroskopischen Befundes ein, da ich nur dasjenige wiederholen 
miisste, was ich oben von den bei Eklampsie gefundenen Leberläsionen 
gesagt habe. Mikroorganismen konnten innerhalb der Leber weder durch 
Kulturversuche noch bei Untersuchung von Schnittpräparaten nachge- 
wiesen werden. 

Was die übrigen Organe anlangt, so fanden sich in den Lungen 
bei sämmtlichen Thieren Stecknadelkopf- bis erbsengrosse, teils subpleural, 
teils mehr central gelegene Blutungen. Bei der mikroskopischen Unter- 
suchung zeigten sich die Alveolen prall angefüllt durch abgeblasste, mit 
Eosin nur schwach färbbare rote Blutkörperchen und der zu dem be- 
treffenden Blutherd führende Arterienast durch einen geschichteten 
Thrombus verschlossen; in den Kapillaren fanden sich hie und da hyaline 
Thromben. Die Nieren waren bei der makroskopischen Betrachtung im 
allgemeinen nicht wesentlich verändert, nur war ihre blasse Farbe und 
eine herdweise auftretende Trübung und Verbreiterung der Binde auf- 
fallend. Bei einem Thiere traten an der Oberfläche vereinzelte Blutungen, 
bei einem anderen in der Kinde zwei erbsengrosse anämische Infarkte 
hervor. Die Harnblase des nach 24 Stunden getödteten Hundes enthielt 
eine geringe Menge bräunlichgelb gefärbten Urins, in welchem sehr 
reichlich Eiweiss und Methämoglobin nachweisbar war, welch' letzteres 
bereits von Wooldridge bei einem Versuch im Urin gefunden worden 
ist. An morphotischen Bestandteilen fanden sich spärliche weisse und 
rote Blutkörperchen, sowie ziemlich zahlreiche hyaline Cylinder. Der der 
Harnblase der später getödteten Thiere entnommene Harn war weniger 
stark eiweisshaltig, enthielt spärliche Cylinder und war frei von Methä- 
moglobin. 

Bei der mikroskopischen Untersuchung der Nieren, welche sowohl 
an frischen, als auch an in verschiedenen Fixirungsgemischen gehärteten 
Stücken vorgenommen wurde, zeigten sich ziemlich ausgedehnte, aber 
exquisit herdförmige Veränderungen am Epithel der gewundenen Harn- 
kanälchen und der Henle'schen Schleifen. Dasselbe war teils intensiv 
getrübt und geschwollen, Hess aber bei Zusatz von Essigsäure noch gut 
erhaltene Kerne erkennen, teils aber war es kernlos, in trübe, stark auf- 
gequollene Schollen verwandelt, also völlig nekrotisch. Im Lumen der 
Harnkanälcheu lagen feinkörnige Eiweissniederschläge, hyaline Cylinder 
und hie und da reichliche rote Blutkörperchen. An den Glomerulis waren 
keine auffälligen Veränderungen erkennbar; dass dieselben aber trotzdem 
nicht normal funktionirt hatten, ging mit Sicherheit daraus hervor, dass 
im Kapselraum ein feinkörniges Exsudat erkennbar war. Das interstitielle 
Gewebe war mit Ausnahme spärlicher, wenig umfänglicher Blutungen 
intakt; ebenso Hessen die grösseren Gefässe keine Veränderungen erkennen. 



— 39 — 



die Kapillaren waren mössig gefüllt und enthielten ganz vereinzelte hyaline 
Thromben. 

Es ist klar, dass die schweren Veränderungen, welche die oben be- 
sprochenen Organe darboten, nicht von den spärlichen Kapillarthromben 
abhängig gemacht werden können; da auch sonst greifbare Ursachen, 
auf welche dieselben zurückgeführt werden könnten, nicht nachweisbar 
waren, so bleibt mir die Annahme übrig, dass dieselben durch die in- 
folge der Fibrinogeninjektion herbeigeführte Blutveränderungen bedingt 
gewesen sind. 

Das Gehirn und das Herz erwiesen sich in allen Fällen intakt; 
im Pankreas fanden sich ganz vereinzelte Blutungen, welche um kleine 
thrombosirte Gefässe herumlagen: im Magen bestanden in einem Falle 
(Tod nach 24 Stunden) spärliche hämorrhagische Erosionen. 

Unsere Versuche bestätigen demnach die Annahme von Wooldridge 
vollständig; andererseits aber zeigen sie, dass nicht nur die Leber, 
sondern auch andere Organe durch Injektion von Gewebsfibrinogen ge- 
schädigt werden. 

Es kann nicht geleugnet werden, dass die an unseren Versuchstieren 
erhobenen Befunde eine auffallende Ähnlichkeit mit den Veränderungen 
zeigen, welche wir bei den von uns untersuchten Eklampsiefällcn nach- 
weisen konnten. Bei den Versuchstieren mussten die Veränderungen von 
der Einwirkung einer gerinnungserregenden Substanz auf das Blut ab- 
hängig gemacht werden. Da wir nun bei unseren Eklampsiefällen Gefäss- 
verstopfungen gefunden haben, welche, wie wir oben zeigten, nur unter 
der Annahme erklärt werden können, dass auf das Blut gerinnungs- 
erregende Substanzen eingewirkt haben, so scheint es mir nicht unwahr- 
scheinlich, dass die von uns bei Rklampsie gefundenen Organveränderungen 
in ihrer Genese mit den experimentell bei Thieren erzeugten Läsionen 
auf gleiche Stufe gesetzt werden müssen, dass sie demnach von einer 
Blutveränderung abhängig zu machen sind, welche ihrerseits die Folge 
einer Intoxikation mit gerinnungserregenden Substanzen ist, Diese Substanz 
muss im stände sein, die zwischen mütterlichem und kindlichem Organis- 
mus aufgerichtete Scheidewand zu durchdringen, denn im kindlichen Orga- 
nismus haben wir ja in mehreren Fällen die gleichen Veränderungen 
gefunden wie in dem der Mutter. 

Diese Auffassung giebt uns eine befriedigende, auf einheitlicher 
Grundlage ruhende Erklärung sämmtlicher von uns und anderen Autoren 
gefundenen Veränderungen, welche bisher der Deutung ausserordentliche 
Schwierigkeiten bereitet haben 

Es erhebt sich nunmehr die Frage, woher stammt bei Eklampsie 
der die Gerinnungen hervorrufende Körper? Dass derselbe infektiösen 
Ursprungs und von aussen in den Körper eingedrungen sein sollte, 
ist nach dem, was ich oben gesagt habe, wenig walirscheinhc i. Klebs, 
welcher, wie oben erwähnt, bei zwei von ihm beobachteten Eklampsie- 



40 



fällen ebenfalls multiple Uefässverstopfungen nachweisen konnte, ist der 
Ansicht, dass aus den Zerfallsprodukten der in die mütterliche Blutbahn 
eingeschwemmten Leberzellen ein gerinnungserregender Körper gebildet 
wird. Dieser Ansicht kann ich nicht beipflichten, denn nach unseren 
Untersuchungen ist der Eintritt dieser Zellen lediglich ein sekundärer 
Process und von den in der Leber infolge der Gefässverstopfungen ein- 
tretenden Blutungen abhängig. Diese Zellen können demnach für die 
Entstehung der uns hier beschäftigenden Thrombosen nur eine unter- 
geordnete Bedeutung haben. 

Da es nach unseren Untersuchungen keinem Zweifel unterliegen 
kann, dass bei Eklampsie Placentarzellen in die mütterliche Blutbahn 
gelangen, da es ferner nach den von uns angestellten Kontroiunter- 
suchungen in hohem Grade wahrscheinlich ist, dass der massenhafte 
Eintritt von diesen Zellen in die mütterliche Blutbahn ein für Eklampsie 
eigentümliches Vorkommnis darstellt, so möchte ich die Vermutung aus- 
sprechen, dass vielleicht in der Placenta der Ursprungsort der gerin- 
nungserregenden Substanz zu suchen ist. Hier sind nun wieder zwei 
Möglichkeiten gegeben: entweder stammt diese Substanz aus den Zerfalls- 
produkten der in die Blutbahn eingetretenen Placentarzellen, oder von 
abnormen infolge von Placentarerkrankungen gebildeten Stoffwechsel- 
produkten. 

Was die erste Möglichkeit anlangt, so muss zunächst darauf hin- 
gewiesen werden, dass, wie bereits oben erwähnt, absterbende Zellen 
unzweifelhaft Substanzen bilden, die nicht nur extravaskuläre, sondern 
auch intravaskuläre Gerinnungen zu veranlassen vermögen. Denn aus 
den Untersuchungen von F ö a und Pellacani, von Groth, Hanau, Klebs 
und anderen Autoren geht mit Sicherheit hervor, dass, wenn Aufschwem- 
mungen von Parenchymzellen in die Blutbahn injicirt werden, ausgedehnte 
intravaskuläre Gerinnungen auftreten. 

Obgleich es mir von vornherein nicht zweifelhaft war, dass 
Aufschwemmungen von Placentarzellen eine gleiche Wirkung wie die 
von den erwähnten Autoren benutzten Zellenemulsionen haben würden, 
so hielt ich es doch mit Bücksicht auf die Wichtigkeit der in Rede 
stehenden Frage für notwendig, den thatsächlichen Beweis für diese An- 
nahme zu erbringen. Zu diesem Behufe habe ich folgende Versuche 
angestellt: 

1. Am 23. VI. wird ein trächtiges Kaninchen durch Verbluten ge- 
tödtet. Die acht Placenten werden auf einer Fleischhackmaschine zer- 
kleinert, mit warmer 0,6proc. Kochsalzlösung verrieben und die Auf- 
schwemmung durch ein feines Mulltuch filtrirt. Von derselben werden 
einem Kaninchen 8 cem langsam und unter ganz geringem Druck 
in die Ohrvene injicirt. Kurz nach der Injektion bekommt das Thier 
mehrere Krampfanfälle und sinkt todt zusammen. Die Sektion wird 
unmittelbar nach dem Aufhören der Respiration vorgenommen. Das 



41 



i , rrrh 2 f^T^^? U0Cl1 hl unr ^lmäs S ig e n Kontraktionen, 
" e ^ tnk «nd Vorhof stark ausgedehnt, durch ein dunkel 
lotes, die Hohle vollständig erfüllendes, weiches Gerinnsel, welches sich 
m die Hauptäste der arteria pulmonalis fortsetzt, ausgefüllt. In den 
übrigen Gefässen dunkelrotes, flüssiges Blut. 

« , ^ y°^ derseibenpiacentaraufschwemmun g 

welches 3 Tage gehungert hat, 8 ccm in die vena jugularis eingespritzt 
Fünf Minuten nach der Injektion treten Konvulsionen ein, unter denen 
das Thier zu Grunde geht. Das rechte Herz und die grösseren mit der 
Schere verfolgbaren Äste der Lungenarterie leer. Dagegen findet sich 
ein vollständiger Verschluss der vena portae durch einen weichen, 
dunkelrot gefärbten Pfropf von ihrer Wurzel im Mesenterium bis an die 
mittelstarken Verzweigungen in der Leber. . Derselbe besteht, wie die 
mikroskopische Untersuchung ergiebt, aus feinkörnigen Massen, feinen 
Fibrinfäden, zahlreichen roten und spärlichen weissen Blutkörperchen. 
In vereinzelten, feinen Lungengefässen finden sich bei der mikroskopischen 
Untersuchung Blutplättchenthromben. 

3. Am I.Juli werden einem trächtigen Kaninchen, welches 24 Stunden 
gehungert hatte, 6 ccm einer frisch bereiteten Placentarzellenemulsion 
in die vena jugularis injicirt. Das Thier übersteht die Operation gut 
und ist nach derselben völlig munter. Am 4. VII. bringt es vier, noch 
nicht ausgetragene Junge zur Welt, von denen zwei bereits bei der 
Geburt todt sind, die beiden anderen aber nach circa 2 Stunden starben. 
Leider war ich nicht in der Lage, die neugeborenen Thiere zu untersuchen, 
da dieselben von dem Diener, dem die Besorgung der Thiere oblag, be- 
seitigt worden waren. Am 5. VII. wird das Mutterthier durch Verbluten 
getödtet. An den inneren Organen finden sich keine Veränderungen. 
Nur in einem Hauptaste der Pfortader findet sich ein geschrumpftes, 
rötlichweiss gefärbtes Gerinnsel, welches der Gefässwand ziemlich fest 
anhaftet, das Lumen aber nicht völlig verlegt. 

1. Am 27. VI. wird einem kleinen d% Kilo schweren nüchternen 
Hund von einer Placentarzellenemulsion (selbstverständlich stammten 
die dazu benutzten Placenten von einer Hündin) 25 ccm in die vena 
jugularis injicirt. Der Hund bekommt während der Injektion und kurz nach 
ihr Konvulsionen, erholt sich aber sehr rasch und zeigt in den nächsten 
Tagen keine Störungen in seinem Befinden. Er wird nach 5 Tagen ge- 
tödtet. Bei der Sektion bemerkt man nur in der Leber Veränderungen 
und zwar vereinzelte, teils rötlichbraun, teils gelblichweiss gefärbte, 
stecknadelkopfgrosse Herde, in deren Bereich das Lebergewebe nekrotisch 
ist, und die Interlobularvenen mit hyalinen Thromben verschlossen sind. 

Wenn nun auch aus diesen Versuchen mit Sicherheit hervorgeht, 
dass die Placentarzellen bei Injektion in die Blutbahn gerinnungserregende 
Eigenschaften entfalten, so darf nach meinem Dafürhalten daraus noch 
nicht gefolgert werden, dass bei Eklamptischen diese Zellen die gleiche 



12 



Wirkung hervorrufen. Denn die Bedingungen, unter denen unsere Ver- 
suche angestellt wurden, entsprechen offenbar nur annähernd den bei 
Eklampsie vorhandenen Verhältnissen. Da aber kaum eine Versuchsan- 
ordnung gefunden werden dürfte, welche in jeder Hinsicht den Verhält- 
nissen, wie sie bei eklamptischen Frauen vorliegen, entspricht, so müssen 
wir uns, wie in vielen Fällen, mit einer annähernden Ähnlichkeit be- 
gnügen. Es können daher unsere Versuche nicht als direkter Beweis 
für die Richtigkeit unserer Annahme, sondern nur als Stütze derselben 
angesehen werden. 

Was nun die zweite Möglichkeit anlangt, dass abnorme, in der 
Placeuta gebildete Stoffwechsclprodukte die Ursache der von uns sup- 
ponirten Blutveränderungen sein möchten, so kann ich zur Stütze meiner 
Vermutung nur die Thatsache anführen, dass ich in denjenigen Fällen, 
bei denen die Placenta meiner Untersuchung zugängig war, stets Ver- 
änderungen in derselben habe nachweisen können. Näheres über diese 
Stoffwechselprodukte zu sagen, erscheint mir bei dem jetzigen Stande 
unseres Wissens, wo uns die normalen in der Placenta sich vollziehenden 
Stoffwechselvorgänge noch völlig unbekannt sind, unmöglich. Ebenso 
wenig bin ich in der Lage, in betreff' der ihrer Bildung zu Grunde 
liegenden Veränderungen Angaben in der Hinsicht zumachen, ob es sich 
dabei um speeifische Veränderungen handelt, da ich ausgedehntere Kon- 
troluntcrsuchungen bis jetzt nicht angestellt habe. Soweit meine Er- 
fahrungen, die ich teils auf Grund eigener Untersuchungen, teils aus 
Angaben in der Litteratur gesammelt habe, reichen, kommen ähnliche 
Veränderungen auch in Placenten nicht eklamptischer Frauen und zwar 
ganz vorwiegend solcher, welche an Albuminurie während der Schwanger- 
schaft gelitten haben, vor. Aus dem Umstand, dass diese Placentar- 
veränderungen, die Avir bei Eklampsie gefunden haben, auch bei nicht 
eklamptischen Frauen beobachtet worden, darf meines Erachtens nicht ge- 
schlossen werden, dass diese Veränderungen nicht an der Bildung der die 
Blutveränderung bedingenden Stoffe beteiligt sind. Denn es ist hier zu 
berücksichtigen, dass für den Erfolg, den das Eindringen von gerinnungs- 
erregenden Substanzen nach sich zieht, verschiedene Momente massgebend 
sind. Wie aus den an Thieren mit gerinnungserregenden Stoffen ange- 
stellten Experimentaluntersuchungen hervorgeht, ist für die Wirkung, 
die man erzielt, einmal die Blutbeschaft'enheit zur Zeit der Injektion, 
andererseits aber ganz besonders die Menge der betreffenden Stoffe mass- 
gebend. Nur wenn grössere Quantitäten auf einmal in die Blutbahn gelan- 
gen, treten ausgedehnte Gerinnungen ein, während geringe Mengen, selbst 
wenn sie in kurzen Pausen mfundirt werden, im Thierkörper unschädlich 
gemacht werden, wobei freilich — worüber Untersuchungen bis jetzt noch 
ausstehen — , bestimmte Organe, und zwar vielleicht die mit der Aus- 
scheidung betrauten, Leber und Nieren, geschädigt werden könnten. Es 
ist demnach denkbar, dass, um auf die uns hier beschäftigende Frage 



— 43 — 



zurückzukommen, an sich gleichartige Placentarveränderungen (loch von 
verschiedener Wirkung sein können, je nach der Blutbeschaffenheit der 
betreffenden Graviden, und je nachdem die infolge der Placentarerkran- 
kung entstehenden schädlichen Stoffe in geringerer oder grösserer Menge 
in die Blutbahn gelangen. Einer experimentellen Prüfung ist die hier 
ausgesprochene Vermutung nicht zugängig, da wir keine Mittel kennen, 
Placentarerkrankungen bei Thieren künstlich zu erzeugen. Der Zufall 
hat mir aber eine Beobachtung in die Hand gespielt, welche sich jeden- 
falls zu Gunsten der hier ausgesprochenen Vermutung deuten lässt. 

Am 21. IX. 1891 meldete mir der mit der Wartung der Versuchsthiere 
beauftragte Diener, dass ein trächtiges Kaninchen seit dem vorhergehenden 
Abend von heftigen, anfallsweise auftretenden Krämpfen befallen sei. 
Bei der Besichtigung des Thicres lag dasselbe schwer atmend, völlig 
reaktionslos auf der Seite und zeigte von Zeit zu Zeit die heftigsten 
klonischen Krämpfe, welche sich in Pausen von y 4 bis l / 2 Stunden 
wiederholten und im Laufe des Vormittags den Tod herbeiführten. Bei 
der unmittelbar p. m. vorgenommenen Sektion ergab sich ein überaus 
überraschender Befund, welcher bis in die kleinsten Details mit den bei 
unseren Eklampsiefällen erhobenen übereinstimmte. Die Leber war übersät 
von zahlreichen, Stecknadelkopf- bis linsengrossen, teils gelblichweiss, 
teils dunkelrot gefärbten, scharf umgrenzten Herden, welche sowohl auf 
der Oberfläche, als auch auf der Schnittfläche des Organs deutlich her- 
vortraten. Bei der mikroskopischen Untersuchung stellte es sich heraus, 
dass es sich teils um anämische, teils um hämorrhagische Nekrosen han- 
delte, welche in der Umgebung des interlobulären Bindegewebes lagen 
und sich an thrombosirte Interlobularvenen anlehnten. Die Nieren 
waren etwas vergrössert, succulent, graugelblich gefärbt und liessen 
in der verbreiterten, stark getrübten Kinde ganz vereinzelte Blutungen, 
sowie feine weisse, opake Streifen erkennen. In der rechten Niere fand 
sich ein kleiner, blasser Infarkt, Bei der mikroskopischen Untersuchung 
zeigte sich teils eine starke Trübung, teils aber eine völlige Nekrose 
des Epithels der gewundenen Kanälchen und der Henle'schen Schleifen: 
daneben fand sich an den Epithelien der letzteren eine allerdings nur 
wenig ausgedehnte Verkalkung; in den Kanälchen reichliche Eiweiss- 
niederschläge und hyaline Cylinder. Die Glomeruli grösstenteils intakt, 
nur hie und da eine geringe Epitlieldesquamation und hyaline Thromben 
in den Schlingen. In den Kapillaren der Rinde ausgedehnte Stasen und 
spärliche hyaline Thromben; in den kleineren Arterien ganz vereinzelte 
teils wandständige, teils obturirende Plättchenthromben. Die Blutungen 
lagen teils im interstitiellen Gewebe, teils im Lumen der Harnkanälchen. 

An den Lungen zahlreiche punktförmige bis erbsengrosse Blutungen. 
Bei der mikroskopischen rntersuchung fanden sich zahlreiche Kapillaren 
und spärliche Arterien durch hyaline Thromben verschlossen, daneben, 
allerdings äusserst spärlich, in den Kapillaren Riesenzellen. 



— 44 — 



In der Rinde und den Centralganglien des Gehirns, welches ziem- 
lich stark ödematös war, spärliche punktförmige Blutungen, welche auf 
Thrombose kleiner Gelasse zu beziehen waren. 

Milz klein. Pankreas intakt. 

Im Uterus fanden sich G Föten, von denen 3 frisch abgestorben, 
die übrigen 3 macerirt waren. Die Placenta der letzteren von normaler 
Grösse, aber von zahlreichen gclbweissen, stecknadelkopfgrossen Herden 
durchsetzt . welche bei der mikroskopischen Untersuchung sich als 
Nekrosen erwiesen. Leider habe ich eine mikroskopische Untersuchung 
der Föten nicht vornehmen können, da dieselben aus Versehen wegge- 
worfen worden waren. Aus sämmtlichen Organen wurden unmittelbar nach 
der Sektion Kulturen auf Gelatine, Agar und Blutserum angelegt; die- 
selben blieben aber vollständig steril. Auch durch die mikroskopische 
l ntersuchung konnten keine Bakterien in den inneren Organen nach- 
gewiesen werden. 

Der in diesem Falle beobachtete Krankheitsverlauf und anatomische 
Befund ist genau derselbe, wie wir ihm beider menschlichen Eklampsie 
begegnet sind. In den Handbüchern der Veterinärheilkunde habe ich 
allerdings keine Bemerkungen über das Vorkommen von Eklampsie bei 
Kaninchen gefunden, wohl aber wurde mir von mehreren Kaninchen- 
züchtern mitgeteilt, dass trächtige Kaninchen mitunter am Ende der 
Schwangerschaft unter Krampfanfällen zu Grunde gehen. Wenn nun 
auch vielleicht bei einem Teil dieser Thiere die Krampfanfälle auf die 
Einwirkung von Mikroorganismen zu beziehen sind, so ist doch bei einem 
anderen nicht ausgeschlossen, dass es sich dabei um einen der menschli- 
chen Eklampsie analogen Process handelt. Nach meinem Dafürhalten 
gehört der von mir beobachtete Fall, bei dem die Einwirkung von 
Mikroorganismen ausgeschlossen ist, der letztgenannten Kategorie an. 
In hohem Grade interessant ist dieser Fall dadurch, dass sich bei ihm 
in drei Placenten ausgedehnte Veränderungen und in der Lunge Placentar- 
zellenembolien fanden, welche ich bei einem anderen, unmittelbar nach 
beendigter Geburt getödteten Kaninchen nicht habe nachweisen können. 
Jedenfalls sprechen diese Befunde, wenngleich ich dieser bis jetzt ver- 
einzelt dastehenden Beobachtung keine allzu grosse Bedeutung zu- 
zumessen geneigt bin, zu Gunsten der von uns betreffs der Pathogenese 
der Eklampsie ausgesprochenen Hypothese und, da nur ganz spärliche 
Placentarzellen in der Lunge gefunden wurden, besonders für die Ver- 
mutung, dass durch einen in der Placenta infolge krankhafter Verän- 
derungen gebildeten Stoff die von uns supponirte Blutveränderung 
geschaffen wird. 

Ob diese Vermutung sich aufrecht erhalten lassen wird, darüber 
werden weitere Untersuchungen zu entscheiden haben, das meinen Be- 
obachtungen zu Grunde liegende Material ist zur Entscheidung dieser 
Frage noch zu klein; es ergiebt sich aber aus unseren Befunden die 



— 45 — 



Forderung, bei Eklamptischen den Placenten grössere Beachtung als 
bisher zu schenken. Grundbedingung freilich zur Erzielung sicherer 
Resultate wurde ein vollständigere Kenntnis der Physiologie und Pa- 
thologie der Placenta sein. 

Die von uns hier in betreff der Pathogenese der Eklampsie ent- 
wickelte Iheorie hat jedenfalls vor allen übrigen bisher aufgestellten 
Hypothesen den Vorzug, dass sie alle ■ anatomischen Befunde aus einem 
Punkte ableitet, für welchen in dem Nachweis der Placentarzellenembolie 
eine thatsächliche Grundlage gegeben ist; zweitens aber, dass von ihr aus 
die inneren Beziehungen zwischen Eklampsie und Schwangerschaft resp 
Entbindung verständlich werden. In bezug auf den letzten Punkt möchte 
ich noch hervorheben, dass alle diejenigen Momente, welche stärkere 
Uteruskontraktionen und damit eine reichlichere Durchströmiing der 
Placenta mit Blut auslösen (Geburt, psychische Einwirkungen u. s. w.), 
die von letzterer ausgehenden Blut Veränderungen begünstigen müssen. 

Es erhebt sich nun endlich noch die Frage: Lassen sich die durch 
die klinischen Beobachtungen festgestellten Thatsachen betreffs der Ek- 
lampsie mit unserer Hypothese in Einklang bringen? Dass der klinische 
Symptomenkomplex durch die von uns nachgewiesenen Veränderungen 
völlig seine Erklärung findet, liegt auf der Hand, so dass ich nicht näher 
darauf einzugehen brauche. Nur betreffs der schweren nervösen Er- 
scheinungen möchte ich darauf hinweisen, dass für dieselben nicht allein 
die am Gehirn selbst nachgewiesenen Läsionen, welche in einigen Fällen 
wenig ausgedehnt und wenig zahlreich waren, verantwortlich gemacht werden 
müssen; nach meinem Dafürhalten müssen wir zur Erklärung derselben 
noch anderweitige Momente heranziehen. Besonders bedeutungsvoll er- 
scheinen mir in dieser Hinsicht die von uns nachgewiesenen Nieren- und 
Leberveränderungen; denn es sind infolge derselben Funktionsstörungen 
dieser Organe unausbleiblich, welche zur Retention von schädlichen, zur 
Ausscheidung bestimmten Stoffen Veranlassung geben, die ihrerseits nicht 
gleichgültig für die Funktion eines so empfindlichen Organs, wie es das 
Gehirn darstellt, sein werden. Ferner ist aber auch zu bedenken, dass 
infolge der multiplen Gefässverstopfungen eine arterielle Anämie ein- 
treten muss. Von besonderer Bedeutung sind hier die in den Lungen- 
gefässen gefundenen Gerinnungen, weil sie der Entleerung des rechten 
Herzens abnorme Widerstände entgegensetzen, welche stromaufwärts eine 
bedeutende Stauung, wie sie uns in der enormen Füllung der grossen 
Unterleibsvenen (venae spermat., uterinae u. vena cava) bei Eklamptischen 
vor Augen tritt, stromabwärts eine hochgradige Anämie erzeugen werden. 

Mit der von uns vertretenen Hypothese lassen sich endlich die durch 
die klinische Beobachtung festgestellten Erfahrungstatsachen gut in 

Einklang bringen. 

Es ist schon seit längerer Zeit bekannt, dass besonders diejenigen 
Frauen zur Eklampsie disponirt sind, welche während der Schwanger- 



46 



schaft an Albuminurie gelitten haben. Diese Thatsache wird uns verständ- 
lich, wenn wir berücksichtigen, dass, wie die Untersuchungen Fehling's 4 *), 
Wiedow's und anderer Autoren gezeigt haben, bei Schwangerschafts- 
albuminurie ausserordentlich häufig Placentarerkrankungen gefunden 
werden, in welchen, nach dem oben Gesagten, höchst wahrscheinlich die 
Quelle der von uns supponirten Blutveränderung zu suchen ist. Man 
hat weiterhin beobachtet, dass Primiparc häufiger an Eklampsie er- 
kranken, als Multipare. Da nun durch statistische Untersuchungen er- 
wiesen ist, dass Primipare häufiger an Albuminurie leiden als Mehr- 
gebärende, so dürfen wir mit Zugrundelegung der oben erwähnten 
Untersuchungen Wiedow's und Fehling's, ohne die Grenzen erlaubter 
Hypothesen zu überschreiten, die Annahme machen, dass bei denselben 
auch häufiger Placentarerkrankungen vorliegen werden, als bei Multi- 
paren. Ferner aber müssen wir berücksichtigen, dass bei Erstgebärenden 
die Geburt protrahirter zu verlaufen pflegt, als bei Multiparen, wodurch, 
falls Placentarerkrankungen vorliegen, Gelegenheit gegeben wird, dass 
grosse Quantitäten der die Blutveränderung bedingenden Substanzen, 
seien es Zellen, seien es gelöste Stoffe, in die mütterliche Blutbahn ge- 
langen können. 

Weiterhin hat die Erfahrung gelehrt, dass die Eklampsie in der 
Mehrzahl der Fälle sistirt, sobald die Geburt beendet ist. Auch hierfür 
giebt uns unsere Hypothese eine befriedigende Erklärung: mit Beendigung 
der Geburt ist dasjenige Organ, welches wir als den eigentlichen Krank- 
heitsherd betrachten, aus dem Körper entfernt. Der Ausgang, den der 
Krankheitsprocess schliesslich nimmt, ob Genesung oder Exitus, wird le- 
diglich von der Ausdehnung und Lokalisation der anatomischen Ver- 
änderungen und diese wieder von der Menge der in die Blutbahn ge- 
langten, gerinnungserregenden Substanzen abhängig sein. Bei grossen 
Mengen werden sich so schwere und so ausgedehnte Veränderungen ein- 
stellen, dass, selbst wenn der eigentliche Krankheitsherd entfernt ist, 
damit der Fortbestand des Lebens nicht vereinbar ist. Bei Fällen aber, 
bei denen nur geringe Mengen der gerinnungserregenden Substanz in die 
mütterliche Blutbahn gelangen und infolge dessen weniger ausgedehnte 
Veränderungen eintreten, wird Genesung erfolgen können, zumal die Ge- 
rinnungen im allgemeinen einen lockeren Bau zeigen und deshalb bei 
kräftiger Herzaktion leicht aufgelöst werden können. Dass thatsächlich bei 
den in Genesung ausgehenden Fällen die gleichen Veränderungen vor- 
kommen, wie bei den tödtlich endenden Eklampsien, glaube ich aus einer 
Beobachtung schliessen zu dürfen, wo bei einer an Typhus abdominalis ver- 
storbenen Frau, die nachweislich drei Jahre vor ihrem Tode eine schwere 
Eklampsie überstanden hatte, Residuen eklamptischer Leberveränderungen 
in Form feiner, an der Oberfläche und auf dem Durchschnitt hervor- 
tretender Narben, sowie feine Infarktnarben in den Nieren und circumscripte 
braungclbc Pigmcntirungen der weichen Hirnhäute nachweisbar waren. 



— 47 — 



Es erhebt sich nun endlich noch die Frage: Lassen sich die erst 
im Puerperium ausbrechenden Eklampsien durch die von uns vertretene 
Hypothese erklären? 

Ich glaube, auch diese Frage bejahen zu können. Es ist eine be- 
kannte Thatsache, dass die weitaus grösstc Mehrzahl der Puerperal- 
eklampsien am ersten oder zweiten Tage des Wochenbetts ausbricht. 
Hier sind zwei Möglichkeiten gegeben. Einmal können Piacentarreste 
im Uterus zurückgeblieben sein, von denen aus, seien es zellige Bestand, 
teile, seien es gelöste Stoffe, in die Blutbahn eindringen und die von uns 
supponirte Blutveränderung herbeiführen. Dass thatsächlich von Piacentar- 
resten Bestandteile in die mütterliche Blutbahn gelangen können, geht 
mit absoluter Sicherheit aus einem der von mir beobachteten Eklampsie- 
fällc (Nr. 16) hervor. Hier hatten die eklamptischen Anfälle nach der 
Geburt sistirt, und die betreffende Frau hatte sich bereits wieder 
leidlich erholt, als am fünften Tage des Wochenbettes von neuem 
Krämpfe eintraten, welchen die Frau erlag. Bei der Sektion zeigten sich 
neben sicher älteren Veränderungen in der Leber ganz frische hämor- 
rhagische Herde, ferner fand sich im Uterus ein fast hühnereigrosser, 
der Uteruswand fest anhaftender Piacentarrest. Bei der mikroskopischen 
Untersuchung der Lungen konnten nun nicht nur in den Kapillaren, 
sondern auch in grösseren, nicht thrombosirten Arterienästen gut erhaltene 
placentare Riesenzellen nachgewiesen werden. Der Umstand, dass diese 
Zellen in grösseren, nicht thrombosirten Gefässen gefunden wurden, 
lässt sich nicht anders deuten, als dass diese Zellen erst kurz vor dem 
Tode eingeschwemmt worden sind. Es sind demnach in diesem Falle 
sicherlich erst im Puerperium von dem Piacentarrest Bestandteile in die 
Blutbahn gelangt. 

Aber selbst, wenn bei anderen Fällen von Puerperaleklampsie Pia- 
centarreste sich nicht finden lassen sollten, so würde damit die von uns 
vertretene Anschauung nicht hinfällig werden; denn es ist ja nicht un- 
wahrscheinlich, dass die Symptome der Eklampsie sich nicht unmittel- 
bar an die durch die Invasion von Placentarbestandteilen bedingte Blut- 
veränderuug, besonders wenn jene nicht in allzu grosser Menge in die 
Blutbahn gelangen, anzuschliessen brauchen, sondern erst infolge der be- 
schriebenen Organ Veränderungen, insbesondere die der Leber und Nieren, 
auf deren Bedeutung bezüglich der schweren nervösen Symptome ich be- 
reits oben hingewiesen habe, auftreten. Es ist demnach möglich, dass ante 
partum entstandene Organläsionen sich erst post partum klinisch bemerk- 
bar machen. Der leichte Verlauf, den für gewöhnlich die Puerperal- 
eklampsien nehmen, würde sowohl unter der letzterwähnten Annahme, 
als auch unter der Annahme von retinirten Piacentarresten verständlich 
werden, da es sich in beiden Fällen um das Eindringen von geringen 
Mengen der schädlichen Substanz handelt. 

Was nun die erst mehrere Tage, ja Wochen nach der Entbindung 



— 48 - 



auftretenden Eklampsien anbetrifft, so gestehe icli offen, dass diese durch 
die von mir aufgestellte Hypothese nicht erklärt werden können. Ich 
möchte aber hier die Frage aufwerfen, ob diese Fälle überhaupt mit den 
in der Schwangerschaft, resp. während der Geburt und kurz nach der- 
selben auftretenden Kklampsien auf gleiche Stufe gestellt werden können, 
ja ich möchte diese Frage noch allgemeiner fassen und fragen, ob die 
klinischen, unter der Diagnose Eklampsie zusammengefassten Krankheits- 
processe ihrem Wesen nach gleichartig sind. Dies ist sicherlich nicht 
der Fall, denn die Eklampsie ist ein rein symptomatischer Begriff, unter 
dem verschiedene mit Konvulsionen einhergehende Krankheitsprocesse 
zusammengefasst werden. Klinisch werden sich bei dem jetzigen Stande 
unseres Wissens diese Krankheitsprocesse nicht auseinanderhalten lassen, 
insbesondere dürfte es schwer, ja in vielen Fällen sogar überhaupt un- 
möglich sein, urämische Krämpfe, welche ganz unzweifelhaft Schwangere, 
Gebärende und Puerpere ebenso wie andere Individuen, sobald sie an 
einer Nierenerkrankung leiden, befallen können, von nicht urämischen, 
im engeren Sinne eklamptischen Krämpfen zu trennen. Pathologisch- 
anatomisch aber ist nach meinem Dafürhalten durch die von uns und 
anderen Autoren gefundenen Thatsachen eine Grundlage geschaffen, auf 
der sich eine bestimmte Anzahl und nach meiner Ansicht sicher die Mehr- 
zahl der Fälle von dem grossen allgemeinen Krankheitsbild abgrenzen 
lassen wird. Der Zukunft muss es vorbehalten bleiben, auch klinisch 
bestimmte Unterscheidungsmerkmale zu finden und aufzustellen. 



Bericht über die beobachteten Fälle. 



Das den vorstehenden Untersuchungen zu Grunde liegende Material 
entstammt mit Ausnahme von zwei Fällen dem hiesigen Entbindungs- 
institut. Herrn Prof. Dr. Zweifel bin ich für die liebenswürdige 
Überlassung der Krankengeschichten zu grossem Danke verpflichtet. Die 
Sektionen wurden fast sämmtlich von mir persönlich ausgeführt. 

Bezüglich der mikroskopischen Untersuchungen möchte ich bemerken 
dass dieselben sowohl an frischen, als auch an gehärteten Präparaten an- 
gestellt wurden. Als Härtungs- resp. Fixirungsflüssigkeit dienten Alkohol- 
Müller'sche Lösung, Flemming'sches Säuregemisch und Sublimat. Be- 
sonders das letztere hat mir ausgezeichnete Kesultate geliefert, denn ge- 
rade an den mit Sublimat fixirten Präparaten traten die Plättchen- und 
hyalinen Thromben in grosser Deutlichkeit und Klarheit hervor. Die 
mit den verschiedenen Härtungs- resp. Fixirungsmitteln behandelten 
Präparate wurden in Paraffin eingebettet. Zur Färbung dienten haupt- 
sächlich Hämatoxylin und Eosin, doch wurden auch andere Färbemethoden 
(Carmin, Saffranin, Nigrosin u. s. w.) in Anwendung gebracht. 

Bei der bakteriologischen Untersuchung wurden, soweit angängig, 
aerobe und anaerobe Kulturen angelegt. Als Nährsubstrate dienten 
Gelatine, Agar und Blutserum vom Menschen und Hammel. 

Fall I. 

Krankengeschichte. Rothe, Clara, 24 Jahre. I-p. Aufgen. 11. Sept. 1889, 
gestorb 12 Sept. Pat. kommt komatös in die Anstalt; sie hat zu Hause 4 Anfalle 
gehabt. Um 10 Uhr Vormittags 0,03 Morph, mur. Schwitzbett, Citronenliraonade. 
P 104. Trachealrasseln. Cyanose. Keine Ödeme. 

Rücken des Kindes rechts. Herztöne sind zu hören. Muttermund 5 cm. 
Blase bis in die Schamspalte vorgetrieben. Leitstelle einen Querfinger über der 
Spina ischii. Kleine Fontanelle rechts, grosse links. Pfeilnaht quer Kopf be- 
weglich. 9 Uhr 11 Min. Blasensprung. Sofort stellt sich der Kopf fest em. 
Um 12 Uhr 30 Min. Anfall, ebenso 1 Uhr 40 Min. Spontane Geburt in 11. 
Schädellage; beim Durchschneiden der letzte Anfall, so dass der Kopf er » eb " 
licher Kraft vorgeschoben wird. Dammriss 1-2« Drei ^dennähte dm 
Catgutnähte wegen starker Blutung, welche auch nach A ™ to ^«^^ 
und gut kontrahirtem Uterus fortdauert und nicht dem Uterus ^ ^tamni . 
Quelle der Blutung nicht aufzufinden. Tamponade der Vagina durch Jodoform, 

Schmorl, Eklampsie. 



- 50 — 



gaze. Hämatom der linken Labie. Urin vor und nach der Geburt durch Ka- 
theter entleert, von pflaumenbrühartiger Farbe, stark eiweisshaltig, enthalt rote 
und weisse Blutkörperchen und Epithelcylinder. Kind asphyktisch, erholt sich 
allmählioh, schreit nur schwach. 

Temp p. p. 37, 4°; P. 100. Patientin nach der Geburt weiter komatös, 
um 6 Uhr 10 Min. und 8 Uhr 45 Min. wiederholen sich die Anfälle Temn 
39"; P. 150. 

Den 12. IX. Um 12 Uhr 30 Min. Vorm. Morph. 0, 02. Temp. 38,5°. 

2 „ 30 „ „ 39; P. 150. 

9 — „ 38,4; P. 160. 

Transfusion von 600 ccm Kochsalzlösung. Nach der Operation Puls 
voller, 128; Temp. 37,9. Mittags werden mittelst Katheters 250 ccm Urin der 
oben erwähnten Beschaffenheit entleert. Koma dauert fort. 
6 Uhr 45 Min. Nachmittags Exitus letalis. 

Sektionsprotokoll. Mittelgrosse, gracil gebaute Frau von leidlichem 
Ernährungszustand. Die Hautfarbe im allgemeinen gelblichweiss , im Gesicht 
deutlich ikterisch. Die Sclerae gelb gefärbt. Am Abdomen reichliche frische 
Striae und vereinzelte subcutane, punktförmige Ekchymosen. Die linke grosse 
Schamlippe ist hochgradig geschwollen, blauschwarz gefärbt. An den unteren 
Extremitäten keine Ödeme. 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldecken blutreich und von zahlreichen 
punktförmigen Hämorrhagien durchsetzt; ebenso das Periost. Diploe sehr blut- 
reich. An der Tabula vitrea ausgedehntes Schwangerschaftsosteophyt. 

Im Sinus longitudinalis superior dunkles flüssiges Blut; die Dura straff 
gespannt, die Pia an der Convexität sehr stark injicirt; die Venen prall mit 
dunkelrotem flüssigen Blut gefüllt; hie und da bemerkt man vereinzelte punkt- 
bis linsengrosse Blutungen unter der Arachnoidea. Die Gyri sind stark abge- 
plattet. Die Gehirnsubstanz von fester Konsistenz. Das weisse Marklager 
feucht, glänzend und blutreich. Die Binde grauviolett gefärbt, im Bereiche des 
Stirnhirns und der Centraiwindungen vereinzelte punktförmige Blutungen. Die 
Centralganglien auf der Schnittfläche fleckig gerötet, ebenso Pons und Medulla 
oblongata. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand rechts in dem 3. Intercostalraum, links an der 
4. Rippe. Die Lungen sinken gut zurück, Pleurahöhlen leer. Im Gewebe des vorderen 
Mediastinums zahlreiche, bis linsengrosse Blutungen. Thymusdrüse fast noch in 
ganzer Ausdehnung erhalten. Im Herzbeutel eine geringe Menge schwach blutig 
gefärbter Flüssigkeit. 

Das Herz von normaler Grösse, lässt an der Oberfläche zahlreiche sub- 
pericardiale Ekchymosen erkennen. Pericard glatt und spiegelnd. Beide Ven- 
trikel kontrahirt und mit spärlichen Mengen dunkelroten, dünnflüssigen Blutes 
erfüllt. Die Muskulatur sehr stark getrübt, verwaschen graurot gefärbt, hie 
und da von gelben Flecken und Streifen durchsetzt; in der Muskulatur des 
linken Ventrikels vereinzelte Blutungen. An den freien Bändern der Mitral- 
klappe ziemlich zahlreiche Stecknadelkopf- bis erbsengrosse verrucöse Excres- 
cenzen von gelblichweisser Farbe und fester Konsistenz. Aortenklappen intakt. 

Die Lungen nirgends verwachsen. Pleura glatt und spiegelnd. An den 
hinteren Partieen zahlreiche Ekchymosen. Der linke Oberlappen, sowie die ganze 
rechte Lunge überall gut lufthaltig, auf der Schnittfläche sehr blutreich, hie und da 
von frischen taubeneigrossen Blutungen durchsetzt. Der linke Unterlappen völlig 
luftleer, von derber, fester Konsistenz, sehr voluminös. Die Schnittfläche tiefrot 
gefärbt, fein granulirt, lässt trübe, graurote Flüssigkeit abstreifen; an der 
Basis finden sich in den infiltrirten Lappen vereinzelte bis kirsrhgrosse, gelbe, 



— 51 — 



weiche, zerfliessliche Herde. Die Bronchialscbleimhaut mit zähem, eitrigem 
Schleim belegt, geschwollen und stellenweise blutig suffundirt Blt "g em 

Tn ^v^LT 6 ^ G -n m ^ 6tW f ödematÖ8 / ebenso die aryepiglottischen Falten. 
Li dei rechten Tonsille ein erbsengrosser, von der Umgebung durch eine fibröse 
Schuht abgekapselter Abscess. In Kehlkopf und Trachea feinblasiger Schleim. 

Bauchhohle. In der Bauchhöhle kein freier Inhalt. Der Uteras über 
kmdskopfgross, füllt die Höhle des kleinen Beckens völlig aus Unter seiner 
Serosa ausgedehnte Hämorrhagien. 

Die Milz nur wenig vergrössert, von ziemlich fester Konsistenz Die 
Oberfläche glatt, dunkelrot gefärbt. Die Pulpa ziemlich blutreich, fest. Follikel 
undeutlich. Am unteren Pol ein kleiner hämorrhagischer Infarkt. 

Die Nebennieren zeigen keine Abnormitäten. 

Die linke Niere vergrössert, von fester Konsistenz. Die Kapsel leicht ab- 
ziehbar. Die Oberfläche glatt, graugelblich gefärbt, lässt zahlreiche punktförmige 
Blutungen erkennen. Rinde etwas verbreitert, stark feucht glänzend, grau- 
gelblich gefärbt, intensiv getrübt. Die Marksubstanz zeigt fleckweise Trübung, 
ist blutreich. Sowohl in der Rinde, als auch im Mark vereinzelte Blutungen! 
Die Schleimhaut des Nierenbeckens, welches weder rechts noch links erweitert 
ist, von zahlreichen Blutungen durchsetzt. Die Ureteren eng. In der rechten 
Niere, welche im allgemeinen dasselbe Verhalten wie die linke zeigt, vereinzelte 
kleine Infarkte. 

In der Harnblase eine geringe Menge trüben, stark hämorrhagischen Urins. 
Schleimhaut blassgelblich gefärbt. 

Die Scheide sehr weit, ihre Schleimhaut, die von ausgedehnten Hämor- 
rhagien durchsetzt ist, weist sowohl an der hinteren als an der vorderen Wand 
oberflächliche Risse auf. Cervix ist stark zerfetzt und blutig suffundirt. Der 
Uterus fest kontrahirt, die Muskulatur von guter Konsistenz, rötlichweiss gefärbt. 
Im Fundus die Placentarstelle, der entsprechend zahlreiche Venen der Uterus- 
wand thrombosirt. Die Uterushöhle ist mit zahlreichen, teils gelblichroten, teils 
dunkelroten Gerinnseln ausgekleidet; nirgends Eiterung. Die Tuben am abdo- 
minalen Ende etwas gerötet. Im rechten Ovarium ein Corpus luteum verum. 

Die Leber ist kleiner als normal, von fester Konsistenz. Auf ihrer Ober- 
fläche und Schnittfläche zeigt sie ein ausserordentlich buntes Bild; man bemerkt 
nämlich in dem im allgemeinen braungelb gefärbten Lebergewebe, welches eine 
deutliche acinöse Struktur erkennen lässt, einesteils ziemlich ausgedehnte, un- 
regelmässig begrenzte Hämorrhagien, anderenteils aber zahlreiche linsen- bis 
kirschgrosse, verwaschen gelbweiss gefärbte Flecken und Streifen. Letztere, 
welche meist völlig homogen erscheinen, liegen an der Oberfläche, besonders in der 
Nähe des Lig. Suspensorium und Lig. coronarium; auf der Schnittfläche erscheinen 
sie ziemlich gleichraässig auf das ganze Leberparenchym verteilt; sie sind sämmt- 
lich sehr scharf durch einen feinen dunkelroten Saum von der Umgebung abge- 
setzt, sind auffallend trocken und sinken unter das Niveau der Schnittfläche 
zurück. 

In zahlreichen grösseren Gallengängen findet sich flüssiges Blut; Gallen- 
gang durchgängig. 

Magenschleimhaut graurot gefärbt, geschwollen. An der kleinen Kurvatur 
kleine Blutungen und hämorrhagische Erosionen. 

In der Dünn- und Dickdarmschleimhaut kleinste Blutungen. 

Bakteriologische Untersuchungen. Aus dem Unken Unterlappen der 
Lunge Streptokokken- und Staphylokokkenkulturen. Die aus der Leber, dem 
Gehirn und den Nieren angelegten Platten bleiben steril. Auch m mikro- 
skopischen Schnitten keine Mikroorganismen nachweisbar. 



— 52 — 



Mikroskopischer Befund. Leber. &) Frisches Präparat: Im Bereiche 
der opaken gelbweissen Herde ist keine deutliche Leberstruktur mehr zu er- 
kennen, nur trübe Massen, die sicli bei Zusatz von Essigsäure aufhellen. Jetzt 
bemerkt man auch vereinzelte Leberzellen, welche aber kernlos erscheinen. In 
der Nachbarschaft der Herde die Leberzellen getrübt, aber ohne Fett, da in 
Osmiumpräparaten keine Schwärzung. 

b) Gehärtetes Präparat (Alkohol und Müller'sche Lösung.): An feinen, 
mit Hämatoxylin und Eosin gefärbten Schnitten, welche durch grössere gelbweisse 
Herde gelegt wurden, fallen schon bei der Betrachtung ohne Mikroskop im durch- 
fallenden Lichte mehr oder minder grosse, hellrosa gefärbte Flecken und Streifen 
auf, welche sich scharf von dem übrigen blaurot gefärbten Gewebe abheben. 
Bei der mikroskopischen Untersuchung zeigen die hellrot gefärbten, den opaken 
gelbweissen Herden entsprechenden Stellen ein etwas verschiedenes Aussehen, 
welches nach meiner Ansicht von dem verschiedenen Alter derselben abhängig 
ist. In denjenigen, welche ich als jüngste anspreche, ist die Struktur des 
\> Lebergewebes noch gut erhalten, die Leberzellenbalken sind im allgemeinen 

gut von den Gefässen zu unterscheiden, aber die Leberzellen unterscheiden sich 
in ihrer Färbung sehr wesentlich von den normalen Zellen. Während letztere 
bläulichrot gefärbt sind, erscheinen erstere hellrosa gefärbt und ihr Protoplasma 
zeigt eine eigentümlich feinkörnige oder feinfädige Beschaffenheit, mitunter 
einen starren Glanz ; die Konturen sind wenig scharf, wie ausgenagt, mitunter 
sind benachbarte Leberzellen konfluirt. Die Kerne dieser Leberzellen sind ausser- 
ordentlich blass gefärbt, häufig überhaupt nicht mehr färbbar, aber noch nicht 
völlig geschwunden; denn man erkennt noch deutlich die blassblau gefärbte 
Kernmembran, es ist nur das Chromatinnetz sammt den Nukleolen geschwunden. 
Die Kerne der Kupfer'schen Sternzellen und der Gefässendothelien sind gut er- 
halten und gut färbbar. Die Kapillarwand häufig etwas verdickt, stark glänzend, 
leuchtend rot gefärbt, das Kapillarlumen teils leer, teils mit homogenen, teils 
feinstreifigen und scholligen glänzenden Massen erfüllt, ohne Beimischung von 
Leukocyten. Die Thromben setzen sich in die interlobulären Venen fort, welche 
sie völlig verlegen. 

In den etwas älteren Herden ist die Leberstruktur ebenfalls leidlich gut 
erhalten, aber hier sind in den Leberzellen Kerne überhaupt nicht mehr nach- 
weisbar; das Protoplasma rosa gefärbt und hie und da von Vakuolen durchsetzt. 
Diese Vakuolen können nicht als durch Alkohol ausgezogenes Fett gedeutet 
werden, da in Osmiumpräparaten keine schwarze Färbung an denselben hervor- 
k tritt; ich bin geneigt, sie als Ausdruck einer hydropischen Degeneration anzu- 

sehen. Die Kerne der Endothelien nur noch ganz schwach färbbar. Die Kapillar- 
wände hyalin, sonst wie oben. Zwischen den Leberzellen, welche teilweise von 
den Kapillarwänden durch feine Spalten getrennt sind, ein feinfädiges Netzwerk, 
welches nach der Weigert'schen Färbung Fibrinreaktion giebt. Die Herde sind 
scharf gegen die Umgebung abgesetzt, derart, dass nekrotische Leberzellen un- 
mittelbar neben gut erhaltenen liegen; die Kapillaren in der Umgebung teils 
leer, teils aber prall gefüllt, mitunter in ihnen Stase. 

In den ältesten Herden ist die Leberstruktur nicht mehr zu erkennen, es 
findet sich nur noch eine homogene, teils trübe, teils mattglänzende Masse, in 
welcher feinste Chromatinkörner von unregelmässiger Form und Grösse einge- 
streut sind (Kerndetritus). An der Peripherie mancher Herde Ansammlung von 
Rundzellen, welche mitunter tief in das Centrum hineinreicht. 

Die eben beschriebenen Herde liegen, wenn sie noch wenig umfänglich 
sind, stets in der unmittelbaren Nähe des periportalen Bindegewebes, betreffen 
also die Peripherie der Acini. Grössere greifen, oft tief in das Centrum der 



— 53 - 



letztereu hinein uud unilassen oft mehrere Gruppen benachbarter Drüsenläppchen. 
Häufig hegt zwischen dem nekrotischen Herd und dem periportalen Gewebe eine 
Reihe gut erhaltener Leberzellen. 

Neben diesen anämischen Nekrosen finden sich auch, allerdings wenig zahl- 
reich, hämorrhagische Herde, welche ebenfalls in der Nachbarschaft des peripor- 
talen Bindegewebes liegen. Hier finden sich gut mit Eosin färbbare rote Blut- 
körperchen, teils zwischen der Kapillarwaud und den Leberzellenbalken, teils 
zwischen den einzelnen Leberzellen; häufig auch ein feines Fibrinnetz. Die 
Leberzellen sind meist blass gefärbt; die Kerne entweder gar nicht oder nur schlecht 
färbbar. Die Blutung greift fast stets auf das periportale Bindegewebe über 
welches dicht mit roten Blutkörperchen infiltrirt ist. Die im periportalen Ge- 
webe verlaufenden Arterienäste sind meist leer, nur hie und da prall gefüllt, 
aber nicht thrombosirt. 

Die Interlobularvenen aber und die aus ihnen hervorgehenden Kapillaren 
sind nicht nur im Bereich der nekrotischen Herde, sondern häufig auch an Stellen, 
an denen Nekrosen noch völlig fehlen, durch Thromben verschlossen, welche teils 
ein homogenes, glänzendes Aussehen darbieten und sich mit Eosin leuchtend 
rot färben (hyaline Thromben), teils feiner oder gröber gestreift sind, mitunter 
auch aus feinkörnigem Material bestehen, welches bei Färbung mit Eosin rosa, 
mit Nigrosin schwärzlichblau erscheint (Blutplättchenthromben). Die Wände der 
genannten Gefässe häufig hyalin degenerirt. In etwas grösseren Pfortaderästen nur 
selten obturirende, fibrinöse Thromben, häufiger waudstäudige Plättchenthrombeu. 

Die feinen Gallengänge prall gefüllt, besonders in der Umgebung der nekro- 
tischen Herde; da, wo Blutungen vorhanden sind, mitunter rote Blutkörperchen 
im Lumen der Kanälchen. In den Gallenkapillaren in der Nachbarschaft der 
Herde Gallenthromben. 

Das übrige Lebergewebe blutreich, die Leberzellen nur wenig verfettet. 
In einigen Centraivenen und spärlichen grösseren Lebervenen vereinzelte isolirt 
liegende Leberzellen. 

Nieren, a) Frische Präparate: Bei Untersuchung von frischen Schnitten eine 
sehr starke Trübung der Epithelien der Glomeruli und gewundenen Harnkanälchen, 
welche auf Zusatz von Essigsäure grösstenteils verschwindet. Dabei die Epithelien 
geschwollen; die Kapillaren der Rinde prall gefüllt. An Osmiumpräparaten keine 
wesentliche Verfettung. 

b) In Alkohol und Müller'scher Lösung gehärtete Präparate: Die Glomeruli 
in der Mehrzahl intakt, mit Ausnahme eines in Koch- und Alkoholpräparaten 
deutlich hervortretenden feinkörnigen Eiweissniederschlages im Kapselhohlraum. An 
anderen Glomeruli findet sich eine Desquamation des Schlingen- und Kapsel- 
epithels, jedoch nur mässigen Grades. Die Schlingen prall mit Blut gefüllt, hie 
und da hyaline Degeneration. Das Epithel der gewundenen Kanälchen, vielfach 
kernlos, gequollen, die dem Lumen zugekehrte Seite wie. ausgenagt. In den 
Henle'schen Schleifen feinkörnige Eiweissniederschläge. Die Epithelien meist gut 
erhalten, die Kerne gut färbbar, nur hie und da vereinzelte kernlose Epithelien. 

In den Sammelröhren hyaline Cylinder und spärliche rote Blutkörperchen. 
Die Epithelien hie und da feinkörniges gelbes Pigment enthaltend, welches mit- 
unter auch den Cylindern anklebt. Die intertubulären Kapillaren der Rinde teils 
völlig leer, herdweise aber prall gefüllt; in zahlreichen Kapillaren Stase. Die 
grösseren Arterien leer, in vereinzelten kleineren wandständige Plättchenthromben. 
Die Venen des Marks mässig gefüllt, hie und da spärliche Thromben. 

Lunqen. Im Bereich der schon makroskopisch erkennbaren Blutungen die 
Alveolen prall mit Blut gefüllt; in den Kapillaren Stase und hyaline Thromben. 
In den grösseren, zu den blutig infiltrirten Teilen führenden Arterien Thromben, 



— 54 — 



die teils wandständig, teils total pbturirend sind und sich teils aus Blutplättchen, 
teils aus Fibrinfäden aufbauen, in deren Maschwerk rote und spärliche weisse 
Blutkörperchen liegen. Die Thromben sind nicht nur auf die Blutungen beschränkt, 
sondern finden sich auch an Stellen, wo die Alveolen intakt sind. In den kleinereu 
Lungenvenen nur hie und da wandständige Plättchenthromben. 

Im linken Unterlappen fibrinös-eitrige Pneumonie. 

In zahlreichen Kapillaren beider Lungen grosse ovale und runde Zellen, 
welche das Lumen teils prall ausfüllen, teils durch einen schmalen, von roh-n 
Blutkörperchen erfüllten Spalt von der Wand getrennt sind. Sie enthalten sehr 
zahlreiche, tief dunkelblau gefärbte, runde Kerne, in denen reichliche runde Nu- 
kleolen erkennbar sind. In den Arterien und Venen keine derartigen Zellen. Dagegen 
in den Arterien vereinzelte kubische und polygonale Zellen, welche ihrem mor- 
phologischen Charakter nach als Leberzellen angesprochen werden müssen, zumal 
einige von ihnen gelbes Pigment enthalten. 

Gehirn. In den Hirnhäuten zahlreiche kleine Blutungen; die Arterien leer, 
die Venen prall gefüllt, in vereinzelten gemischte Thromben; in den Kapillaren 
vielfach Stase. Die Blutungen in der Hirnsubstanz überall scharf umgrenzt, in 
ihrem Bereich keine Zertrümmerung des Gewebes, letzteres ist vielmehr gleieh- 
niässig von teils gut erhaltenen, teils etwas abgeblassten roten Blutkörperchen 
durchsetzt. Die Blutungen liegen um strotzend gefüllte Kapillaren, häufig sind 
letztere durch hyaline Thromben verschlossen, ihre Wand hyalin degenerirt. 
Die grösseren Hämorrhagien sind um kleinere Venen gelagert, welche ebenfalls 
strotzend gefüllt sind. Verfolgt man in Serienschnitten diese kleinen Venen, so 
sieht man, dass sie in grössere Venen einmünden, welche durch Thromben ver- 
si blossen sind. Die Thromben bestehen teils aus homogenen oder feinstreifigen 
Massen, in denen spärliche geschrumpfte Kerne eingeschlossen sind, teils aus ge- 
schichteten roten und weissen Blutkörperchen, welche durch ein feinfädiges 
Fibrinnetz zusammengehalten werden. 

Die Thromben in den Kapillaren beschränken sich aber nicht auf die 
Stellen, wo Blutungen vorhanden sind, sondern werden auch an Stellen gefunden, 
wo noch keine Veränderungen an der Gehirnsubstanz nachweisbar sind; allerdings 
bemerkt man, dass hie und da in der Umgebung der Kapillaren die anliegende 
Gehirnsubstanz einen eigentümlichen, starren Glanz darbietet und sich mit Eosin 
leuchtend rot färbt. 

Im linken Nncleus caudatus mehrere kleine, erst mikroskopisch nachweisbare 
Erweichungsherde, in deren Bereich die Kapillaren durch hyaline Thromben ge- 
schlossen sind. 

Pankreas normal. 

Herx. Starke Trübung der Muskelfasern, welche nur teilweise auf Essig- 
säurezusatz verschwindet. Hie und da vereinzelte Blutungen, in deren Bereich die 
Muskelfasern gequollen und hyalin erscheinen, Kerne überall gut färbbar. Die 
Arterien leer, die Kapillaren und Venen prall gefüllt. 

Uterus nicht untersucht. 

Fall II. 

Krankengeschichte. Hartenbaeh, Wirtschafterin. 23 Jahre. Aufgen. 
12./XL, gestorb. 13./XI. 89. In der Behausung im Laufe des Tages 10 Anfälle. Beim 
Eintritt in die Klinik absolutes Koma. Ödem der unteren Extremitäten. Cyanose 
des Gesichts. Stertoröses Atmen mit beginnendem Lungenödem. Harn stark eiweiss- 
haltig. Kind in I. Schädellage, abgestorben. Wehen mässig kräftig. Muttermund 
für 3 Finger durchgängig. Blase steht. Kopf im Beckeneingang. 



- 55 — 



»» der Ans talt , 4 Anfälle. Die Wehen jetzt kräftiger. 1 Uhr 80 Min 

d^Zw^aSt f ° rtSChreitet " nd der Exitus bevorsteht, 2 Uhr 30 Min. 

ir^S?*' W - ^ *?ü A i erla " S ^ eschritten » 370 g Blut abgelassen und 400 g 
wÄ 8 ^^^ Der ^zwischen flatternd gewordene Puls hebt sich auf 
kurze Zeit wieder, wird aber bald wieder schlechter. Am 13 /XI erfotet unter 
Erscheinungen von Lungenödem und Herzschwäche der Exitus 
ISA» Se ktio Q sbeHcht: Grosser, gut genährter weiblicher' Leichnam; keine 
Ödeme Haut blass, Gesicht cyanotisch. An den Brüsten, sowie am Abdomen 
frische Schwangerschaftsnarben. Fettpolster gut entwickelt, ebenso die Muskulatur- 
letztere braunrot, feucht. ' 

KopjhÖhle. Weiche Schädeldecken blutreich. Das knöcherne Schädeldacli 
symmetrisch, mesocephal. Aussenfläche glatt, gelbweiss, Periost gut abziehbar 
Diploe sehr blutreich. An der Tabula vitrea sehr ausgedehnte Osteophytenbildung 

Sinus longitudinalis superior prall mit dunkelrotem, flüssigem Blute gefüllt! 
Dura mater sehr stark gespannt, Innenfläche glatt und spiegelnd, die weichen 
Hirnhäute glatt und zart, ausserordentlich blutreich. Links, entsprechend der 
Centraiwindung, eine streifenförmige, 2 cm lange und 1 cm breite Blutung 
im subarachnoidealen Gewebe. Die Hirnwindungen stark abgeplattet. An der 
Hirnbasis die weichen Häute ebenfalls sehr blutreich. Die Gefässe zart, ziemlich 
eng. Die Seitenventrikel leer, das Ependym glatt, am vorderen Pol des linken 
Nucleus caudatus eine linsengrosse Blutung. Das weisse Marklager lässt auf der 
Schnittfläche zahlreiche, abspülbare Blutpunkte erkennen, die Rinde stark vor- 
quellend, bläulichgrau gefärbt. Centralganglien fleckig gerötet. 

Kleinhirn, Brücke und verlängertes Mark blutreich. Sinus an der Schädel- 
basis mit dunkelrotem, flüssigem Blute erfüllt. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand links an der 4., rechts an der 3. Rippe. 
Thymus noch in ganzer Ausdehnung erhalten, sehr blutreich. In den abhängigen 
Teilen beider Pleurahöhlen circa 1 Wasserglas voll hämorrhagisch gefärbter 
Flüssigkeit. Die Lungen sinken gut zurück. 

Herzbeutel leer, beide Blätter glatt und spiegelnd; vereinzelte subperikardiale 
Blutungen. 

Das Herz stark kontrahirt. Im rechten Vorhof und Ventrikel spärliche 
speckhäutige Gerinnsel, im linken eine geringe Menge dunkelroten, flüssigen Blutes. 
Der rechte Ventrikel nicht erweitert. Muskulatur kräftig, braunrot. Klappen intakt. 
Die Höhle des linken Ventrikels eng, die Muskulatur im allgemeinen kräftig, 
braunrot gefärbt, nur einzelne Stellen des Septum ventricul. sind stark getrübt, 
blasser und weicher als die Umgebung. Klappen und Coronargefässe normal. 

Die Lungen sehr voluminös. Die vorderen und oberen Partien hellgraurot 
gefärbt, die unteren und hintereu tief dunkelrot; erstere sind gut lufthaltig, bei 
letzteren ist der Luftgehalt deutlich vermindert. Der pleurale Überzug glatt und 
spiegelnd, in den hinteren Abschnitten vereinzelte ausgedehnte subpleurale Blu- 
tungen. Auf der -Schnittfläche erscheinen die Oberlappen stark ödematös, mässig 
blutreich, hie und da bemerkt man vereinzelte linsen- bis zehnpfennigstückgrosse, 
dunkelrot gefärbte Flecken, welche sich wenig scharf von der Umgebung ab- 
grenzen, etwas über die Schnittfläche prominiren und deutlich fester sind, als 
das umgebende Lungengewebe. Die Unterlappen ausserordentlich blutreich, lassen 
von der Schnittfläche reichliche, mit spärlichen, feinen Luftblasen untermischte 
dunkelrote Flüssigkeit abfliessen, Schnittfläche glatt. 

Die Bronchialschleimhaut, mit feinblasigem Schaum bedeckt, zeigt hoch- 
gradige Stauung. Die grösseren Lungengefässe sind leer. 



— 56 — 



Dor weiche Gaumen, sowie Pharynx und Ösophagus dunkelblaurot ge- 
färbt. Kehlkopf- und Tracheaischleimhaut stark injicirt. Schilddrüse klein, sehr 
blutreich. 

BewoKhöhle. Nach Eröffnung der Bauchhöhle bemerkt man in den ab- 
hängigen Teilen, besonders im kleinen Becken, eine geringe Menge sanguinolenter 
Flüssigkeit. Das Bauchfell ist glatt und spiegelnd. 

Milz klein, schlaff. Oberfläche stahlblau. Pulpa auf der Schnittfläche zurück- 
sinkend, weich, dunke.lrot gefärbt. Follikel und Trabekel undeutlich. 

Nebennieren zeigen keine Abnormitäten. 

Die linko Niere vergrössert, von fester Konsistenz. Kapsel leicht abziehbar, 
Oberfläche glatt, blassgraurot gefärbt mit einem Stich ins Gelbliche. Die Rinde 
verbreitert, vorquellend, intensiv getrübt, graurot gefärbt, mit vereinzelten gelblich- 
weissen Streifen und Flecken und punktförmigen Hämorrhagien. Die Marksubstanz 
ebenfalls graurot gefärbt, wenig scharf von der Rinde abgesetzt. Im Nieren- 
becken zahlreiche feine Blutungen. Die rechte Niere zeigt dasselbe Verhalten 
wie die linke, nur finden sich hier an der hinteren Fläche mehrere ältere Infarkt- 
narben. Die Nierenvenen stark dilatirt, mit dunkelrotem, flüssigem Blut gefüllt. 
Ureteren nicht erweitert. 

Die Harnblase enthält eine geringe Menge trüben, schwach hämorrhagisch 
gefärbten Urins. Die Schleimhaut gelblichweiss gefärbt; im Trigonum eine 
fünfmarkstückgrosse Hämorrhagie. 

An der vorderen Kommissur der Vulva ein durch eine Sutur geschlossener 
Riss, die kleinen Schamlippen dunkelrot gefärbt, geschwollen. An der vorderen 
und hinteren Wand der Vagina mehrere oberflächliche Schleimhautrisse. Im 
Cervix ein tiefer, bis an das hintere Scheidengewölbe reichender Riss mit 
zerfetzten, blutig suffundirten Rändern. 

Der Uterus kleinkindskopfgross, stark kontrahirt. In der festen, rötlich- 
weissen Muskulatur zahlreiche klaffende, leere Gefässlumina. In der Uterushöhle 
finden sich ziemlich umfängliche, der Wand fest anhaftende derbe Blutgerinnsel; 
im Fundus die Placentarstelle. Die Tuben sind an ihrem abdominalen Ende stark 
injicirt; zwischen den Fimbrien und in der Ampulla eine geringe Menge dunkel- 
roten Blutes. Im übrigen Verlauf die Schleimhaut blass. Die Ovarien von nor- 
maler Grösse, ziemlich derb; im linken ein fast kirschgrosses Corpus luteum verum. 
Am rechten Ligam. ovar. propr. mehrere hirsekorngrosse, mit klarem Inhalt er- 
füllte Cyaten. 

Parametrien frei. 

Die Leber von normaler Grösse, von fester Konsistenz. Oberfläche glatt, 
im allgemeinen blass graurot gefärbt; es treten aber sowohl an der Oberfläche, 
als auch besonders auf der Schnittfläche zahlreiche uuregelmässig begrenzte liusen- 
bis thalergrosse hellrote Flecken hervor, welche etwas über die Schnittfläche 
prominiren und die acinöse Struktur nur undeutlich erkennen lassen. In der 
Nähe des Ligam. Suspensorium, sowie am unteren Rande des rechten Lappens 
vereinzelte opake, gelbweisse, hirsekorn- bis erbsengrosse Herde, welche, von 
einem dunkelroten schmalen Saum umgeben, deutlich unter das Niveau der Schnitt- 
fläche zurücksinken und durchaus homogen, ohne Andeutung einer acinösen Struktur 
erscheinen. — Gallengang durchgängig; in der Gallenblase fadenziehende, 
dunkle Galle. 

Magenschleimhaut geschwollen, fleckig gerötet, im Fundus erweicht, an der 
Cardia mit kaffeesatzähnlichen Bröckeln bedeckt und von zahlreichen punktförmigen 
Hämorrhagien durchsetzt. 

Darmschleimhaut zeigt ausser Stauung keine Abnormitäten. 

Bakteriologische Untersuchung. Die bakteriologische Untersuchung 



— 57 — 



Äes" Resuita 3 t U ( ° A tf-' Kat8erBm ) aM ^mmtlicben Organe» ein 

XSÄ^Li^ SClUUtten Aus ^P^-ten snid keine 

Teilen M d e V? S P W^ he Un ters " cl ! un S- Leber. In den aus den verschiedensten 
2 imorrltliPn in Stucken fallen sofort ausserordentlich zahlreiche 

Hamoiihagien m die Augen Dieselben liegen stets in der Umgebung des die 
Pfortaderäste umscheidenden Bindegewebes und greifen nicht selten auf le zteres 
über derart, dass die Bindegewebszüge auf das dichteste von roten Blutkörperchen 
durchsetzt sind, welche teils abgeblasst, mit Eosin schlecht farbbar teils noch 
gut erhalten und intensiv tingirbar sind. Die interlobulären Venen sind im 
Bereiche der Blutungen, aber häufig auch an solchen Stellen wo keine Ver- 
änderungen am Lebergewebe nachweisbar sind, mit hyalinen oder feinstreifio-en 
seltener fibrinösen und Plättchenthromben verschlossen; die Arterien meist leer' 
eng, hie und da in ihnen wandständige Plättchenthromben. In den etwas grösseren 
Pfortaderästen lue und da feinkörnige, der Wand fest anhaftende Massen welche 
abgeblasste rote und in Zerfall begriffene weisse Blutkörperchen einschliessen 
und von einem sehr zarten Fibrinnetzwerk durchzogen sind. In den im Be- 
reiche der Blutungen liegenden Gallengängen hie und da reichliche rote Blut- 
körperchen, sonst aber die Gallengänge intakt. Die in der Umgebung des 
periportalen Bindegewebes gelegenen hämorrhagischen Herde beschränken sich 
meist auf die Peripherie der Acini, seltener trifft man solche, welche auch in die 
mittleren Teile derselben übergreifen, und nur in ganz vereinzelten umfassen die 
Blutungen Gruppen benachbarter Acini. Im Bereich der Hämorrhagien besteht 
eine bedeutende Kapillarektasie ; die Leberzellenbalken sind von der Gefässwand 
durch eine mehr oder minder dicke Schicht roter Blutkörperchen abgedrängt und 
vielfach durchbrochen, derart, dass einzelne oder mehrere zusammenhängende 
Leberzellen allseitig von roten Blutkörperchen umgeben werden. Die letzteren 
sind meist noch gut färbbar und in ihrer Form erhalten, an manchen Stellen 
aber sind sie fest aneinandergedrängt, abgeplattet und nur noch schwach tingirbar. 
Die Leberzellen im Bereich der Blutungen sind meist gut erhalten, aber häufig 
komprimirt; nur in vereinzelten ist der Kern blass gefärbt. 

Neben diesen Herden, welche nicht besonders reichlich vorhanden sind, trifft 
man auf zahlreiche andere, welche einen komplicirteren Bau zeigen. Es tritt 
nämlich hier zwischen den aus ihrem Verband gelösten Leberzellen ein feinfaseriges 
Netzwerk auf, welches mit der Weigert'schen Färbemethode exquisite Fibrin- 
reaktion giebt; die in diesem Masch werk liegenden roten Blutkörperchen sind 
geschrumpft, nicht mehr oder nur blass mit Eosin färbbar, die Leberzellen völlig 
kernlos, nicht selten zu glänzenden, leuchtend rot gefärbten Schollen aufgequollen. 
In der Peripherie dieser Herde besteht eine starke Ektasie der Kapillaren, in 
welche sich stellenweise das Fibrinnetz fortsetzt. 

Ferner finden sich Herde, welche von der normalen Leberstruktur, welche 
in den oben beschriebenen Herden noch andeutungsweise vorhanden ist, über- 
haupt nichts mehr erkennen lassen. Sie bestehen aus einer homogenen, matt- 
glänzenden Masse, welche feinste goldgelbe Pigmentkörnchen und verschiedene 
grosse und unregelmässig geformte, intensiv mit Hämatoxylin gefärbte Körnchen 
einschliesst, welche ich als Kerndetritus deuten möchte. An der Peripherie 
dieser Herde erkennt man hie und da eine mässig dichte Anhäufung von 
Leukocyten, welche mitunter auch in den centralen Teilen gefunden werden, da- 
neben grosse Leberzellen mit ein oder zwei Kernen, in denen man Kernteilungs- 
figuren nachweisen kann. 

Endlich trifft man Herde, welche den im Sektionsbericht erwähnten gelb- 
weissen Stellen entsprechen und nur aus nekrotischen Leberzellen ohne Blutungen 



— 58 — 



bestellen. Hier sind die Kerne der Endothelzollon teils noch erhalten, teils nicht 
mein- farbbar; im Linnen der Kapillaren häufig hyaline Thromben. In der Um- 
gebung der Herde starke Kapillarektasie. Die Centraivenen, meist mit spärlichen 
roten Blutkörperchen gefüllt, enthalten spärliche Leberzellen; nur da, wo die 
Nekrose einen ganzen Acinus betrifft, ist das Lumen derselben thrombosirt. Das 
Lebergewebe, welches zwischen den nekrotischen Herden liegt, lässt keine Ver- 
änderungen erkennen; im frischen Präparat erscheinen die Leberzellen nur wenig 
getrübt, aber nicht verfettet, wie die Osmiumpräparate zeigen. 

Nieren. Im frischen Präparat starke Trübung der Epithelieu der gewundenen 
Kauälchen, welche nur teilweise bei Essigsäurezusatz verschwindet. In Osmium- 
prftparaten in den Epithelien spärliche schwarze Tröpfchen erkennbar. 

Die Glomeruli lassen im Kapselhohlrauni feinkörnige Eiweissniedersclil.i^f 
und hie und da rote Blutkörperchen erkennen (Kochpräparate). Sie sind in der 
Mehrzahl sonst völlig intakt, vereinzelte sehr kernreich; nirgends Epithel- 
desquamation. Die Schlingen mässig gefüllt, hie und da mit hyalinen Thromben ver- 
schlossen. Die gewundenen Kauälchen enthalten feinkörnige Eiweissniederschläge, 
die Epithelzellen sind geschwollen, aber meist noch kernhaltig, nur vereinzelte 
lassen einen abgeblassten oder unfärbbaren Kern erkennen. Dagegen erscheinen 
die Epithelien der Henle'schen Schleifen, welche spärliche hyaline Cylinder ent- 
halten, recht häufig kernlos, gequollen und desquamirt. In den Sammelröhren 
reichliche hyaline Cylinder. 

Das interstitielle Gewebe mit Ausnahme spärlicher Blutungen intakt. Die 
intertubulären Kapillaren meist leer, an vereinzelten Stellen Stase und ganz 
spärliche hyaline Thromben. Die Arterien leer, in mittelstarken Arterien mit- 
unter beträchtliche Anhäufung von Leukocyten, welche meist in einer feinkörnigen 
oder feinfädigen, der Wand anliegenden Masse eingebettet sind. Die Venen prall 
mit roten Blutkörperchen gefüllt. 

Lungen. (Auf Fettembolie nicht untersucht.) Neben den makroskopisch er- 
kennbaren Blutungen in beiden Unterlappen ziemlich reichliche Herde, wo im 
Alveolarlumen rote Blutkörperchen liegen. Daneben sind vereinzelte Gruppen 
benachbarter Alveolen mit einem feinfädigen Fibrinnetz durchzogen, welches nur 
ganz spärliche abgestossene Epithelien einschliesst. Die Wand der Alveolen 
wird ausgekleidet von einem ziemlich breiten, stark glänzenden Band, welches 
sich mit Eosin leuchtend rot färbt. Die Kapillaren sind hier sämmtlich durch 
hyaline Thromben verschlossen. Hyaline Thromben auch in anderen Kapillaren. 
In kleineren Arterien und Venen, besonders im Bereich der Blutungen Thromben. 
Dieselben sind teils wandständig und bestehen in diesem Fall aus feinkörnigen 
Massen (Plättchen), welche spärliche rote Blutkörperchen und Leukocyten ein- 
schliessen, teils obturirend, und zeigen hier teils eine homogene, glänzende oder 
feinstreifige Beschaffenheit, teils einen komplicirten Bau; teils bestehen sie aus 
einem feinen Fibrinnetz, welches mehr oder weniger weisse und rote Blutkörperchen 
einschliesst, teils endlich sind sie geschichtet; und zwar meist derart, dass der 
Wand eine dünne Schicht weisser Blutkörperchen anliegt, und nach innen zu 
mit roten und weissen Schichten, welche in einer feinkörnigen Masse liegen, 
abwechseln. 

In zahlreichen Kapillaren massenhafte placentare Riesenzellen. In grösseren 
Arterien vereinzelte unzweifelhafte Leberzellen. 

Gehirn. Zur Untersuchung gelangen Stücke aus dem Stirnhirn, den Centrai- 
windungen, dem Occipitalhirn , den Centralganglien und der Brücke mit Medulla 
oblongata. 

Die weichen Hirnhäute an den Stellen, wo im Sektionsbericht Blutungen be- 
merkt sind, in grosser Ausdehnung blutig infiltrirt. Die Venen und Kapillaren 



— m — 



im Bereich der Blutungen prall gefüllt; die das Lumen der betreffenden Gefässe 
ausfüllenden roten Blutkörperchen gegen einander abgeplattet, häufig ihre 
Kontoren nicht mehr zu erkennen, aber keine eigentlichen Thromben. Die 
Arterien leer. 

In der Rinde findet sich an manchen Stellen (Stirnhirn, Centralganglien) die 
Lymphscheide der kleinen Arterien prall mit roten Blutkörperchen gefüllt- das 
Lumen der Arterien stark durch fest aneinandergedrängte rote Blutkörperchen 
dilatirt, nur hie und da durch hyaline und fibrinöse Massen verlegt- in manchen 
Arterien ziemlich reichliche weisse Blutkörperchen. 

Neben den oben erwähnten, schon makroskopisch erkennbaren Blutungen 
finden sich noch mikroskopische; dieselben sind scharf von der Umgebung abgegrenzt, 
die Gehirnsubstanz nicht erweicht, sondern nur mit mehr oder minder dicht ge- 
drängten roten Blutkörperchen infiltrirt. Stets lassen sich im Bereich der 
Blutungen Thrombosen nachweisen ; sobald dieselben Kapillaren betreffen, handelt 
es sich immer um eine ganze Provinz von Kapillaren, die thrombosirt ist, nur 
hie und da trifft man auf eine vereinzelte thrombosirte Kapillare, in deren Um- 
gebung spärliche rote Blutkörperchen liegen. In den Kapillaren hyaline Thromben; 
in kleineren Venen teils hyaline, teils Plättchenthromben. Hie und da auch 
thrombosirte Gefässe ohne Veränderung in der Umgebung. 

In den Centralganglien besteht hie und da Stase in den Kapillaren, nur 
ganz vereinzelte thrombosirt; ebenso in Medulla oblongata und Brücke. 

Herz. Die Muskelfasern grösstenteils intakt, nur hie und da stärkere Trübung, 
die auf Essigsäurezusatz verschwindet; die Kittleisten häufig auffallend deutlich 
(Myocardite segmentaire) ; keine stärkere Verfettung. Im gehärteten Präparate 
hie und da kleine Blutungen zwischen den Muskelfasern erkennbar, besonders 
dicht unter dem Perikard und Endokard. Die Muskelfasern im Bereich der 
Blutungen gequollen, stellenweise kernlos; die Blutungen liegen um prall ge- 
füllte nicht thrombosirte Gefässe. In einem der hinteren Wand des linken 
Ventrikels entnommenen Stücke ein ziemlich umfänglicher Herd, in dessen 
Bereich die Muskelfasern teils kernlos und homogen, ohne Qnerstreifung erscheinen, 
teils völlig zerfallen sind. Auf Serienschnitten lässt sich nachweisen, dass der 
kleine zu diesem Bezirke führende Arterienast und die aus ihm hervorgehenden 
Kapillaren durch homogene, hyaline Pfropfe verschlossen sind. 

Pankreas zeigt ganz vereinzelte Blutungen, in deren Bereich die Drüsen- 
epithelien teils kernlos sind, teils nur schwach färbbare Kerne enthalten. Die 
Gefässe prall gefüllt. 

I r terus. Die Venen des Uterus meist nicht thrombosirt; nur an der 
Placentarstelle feste, geschichtete Thromben in ganz spärlichen Venen. Die 
Thromben schliessen hie und da vielkernige Zellen ein, ähnlich denen, wie sie 
in den Lungenkapillaren gefunden wurden. 

Milz intakt. 

Fall III. 

Krankengeschichte. Reinhold, Comptoiristenfrau, 37 Jahre. IX-para. 
Anfgen. 17./Xn., gestorb. 18./XII. 1889. 

Patientin wird im Koma in die Anstalt gebracht, in der Behausung 12 An- 
fälle Vollständiges Koma. Beginnendes Lungenödem. Wehen schwach. Mutter- 
mund geschlossen. Kind in I. Schädellage; Herztöne nicht zu hören. Hydramnios 
In der Anstalt 6 Anfälle. , _ 

Durch Aderlass 300 g Blut entzogen und 400 g Kochsalzlösung lnfundirt, 

Exitus unter Lungenödem 12 Uhr 15 Min. Nachts. 

Sektion 3 Stunden p. mort. 



— 60 — 



Grosser, krftftig gebauter weiblicher Leichnam; guter Ernährungszustand. 
Haut im allgemeinen blass, nur im Gesicht starke Cyanose. Unterlippe stark 
ödematös und dunkelblaurot gefärbt. Am Lippenrot mehrere tiefe Bisswunden. 
In den Conjunktiveu vereinzelte punktförmige Ekchymosen. Der Leib stark halb- 
kugelig aufgetrieben, prall gespannt, an den unteren Abschnitten zahlreiche ältere 
und frische Schwangerschaftsnarben. Die unteren Extremitäten stark ödematüs, 
rechts starke Phlebektasien. An der rechten Ellenbeuge eine durch Suturen ge- 
schlossene, von einer Venäsektion herrührende, irische Wunde. 
.' Kopf höhle. Weiche Schädeldecken blutreich, hie und da vereinzelte Ekchy- 
mosen. Schädeldach symmetrisch, Tabula externa glatt, Diploö blutreich, au der 
Tabula vitrea längs des Sulcus longit. sup. spärliche Osteophyten. Dura sehr 
lebhaft injicirt, im grossen Längsblutleiter flüssiges Blut. Die weichen Häute 
zeigen an der Konvexität starke venöse Hyperämie; die Gyri sind abgeplattet, 
Sulci verstrichen, an der Basis die Pia milchig getrübt und verdickt. Gefässe 
hier ebenfalls stark gefüllt, glatt und zart. Das Grosshirn von ziemlich fester 
;) Konsistenz. Die Ventrikel zeigen keine Abnormitäten. Das weisse Marklager 

sehr blutreich und feucht glänzend. Die Kinde vorquellend, graubläulich gefärbt 
: /> Kleinhirn, Centraiganglien, Pons und Medulla oblongata sehr blutreich. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand links an der 5., rechts an der 4. Rippe. 

In den abhängigen Teilen der linken Pleurahöhle eine geringe Menge 
schwach rötlich gefärbter Flüssigkeit. Die Lungen retrahiren sich gut. 

Der Herzbeutel zeigt keine Abnormitäten. 
■' Das Herz von normaler Grösse, beide Ventrikel stark kontrahirt, an der 

Hinterfläche zahlreiche Ekchymosen. Der rechte Ventrikel enthält ganz spär- 
lichen Cruor; die Muskulatur von schlaffer Konsistenz, graurot gefärbt; Klappen 
intakt. Der linke Ventrikel leer, eng; die Muskulatur mässig hypertrophisch 
(12 mm), von fester Konsistenz, intensiv braunrot gefärbt; Klappen glatt und 
zart. Coronargefässe normal. Unter den Endokard streifige Blutungen. 

Die linke Lunge sehr voluminös, überall lufthaltig; Pleura glatt und 
spiegelnd. An der Spitze eine scharf umschriebene Schwiele, welche mehrere 
verkreidete Herde einschliesst. Das Lungengewebe hochgradig ödematös und 
blutreich. Im rechten Mittel- und Unterlappen bohnengrosse Blutungen; im 
linken Oberlappen blasse, granweiss gefärbte, auf der Schnittfläche vorspringende 
Herde, welche eine derbe Konsistenz und ein trockenes granulirtes Aussehen 
zeigen. Die rechte Lunge zeigt dasselbe Verhalten wie die linke. 

In den Bronchien schaumige Flüssigkeit. Schleimhaut stark injicirt, ebenso 
v die der Trachea und des Kehlkopfs. Beide Schilddrüsenlappen vergrössert: 

Colloidstruma. 

Bauchhöhle. Die Bauchhöhle wird von dem hochgradig vergrösserten Uterus 
(32:22:25) fast völlig ausgefüllt; Serosa überall glatt und spiegelnd. In der 
'•'> Bauchhöhle kein freier Inhalt. 

Milz 15 cm lang, 8 cm breit. 3 cm dick, sehr schlaff und weich; 
Pulpa blutreich. 

Nebennieren blutreich. 

Nieren vergrössert, ziemlich weich. Kapsel leicht abziehbar. Oberfläche 
glatt, graurötlich gefärbt, mit vereinzelten verwaschenen gelbgrauen Flecken. 
Die Kinde verbreitert, vorquellend, verwaschen granrot gefärbt. Marksubstanz 
blutreich. In der Schleimhaut des Nierenbeckens zahlreiche Ekchymosen. 
Ureteren nicht dilatirt. 

In der Harnblase eine geringe Menge trüben, rötlich gefärbten Urins. 

Die Leber etwas vergrössert, die Oberfläche glatt, gelblichweiss, lehmartig 
gefärbt, mit zahlreichen punkt- bis linsengrossen dunkelroten Flecken; letztere 



— 61 — 



ÄS Scbuittfläche Sehr zahlreich - Die biliöse struktur im allgemeinen 
durchgängig 116111 ' 1 ' 186 eüthält dunkel S rü,ie > fadenziehende Galle. Gallengang 

Die Schleimhaut des Magens geschwollen und fleckig gerötet An der 
kleinen Kurvatur vereinzelte Blutungen. Ä n aer 

Darm zeigt keine Abnormitäten. 

der liinTer^Wanf ^ ^ (5 ° Cm ßie Place ^ » 

Sektion des Kindes. Die Haut des Kindes nirgends macerirt, mit 
Vernix caseosa bedeckt. Die Lungen völlig luftleer, unter der Pleura zahlreiche 
punktförmige Blutungen. Das Herz mit dunkelrotem, flüssigem Blut erfüllt 

m Die Milz 12 g schwer, blutreich, fest. Die Nieren auffallend gross 'und 
weich; Kapsel leicht abziehbar ; die Oberfläche dunkelrot gefärbt; sowohl an ihr 
als auf der Schnittfläche treten mässig zahlreiche Blutungen hervor Die Rinde 
etwas verbreitert, vorquellend. Die Leber sehr blutreich, gross, aber sonst 
ohne Veränderungen. 

Magen und Darm zeigen keine Abnormitäten. 

Bakteriologische Untersuchungen. Die bakteriologische Unter- 
suchung, welcher Lungen, Leber, Nieren, Gehirn, Milz und Placenta unterzogen 
wurden, fällt negativ aus. 

Mikroskopische Untersuchungen. Leber. In der Leber zahlreiche 
hämorrhagische Nekrosen, welche genau dasselbe Verhalten zeigen, wie es in 
Fall II beschrieben wurde; auch hier in den interlobulären Venen und 
den ans ihnen hervorgehenden Kapillaren hyaline und Plättchenthromben. 
Die Arterien leer. In den Centraivenen vereinzelte Leberzellen. 

Nieren. In frischen Schnitten starke Trübung der Epithelien. Keine 
Verfettung. 

In gehärteten Schnitten die Epithelien der gewundenen Kanälchen und der 
Henle'schen Schleifen nur wenig verändert, nur ganz vereinzelte kernlos. Keine 
Desquamation. In dem Lumen derselben feinkörnige Eiweissniederschläge und 
spärliche hyaline Cy linder; letztere sehr zahlreich in den Sammelröhren. 

Glomeruli fast überall normal, nur hie und da hyalin degenerirte Schlingen. 
In zahlreichen Kapselräumen feinkörniges und homogenes Exsudat; hie und 
da spärliche rote Blutkörperchen. Interstitielle Veränderungen fehlen vollständig. 

Die intertubulären Kapillaren erweitert; an vereinzelten Stellen in ihnen 
hyaline Thromben. Die Arterien meist leer, nur hie und da der Wand anliegend 
feinkörnige, zahlreiche Leukocyten einschliessende Massen; Venen prall gefüllt, 
in vereinzelten hyaline Thromben. 

Lungen. Neben den schon makroskopisch nachweisbaren Blutungen hie und 
da in vereinzelten Alveolen reichliche rote Blutkörperchen. In zahlreichen Kapillaren 
Stase und hyaline Thromben. In den kleineren Arterien und Venen wandständige 
und obturirende Plättchen-, fibrinöse und gemischte Thromben. Sowohl in den 
Arterien als besonders in den Kapillaren zahlreiche Placentarzellen und Leberzellen. 

Bei der Untersuchung der oben erwähnten, im rechten Ober- und Mittel- 
lappen sich findenden derberen grauweissen Herden stellt sich heraus, dass hier 
die Alveolen erfüllt sind mit einem aus feineren und gröberen Fäden bestehenden 
Netzwerk, in dessen Maschen ganz spärliche Leukocyten und abgestossene 
Epithelien eingeschlossen sind. An der Wand der Alveolen ein breites, hyalines, 
glänzendes Band, welches sich mit Eosin leuchtend rot färbt. Die Kapillaren 
sämmtlich mit hyalinen Thromben verschlossen; die Kapillarschlingen mitunter 
völlig kernlos. Mikroorganismen lassen sich in den Herden nicht nachweisen. 



— 62 — 



llcrx. Die Muskelfasern intensiv getrübt, massig verfettet; hie und da 
spärliche Bluttrogen in der Umgebung prall gefüllter kleiner Venen und Kapillaren; 
in letzteren nur ganz spärliche hyaline Thromben. 

OeMrn. Em linken Stirnlappen und in beiden Nudel caudati ganz spärliche, 
um thrombüsirte Kapillaren und Venen liegende Blutungen; sonst die Gefässe 
stark gefüllt; in der Lymphscheide vereinzelter kleiner Arterien zahlreiche rote 
Blutkörperchen. 

Pankreas lässt vereinzelte nekrotische Herde und Blutungen erkennen. 

Milx ohne Veränderungen. 

Uterus und l'lacenta nicht untersucht. 

Von den kindlichen Organen zeigen nur die Nieren Veränderungen. Die 
Glomeruluskapseln schliessen stellenweise rote Blutkörperchen ein, sonst die 
Glomeruli intakt. Die Epithelien der gewundenen Kanälchen, welche feinkörnig 
Exsudat und rote Blutkörperchen enthalten, herdweise völlig kernlos, mitunter 
desquamirt und gequollen. Ebenso die der Henle'schen Schleifen, in welch' 
letzteren spärliche hyaline Cylinder und feinkörnige Eiweissmasseu neben roten 
Blutkörperchen sich finden. In den Sammelröhren das Epithel intakt, aber das 
Lumen mit zahlreichen Cylindern gefüllt, die teils aus hyalinen, teils aus fein- 
körnigen, rote Blutkörperchen einschliessenden Massen bestehen. Im interstitiellen 
Gewebe ausgedehnte Blutungen. Die Gefässe prall gefüllt, in kleinen Venen 
Stase; keine Thromben. 

Fall IV. 

Sektionsbericht. Preuss, Pauline, 28 Jahre, gestorb. 6. Juli 1890. 
Sektion 4 St. p. m. 

Sehr kleiner (112 cm langer) weiblicher Leichnam von kretinistischem 
Typus. Im allgemeinen leidlich gut genährt. Die Haut blass, an den unteren 
und oberen Extremitäten starke Ödeme, ebenso an den grossen Schamlippen, 
welche an den hinteren Abschnitten schwarzrot verfärbt und mit oberflächlichen 
Ulcerationen bedeckt sind. In der Mitte des Abdomens eine circa 18 cm lange, 
durch Suturen geschlossene Laparotomiewunde , deren Bänder fest mit einander 
verklebt sind. Die Serosa in der Umgebung der Wunde zeigt geringe Injektion, 
keine Trübung oder fibrinöse Auflagerungen. 

Gesicht verhältnismässig kurz, aber breit. Die Unterkiefer sehr stark ent- 
wickelt, etwas vorstehend. Die Nase breit, Nasenwurzel eingesunken. Die Zähne 
regelmässig gestellt, sehr stark abgeschliffen. Ohren vollständig normal gebildet. 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldecken sehr blutreich, etwas ödematös. 
Das knöcherne Schädeldach breit, sehr flach, die rechte Hälfte stärker gewölbt 
als die linke. Die Nähte erhalten. Tabula externa glatt, graugelblich gefärbt; 
Dicke 4 mm. Dura mater mit der Vitrea fest verwachsen. Diploe blutarm. 
Pia mater blutreich, etwas ödematös. Längs der Sulci leichte Trübungen und 
hie und da punktförmige Ekchymosen, Gehirn wird unsecirt der psychiatrischen 
Klinik überwiesen. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand rechts an 5., links an 4. Rippe. Thorax gut 
gewölbt, kurz; Corpus sterni gespalten. 

Thymus bis auf Beste geschwunden. Pleurahöhlen leer. Lungen sinken 
gut zurück. 

Herzbeutel enthält die gewöhnliche Menge Flüssigkeit. 
Herz normal gross, ziemlich schlaff. Muskulatur bräunlichrot, ziemlich 
weich. Klappen intakt. Unter dem Endokard und Perikard vereinzelte Blutungen. 
Lungen sind überall gut lufthaltig; auf der Schnittfläche und unter der 



— 63 — 



Pleura treten zahlreiche punkt- bis linsengrosse Blutungen hervor. Bronchial- 
schleimhaut blass. 

Halsorgane ohne Veränderungen. 

Bauchhöhle. In den abhängigen Teilen findet sich eine geringe Menge 
schwach trüber, rötlich gefärbter Flüssigkeit; das Peritoneum glatt und spiegelnd 

Milz sehr klein Oberfläche dunkelblaurot. Pulpa zäh. Malpighi'sche 
Korperchen und Trabekel undeutlich. 

Nieren kleiner als normal, von fester Konsistenz. Die Kapsel an einigen 
Stellen adhärent. Die Oberfläche ziemlich grob granulirt derart, dass dunkel- 
blaurot gefärbte, feine, narbige Einziehungen mit grau- bis gelbrötlich gefärbten 
Höckern von Punkt- bis Linsengrösse abwechseln. Die Rinde verschmälert 
im allgemeinen gelblichrot gefärbt und von vereinzelten feinen gelbweissen 
opaken Streifen durchsetzt, Marksubstanz blutarm. Im Nierenbecken vereinzelte 
punktförmige Ekchymosen. Ureteren eng. 

Auf der vorderen Fläche des etwa kleinkindskopfgrossen Uterus, genau in 
der Mittellinie, verläuft eine durch Nähte verschlossene Wunde, deren Ränder 
im oberen und unteren Drittel fest verlötet sind, während sie in der Mitte 
ziemlich weit klaffen, da hier die Nähte aufgeknotet sind. Die Serosa des Uterus 
glatt. Das Organ wird uneröffnet der Universitätsfrauenklinik überwiesen. 

Die Leber leicht vergrössert, von ziemlich fester Konsistenz. Die Ober- 
fläche glatt, zeigt ein eigentümlich buntes Aussehen, indem in dem im allgemeinen 
braunroten Grundton zahlreiche gelbweisse und dunkelrote Flecken und Streifen 
hervortreten, wodurch die Oberfläche ein marmorirtes Aussehen gewinnt. Diese 
Flecken sind ziemlich gleichmässig über das ganze Organ verteilt, besonders 
dicht stehen sie aber im Lobulus Spigelii. Sie prominiren nur wenig über die 
Schnittfläche, fühlen sich ziemlich hart und fest an und zeigen ziemlich bedeutende 
G rössenunterschiede ; denn man begegnet kleinen, mit blossem Auge eben erkenn- 
baren Fleckchen neben solchen, welche die Grösse einer Bohne erreichen. Die 
kleinsten liegen meist in der Peripherie der Acini, die grösseren sind unregel- 
mässig, aber scharf durch einen feinen, tiefrot gefärbten Saum von der Um- 
gebung abgesetzt. Auf der Schnittfläche zeigen die gelbweissen Herde ein 
homogenes, trockenes, opakes Aussehen und sind anämischen Niereninfarkten 
frappant ähnlich, zumal manche eine deutliche keilförmige Gestalt besitzen. Die 
dunkelroten Flecken lassen auf der Schnittfläche die acinöse Struktur ebenfalls 
nicht mehr erkennen, auch sie springen vor und erscheinen feucht glänzend. 
Die Lebergefässe. soweit sie mit der Schere zu verfolgen sind, leer. 

Gallenblase ohne Veränderung, ebenso Magen und Darm. 

Bakteriologische Untersuchungen. Die mit dem Lungensaft be- 
schickten Platten bleiben steril, ebenso die aus den Nieren angelegten. Aus der 
Milz und Leber wachsen ganz spärliche Kolonien von Staphylococcus pyogenes 
aureus und albus; aus der Leber ferner noch mehrere Kolonien eines dem 
Bacillus coli commun. sehr ähnlichen und wahrscheinlich mit ihm identischen 
Bacillus. 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. Fast auf jedem Schnitt der 
den verschiedensten Teilen entnommenen Stücke trifft man auf nekrotische 
Herde. Dieselben zeigen in weitaus der Mehrzahl anämischen Charakter und 
meist ein völlig gleichartiges Aussehen. Die kleinsten liegen in unmittelbarer 
Nachbarschaft des periportalen Gewebes, die grösseren umfassen mehrere Gruppen 
von Acini. Sie bestehen meist aus homogenen oder scholligen, glänzenden 
Massen, im Bereich derer von der Leberstruktur nichts mehr zu sehen ist In 
der Umgebung hie und da reichliche Rundzellenanhäufung und ganz spärliche 
Kokken fernerhin Kapillarektasie und mitunter grosse, zum Teil mehrkernige 



— 04 



Leberzellen mit intensiv gefärbten, bisweilen Tmlungsfigurön zeigenden Kernen. 
Neben diesen Horden spärliche Stellen, wo die Leberstruktur nocb andeutungs- 
weise erhalten ist; die Leberzellen aber kernlos, aufgequollen, zwischen ihnen, 
sowie in den Kapillaren ein feinfädigos Fibrinnetz; endlich im periportalen Binde- 
gewebe und in seiner Umgebung spärliche, wenig ausgedehnte Blutungen, in deren 
Bereich die Leberzellen in Zerfall begriffen sind. Sonst die Leberzellen gut er- 
halten, hie und da etwas verfettet; das periportale Gewebe kernarm. In den 
kleinsten Pfortaderästen, besonders stets an solchen Stellen, wo nekrotische Herde 
und Blutungen liegen, hyaline und Plättchen thromben , die sich in die aus den- 
selben hervorgehenden Kapillaren hineinerstrecken. Arterien leer. In den Gallen- 
kapillaren hie und da Gallenthromben; in den grösseren Gallengängen mitunter 
rote Blutkörperchen. Centraivenen und grössere Lebervenen leer ; in ihnen keine 
Leberzellen. 

Nieren, a) Im frischen Präparat: Verbreiterung der Interstitien durch kern- 
reiches Gewebe; Glomeruli klein, in den Epithelien häufig hellglänzende, feine 
Tröpfchen, die sich mit Osmiumsäure schwärzen; ebensolche in den Epithelien 
der gewundenen Kanälchen. 

b) Im gehärteten Präparat: Glomeruli finden sich dicht unter der Ober- 
fläche; nur die wenigsten normal ; bei vielen die Kapsel verdickt. Die Schlingen 
kernarm, häufig hyalin; mitunter Desquamation des Schiingenepithels. Die ent- 
blössten Schlingen trübe, fein bestaubt ; im Kapselraum feinkörniges oder homogenes 
Exsudat. Manche Glomeruli völlig verödet. Die Harnkanälchen meist eng, mit 
niedrigem schmalen Epithel, welches an vielen Stellen kernlos erscheint und 
desquamirt ist. Vielfach in den Epithelien Vakuolen, mitunter feine, gelbe 
Pigmentkörnchen, letztere besonders in den Sammelröhren. In den gewundenen 
Kanälchen und Henle'schen Schleifen feinkörnige Eiweissniederschläge, in den 
Sammelröhren hyaline Cylinder. Das interstitielle Gewebe in der Binde vielfach 
stark verbreitert, kernreich; es finden sich hier teils runde, teils spindelförmige 
Kerne; mitunter um kleine Venen herum Leukocytenanhäufungen; an manchen 
Stellen kernarmes, grobfibrilläres Bindegewebe. Kapillaren der Kinde meist eng, 
nur hie und da pralle Füllung mit roten Blutkörperchen, deren Konturen nicht 
deutlich zu erkennen sind. Die Wände der Arterien meist stark durch Ver- 
dickung der Adventitia und Intima verbreitert; das Lumen leer. Die Venen meist 
prall gefüllt, in ihnen hie und da zahlreiche Leukocyten. 

Herz. Muskelfasern stark getrübt, hie und da verfettet (Osmiumpräparat). 
An vereinzelten Stellen stark hyaline Degeneration, besonders in der Umgebung 
kleiner Blutungen, welche um prall gefüllte, zum Teil thrombosrrte Gefässe 
liegen. In der Umgebung kleiner Venen mitunter spärliche Leukocyten. 

Gehirn nicht untersucht. 

Lungen. In den Kapillaren nur spärliche hyaline Thromben; die Arterien 
nur im Bereich der Blutungen durch Plättchen- und fibrinöse Thromben ge- 
schlossen ; sonst frei, häufig prall gefüllt. Venen intakt. Weder in den Kapillaren 
noch in den kleineren Arterien sichere Placentarzellen; in ersteren hie und da 
grosse unregelmässig geformte Chromatinklumpen (zusammengesinterte Kerne von 
Placentarzellen?) und hyaline Schollen, in denen man ganz blassgefärbte, mehr- 
fach aber undeutlich von einander zu trennende Kerne erkennt. 

(Die Eklampsie war erst vier Tage p. partum tödtlich verlaufen.) 

Pankreas iutakt. 

Fall V. 

Krankengeschichte. Emmerich, Anna, Buchdnickersfrau , 26 Jahre. 
Primipara. Aufgen. d. 13. VI., gestorb. d. 15. VI. 1890. 



— 65 — 



Vn,J2JT ♦ -l 3 ' J 1 ab6nds we » en Eklampsie aufgenommen. 

Anamnese konnte wegen tiefen Komas nicht erhoben werden Im 10 Monat 
schwanger; Kind in I. Schädellage. lm lü> M ° nat 

rtrit i^aSSSTi* 18 K io eS er ? l8 ^ e , am U - VL abends 10 ^ 40. In der An- 
stalt 14 Anfälle, davon 12 vor der Geburt. Gestorben am 15. VI abends 9 Uhr 
Sektion 12 St. p. m. 

Etwas über mittelgrosse, sehr kräftig gebaute Frau, von gutem Ernährungs- 
zustand. Haut blass; Fettgewebe reichlich entwickelt, hellgelb Muskulatur 
sehr kräftig, dunkelrot, feucht. S musKuiatur 

Kopf höhle. Die weichen Schädeldecken sehr blutreich. Die Tabula externa 
glatt, Periost stark injicirt. Diploe blutreich, auf der Tabula vitrea im Bereich 
des Stirnbeins zarte Osteophyten. Die Dura ziemlich stark gespannt die Innen- 
fläche links glatt und spiegelnd, rechts dagegen etwas lateralwärts' vom Sinus 
longit., ungefähr der Centraiwindung entsprechend, einige linsen- bis funfpfennig- 
stückgrosse Blutungen. 

Im Sinus longitudinalis superior lockere Cruormassen. Die weichen Hirn- 
häute blutreich, spurweise getrübt. Die Gehirnoberfläche stark abgeplattet 
trocken glänzend. An der Basis die Gefässe glatt und zart. 

Die Seitenventrikel enthalten je einen Theelöffel klarer Flüssigkeit, ihr 
Ependym glatt und zart, am Kopf des linken Nucleus caudatus bemerkt' man 
eine etwa linsengrosse, subendymär gelegene Blutung. Der 3. und 4. Ventrikel 
zeigen normale Verhältnisse. 

Das weisse Marklager sehr weich, feudi tglänzend, lässt zahlreiche ab- 
spülbare Blutpunkte hervortreten. 

Die Rinde breit, grauviolett gefärbt. 

Die Grosshirnganglien zeigen auf Durchschnitten fleckige Rötung, ebenso 
Pons und Medulla oblongata. 

Kleinhirn ohne Veränderung. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand links an 4., rechts an 5. Rippe. Sternum flach. 
Pleurahöhlen leer. Die Lungen retrahiren sich wenig, die rechte an der Spitze 
durch bandförmige Verwachsungen angeheftet. 

Herzbeutel enthält eine spärliche Menge klarer Flüssigkeit, beide Blätter 
glatt und spiegelnd. 

Der linke Herzveutrikel etwas hypertrophisch, sehr fest kontrahirt, enthält 
nur eine Spur dunkelroten flüssigen Blutes. Die Muskulatur blassrot, kräftig. 
Klappen intakt. Der rechte Ventrikel schlaff, enthält dunkelrotes flüssiges Blut. 
Seine Muskulatur und Klappen intakt. 

Die linke Lunge ziemlich voluminös, der pleurale Überzug glatt und spiegelnd. 
Der Oberlappen lufthaltig, stark ödematös. Der Unterlappen grösstenteils luftleer, 
von fester Konsistenz. Die Schnittfläche dunkelrot gefärbt, fein granulirt, lässt 
reichlich trübe, dunkelrote Flüssigkeit abstreifen. Die rechte Lunge zeigt das- 
selbe Verhalten wie die linke. Die Bronchialschleimhaut mit zähem Schleim 
belegt, stark gerötet. 

Halsorgane zeigen keine Abnormitäten. 

Bauchhöhle. In der Bauchhöhle eine geringe Menge ( % 1) klarer, schwach- 
rötlich gefärbter Flüssigkeit. Das Bauchfell glatt und spiegelnd. Der Dickdarm 
ziemlich stark aufgetrieben. Die Mesenterialen en prall, mit dunkelrotem, 
flüssigem Blut gefüllt, ebenso die kleinen in der Subserosa verlaufenden Venen 
der Darmschlingen. 

Die Milz vergrössert, prall; die Oberfläche blaurot gefärbt. Die Pulpa sehr 
blutreich, weich, vorquellend. Follikel nicht zu erkennen. 

Nebennieren ohne Veränderungen. 

Schmorl, Eklampsie. ^ 



Beide Nieren von normaler Grösse und massig fester Konsistenz, Oberfläche 
glatt, gelbliohgrau gefärbt. Die sternförmigen Venen stark gefüllt. Die Rinde 
etwas vorquellend, fouchtglilnzend, gruugelblich gelllrl)t, fleckweise getrübt; 
Zeichnung undeutlich. Die Marksubstanz blutreicher als die Rinde. Die Ureteren 
nicht erweitert, ebenso die Nierenbecken. 

Die Harnblase massig mit getrübtem Urin gefüllt, ihre Schleimhaut blass. 

Der Uterus über kindskopfgross , fest kontrahirt. Die Serosa glatt und 
spiegelnd. Die Wand 3 cm dick, fest, blass graurot gefärbt. In der Höhle 
finden sich ziemlich reichlich der Wand fest, anheftende Blutgerinnsel; an der 
hinteren Wand ist die Placentarstelle deutlich erkennbar. Die Portio zeigt mässig 
tiefe, blutig snffundirto Einrisse. Schleimhaut der Scheide dunkelblaurot gefärbt. 
Ovarien normal, im linken ein kirschgrosses Corpus luteum. Die Tuben normal. 

Die Leber ist normal gross, von praller Konsistenz. Die Oberfläche glatt, 
im allgemeinen braunrot gefärbt. Am unteren Hand des rechten Lappens treten 
ziemlich zahlreiche, feine, opake, gelbe Streifen und Flecken hervor, welche der 
Peripherie der Acini entsprechen. Auf der Schnittfläche, welche massig blutreich 
erscheint, erkennt man ausserordentlich zahlreiche gelbweisse, opake Streifen und 
Flecken, welche häufig durch einen tiefrot gefärbten Saum von der Umgebung 
abgesetzt sind; daneben vereinzelte Blutungen. 

Die Schleimhaut des Magens tief dunkelrot gefärbt, an der kleinen Ohrvatur 
vereinzelte Blutungen und Erosionen. 

Die Schleimhaut des Dünndarms zeigt ebenfalls starke venöse Hyperämie. 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. Die in der Leber gefundenen 
gelbweissen Herde erweisen sich bei der mikroskopischen Untersuchung als nekro- 
tische Inseln, welche sich im allgemeinen wie die im Fall I genauer beschriebenen 
Herde verhalten. Auffallend ist hier aber, dass zahlreiche Herde ziemlich dicht von 
Rundzellen durchsetzt sind; im Bereich der Rundzellenherde hie und da spärliche, 
in Gruppen zusammenliegende Kokken. Ausserdem frische hämorrhagische Nekrosen. 
In zahlreichen interlobnlären Venen nicht nur in der Nachbarschaft der nekro- 
tischen Herde, sondern auch an Stellen, wo das Lebergewebe keine Veränderungen 
oder nur geringe Trübung erkennen lässt, Thromben, die teils aus hyalinen 
Massen bestehen, teils aus Fibrinfäden und feinkörnigem Material, welches zahl- 
reiche Leukocyten einschliesst, sich aufbauen. In manchen Lebervenen verein- 
zelte Leberzellen. 

, Gallengängc intakt. 

Nieren. Bei der frischen Untersuchung nur geringe Trübung, keine Verfettung 

An gehärteten Präparaten erweist sich das Epithel fast vollständig intakt, 
nur hie und da in den gewundenen Kanälchen eine Zelle mit fehlendem oder 
abgeblasstem Kern. Im Lumen der Kanälchen des Labyrinthes spärliche fein- 
körnige Niederschläge. Glomeruli vollständig intakt, ihr Kapselraum enthält hie 
und da feinkörniges und homogenes Exsudat. In den Sammelröhren hyaline 
Cylinder. Im interstitiellen Gewebe keine Veränderungen. Die intertubulären 
Kapillaren meist leer, nur in vereinzelten Bezirken prall gefüllt. Venen des 
Markes stark dilatirt. Arterien intakt. 

Lungen. Die Lungen zeigen nur geringe Veränderungen, bestehend in ver- 
einzelten wenig umfänglichen Blutungen. Im Unterlappen die Gefässe enorm 
dilatirt, in den Alveolen zum Teil abgestossene Epithelien und reichliche Rund- 
zellen. In den Kapillaren nur spärliche Thromben, ebenso in den Arterien und 
Venen. Dagegen finden sich hier in den Kapillaren ausserordentlich reichliche 
grosse Placentarriesenzellen; in vereinzelten Arterien unzweifelhafte Leberzellen. 

Gehirn. Vom Gehirn ist nur ein kleines Stück des Stirnhirns, der Kopf des 
linken Nucleus caudatus und Brücke und Medulla oblongata aufbewahrt. 



— 67 — 



iLndernnln t 1 T f ™ung der Venen und Kapillaren keine Ver- 
anderiingen Im Bereiche der im linken Nucl. caudatus gelegenen Blutung ist 
die Gehirnsubstanz in grosser Ausdehnung zertrümmert, die roten RluSeLen 
zum Teil nur noch Mass mit Eosin farbbar. Die Gliakern XdTwä 
schwach tmgirbar, die Ganglienzellen kernlos, zum Teil in körnteem Zerfa 
begriffen zum Teil in glänzende Sehollen verwandelt. Die innSfdes Blu - 
herdes gelegenen Kapillaren zum Teil strotzend mit Blut gefüllt, zum Teil durch 
hyaline Thromben geschlossen; ein in der unmittelbaren Nähe der Blutune ee 
legener kleiner Venenstamm durch einen glänzenden feinstreifigen Pfropf verlort, 
welcher geschrumpfte Kerne einschliesst. Die Arterien prall gefüllt in ihrer 
Lymphscheide reichliche rote Blutkörperchen. Im Pons ganz spärliche wenie 
ausgedehnte Blutungen, welche um prall gefüllte Kapillaren liegen- in äusserst 
spärlichen Kapillaren hyaline Thromben, in der Umgebung derselben zeigt die 
Hirnsubstanz einen eigentümlich starren Glanz, ist kernlos und färbt sich mit 
Eosin und Carmin leuchtend rot; die Kapillaren erscheinen gleichsam von einem 
hyalinen Mantel umgeben. 

Pankreas und Herz nicht untersucht. 

Die Blutungen in der Magenschleimhaut Hegen um prall gefüllte Kapillaren 
und Venen, in letzteren sind die roten Blutkörperchen häufig so dicht gedrängt, 
dass ihre Konturen völlig verschwinden und mit einer homogenen kupferroten 
(Härtung in Müller'scher Lösung und Eosinfärbung) Masse ausgefüllt erscheinen. 
Die Venen in der Submucosa prall gefüllt; hie und da durch Plättchen- und 
fibrinöse Thromben verlegt. 

Fall Tl. 

Sektionsbericht. Schulz, 23 Jahre, Buchbindersehefrau. (Erkrankteam 
1. VII. abends mit Krämpfen, gest. 3. VII. 1890), sec. 4. VII. 

Kleiner, gracil gebauter weiblicher Leichnam; blasse Hautfarbe; Lippen 
cyanotisch. Gesicht stark gedunsen, ebenso die Halsgegend. An den unteren 
Extremitäten Ödeme. Fettgewebe reichlich entwickelt. Muskulatur dunkel- 
braunrot. Mammae stark entwickelt, lassen reichlich Colostrum ausdrücken. 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldecken sehr blutreich, namentlich die Galea 
stark injicirt. Das Schädeldach leicht asymmetrisch, die Nähte noch deutlich 
sichtbar. Am Periost treten zahlreiche punktförmige Hämorrhagien hervor. Auf 
dem Durchschnitt ist das Schädeldach sklerosirt. Auf der Innenfläche feine Oste- 
ophytbildung, am stärksten längst der Art. meningea media. Die harte Hirnhaut 
durchsichtig, sehr blutreich. Innenfläche glatt. Im Sinus longit. sup. reichlich 
flüssiges Blut. Die basalen Hirngefässe bluthaltig, zart. Die Hirnnerven zeigen 
keine Veränderung. Die weichen Hirnhäute enorm hyperämisch. Die Windungen 
abgeflacht, trocken, glänzend. Auf dem Durchschnitt fällt die mattblaue Färbung 
der Rinde auf, während die Marksubstanz rein weiss und feuchtglänzend erscheint 
und nur mässig reichliche, an durchschnittenen Gefässen vorquellende Blutpunkte 
erkennen lässt. Die Grosshirnganglien zeigen auf dem Querschnitt ein marmorirtes 
Aussehen, derart, dass verwaschen graurote Flecken und Streifen und rötlich- 
weisse Herde abwechseln. Hie und da spärliche punktförmige Ekchymosen, be- 
sonders unter dem Ependym, welch' letzteres zart ist. Gyri und Hirnschenkel 
mässig blutreich, ebenso das Kleinhirn. Auf Querschnitten der Brücke und Me- 
dnlla oblongata mässig zahlreiche dunkelrote Blutpunkte. Kleinhirn feucht 
glänzend, blutarm. In den Sinus der Basis dunkelrotes flüssiges Blut. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand beiderseits an der 4. Rippe. Thymus geschwunden. 
Im vorderen Mediastinum spärliche Blutungen. Pleurahöhlen enthalten eine Spur 
seröser Flüssigkeit. Die Lungen retrahiren sich gut. 



- 68 - 



Im Herzbeutel eine geringe Menge klarer seröser Flüssigkeit; beide Blätter 
glatt und spiegelnd. 

Das Herz etwas vergrössert und zwar besonders der rechte Ventrikel ganz 
entschieden dilatirt. Derselbe enthalt dunkelrotes, flüssiges Blut neben verein- 
zelten speckhäutigen Gerinnseln. Die Muskulatur leidlich kräftig braunrot gefärbt 
Klappen intakt. Der linke Ventrikel nicht dilatirt, aber deutlich hypertrophisch 
stel leuweise etwas getrübt. Klappen zart. 

Die Lungen sind ziemlich voluminös ; Oberfläche pigmentirt. An den vorderen 
Rändern emphysematös, mässig blutreich; in den hinteren und unteren Partien 
reichlicher Blutgehalt, liier das Gewebe etwas derb. Von der Schnittfläche 
entleert sich feinschaumige, blassrötlich gefärbte Flüssigkeit. Sowohl im 
Ober- als im Unterlappen treten spärliche, teils subpleural, teils central gelegene 
kleine Blutungen hervor. Die grossen Lungengefässe leer. Die Bronchien ent- 
halten schaumige Flüssigkeit. Die Schleimhaut injicirt. 

Halsorgane nicht secirt. 

Bauchhöhle. In der Bauchhöhle eine Spur freien Serums. Nach Eröffnung 
sieht man die Därme in normaler Lage, etwas durch Luft aufgetrieben. Der 
Uterus in der Mittellinie liegend, überragt fünf fingerbreit die Symphyse. Am 
Bauchfell ziemlich starke Gefässinjektion, hie und da streifenförmige Blutungen. 
Nach Entfernung der Därme fällt die starke Erweiterung der grossen Unterleibs- 
venen in die Augen, besonders stark sind erweitert und prall gefüllt die Vena 
cava inf. und die Venae spermaticae. Die Leber überragt dreifingerbreit den 
Eippenbogen, ihre Oberfläche ist im allgemeinen braunrot gefärbt, unter der 
Kapsel treten äusserst zahlreiche dunkelrote Flecken und Streifen hervor. 

Die Milz nicht vergrössert, mässig blutreich, Kapsel zart. Pulpa braunrot 
gefärbt, etwas vorquellend. 

Nebennieren ohne Veränderungen. 

Die Fettkapsel der Nieren gut entwickelt. Capsula fibrosa zart, leicht 
abziehbar. Die Nieren nicht vergrössert, von ziemlich fester Konsistenz; die 
Oberfläche graugelblich gefärbt, hie und da verwaschen graurote Streifen und 
Flecken. Die sternförmigen Venen stark gefüllt. Die Kinde, nur wenig ver- 
breitert, zeigt dasselbe Aussehen auf dem Durchschnitt, als die Oberfläche. Die 
Marksubstanz sehr blutreich, deutlich gezeichnet. Nierenbecken nicht erweitert, 
ebensowenig die Ureteren. 

Die Harnblase zusammengezogen, enthält nur einige Tropfen trüben Urins. 
Die Schleimhaut ödematös, zeigt zwei symmetrische, von der Urethra aus nach 
oben verlaufende 3 cm lange, l j 2 cm breite streifige Blutungen. 

Die Schamlippen sind ieicht ödematös, zeigen vielfache oberflächliche Ab- 
schorfungen, welche mit coagulirtem Blute bedeckt sind. Die Scheide ist weit, 
ihre Schleimhaut mit ausgedehnten Hämorrhagien durchsetzt; die Muttermundslippen 
abgeplattet, von Hämorrhagien durchsetzt. Die gleiche Beschaffenheit zeigt der 
Cervix. Das Corpus uteri ist IV j 2 cm lang, 10 cm breit, die Wand 1V 2 — 2 cm 
dick. In der Uterushöhle locker geronnenes Blut, nach dessen Entfernung die 
Innenfläche grösstenteils glatt und blassrot erscheint. Nur an der Placentarstelle, 
die sich an der vorderen Wand befindet, vereinzelte fest anhaftende Blutgerinnsel, 
in den Uterusvenen flüssiges Blut. Die Tuben an ihrem abdominellen Ende 
stark injicirt, Ovarien ziemlich gross, im rechten ein Corpus luteum verum. 

Die Leber von normaler Grösse, wiegt 1750 g. Wie erwähnt, treten auf 
der Oberfläche zahlreiche dunkelrote Flecken und Streifen hervor. Dieselben sind 
scharf gegen die Umgebung abgesetzt, unregelmässig zackig begrenzt, stellen- 
weise erreichen sie die Grösse eines Markstückes, der grösste Teil überschreitet 
allerdings die Grösse einer Linse nicht. Auf der Schnittfläche ebenfalls zahlreiche 



— 69 — 



«lunkelrote Hecken und Streifen. Hie und da bemerkt man spärliche opake 
gelbweisse Flecken und Streifen. Das zwischen (Uesen Herden gelegene Leber- 
gewebe ist braunrot gefärbt, etwas trübe. In der Gallenblase dünnflüssige faden- 
ziehende Galle. Gallengang durchgängig. 

Magenschleimhaut fleckig gerötet. Darmschleirahaut blass. Pankreas blut- 
reich. Aorta zeigt keine Abnormitäten. 

Bakteriologische Untersuchung nicht vorgenommen. 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. In der Leber zahlreiche hämo- 
rhagische Nekrosen frischeren Datums. Die Leberzellen im Bereiche der Hämor- 
rhagien in ihren Konturen noch erhalten, aber kernlos; zwischen ihnen hie und 
da ein feinfädiges Fibrinnetz. Im periportalen Gewebe, soweit es den hämor- 
rhagischen Nekrosen benachbart ist, ausgedehnte Blutungen, welche stellenweise 
in die Gallengänge eingebrochen sind. In zahlreichen interlobulären Venen fein- 
körnige und feinfädige Pfropfe, ebenso in den aus ihnen hervorgehenden Kapil- 
laren. Die Arterien hie und da prall gefüllt. In den Lebervenen spärliche 
Leberzellen. Die ausserhalb der nekrotischen Herde liegenden Leberzellen getrübt 
aber nicht verfettet. In vereinzelten Kapillaren zahlreiche kurze Bacillen. 

M&rm. a) Im frischen Präparat die Epithelien der gewundenen Kanälchen 
getrübt, hie und da von Fetttröpfchen durchsetzt; in vereinzelten Glomeruli feinste 
Fetttröpfchen in den Schlingenepithelien. 

b) Im gehärteten Präparat die Glomeruli grösstenteils intakt; hie und da 
feinkörniges Exsudat in den Kapselräumen. Die Schlingen stellenweise vom 
Epithel entblösst, trübe. Die Epithelien der gewundenen Kanälchen zeigen meist 
gut färbbare Kerne; nur ganz vereinzelte Epithelien kernlos oder mit abgeblassten 
Kernen. An den Epithelien der Henle'schen Schleifen keine Veränderungen. Im 
Lumen hie und da feinkörniges Exsudat. In den Sammelröhren zahlreiche hyaline 
Cylinder. Im interstitiellen Gewebe keine Veränderungen. Die Kapillaren der 
Rinde meist leer, in vereinzelten Stase; letztere auch in kleinen Venen des Markes. 
Die Arterien meist leer. 

In einer etwas grösseren Vene des Markes finden sich, dicht von roten 
Blutkörperchen umgeben, ziemlich grosse viereckige und polygonale Zellen mit 
einem grossen, protoplasmatischen Leib und bläschenförmigen, blassgefärbten 
Kernen. Das Protoplasma schliesst hie and da feine goldgelbe Pigmentkörnchen 
ein. Diese Zellen stimmen in ihrem morphologischen Verhalten völlig mit Leber- 
zellen überein; es ist im hohen Grade wahrscheinlich, dass sie durch retrograde 
Embolie an ihren Fundort gelangt sind. 

Lunge. In den Lungenkapillaren enorme Mengen von Placentarzelleu. Die- 
selben werden in keinem den verschiedensten Lungenabschnitten entnommenen 
Schnitte vermisst. In zahlreichen Bezirken des Unterlappens ausgedehnte hyaline 
Thrombose der Kapillaren; hier in den Alveolen häufig eine fibrinöse Ausscheidung 
•und Austapezierung der Alveolar wände mit einer hyalinen Schicht; in dem 
Fibrinnetze keine oder nur spärliche Leukocyten. Die thrombosirten Kapillaren 
kernarm, hie und da kernlos. In beiden Ober- und Unterlappen zahlreiche kleine 
Blutungen. Die kleineren Arterien meist prall gefüllt, in ihnen spärliche, un- 
zweifelhafte Leberzellen. Die grösseren Arterien und Venen meist leer. 

Gehirn nicht untersucht. 

Herx. Die Muskelfasern stark getrübt, aber nicht verfettet. Keine Blutungen. 
Die Kapillaren stark gefüllt. Die Arterien leer. 
Pankreas normal. 

Uterus. Die grossen Venen an der Placentarstelle durch rote lhromben 
geschlossen, welche mitunter mehrkernige Riesenzellen einschliessen. 



— 70 — 



Fall VJI. 

Sektionsbericht. Wagner, 21 Jahre; gest. 11.VJJ1. 1890. 

Mittelgrosser, kräftig gebauter weiblicher Körper, sehr fettreich. An den 
Extremitäten und am Rumpfe zahlreiche, zum Teil sehr ausgedehnte Blutungen 
im subcutanen Gewebe und in der Muskulatur. Letztere braunrot gefärbt, 
feucht, Lippen eyanotisch, sonst die Hautfarbe blass. An der Bauchhaut zahl- 
reiche frische Schwangorschaftsnarben. Die Brüste gross, prall, lassen reichlich 
Colostrum ausdrücken. 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldccken blutreich, hie und da von bis mark- 
stückgrossen Blutungen durchsetzt. Knöcherner Schädel dolichocephal , dünn. 
Diploe blutreich. An der Tabula vitrea längs des Sinus longit. sup. dicht stehende 
Schwangerschaftsosteophyten. 

Dura raater blutreich, straff gespannt, von normaler Dicke. Im Sinus 
longitud. super, eine geringe Menge dunkelroteu, flüssigen Blutes. 

Die weichen Hirnhäute zart, blutreich. Dio Gyri deutlich abgeplattet. 

Die Gehirnsubstanz weich, feuchtglänzend, mässig blutreich. Seiteuventrikel 
leer. Unter dem Ependym und in der Substanz der Ceutralganglien vereinzelte 
punktförmige Blutungen; ebenso in der Brücke und Medulla oblong. 

Kleinhirn mässig blutreich. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand beiderseits im 4. Intercostalraum. Die Pleura- 
höhle leer; die linke Lunge retrahirt sich gut, die rechte durch kurzfädige Ver- 
wachsungen an die seitliche Thoraxwand angeheftet. 

Perikard zeigt keine Veränderungen. 

Das Herz von normaler Grösse, unter dem Perikard vereinzelte Blutungen. 
Die Muskulatur schlaff und morsch, von fast lehmartiger Farbe. Klappen und 
Endokard intakt. 

Lungen sehr blutreich und ödematös, wenig pigmentirt; in den Unterlappen 
mehrere Blutungen. Pleura glatt und spiegelnd. In der Trachea und in den 
Bronchien feinschaumige Flüssigkeit. Die Schleimhaut stark injicirt, lässt hie 
und da vereinzelte Blutungen erkennen. 

Schilddrüse colloid. 

Bauchhöhle. Die Bauchhöhle enthält keine freie Flüssigkeit; Bauchfell glatt 
und spiegelnd. 

Milz gross (14:8:4), blutreich und weich. 

Die Nieren von normaler Grösse, tief dunkelrot gefärbt, von fester Kon- 
sistenz. Oberfläche glatt. Schnittfläche sehr blutreich, Rinde von normaler Breite, 
deutlich gezeichnet. Nierenbecken und Ureteren nicht erweitert, blass. 

Die Harnblase, deren Schleimhaut blass ist, enthält eine geringe Menge 
trüben Urins. 

Der Uterus über kindskopfgross, ist stark kontrahirt, die Serosa glatt. 
Die Muskulatur blass, rötlichweiss gefärbt. In der Höhle spärliche zähe Cruormassen, 
welche der Wand ziemlich fest anhaften, im Fundus die Placentarstelle. In der 
Portio zwei bis in das hintere Scheidengewölbe reichende oberflächliche Risse. 
Scheide tief blaurot gefärbt. 

Die Leber etwas vergrössert, von praller Konsistenz. Die Oberfläche glatt, 
zeigt ein buntgeflecktes Aussehen, indem braunrote, normalen Leberinseln ent- 
sprechende Partien mit dunkelroten, prominirenden Flecken und Streifen ohne 
acinöse Struktur abwechseln; letztere haben eine sehr unregelmässige Form und 
Grösse. Daneben bemerkt man zahlreiche hirsekorn- bis erbsengrosse, meist 
rot umsäumte, opake, gelbe Herde, welche unter di,e Oberfläche zurücksinken und 
völlig homogen erscheinen. Die Schnittfläche zeigt genau dasselbe Bild wie die 



71 — 



Oberfläche. Die Galleublase prall mit gelbbrauner Galle gefüllt. Schleimhaut glatt. 
Magen und Darmschleimhaut blass. 
Pankreas sehr schlaff, blutreich. 

Bakteriologische Untersuchung. Der bakteriologischen Untersuchung 
wurde nur die Leber unterzogen; sie fiel negativ aus. 

Mikroskopischo Untersuchung. Leber. In der Leber multiple anämische 
und hämorrhagische Nekrosen älteren und frischeren Datums. In den inter- 
lobulären Venen Thromben. In vereinzelten Lebervenen unzweifelhafte Leberzellen. 

Nieren, a) Bei der frischen Untersuchung ergiebt sich eine massige Trübung 
der Epithelien. Keine Verfettung. 

b) Im gehärteten Präparat erscheinen säinmtliche Strukturbestandteile völlig 
normal; nur die Anwesenheit von feinkörnigen Niederschlägen in den Kapsel- 
räumen und den Harnkanälchen weist darauf hin, dass intra vitam eine Funktions- 
störung bestanden hat. Die Gefässe ausserordentlich prall gefüllt; in vereinzelten 
Glomerulis hyaline Thrombose der Schlingen, ebenso in vereinzelten interlobulären 
Kapillaren. 

Lungen. In den Lungen hyaline Thromben in vereinzelten Kapillarbezirken; 
multiple, wenig ausgedehnte Blutungen in den Alveolaren, im Bereich der letzteren 
die Venen durch Plättchenthromben verschlossen. In zahlreichen kleinen Arterien- 
ästen wandständige und obturirende Thromben. Grossartige Placentarzellen- 
embolien. In kleineren Arterien spärliche Leberzellen. 

Gehirn. In der Hirnrinde, den Centraiganglien, Pons und Medulla ziemlich 
ausgedehnte hyaline Thrombose der Kapillaren und kleineren Venen; in der 
Umgebung der thrombosirten Gefässe hie und da Blutungen und kleine Er- 
weichungen. In den Venen Stase, hie und da Plättchen-, fibrinöse und hyaline 
Thromben. Die Arterien meist leer, nur ganz vereinzelte tbrombosirt, in letzterem 
Falle die Lymphscheide prall mit roten Blutkörperchen gefüllt. 

Herz. Hochgradige Trübung der Muskelfasern, die Querstreifung fast nirgends 
mehr zu erkennen. An vereinzelten Stellen die Muskelfasern wachsig degenerirt. 
Im gehärteten Präparat zeigt sich, dass die Muskulatur von multiplen feinen 
Blutungen durchsetzt ist. Die Muskelfasern häufig in kernlose Massen ungewandelt. 
Die Kapillaren herdweise enorm gefüllt, nur vereinzelte durch hyaline Thromben 
geschlossen. In kleinen Venen hyaline und Plättchenthromben; ebenso in den 
Arterien. 

J'aukreas. Im Pankreas multiple Blutungen und Nekrosen. 



Fall VIII. 

Sektionsbericht. Ronneberger, Marie, gest. 9./VHI. 1890. Sektion 2 St. p. m. 

Grosse, kräftig gebaute weibliche Leiche; guter Ernährungszustand. Starke 
Ödeme an den unteren Extremitäten. Haut blass, die sichtbaren Schleimhäute 
stark eyanotisch. Unterleib halbkugelig aufgetrieben, mit reichlichen frischen 
Striae, die äusseren Genitalien etwas ödematös. 

Fettgewebe gut entwickelt; Muskulatur kräftig, dunkelrot, stark feucht- 

erlänzend. . . , , , . . 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldecken sehr blutreich, von zahlreichen 
hirsekorn- bis linsengrossen Blutungen durchsetzt, etwas ödematös. Knöchernes 
Schädeldach zeigt eine leichte Asymmetrie. Tabula externa glatt. Diploe blutreich. 
Tabula vitrea in grosser Ausdehnuug mit dünnen Lagen von Osteozyten besetzt. 

Dura mater sehr stark gespannt, nirgends verdickt; an der Innenfläche 
vereinzelte Blutungen. Sinus longit. sup. enthält dnnkelrotes flussiges ™- 

Gehirnoberfläche trocken glänzend. Gyri abgeflacht; Venen prall gefüllt. 



- 72 — 



Gehirusubstauz von uraller Konsistenz, selir blutreich, feucht glänzend, in der 
Rinde und im weissen Marklager spärliche punktförmige Blutungen. Ventrikel 
leer. An der Grenze zwischen linkem Thalamus optic. und Nucleus caudatus findet 
sich dicht unter dem Ependym eine linsengrosse Blutung; eine ebensolche im 
lauteren Drittel des linken Thalamus. Punktförmige Blutungen bemerkt man 
ferner ia dea rechtseitigea Centralganglien. 
Kleinhirn ödematös. 

Ia der Brücke mehrere punktförmige Ekchymosen. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand rechts an der 4. Rippe, links im 4. Inter- 
costalrauin. Thymus noch fast in ganzer Ausdehnung erhalten, sehr blutreich. 
Pleurahöhlen leer. Die Lungen retrahiren sich stark. 

Das Herz ist etwas vergrössert, besonders der linke Ventrikel. Der 
rechte Ventrikel etwas erweitert, enthält dunkelrotes, flüssiges Blut, seine Mus- 
kulatur schlaff, hellbraunrot gefärbt. Klappen intakt. Der linke Ventrikel und 
Vorhof mässig erweitert, die Muskulatur hypertrophisch (15 mm), von weicher, 
schlaffer Koasisteaz, duakelgraurot gefärbt, mit vereinzelten verwaschenen, gelb- 
grauen Flecken. Klappen glatt und zart. Die Coronargefässe iatakt. 

Die Luagea überall lufthaltig, duakelblaurot gefärbt, sehr blutreich und 
ödematös. Sowohl au der Oberfläche, als auf der Schaltfläche bemerkt man 
zahlreiche liasea- bis zehnpfennigstückgrosse Blutungen, welche mitunter, und zwar 
besonders die subpleural gelegenen eine deutlich keilförmige Gestalt besitzen. 
Daneben erbsen- bis kirschgrosse opake, gelbweisse, derbe Herde, von trockenem 
Aussehen. In den Bronchien schaumige Flüssigkeit, die Schleimhaut stark injicirt. 

Die Halsorgane zeigen keine Abnormitäten. 

Batichhöhle. Die Bauchhöhle enthielt 1 1 klare Flüssigkeit. Bauchfell glatt 
und spiegelnd. Omentum fettreich. 

Milz vergrössert, ziemlich weich und schlaff, blutreich, Follikel deutlich. 
Nebennieren blutreich. 

Die Nieren von normaler Grösse und fester Konsistenz. Die Kapsel leicht 
abziehbar. Die Oberfläche glatt, rötlich- weiss gefärbt, stellenweise leicht 
gelblich; hie und da bemerkt man vereinzelte Blutungen. Die Rinde nicht ver- 
breitert, etwas vorquellend, hellgraurot gefärbt, deutlich gezeichnet und scharf 
von der tiefdunkelroten Marksubstanz abgesetzt. Im Nierenbecken, welches etwas 
erweitert ist, zahlreiche punktförmige Hämorrhagien. Beide Ureterea erweitert. 

Die Scheideaschleimhaat duakelblaurot gefärbt, etwas ödematös. Der äussere 
Muttermuad etwas erweitert, die hiatere Lippe erodirt. Der Uterus eathält eiae 
aoeh voa dea iataktea Eihäutea umgebeae Frucht vou 47 cm Länge; seine 
Wand ist düna, rötlichweiss gefärbt. Aa der hiaterea Waad sitzt die Placenta, 
welche ziemlich reichlich voa erbsengrossen, weissen Infarkten durchsetzt ist. 
Die Venae uterinae und spermaticae siad stark dilatirt uad mit duakelrotem, 
flüssigem Blut erfüllt. Im liakea Ovarium eia kirschgrosses Corpus luteum verum. 
Die Tubeaschleimhaut stark iajicirt. 

Die Leber voa aormaler Grösse, ziemlich derb, deutlich ödematös. Die Ober- 
fläche glatt uad im allgemeinen bräunlich-graurot gefärbt; es treten aber aa 
der Oberfläche des rechtea wie liakea Lappens, besonders aber am Lobulus 
Spigelii zahlreiche, tiefrot gefärbte Flecken von Punkt- bis Fünfpfennigstück- 
grösse und unregelmässig zackiger Form hervor. Daneben bemerkt man spär- 
liche Herde, die von einem tiefroten Saume umgeben werdea. Die Schaltfläche, 
welche mässig blutreich ist, zeigt dasselbe Aussehen, wie die Oberfläche; nur 
tretea hier zahlreichere gelblichweisse, trockeae Herde hervor, ia deren Bereich 
die aciaöse Struktur, welche im allgemeinen gut zu sehen ist, gar nicht erkannt 
werden kann. 



— 73 — 



Die Gallenblase enthält dickflüssige, zähe Galle. Gallengaug durchgäng-io- 
Magenschleimhaut stark geschwollen, hie und da vereinzelte Blutungen 
Pankreas sehr blutreich. 

Sektion des Fötus. Der Fötus männlichen Geschlechts ist 47 cm lang 
Die Hant mit Lanugo und Vernix caseosa bedeckt. Die Nabelschnur 2 mal um 
den Hals geschlungen. 

An den Lungen, welche sehr blutreich sind, bemerkt man zahlreiche Ekchy- 
mosen, die zum Teil subpleural liegen. Auch unter dem Perikard zahlreiche 
Blutungen. 

Die Nieren ziemlich gross, sehr blutreich, weich; die Rinde von zahlreichen 
Blutungen durchsetzt, blass-graurot gefärbt. Die Leber gross, weich sehr blut- 
reich; im rechten Lappen vereinzelte subkapsuläre Blutungen. 

An den Knochen keine Veränderungen. 

Bakteriologische Untersuchung ergiebt vollständiges negatives Resultat. 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. In der Leber multiple, aus- 
gedehnte hämorrhagische, spärliche anämische Nekrosen, wie sie bei Fall II be- 
schrieben wurden. Die Nekrosen sind noch frischeren Datums, da die Leberzellen, 
welche in einem feintädigen Fibrinnetz liegen, wenn auch kernlos, so doch in 
ihren Konturen gut erhalten sind. Das periportale Gewebe vielfach blutig infil- 
trirt. In zahlreichen interlobulären Venen hyaline und feinstreifige Pfropfe; 
in manchen grösseren Pfortaderästen wandständige Plättchenthromben. Derselbe 
Befund an vereinzelten Arterien. In den feinsten interlobulären Gallengängen 
vielfach, besonders in der Umgebung der nekrotischen Herde Gallenthromben, in 
vereinzelten grösseren Gallengängen spärliche rote Blutkörperchen. Im übrigen 
Lebergewebe die Leberzellen getrübt, aber nicht verfettet. In vereinzelten Central- 
und grösseren Lebervenen unzweifelhafte Leberzellen. 

Nieren. Die Glomeruli in der Mehrzahl intakt, allerdings in zahlreichen 
Kapselräumen feinkörniges Exsudat. An vereinzelten Glomerulis Epithelde- 
squamation, die vom Epithel entblössten Schlingen meist trübe; hie und da die 
Schlingen mit reichlichen Leukocyten und hyalinen Massen ausgefüllt. In Osmium- 
präparaten erscheinen in manchen Glomerulis die Schlingen mit schwarzen Massen 
ausgegossen (Fettembolie.) Das Epithel der gewundenen Kanälchen stark ge- 
trübt und hie und da kernlos; im Lumen derselben feinste Eiweisskörnchen. 
Das Epithel der Henle'schen Schleifen ebenfalls getrübt, in den aufsteigenden 
Schleifenschenkeln häufig ausgedehnte Epithelnekrose; in ihrem Lumen fein- 
körniges Exsudat und spärliche hyaline Cylinder; letztere sehr zahlreich in 
den Sammelröhren. Im interstitiellen Gewebe hie und da kleine Blutungen in der 
Umgebung prall gefüllter Kapillaren; nirgends Rundzellenanhäufungen. Die Ka- 
pillaren meist leer. Die Arterien sehr eng, in vereinzelten wandständige Plättchen- 
thromben. Venen der Marksubstanz prall mit roten Blutkörperchen gefüllt. 

Lungen. In den Lungen besteht ausgedehnte Fettembolie. Im Bereich der 
im Sektionsbericht erwähnten Blutungen, neben denen sich noch zahlreiche, wenig 
ausgedehnte mikroskopische finden, die Kapillaren prall mit roten Blutkörperchen 
gefüllt. In zahlreichen kleineren und grösseren Arterien und Venen wandständige 
und total obturirende, teils aus feinkörnigem und feinstreifigem Material be- 
stehende Thromben. In den Kapillaren sowohl, als in den Arterien äusserst zahl- 
reiche Placentarstellen und spärliche, unzweifelhafte Leberzellen. Ausserdem be- 
merkt man in mehreren kleinen Arterien häufig kleine kubische Zellen mit tief 
schwarzblau gefärbten Kernen, welche häufig zu vieren und sechsen zusammen- 
hängen und in ihrer Grösse und ihrem sonstigen morphologischen Verhalten den 
die Placentarzotten überziehenden Epithelien gleichen. 

Gehirn. Im Gehirn multiple Blutungen, die grösstenteils erst mikroskopisch 



— 74 — 



nachweisbar sind und besonders zahlreich in der Rinde des Stirnhirns, der 
Schlttfenwindnuigen, dem Nueleus caudatus und der Brücke gefunden werden. 
Sie liegen in der Umgebung von kleinen Gefässen (Arterien sowohl, wie Venen) 
und Kapillaren, die teils enorm dilatirt, teils durch Thromben (Plättchen-, hyaline 
und fibrinöse Thromben) verschlossen sind. Die Thromben sind nicht auf die 
Blutungen beschränkt, sondern finden sich auch in anderen Gefässen. Mit der 
Thromboso verbindet sich häufig eine hyaline Degeneration der Wand und der 
anliegenden Gehirnsubstanz. Im Thalamus opticus eine kleine Erweichung, in 
deren Bereich und Umgebung eine ausgedehnte hyaline Thrombose der Kapillaren 
besteht. 

Hera;. Im Herzen besteht starke Trübung der Muskelfasern und geringe 
Verfettung. Im Boreiche der oben erwähnten Blutungen die Muskelfasern teils 
nekrotisch, in unregelmässige kernlose Schollen zerfallen, teils in hyaliner 
Degeneration begriffen. Die Gefässe enorm gefüllt, hie und da in ihnen teils 
wandständige, teils obturirende Plättchenthromben. 

Pankreas. Im Pankreas ganz spärliche Blutungen in der Umgebung 
thrombosirter Venen. Innerhalb der Blutungen die Drüsenepithelien kernlos. 

/ r tenis. In den an der Placentarstelle liegenden Venen, die prall mit Blut 
gefüllt sind, spärliche, frei im Lumen liegende Riesenzellen; die Wand dieser 
Venen von einkernigen Endothelien ausgekleidet. In der Placenta multiple weisse 
Infarkte, daneben aber findet sich in zahlreichen intervillösen Räumen eine fein- 
körnige und feinfädige trübe Masse, welche abgeblasste rote Blutkörperchen und 
Kerndetritus einschliesst. Die Zellenepithelien kernlos und aufgequollen. Das 
Zottenstroma ebenfalls kernlos, von Blutungen durchsetzt, welche sich häutig 
zwischen Epithel und Zottenstroma eindrängen. In der Umgebung dieser Herde 
die Zotten meist gut kernhaltig, aber von Blutungen durchsetzt, durch welche 
das Epithel vielfach in Form grösserer oder kleinerer Fetzen von der Unterlage 
abgehoben ist. 

An den kindlichen Organen finden sich keine Veränderungen. 

Fall IX. 

Sektionsbericht. Gottstein, Elise. Müllersfrau, 24 .Talire, Primipara. 
(Erkrankte am 18./IX. 1890 mittags-, gest. 19./IX.); sec. 19,/IX. 1890. 

Mittelgrosse, kräftig gebaute weibliche Leiche; leidlich gut genährt. Haut- 
farbe blass, keine Ödeme. An der Bauchwand reichliche Striae, Muskulatur kräftig, 
braunrot gefärbt. 

Kopfhöhle. Das knöcherne Schädeldach sehr schwer und dick. Aussenfläche 
glatt, graugelblich gefärbt, Diploe erhalten, wenig blutreich. An der Innenfläche 
reichliches Schwangerschaftsosteophyt. Die harte Hirnhaut stark gespannt, nicht 
verdickt; Aussenfläche stark injicirt, Innenfläche glatt und spiegelnd. Im Sinus 
longit. sup. flüssiges Blut. Die weichen Hirnhäute an der Konvexität ausserordent- 
lich blutreich; die Venen bis in die. feinsten Verzweigungen gefüllt. Die sub- 
arachnoidealen Räume leer. Die Gyri abgeplattet, trocken, glänzend. Die Rinde 
grauviolett gefärbt. Die Marksubstanz feucht glänzend, lässt zahlreiche abspülbare 
Blutpunkte erkennen, nirgends Blutungen. Die Seitenventrikel enthalten eine 
Spur blassrötlich gefärbter Flüssigkeit, ihr Ependym zart. Die Centralganglien 
blutreich, ebenso Brücke und Medulla oblongata. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand links an der 5., rechts 4. Rippe. 

Thymus geschwunden. Mediastinum zeigt keine Abnormitäten. Pleurahöhlen 
leer. Lungen sinken gut zurück. 

Im Herzbeutel eine Spur seröser Flüssigkeit; beide Blätter glatt und 
spiegelnd. 



— 75 — 



Das Herz etwas vergrössert, und zwar betrifft die Vergrösserung beide Ven- 
trikel gleichmässig. Subperikardiales Fettgewebe reichlich entwickelt Gefässe 
an der Oberfläche stark gefüllt. Im rechten Ventrikel dunkelrotes, flüssiges Blut 
und spärhche Menge Cruor; Muskulatur von derber Konsistenz, braunrot gefärbt 
die Höhle etwas erweitert, Klappen zart. Der linke Ventrikel ist stärker kon- 
trahirt, die Wand hypertrophisch, die Höhle eng. An der hinteren Wand zwei 
etwa inarkstückgrosse, verwaschen graugelblich gefärbte, scharf umschriebene 
Herde, die von der Umgebung durch einen tiefrot gefärbten Saum abgesetzt 
werden. Klappen zart. In der Aorta ascendens keine Veränderungen. Coronar- 
gefässe intakt. 

Die Lungen sind überall gut lufthaltig, der pleurale Überzug glatt und 
spiegelnd. Die vorderen Partien graurot, die hinteren dunkelrot gefärbt. Auf der 
Schnittfläche des Oberlappens fliesst reichlich rötlich gefärbte, schaumige Flüssig- 
keit ab. Die Unterlappen weniger ödematös; es springen hier aber auf der Schnitt- 
fläche teils dunkelrot gefärbte, teils graurote Herde hervor, die sich derber an- 
fühlen und auf dem Schnitt eine feine Granulirung erkennen lassen. In den 
Bronchien reichliche schaumige Flüssigkeit. Schleimhaut etwas injicirt. Die 
Bronchialdrüsen etwas pigmentirt, mit vereinzelten kleinen kreidigen Herden. 

Tonsillen klein, atrophisch. Die Pharynxschleimhaut stark injicirt. Die 
Schilddrüse colloid. In der Trachea feinschaumige Flüssigkeit. 

Bauchhöhle. In der Bauchhöhle keine freie Flüssigkeit. Die Höhle des 
kleinen Beckens ist von dem stark kontrahirten kindskopfgrossen Uterus an- 
gefüllt. Die Dünndarmschlingen stark durch Luft aufgetrieben, die Serosa überall 
glatt und spiegelnd. Grosses Netz fettreich. 

Die Milz wiegt 185 g, ist von schlaffer Konsistenz. Pulpa verwaschen, 
dunkelblaurot gefärbt, quillt etwas hervor. Follikel und Trabekel undeutlich. 

Die Nieren von normaler Grösse, Kapsel leicht abziehbar, Oberfläche glatt, 
marmorirt, derart, dass graugelbe Herde mit verwaschen grauroten abwechseln. 
Konsistenz derb. Die Rinde nicht verbreitert, verwaschen, graugelblich und grau- 
rot gefärbt, trübe. Die Marksubstanz scharf gegen die Rinde abgesetzt, dunkel- 
blaurot gefärbt. Nierenbecken und Ureteren nicht erweitert. Die rechte Niere 
etwas grösser als die linke, Kapsel an einigen Stellen adhärent; Oberfläche gran- 
rot gefärbt, nur hie und da etwas gelblich. Die Rinde intensiv getrübt. Das 
Nierenbecken doppelt, ebenso der Ureter bis an die Linea innominata, keine Er- 
weiterung derselben. 

In der Harnblase geringe Menge schwachgrünen Urins, Schleimhaut fleckig 
gerötet, im Trigonum vereinzelte Blutungen. 

Die Scheide weit, in ihrer hinteren Kommissur ein l 3 /., cm langer Riss. 
Die Scheidenschleimhaut von Blutungen durchsetzt, im hinteren Scheidengewölbe 
oberflächliche Abschürfungen. Der Muttermund klafft sehr weit. Die Mutterrannds- 
lippen geschwollen, blutig infiltrirt. Der Fundus uteri enthält vereinzelte schlaffe 
Blutgerinnsel, nach deren Entfernung die Innenfläche im allgemeinen glatt er- 
scheint. An der hinteren Fläche die Placentarstelle. Die Venen an derselben 
nicht thrombosirt. Die Muskulatur rötlichweiss gefärbt, die venösen Sinus leer. 
Parametrien normal. Die Tuben an ihrem abdominalen Ende stark injicirt. 
In beiden Ovarien vereinzelte erbsengrosse Cysten, im rechten Ovarium ein 
frisches Corpus luteum. Die Venae uterinae und sperraaticae mit flüssigem, dunkel- 
rotem Blut prall gefüllt. 

Die Leber von normaler Grösse, wiegt 1800 g, Oberfläche im allgemeinen 
blass braunrot gefärbt. Auf der Oberfläche des rechten Leberlappens, spärlicher 
auf der des linken Stecknadel- bis linsengrosse, unregelmässig zackig umgrenzte 
rote Flecken, die etwas auf der Schnittfläche vorspringen und häufig im Central» 



— 76 - 



einen feinen weissen Punkt erkennen lassen. Konsistenz schlaff; auf der Schnitt- 
fläche sind ebenfalls zahlreiche rote Flecken und Streifen erkennbar, hie und 
da bemerkt man scharf umschriebene, opake, gelbgraue Flecken, im Bereicli 
deren die acinöse Struktur vollständig verwischt ist. Die Pfortader enthält 
dunkelrotes, flüssiges Blut. Die grossen Lebervenen leer, durch ihre Wand 
schimmern lue und da die im Leberparenchym liegenden Blutungen hindurch. 
Die Magenschleimhaut im allgemeinen Mass, auf der Höhe ihrer Falten etwas 
gerötet. An der kleinen Kurvatur vereinzelte Blutungen und hämorrhagische 
Erosionen. 

Die Darmschleimhaut blass ; die Mesenterialsveuen leer. 

Sektion des Kindes, welches 6 Stunden gelebt hat. 

50 cm langes, gut entwickeltes Kind. Die Hautdecken im allgemeinen 
blass, Gesicht etwas eyanotisch. 

Die Lungen lufthaltig, an der Pleura zahlreiche Ekchymosen. Im Herzen 
flüssiges Blut. 

Die Milz 12 g schwer, sehr blutreich, derb. Nieren etwas vergröflBert, 
von mässig fester Konsistenz, Kapsel leicht abziehbar. Die Oberfläche im allge- 
meinen graurot gefärbt, von zahlreichen punktförmigen Blutungen übersät. 
Letztere au der Rinde erkennbar, welche etwas vorquillt. Die Marksubstanz 
tief dunkelrot gefärbt. Die Leber blaurot gefärbt, von praller Konsistenz. 
Magen und Darm ohne Veränderungen. 

Bakteriologische Untersuchung. Die bakteriologische Untersuchung 
ergiebt in bezug auf Gehirn, Leber und Nieren, sowie auf die kindlichen Organe 
ein negatives Resultat. Aus den aus der Lunge und der Milz angelegten Platten 
wachsen spärliche Kolonien von Staphylococcus pyogenes aureus und mehrere 
Kulturen eines sehr beweglichen, in Gelatine verflüssigenden Bacillus. 

Mikroskopische Untersuchung. In der Leber zahlreiche hämorrha- 
gische, spärliche anämische Nekrosen. In den interlobulären Pfortaderästen 
hyaline Thromben, in den etwas grösseren Pfortaderästen teils wandständige, 
teils obturirende Plättchenthromben. Die Arterien sind leer. In den Gallen- 
gängen hie und da rote Blutkörperchen. In dem nicht nekrotischen Lebergewebe 
sind die Leberzellen ziemlich stark verfettet. Die Lebervenen leer. 

Nieren. Die Glomeruli in der Mehrzahl intakt. An vereinzelten die Kapsel 
verdickt, an anderen Epitheldesquaination. Die Schlingen teils leer, teils prall 
mit roten Blutkörperchen gefüllt, vereinzelte hyalin degenerirt. In zahlreichen 
Kapselräumen feinkörnige Eiweissniederschläge. An den Epithelien der gewundenen 
Harnkanälchen besteht ausgedehnte Nekrose, nur hie und da trifft man auf Inseln, 
wo die Epithelien noch kernhaltig sind. Das Epithel der Henle'schen Schleifen 
lue und da kernlos, meist gut erhalten, aber stark verfettet. Im Lumen der 
Harnkanälchen feinkörniges Exsudat; in den Sammelröhren zahlreiche hyaline 
Cylinder. Im interstitiellen Gewebe finden sich zahlreiche, teils um Kapillaren, 
teils um kleine Venen gelegene Rundzellenherde. Die Kapillaren teils leer, 
teils so prall mit roten Blutkörperchen gefüllt, dass die Konturen der letzteren 
nicht mehr zu erkennen sind. Derselbe Befund an zahlreichen kleinen Venen. 
Die Arterien meist leer, hie und da aber prall mit roten Blutkörperchen erfüllt. 
In vereinzelten, etwas grösseren, in der Marksubstanz gelegenen Arterienstämmchen 
finden sich der Wand dicht anliegende feinkörnige und feinfädige Massen, die 
spärliche abgeblasste und geschrumpfte rote Blutkörperchen und in Zerfall be- 
griffene Leukocyten einschliessen. 

Lungen. In den Lungenkapillaren finden sich ausserordentlich zahlreiche Riesen- 
zellen, derart, dass in jedem Schnitt, aus den verschiedensten Teilen genommen, 
stets diese Zellen in grosser Anzahl gefunden werden. In spärlichen Kapillaren 



— 77 - 



hyaline Thromben. Die grösseren Arterien prall mit roten Blutkörperchen 
gefüllt, die Venen meist leer. In zahlreichen Bezirken der Lungen finden sich 
in den Alveolen Blutungen. 

Gehirn. In der Rinde des Stirnhirns, sowie in den Centraiganglien und 
Brücke ganz spärliche, wenig ausgedehnte, erst mikroskopisch nachweisbare 
Blutungen, welche in der Umgebung von prall gefüllten Kapillaren und kleinen Venen 
liegen. In ganz vereinzelten Kapillaren hyaline Thromben. Nur im rechten Thalamus 
opticus findet sich an einer circumscripten Stelle eine ausgedehnte hyaline Thrombose 
der Kapillaren, in ihrer Umgebung ist die Gehirnsubstanz erweicht. Die Arterien der 
Rinde meist sein- stark gefüllt, in ihrer Lymphscheide häufig ziemlich zahlreiche 
Blutkörperchen. 

Herz. Die Muskelfasern meist gut erhalten, nur hie und da stark mit 
Fetttröpfchen durchsetzt. Zwischen ihnen ganz spärliche Blutungen. Die Kapil- 
laren und Venen teils leer, teils stark gefüllt, die Arterien leer. Die im 
Sektionsbericht erwähnten gelbweissen Herde an der hinteren Fläche des Herzens 
erwiesen sich bei der mikroskopischen Untersuchung als blasse Infarkte. Die 
Muskelfasern sind kernlos, ohne erkennbare Querstreifung, teilweise in trübe 
Schollen zerfallen. Die zwischen den Muskelfasern gelegenen Bindegewebszellen 
sind noch kernhaltig. Die Kapillaren im Bereich der Infarkte durch hyaline 
Thromben verschlossen. Die hyaline Thrombose setzt sich fort in die kapillaren 
Arteriolen und endigt in einem etwa stricknadeldicken Arterienast. Hier zeigt 
der Pfropf eine feine streifige Beschaffenheit und schliesst geschrumpfte Leuko- 
cytenkerne ein. 

Pankreas normal. 

Uterus nicht untersucht. 

Magen. In der Magenschleimhaut liegen die Blutungen um prall gefüllte 
Kapillaren und kleine Venen herum; die in denselben enthaltenen roten Blut- 
körperchen sind gegeneinander abgeplattet, häufig sind ihre Konturen nicht zu 
erkennen. 

Die kindlichen Organe. In den Lungen spärliche Blutungen, Leber normal. 

Nieren. Die Glomeruli vollständig intakt. Die Epithelien der gewundenen 
Harnkanälchen zum Teil kernlos, gequollen; die Henle'schen Schleifen intakt. 
In den Sammelröhren feinkörniges Exsudat. In dem interstitiellen Gewebe 
Blutungen. Arterien prall gefüllt. 



Fall X. 

Sektionsbericht. Enke, Martha, 20 Jahre. Erkrankt am 27. X. 1889, 
gest. an Eklampsie 5. XI. 1889. 

Mittelgrosse, gracil gebaute weibliche Leiche; an den unteren Extremitäten 
geringe Ödeme. Die Hautfarbe im allgemeinen blass. An den unteren Extre- 
mitäten und am Rumpfe zahlreiche ausgedehnte, subcutan gelegene Blutungen. 
An der Bauchhaut reichliche frische Striae. Brustdrüsen prall, lassen reichlich 
Colostrum ausdrücken. Die Muskulatur gut entwickelt, tiefrot gefärbt, Ine 
und da von einzelnen Blutungen durchsetzt. Fettgewebe gut entwickelt. 

Kovffwhle Die weichen Schädeldecken sind ziemlich blutreich, an der 
Galea vereinzelte Ekchymosen. Das knöcherne Schädeldach an der Aussenflache 
gelbweiss gefärbt. Periost leicht abziehbar, Diploe blutreich. Die Tabula 
vitrea mässig fest mit der Dura verwachsen, lässt an ihrer Innenfläche ausge- 
dehnte Osteophytbildung erkennen. Die Dura mater ist straff ge q,aan , von 
normaler Dicke. Die Innenfläche glatt und spiegelnd. Im Sinus longit sup. 
dunkelrotet flüssiges Blut. Die weichen Hirnhäute zart, d» Subarachnoideal- 



— 78 — 



räume mässig mit klarer Flüssigkeit gefüllt, ihre Gefässe wenig blutreich. 
Die Carotis Interna beiderseits durch einen das Lumen prall ausfüllenden, gelblich- 
weissen Pfropf, welcher der Wand nur locker aufsitzt, ausgefüllt. Links reitet 
der Pfropf auf der Teilungsstello der Carotis interna und reicht bis in die 
Arteria corporis callosi und A. fossae Sylvii hinein. Grosshirn, dessen Windungen 
stark abgeflacht sind, zeigt eine weiche Konsistenz, seine Oberfläche ist trocken 
glänzend. Auf den Hemisphärendurchschnitten treten spärliche abspülbare Blut- 
punkte hervor. Sowohl im weissen Marklager, als besonders in der Rinde be- 
merkt man ausserordentlich zahlreiche kleine verwaschene, dunkelrot gefärbte 
Herde, in deren Centruin sich meist ein tiefrot gefärbter Punkt nachweisen 
lässt. Ahnliche Herde bemerkt man auch in den Centralganglien, deren Zeichnung 
ausserordentlich verwaschen ist. Brücke, Medulla oblongata und Kleinhirn lassen 
keine Veränderungen erkennen. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand links an der 7., rechts an der 6. Rippe. 
Sternum ohue Besonderheiten. Das Mediastinum stark ödematös. In der linken 
Pleurahöhle circa 1 1 stark getrübter, gelblichroter Flüssigkeit, in der reichlich 
Fibrinflocken flottiren. In der rechten Pleurahöhle findet sich ein ähnlicher 
Erguss. Die linke Lunge liegt vollständig kollabirt der Wirbelsäule an, die 
rechte sinkt nur wenig zurück. Pleura costalis und pulmonalis beiderseits mit 
einer dicken Schicht gelbweissen, weichen Fibrins bedeckt. 

Im Herzbeutel die gewöhnliche Menge Flüssigkeit. Beide Blätter glatt 
und spiegelnd. 

Das Herz von normaler Grösse, von schlaffer Konsistenz. Das subperi- 
kardiale Fettgewebe ist reichlich entwickelt, die Gefässe prall gefallt. Der 
rechte Ventrikel stark kontrahirt, enthält spärliche speckhäutige Gerinnsel. Die 
Muskulatur von guter Konsistenz, Endokard und Klappen intakt. Der linke 
Ventrikel und Vorhof schlaff. Die Muskulatur sehr kräftig entwickelt, braunrot 
gefärbt, etwas hypertrophisch (15 mm). Die Mitralklappen intakt, glatt und zart. 

In beiden Lungen finden sich mehrere erbsen- bis kirschgrosse Abscesse, 
daneben frische und ältere, in eitriger Schmelzung begriffene Aspiration spnen- 
monien. Die linke Lunge vollständig atelektatisch. Die Bronchialschleim- 
haut ist intensiv gerötet, geschwollen, mit bräunlichgelben, eitrigen Massen belegt. 
Die Lungenarterien normal. In einer im rechten Unterlappen gelegenen Vene 
dritter Ordnung ein das Lumen prall ausfüllender gelbweisser, fester Thrombus, 
welcher sich bis in die kleinsten Gefässe fortsetzt; die dem Verzweigungsgebiet 
dieser Vene entsprechende. Lungenpartie tiefrot gefärbt, fest, luftleer, ohne Abscesse. 

Die Zunge liegt zwischen den Zähnen und zeigt an ihren freien Rändern 
zahlreiche Bisswunden. Die Schleimhaut des weichen Gaumens und Pharynx 
stark injicirt Die Schilddrüse deutlich colloid. Die aryepiglottischen Falten 
stark ödematös. Die Schleimhaut der Trachea geschwollen, mit zähem, eitrigem 
Schleim bedeckt. 

Bauchhöhle. Die Bauchhöhle enthält keine freie Flüssigkeit; die Dünndarm- 
schlingen fast leer, stark kontrahirt. Das Bauchfell glatt und spiegelnd, zeigt 
hie und da stärkere Gefässinjektionen. Das grosse Netz ist fettreich, liegt 
zusammengerollt an der grossen Kurvatur des Magens. 

Die Milz ist etwas vergrössert (15:9:5), ausserordentlich schlaff und weich. 
Oberfläche glatt, graubläulich gefärbt, die Pulpa breiartig weich, bläulichrot 
gefärbt, mit vereinzelten Blutungen. 

Die Nebennieren von normaler Grösse, schlaffer, weicher Konsistenz. 

Die Nieren etwas grösser als normal, schlaff und weich. Die Kapsel leicht 
abziehbar, die Oberfläche glatt, verwaschen, graurot gefärbt. Die Schnittfläche 
blutreich. Die Rinde verbreitert, vorquellend, intensiv getrübt. Die Marksnbstanz 



— 79 — 



etwas blutreicher als die Rinde, zeigt herdweise Blutungen. In beiden Nieren- 
becken eine geringe Menge trüber Flüssigkeit. Die Schleimhaut etwas ge- 
schwollen, gerötet; die Ureteren nicht dilatirt. 

on . D , ie P'T 1 ^ 86 . stark kontrahirt, enthält wenig trüben Urin: ihre 
Schleimhaut neckig mjicirt. 

Die Scheide ist sehr weit, ihre Schleimhaut dunkelblaurot gefärbt, von 
vereinzelten Blutungen durchsetzt. Am Cervix ein bis in das hintere Scheiden- 
gewölbe reichender, oberflächlicher Riss. Die vordere und hintere Muttermunds- 
lippe sind geschwollen, dunkelblaurot gefärbt, aber nirgends eitrig infiltrirt Der 
Uterus kleinkindskopfgross, von derber Konsistenz; die Höhle mässig weit mit 
bräunlichroter trüber Flüssigkeit erfüllt. Ihrer Wandung haften noch reichliche 
Eihaut- und Piacentarreste an, nach deren Entfernung aber die Innenfläche 
des Uterus glatt und nur mässig gerötet hervortritt. Die Muskulatur des Uterus 
ist graurot gefärbt, von guter Konsistenz. Die Gelasse zeigen nirgends Thromben. 
Die Lymphgefässe intakt. Die Parametrien frei. Die Ovarien von normaler 
Grösse, im rechten ein kirschgrosses Corpus luteum verum. Die Venae 
spermaticae und uterinae stark gefüllt. 

Die Leber von normaler Grösse, Oberfläche glatt, im allgemeinen dunkel- 
braunrot gefärbt; doch treten in der Nähe des Ligament, suspens. und an ihrem 
unteren freien Rande ganz vereinzelte opake, gelbweisse Streifen und Flecken 
hervor. Daneben finden sich vereinzelte feine, tiefrot gefärbte, etwas über die 
Oberfläche prominirende, etwa stecknadelkopfgrosse Herde. Die acinöse Struktur 
ist im allgemeinen deutlich, die Schnittfläche blutreich. Die Pfortader ist durch 
einen deutlich geschichteten, das Lumen prall ausfüllenden Pfropf vollständig 
verschlossen. Derselbe setzt sich nach unten zu in die Vena mesent. sup. und 
Vena lienalis, nach oben zu bis in die in der Leber gelegenen Pfortaderäste fort. 

Die Magen- und Darmschleimhaut etwas geschwollen und gerötet. 

Bakteriologische Untersuchung. In den Lungenabscessen lassen sich 
durch die Kultur und in Schnittpräparaten reichliche Staphylo- und Streptokokken 
nachweisen. Aus der Milz gehen Kolonien von Staphylococcus pyogenes aureus 
und albus auf, desgleichen aus Nieren, Gehirn und Leber. Auf den ans dem 
letztgenannten Organ angelegten Platten finden sich ausserdem auch noch 
Kolonien eines Bacillus, welcher in seinem morphologischen und kulturellen 
Verhalten mit dem Bacillus coli commun. übereinstimmt. Dieselben Bacillen 
finden sich auch in Schnittpräparaten in grösseren Gallengängen und sind meiner 
Ansicht nach durch die Gallengänge in die Leber eingedrungen, wahrscheinlich 
sogar erst postmortal, da zwischen Tod und Sektion 46 Stunden vergangen 
waren. 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. In der Leber finden sich, ent- 
sprechend den im Sektionsbericht erwähnten gelbweissen Streifen, nekrotische 
Herde, welche meist aus homogenen, kernlosen Massen bestehen und nur hie und 
da auch kernlose, in ein Fibrinfasernetz eingebettete Leberzellen und abgeblasste 
rote Blutkörperchen erkennen lassen. Die Herde nehmen stets die Peripherie 
der Acini ein. Vereinzelte zeigen insofern ein etwas abweichendes Verhalten, 
als sie auf das dichteste von in Zerfall begriffenen Leukocyten umgeben und 
durchsetzt sind. Hier lassen sich zwischen den Leukocyten spärliche Kokken 
nachweisen. In den Interlobularvenen, soweit in ihrer Umgebung nekrotische 
Herde erkennbar sind, hyaline Thromben. Die übrigen Pfortaderäste leer. An 
den Arterien und Venen keine Veränderungen. Das übrige Lebergewebe eben- 
falls intakt. Der Pfropf in der Pfortader ist deutlich geschichtet; der Wand 
liegt unmittelbar eine Schicht an, die sich aus homogenen oder feinstreifigen, 
spärliche geschrumpfte Kerne einschliessenden Massen zusammensetzt. An diese 



— 80 - 



schliesst sich eine ziemlich dicke Schicht von in Zerfall begriffenen Leukocyten 
an, der Kern endlich wird aus zahlreichen, dichtgedrängten roten Blutkörperchen 
gebildet, zwischen denen spärliche Leukocyten und feinkörnige und feinfädigo 
Massen nachweisbar sind. 

Nieren. An den gewundenen Kanälchen nur geringfügige Veränderungen: 
sie bestehen in geringer Trübung und Schwellung, nur hie und da vereinzelte 
kernlose Zellen. Der gleiche Befund ergiebt sich an den Henle'schen Schleifen. 
Im Lumen ganz spärliches, feinkörniges Exsudat und rote Blutkörperchen; in 
den Sammelröhren vereinzelte hyaline Cylinder. Die Glomeruli erscheinen vielfach 
sehr kernreich, in ihren Schlingen hie und da Kokkenembolien. In den Kapsel- 
räumen vielfach rote Blutkörperchen. Im interstitiellen Gewebe hie und da reich- 
liche Anhäufung von Leukocyten um die kleinen Venen und Kapillaren; hie und 
da auch Blutungen. In vereinzelten Kapillaren Kokkenembolien. 

Idingen. Abgesehen von den Abscessen, welche das bekannte mikrosko- 
pische Bild darbieten, nur Veränderungen in den Bezirken, aus welchen die 
thrombosirte Vene hervorgeht. Hier sind die Kapillaren vielfach durch hyalin« 
Thromben verschlossen. In den Alveolen teils reichliche rote Blutkörperchen, 
zwischen denen hie und da ein feines fibrinöses Netzwerk sich nachweisen lässt, 
teils feinfädiges Fibrin, dessen Fäden sich in ein der Alveolarwand anliegendes 
hyalines Band fortsetzen. Zwischen den Fibrinfäden spärliche Leukocyten. Die 
kleineren Venen ebenfalls durch hyaline Massen thrombosirt. Der Thrombus in 
der grösseren Vene zeigt in verschiedenen Abschnitten ein verschiedenes Aus- 
sehen: in den dem Wurzelgebiet benachbarten Teilen besteht er aus einer der 
Wand anliegenden hyalinen Schicht, welcher sich feinkörnige und feinfädige Massen 
auflagern, die ihrerseits in Zerfall begriffene Leukocyten und rote Blutkörperchen 
einschliessen. In den mehr gegen den Lungenhilus zuliegenden Teilen der Vene 
liegt der Wand eine feinkörnige Schicht auf, die spärliche geschrumpfte Kerne 
einschliesst, während die centralen Teile des Thrombus aas dichtgedrängten, ab- 
geblassten und geschrumpften roten Blutkörperchen bestehen, die durch ein fein- 
fädiges Fibrinnetzwerk zusammengehalten werden. Weder in den Arterien, noch 
Kapillaren lassen sich mit Sicherheit Placentarzellen nachweisen; in den Kapil- 
laren finden sich ziemlich häufig grosse Chromatinklumpen, aber es ist nicht mit 
Sicherheit zu entscheiden, ob es sich hier um zusammengesinterte Leukocyten- 
kerne oder zusammengepresste Placentarzellenkerne handelt. 

Gehirn. Die in den Carot. internae gefundenen Pfropfe zeigen genau 
denselben Bau wie der in den thrombosirten Lungenvenen gefundene. Die 
periphere Zone besteht aus feinkörnigem Material, das Centrum aus abgeblassten, 
durch ein Fibrinnetz zusammengehaltenen roten Blutkörperchen. Die Blutungen 
in der Hirnrinde und den Gentraiganglien liegen um kapillare Gefässe herum, 
deren Lumen durcli einen aus Kokken bestehenden Pfropf verlegt ist. Mitunter 
findet sich in der Nachbarschaft dieser Gefässe eine stärkere Rundzellenonsamm- 
lung. Nur ganz vereinzelt lassen sich hyaline Thromben in den Kapillaren der 
Rinde und der weichen Häute nachweisen, in deren Umgebung die Gehirnsubstanz 
kernlos, eigentümlich starr glänzend und leuchtend rot (mit Eosin und Carmin 
gefärbt) erscheint. 

Herz. Das Herz zeigt eine geringe Trübung der Mnskelfasern. In ver- 
einzelten Kapillaren Kokkenembolien, in deren Umgebung sich Rundzellen finden 
und Blutungen erkennbar sind. 

Pankreas nicht untersucht. 

Milz. Die Milz bietet das gewöhnliche Bild der infektiösen Schwellung dar. 
Uterus zeigt keine Veränderungen. 



— 81 — 



Fall XI. 

Kranke^eschichte Weisshaupt, Bertha. Verkäuferin, 21 J., Primi- 
para. Anfg. 8.'X. 1890 abends 11 Uhr 30, gest 10 /X 1890 

»hw™™^ zugeführt. Ende des 8. Monats 

schuangei. Kind in II. Schädellage. Becken normal. Ernährungszustand massig. 
Haut blass, keine Ödeme. Puls 78. Schwitzbett. 45 

Wehen schwach. Muttermund 4 cm weit. Blase steht. Kopf in Beckeuweite 
Blase springt am 9,X. 5 Uhr früh. Geburt des Kindes am 9 /X 7 Uhr 50 Min 
früh. Placenta 8 Uhr 30 Min. Exitus letal, am 10 'X 

Sektion am ll./X. 22 Stunden p. m. Hochgradiges Ödem und Hyperämie 
beider Lungen mit vereinzelten Blutungen. Odem des Gehirns. Parenchymatöse 
Degeneration der Nieren. Uterus puerperalis. Multiple, zum Teil sehr umfang- 
reiche Blutungen in der Leber, daneben blasse, infarktähnliche Herde Hoch- 
gradige venöse Hyperämie des Magens mit vereinzelten Hämorrhagien Stauun°- 
in der Milz. 

(Anmerkung. Ein ausführliches Protokoll fehlt leider, da der betreffende 
Fall in meiner Abwesenheit zur Sektion gelangt war. Bakteriologische Unter- 
suchung nicht angestellt. Zur mikroskopischen Untersuchung liegen leider nur 
Stücken aus der Leber, den Nieren und den Lungen vor.) 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. In der Leber ausgedehnte 
frische hämorrhagische Nekrosen. In den interlobulären Pfortaderästen hyaline 
und feinkörnige Thromben, nur hie und da fibrinöse Pfropfe. In vereinzelten 
kleinen Arterien teils wandständige, teils das Lumen verschliessende, feinkörnige 
Massen; in den Lebervenen hie und da Leberzellen. Das übrige Lebergewebe 
lässt keine Veränderungen erkennen; jedenfalls besteht keine stärkere Verfet- 
tung. In den Gallengängen hie und da reichliche rote Blutkörperchen. In kleineu 
Pfortaderästen und Kapillaren spärliche, ziemlich dicke Bacillen. 

Nieren. Die Glomeruli meist normal; hie und da in den Schlingen hyaline 
Thromben, an der Oberfläche der Niere ganz vereinzelte verödet; in einigen 
Kapselräumen feinkörniges Exsudat. Das Epithel sämmtlicher Kanälchen fast völlig 
normal, nur ganz spärlich kernlose Zellen. Die gewundenen Kanälchen stellen- 
weise etwas erweitert. Im Lumen feinkörnige Eiweissniederschläge und spärliche 
hyaline Cylinder. Im interstitiellen Gewebe hie und da Rundzelleninfiltrate um 
kleine Venen herum. Die intertubulären Kapillaren stark gefüllt, hie und da 
durch hyaline Thromben verschlossen. Die Venen des Markes sehr stark dilatirt 
und prall mit roten Blutkörperchen gefüllt, deren Konturen häufig nicht mehr 
zu erkennen sind. In vereinzelten Arterien wandständige Plättchenthromben. 

Lungen. In den Lungenkapillaren zahlreiche Riesenzellen; in vereinzelten 
hyaline Thromben. In zahlreichen Alveolen rote Blutkörperchen. Die grösseren 
Arterien und Venen prall gefüllt. In vereinzelten kleinen Arterien Leberzellen. 



Fall XII. 

Bischoflf, 35 Jahre. Erkrankte 26./I. 1891, gest. an Eklampsie 28./I. 1891. 

Sektion 8 St. p. m. Grosser, kräftig gebauter weiblicher Körper, sehr guter 
Ernährungszustand. Fettpolster sehr gut entwickelt, ebenso Muskulatur. Inten- 
siver Ikterus. Am Rumpf und an den Extremitäten zum Teil sehr ausgedehnte 
Blutextravasate. Am Abdomen und den. unteren Extremitäten reichliche frische 
Striae, am Unterschenkel ein etwa fünfmarkstückgrosses callöses Geschwür. 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldecken sind ausserordentlich blutreich, hie 
und da finden sich fünfmarkstück- bis markstückgrosse Blutungen in der Galea. 
Das knöcherne Schädeldach ist etwas asymmetrisch, sehr dick und schwer. An 

S ch morl, Eklampsie. 6 



— 82 — 



der Aussenfläche glatt, die Diploe sehr blutreich, an der Vitrea ausgedehnte 
Sch wang-erschaftsostcophy ten . 

Dura mater straff gespannt, normal dick, aussergewöhnlich stark ikterisch 
und injicirt. Die Innenflache blass und spiegelnd. Tm Sinus longitud. sup. dunkel- 
rotes, flüssiges Blut, Die Gyri an der Oberflache deutlich abgeflacht. Die Gefässe 
an der Hirnbasis glatt und zart; die Hirnnerven makroskopisch ohne Besonder- 
heiten. In der Rinde und im weichen Marklager treten zahlreiche abspiilbare 
Blutpunkte hervor. Daneben bemerkt man aber hie und da, und zwar besonders 
in der Rinde punktförmige Hämorrhagien. In den Peitenventrikeln findet sich 
eine geringe Menge tiefgelb gefärbter Flüssigkeit. Ependym weich. Unter dem 
Ependym des rechten Streifenhügels eine etwa linsengrosse, blaurötlich verfärbte 
Stelle, in deren Umgebung sich ziemlich zahlreiche punktförmige Hilmorrhagien 
finden. Unter dem Ependym des linken Seitenventrikels mehrere punktförmige 
Härmorrhagien. Dritter und vierter Ventrikel normal. 

Kleinhirn ohne Veränderung. In der rechten Hälfte des Pons mehrere 
stecknadelkopfgrosse Hämorrhagien. Medulla oblongata ohne Besonderheiten. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand links an der 4., rechts an der 5. Rippe. 
Pleurahöhle leer. An der Durchtrittsstelle der Vena cava durch das Zwerchfell 
bemerkt man eine etwa fünfmarkstückgrosse Blutung. 

Im Herzbeutel eine geringe Menge bernsteingelber Flüssigkeit. Das Herz 
grösser als normal, ausserordentlich schlaff. Im rechten Ventrikel speckige Ge- 
rinnsel. Die Höhle nicht wesentlich erweitert. Die Muskulatur von normaler Dicke, 
sehr mürbe, graugelblich gefärbt, mit vereinzelten opaken, gelbweissen Flecken 
und Streifen. Der rechte Vorhof etwas erweitert. Herzohr leer. Der linke Ven- 
trikel ziemlich weit, enthält dunkelrotes flüssiges Blut. Die Muskulatur schlaff 
und weich, verwaschen, gelblichrot gefärbt. Endokard und Klappen intakt. 

Die Lungen sind überall gut lufthaltig. Unter der Pleura, die überall glatt 
und spiegelnd erscheint, bemerkt man einige punkt- und linsengrosse Ekchy- 
mosen; letztere finden sich auch auf der Schnittfläche der Lunge. Das Lungen - 
gewebe ist blutreich und stark ödematös. Die Bronchialschleimhaut dunkelblaurot 
gefärbt und geschwollen, mit feinschaumigem Schleim belegt. In den grösseren 
Lungengefässen dunkelroter Cruor, in welchem sich bei der mikroskopischen 
Untersuchung ziemlich reichlich Leberzellen nachweisen lassen. 

Halsorgane bieten keine Abnormitäten dar. 

Bauchhöhle. Bei Eröffnung der Bauchhöhle entleert sich eine geringe Menge 
tiefgelb gefärbter, klarer Flüssigkeit. Das Bauchfell ist glatt und spiegelnd. 
Das grosse Netz fettreich. 

Die Milz nicht unbedeutend vergrössert (wiegt 400 g), sehr weich und 
schlaff. Oberfläche glatt, dunkelgraurot gefärbt. Die Schnittfläche vorquellend, 
sehr blutreich. 

Die linke Nebenniere von normaler Grösse und schlaffer Konsistenz. Die 
Binde tiefgelb gefärbt. Marksubstanz fleckig gerötet. 

Die linke Niere von normaler Grösse, von schlaffer und weicher Konsistenz. 
Die Kapsel leicht abziehbar. Oberfläche glatt, graugelblich gefärbt, die Rinde, 
etwas vorquellend, zeigt ein verwaschenes Aussehen. Hie und da vereinzelte 
Blutungen. Im perirenalen Fettgewebe rechts bemerkt man eine ziemlich ausge- 
dehnte Blutung. Die rechte Niere zeigt im allgemeinen dasselbe Verhalten, wie 
die linke, nur finden sich hier ausser den Blutungen vereinzelte Stecknadel- 
kopf- bis halberbsengrosse Infarkte. Nierenbecken und Ureteren nicht erweitert. 

Die Harnblase enthält eine geringe Menge trüben Urins. Die Schleimhaut 
etwas gelblich geiärbt, nirgends Hämorrhagien. Die Scheide ist weit, an ihrer 
hinteren Wand ein oberflächlicher Schleimhautriss. Die Schleimhaut tief dunkelrot 



- 83 — 



g fiStr T T 1S6 blutlg TT 1 ?? ltnrt - Der Ute ™* « circa kindskopfgross, von 
(W? An TrT\ Seme ™ U i eDth f due mäSsi ^ e Men ^ e dunkelten, festen 
2JSS5M n t n 1 de p hl f teren W ^ nd . ei ^ elne Piacentarreste. Die Muskulatur^ grau- 
lotlich; an der Portio vaginalis ein bis in das hintere Scheidengewölbe reichender 
Riss. Im rechten Ovarium ein im Centrum erweichtes Corpus luteum verum Die 
Tuben an ihrem abdominalen Ende stark injicirt. In der Placenta ziemlich 
ausgedehnte meist keilförmig gestaltete Herde, welche teils eine verwaschene 
graurote, teils eine gelbweisse Farbe darbieten. An den Eihäuten keine Abnor- 
mitäten. 

Die Leber, etwas vergrössert (2250 g schwer), besitzt eine ziemlich 
pralle Konsistenz. Die Oberfläche ist glatt und zeigt ein ausserordentlich buntes 
Aussehen, indem tiefgelb gefärbte Herde mit tiefroten abwechseln. Der erst- 
erwähnte Farbenton herrscht ganz entschieden vor und lässt hie und da einen 
Stich ins Graue erkennen. Die dunkelroten Partien sind meist punkt- und 
streifenförmig angeordnet, häufig netzartig verbunden; mitunter konfluiren sie auch 
zu fast handtellergrossen Herden, in deren Bereich man aber meist immer noch 
graugelbe, deutlich acinöse Struktur zeigende Leberinseln erkennen kaun. Die 
Schnittfläche zeigt dasselbe Aussehen wie die Oberfläche. Ferner treten auf der 
ersteren zahlreiche feine, opake Pünktchen hervor, die nur selten die Grösse 
eines Stecknadelkopfes erreichen. Der Gallengang ist durchgängig. In der Gallen- 
blase zähe, dickflüssige Galle. Die Wand der Gallenblase ödematös. 

Im Magen eine geringe Menge schwärzlich gefärbten, breiigen Inhalts 
von indifferentem Geruch. Die Schleimhaut sehr blass. Im Darm eine geringe 
Menge gallig gefärbten Inhalts. Schleimhaut blass. 

Pankreas ziemlich blutreich. 

Die Aorta zeigt ganz geringe Arteriosklerose. 

Bakteriologische Untersuchung ergiebt in betreff des Gehirns, 
der Nieren, der Leber, des Pankreas und der Placenta ein negatives Resultat. 
Nur aus der Lunge gehen spärliche Kolonien von Staphylococcus pyogenes 
aureus auf. 

Mikroskopische Untersuchung. In der Leber sehr ausgedehnte 
hämorrhagische Nekrosen, welche sich genau unter dem Bilde darstellen, wie es 
schon zu wiederholten Malen beschrieben wurde. Auffallend sind hier die aus- 
gedehnten Blutungen im periportalen Bindegewebe, welche vielfach die Gallen- 
gänge komprimiren; häufig ist auch die Wand der Gallengänge durchbrochen 
und das Lumen dann prall mit roten Blutkörperchen erfüllt. In den kleineren 
Gallengängen und Gallenkapillaren Gallenthromben, welche besonders schön in 
den in Sublimat fixirten Präparaten hervortreten. In den Interlobularvenen 
Plättchen- und hyaline Thromben, in grösseren Pfortaderästen wandständige 
Thromben, die teils geschichtet sind, teils nur aus feinkörnigen Massen bestehen. 
In den kleineren Arterien hie und da Plättchenthromben. Die Centraivenen 
meist leer; in ihnen, sowie in den grösseren Lebervenen reichliche Leberzellen. 

Nieren. Die Epithel ien hochgradig getrübt, hie und da in ihnen feine Fett- 
tröpfchen. In den gewundenen Kanälchen die Epithelien fast sämmtlich kernlos; 
in den Henle'schen Schleifen ebenfalls zahlreiche kernlose Epithelien, letztere auf- 
gequollen, zum Teil desquamirt. Im Lumen feinkörnige Niederschläge und hie und 
da zahlreiche rote Blutkörperchen. In den Sammelröhren das Epithel intakt, hie 
und da von feinen, gelblichgrünen Pigmentkörnchen durchsetzt. In Lumen zahl- 
reiche hyaline Cylinder. Die Glomeruli enthalten in ihren Kapselräumen fein- 
körnige Eiweissniederschläge, daneben mehr oder weniger reichlich rote Blut- 
körperchen. Das Schlingenepithel vielfach desquamirt. Die vom Epithel ent- 
blössten Schlingen getrübt oder stark glänzend; im übrigen die Schlingen meist 

6* 



prall mit roten Blutkörperchen gefüllt. Im interstitiellen Gewebe ausgedehnte 
Blutungen, liie und da vereinzelte Rundzellenherde in der Umgebung kleiner 
Venen. Die Kapillaren hie und da prall mit roten Blutkörperchen gefüllt, die 
meist so dicht stehen, dass ihre Konturen nicht mehr zu erkennen sind; in ver- 
einzelten hyaline Thromben. Die Arterien meist leer, hie und da in ihnen wand- 
ständige Thromben. Die Venen prall gefüllt. 

Ein eigentümliches Verhalten zeigen die im Bereiche der Infarkte liegenden 
Kapillaren und kleineren Arterien. Wahrend bei den gewöhnlichen embolischen 
Infarkten diese Gefässe meist völlig leer sind und nur an der Spitze des 
Infarktes sich ein verlegtes Arterienstämmchen nachweisen lässt, findet sich hier 
eine hyaline Thrombose sämmtlicher Kapillaren und Glomerulusschleifen, welche 
sich auch auf die kapillären Arteriolen ausdehnt. In den' kleineren Arterien liegt 
der Intima eine mehr oder minder dicke hyaline Schicht an, welche geschrumpfte 
Kerne einschliesst. Das Lumen hie und da prall mit roten Blutkörperchen er- 
füllt. An der Spitze des Infarktes lässt sich ein grösserer verstopfter Arterienast 
nicht nachweisen. 

(Anmerkung. In dem der Harnblase entnommenen Urin findet sich reich- 
lich Eiweiss, zahlreiche hyaline Cylinder und rote und weisse Blutkörperchen. 
Ausserdem enthält der Urin Gallenfarbstoff und Gallensäuren, sowie, wie sich 
spektroskopisch nachweisen lässt, Methämoglobin.) 

Lungen. In den Lungen besteht eine hochgradige Fettembolie; in den 
Kapillaren sehr zahlreiche Placentarzellen. Daneben eine ausgedehnte hyaline 
Thrombose und stellenweise enorme Hyperämie des Kapillaren. Die Arterien 
meist prall mit roten Blutkörperchen gefüllt; zahlreiche kleinere und mittel- 
grosse Stämmchen durch Thromben geschlossen, welch' letztere teils aus fein- 
körnigen Massen, teils aus feinfädigem Material bestehen, in welchem meist spär- 
liche rote und weisse Blutkörperchen eingeschlossen sind. In grösseren Arterien- 
stämmchen wandständige Thromben. Die Alveolen hie und da. mit roten Blut- 
körperchen gefüllt; in beiden Unterlappen findet sich an zahlreichen Stellen, an 
denen eine ausgedehnte hyaline Kapillarthrombose besteht, die Alveolarwand mit 
einer hyalinen Schicht austapeziert, an die sich feine Fibrinfäden ansetzen, welche 
das Alveolarlumen durchziehen. Zwischen den Fibrinfäden spärliche rote und 
weisse Blutkörperchen. 

An den Bronchien keine Veränderungen. 

Gehirn. Im Gehirn multiple feine. Blutungen, besonders in der Rinde, in 
den Centralganglien und in der Brücke, welche meist in der Umgebung von 
thrombosirten oder prall gefüllten Kapillaren und Venen liegen. Die Arterien 
meist leer, nur hie und da finden sich prall gefüllte Stämmchen, welche meist, 
wie sich an Serienschnitten nachweisen lässt, in ihrem weiteren Verlaufe durch 
hyaline und Plättchenthromben verschlossen sind. In den Lymphscheiden der 
letzteren meist starke Anhäufung von roten Blutkörperchen. 

Herz. Die Herzmuskelfasern enorm getrübt, hie und da verfettet. Die 
Gefässe prall gefüllt, nirgends Thromben oder Blutungen. 

Pankreas. Im Pankreas vereinzelte Blutungen, welche in der Umgebung 
kleiner thrombosirter Venen liegen. 

Placenta Die in der Placenta gefundenen gelbweissen Herde erweisen sich 
als typische weisse Infarkte. Entsprechend den verwaschen graurot gefärbten 
Stellen ist das Placentargewebe nekrotisch, die Zellen kernlos, das Epithel teils 
ebenfalls kernlos und trübe, teils in ein homogenes, hyalines, die Zotten um- 
fassendes Band verwandelt. In den Zottengefässen Stase, hie und da Blutungen. 
In den intervillösen Räumen, welche im Bereich dieser Herde liegen, feinkörnige 
und feinfädige Massen, die geschrumpfte und abgeblasste rote und weisse Blut- 



— 85 — 



körperchen, sowie Kemdetritus und Pigmentkörnchen einscbliessen. In der Um- 
gebung dieser Herde die intervillösen Räume prall mit roten Blutkörperchen 
gefüllt, welche zwischen sich zahlreiche abgestossene Zottenepithelin und Riesen- 
zellen nachweisen lassen; auch besteht hier eine starke Epitheldesquamation. 
In der übrigen Placenta die intervillösen Räume leer. Die Uterusvenen an der 
Placentarstelle nicht thrombosirt. 

Fall XIII. 

Böttcher, erkrankt am 27./I. 1891, gest. am 28./I. 1891. 

Mittelgrosser, sehr kräftig gebauter weiblicher Leichnam von gutem Er- 
nährungszustand. Hautfarbe im allgemeinen blass, die sichtbaren Schleimhäute 
stark cyanotisch. Das Fettgewebe sehr gut entwickelt, die Muskulatur kräftig. 
An den unteren Extremitäten geringe Ödeme. 

Kopf höhle. Die weichen Schädeldecken blutreich, hie und da von verein- 
zelten punktförmigen Blutungen durchsetzt. Das knöcherne Schädeldach symme- 
trisch, mesocephal, schwer. Das Periost leicht abziehbar, die Diploe sehr blut- 
reich, an der Innenfläche ausgedehnte Schwangerschaftsosteophyten. Die harte 
Hirnhaut straff gespannt, durchscheinend. Die Innenfläche etwas injicirt, glatt 
und spiegelnd. Im Sinus longitud. sup. dunkelrotes flüssiges Blut. Die weichen 
Hirnhäute sind glatt und zart, wenig blutreich. Die Sulci sind abgeplattet, die 
Gefässe an der Hirnbasis ziemlich eng, leer. Das weisse Marklager von weicher 
Konsistenz, stark feuchtglänzend, wenig blutreich. Die Rinde graurötlich ge- 
färbt, etwas vorquellend. Seitenventrikel leer. Ependym glatt und zart. Am 
Nucleus caudatus eine halblinsengrosse Blutung unter dem Ependym. Brücke 
und Medulla oblongata zeigen keine Abnormitäten. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand rechts an der 4., links an der 5. Rippe. 
Mediastinum ohne Besonderheiten. Thymusdrüse geschwunden. Pleurahöhle leer. 
Die Lungen sinken gut zurück, sind bläulichrot gefärbt. 

Im Herzbeutel die gewöhnliche Menge Flüssigkeit, beide Blätter glatt und 
spiegelnd. 

An der Hinterfläche des Herzens mehrere subperikardiale Ekchymosen. Im 
rechten Ventrikel finden sich spärliche speckhäutige Gerinnsel, die Höhle von 
normaler Weite. Die Muskulatur kräftig, von fester Konsistenz, graubraun 
gefärbt. Unter dem Endokard vereinzelte Ekchymosen. (In dem im rechten 
Vorhof befindlichen speckigen Gerinnsel lassen sich vereinzelte Leberzellen 
und grosse vielkernige Zellen nachweisen.) Höhle des linken Ventrikels eng, 
die Wand von normaler Dicke; die Muskulatur schlaff, verwaschen, graubraun 
gefärbt, intensiv getrübt. Unter dem Endokard ausgedehnte Blutungen. Klappen 
intakt. Vorhof und Herzohr leer. 

Die linke Lunge ist überall gut lufthaltig. Pleuraüberzug überall glatt 
und spiegelnd. Auf der Schnittfläche erscheint das Organ sehr blutreich und 
ödematös. Hie und da treten auf derselben bis erbsengrosse dunkelrote Herde 
hervor, welche wenig scharf umschrieben sind, sich fest anfühlen und über die 
Schnittfläche prominiren. Die rechte Lunge zeigt im allgemeinen dasselbe 
Verhalten wie die linke, nur treten hier bei weitem zahlreichere und ausgedehntere 
Blutungen hervor, die zum Teil subpleural liegen und hier eine annähernd keil- 
förmige Gestalt erkennen lassen. Die Bronchien mit feinblasigem Schaum er- 
füllt, ihre Schleimhaut sehr lebhaft injicirt. 

Die Tonsillen atrophisch. Die aryepiglottischen Falten hochgradig ödematos. 
In der rechten Schilddrüse ein etwa erbsengrosser collofder Knoten. 

Bauchhöhle. In der Bauchhöhle keine freie Flüssigkeit; das Bauchfell glatt 
und spiegelnd. Das grosse Netz fettreich. 



— 86 — 



Die Milz von normaler Grösse, ziemlich woieh und schlaff. Die Pulpa 
vorquellend, braunrot gefärbt, hie und da von einzelnen dunkelroten Flecken 
und Streifen durchsetzt. 

Die linke Niere von normaler Grösse, mässig fester Konsistenz. Die 
Kapsel leicht abziehbar. Die Oberfläche glatt, hellgraurot gefärbt. Am oberen 
Pol treten vereinzelte erbsengrosse, blasse Infarkte hervor, die von dem um- 
gebenden Nierengewebe durch einen blassroten Saum abgesetzt sind. Die Rinde 
quillt auf der Schnittfläche etwas vor, ist graurot gefärbt, stellenweise intensiv 
getrübt, lässt aber nirgends Blutungen erkennen. Die Marksubstanz blass. Im 
Nierenbecken punktförmige Ekchyinosen. Die rechte Niere bietet im allgemeinen 
dasselbe Verhalten, wie die linke. 

In der Harnblase eine geringe Menge trüben Urins. Ihre Schleimhaut blass. 

Der Uterus über mannskopfgross, wird uneröffnet der königlichen Frauen- 
klinik übergeben. 

Die Scheidenschleimhaut sehr stark aufgelockert und dunkelblaurot gefärbt. 

Die Leber zeigt normale Grösse, ziemlich feste Konsistenz. Die Ober- 
fläche im allgemeinen verwaschen, graurot gefärbt, doch treten an ihr, sowie 
an der Schnittfläche sehr zahlreiche punkt- bis linsengrosse, tiefroth gefärbte 
Flecken und Streifen hervor, die meist scharf, aber mit unregelmässig zackiger 
Grenze gegen die Umgebung abgesetzt sind. Nur an vereinzelten Stellen kon- 
fluiren sie zu grösseren, tiefrot gefärbten Herden. Im Bereich der letzteren 
ist die acinöse Struktur vollständig verwaschen. Neben diesen Herden finden 
sich noch zahlreiche kleinste, mit blossem Auge erkennbare opake, gelbweisse 
Flecken und Streifen. 

Die Gallenblase enthält dunkelgrüne, fadenziehende Galle. Ihre Wand 
deutlich ödematös. Der Gallengang durchgängig. Pfortader ohne Besonderheit. 

Im Magen eine geringe Menge schwärzlichbraun gefärbten, flüssigen Inhalts. 
Im Fundus die Schleimhaut mit ziemlich ausgedehnten Hämorrhagien durchsetzt. 

Das Pankreas fleckig gerötet, von fester Konsistenz, lässt ganz vereinzelte 
punktförmige Ekckymosen auf der Schnittfläche erkennen. 

Die Schleimhaut des Dünn- und Dickdarms ist fleckig gerötet. 

Bakteriologische Untersuchung. Die bakteriologische Untersuchung 
ergiebt ein vollständig negatives Resultat. Es wurden Kulturen (auf Agar, 
Gelatine und Blutserum) aus dem Gehirn, der Leber, Milz, Lungen und Nieren 
angelegt. 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. In der Leber zahlreiche frische 
Hämorrhagien im periportalen Gewebe und in der Peripherie der Acini, die mit- 
unter sich auch über Gruppen benachbarter Acini ausdehnen. Die im Bereich 
der Acini liegenden Leberzellen zum Teil kernlos, zum Teil gequollen und mil 
abgeblassten Kernen versehen, zwischen den Leberzellen ein feinfädiges Fibrin- 
netz, in den zugehörigen Interlobularvenen fibrinöse und feinkörnige Thromben. 
Daneben nekrotische Herde, sicher etwas älteren Datums, die zum Teil anämischen, 
zum Teil hämorrhagischen Charakter zeigen; hier in den zugehörigen interlobu- 
lären Venen und den aus ihnen hervorgehenden Kapillaren hyaline Thromben. 
In den übrigen Pfortaderästen hie und da feinkörnige Massen, welche teils wand- 
ständig sind, teils das ganze Lumen verlegen. In zahlreichen Gallengängen rote 
Blutkörperchen. Die Arterien meist leer, nur hie und da mit feinkörnigen Massen 
gefüllt. Im übrigen Lebergewebe die Leberzellen intensiv getrübt, nicht verfettet. 

Nieren. Im frischen Präparat zeigt sich eine starke Trübung und Schwellung 
der Epithelien, welche aber exquisit herdförmig auftritt; keine stärkere Ver- 
fettung; in den Glomerulusschlingen und in vereinzelten intertubulären Kapil- 
laren hellglänzende, zum Teil wurstförmige Fetttropfen. 



— 87 



Im gehärteten Präparat bietet die Niere an verschiedeneu Stellen ein ver- 
schiedenes Aussehen dar. An manchen Stellen findet sich keine Abweichung 
vom Normalen, an anderen aber schwere Veränderungen, welche besonders die 
Epithelien der gewundenen Kanälchen und Henle'schen Schleifen betreffen; die- 
selben sind gequollen und lassen färbbare Kerne entweder gar nicht mehr oder 
nur andeutungsweise erkennen; vielfach sind sie desquamirt. Im Lumen fein- 
körnige Eiweissniederschläge. In den Sammelröhren hyaline Cylinder. Glomeruli 
meist intakt mit Ausnahme eines feinkörnigen Exsudates, das sich in manchen 
Kapselräumen nachweisen lässt. Die Schlingen teils leer, teils prall gefüllt, in 
einer nicht geringen Zahl von Schlingen hyaline Thromben. Im interstitiellen 
Gewebe keine Rundzellenanhäufung, keine Ödeme, noch Blutungen. In den inter- 
tubulären Kapillaren stellenweise Stasen, hie und da hyaline Thromben. Die 
Arterien leer, die Venen mässig gefüllt. Die Infarkte zeigen genau dasselbe 
Verhalten, wie es im vorhergehenden Falle beschrieben wurde. 

Im Harn Eiweiss, Cylinder, Gallenfarbstoff und Gallensäuren. 
Lungen,. Auch der Lungenbefund ist genau derselbe wie bei der vorher- 
gehenden Beobachtung; nur finden sich hier auch in den kleineren und grösseren 
Arterien zahlreiche Riesenzellen und spärliche Leberzellen. In den Kapillaren 
Fettembolien. 

Gehirn. In der Gehirnrinde fast keine Veränderungen, nur hie und da 
kleine Blutungen in der Umgebung von durch hyaline Thromben verschlossenen 
' Gefässen. In der Lymphscheide der Arterien vielfach starke Anhäufung von 
roten Blutkörperchen. In der Brücke ganz spärliche, erst mikroskopisch nach- 
weisbare Blutungen, die hier ebenfalls in der Umgebung von thrombosirten 
Kapillaren liegen. Hier ist die Kapillaren thrombose etwas ausgedehnter. Bei 
der mikroskopischen Untersuchung der Blutung im rechten Streifenhügel stellt 
sich heraus, dass hier die Gehirnsubstanz in grosser Ausdehnung erweicht ist. 
Die Ganglienzellen sind kernlos und gequollen; die zwischen den Zellen liegende 
Neuroglia zerklüftet und auf das dichteste von roten Blutkörperchen durchsetzt. 
Die Kerne der Gliazellen nur noch blass sichtbar. Im Centrum der Blutung ein 
kleiner, durch hyaline Thromben verschlossener Venenstamm; in seiner Nach- 
barschaft vereinzelte, durch hyaline Thromben verschlossene Kapillaren; andere 
Kapillaren nur dilatirt. In der Umgebung dieses Blutherdes mehrere kleine Blutungen. 

Herz. Im frischen Präparat erscheinen die Muskelfasern so intensiv getrübt, 
dass eine Querstreifung nicht mehr zu erkennen ist ; die Trübung schwindet auf 
Essigsäurezusatz fast völlig. 

Im gehärteten Präparat lassen die Muskelfasern meist keine Veränderung 
erkennen; nur an den Stellen, an denen die im Sektionsbericht erwähnten 
Blutungen liegen, finden sich körnig zerfallene, oder in hyaline Schollen zer- 
klüftete, kernlose Fasern. Die Blutungen liegen meist um prall gefüllte Arterien 
und Venen herum, die mitunter durch feinkörnige oder feinfädige, seltener durch 
geschichtete Thromben verschlossen sind. 

Pankreas. Im Pankreas multiple Blutungen, in deren Bereich die Drüsen- 
epithelien kernlos erscheinen; in den Venen, seltener in den Arterien feinkörnige 
und hyaline Thromben. Neben den hämorrhagischen Nekrosen ganz spärliche 
anämische, in deren Bereich sich stets thrombosirte Arterienäste nachweisen lassen. 

Milz. An der Milz keine Veränderungen. 

Fall XIV. 

Krankengeschichte. Leipziger, Marie, Arbeiterin, 23 Jahre. Primipara. 
Aufgen. am 22./IL, gestorb. den 26./II. 1891. 



— 8S — 



Patientin im 10. Monat schwanger, kam am 22.11. mit Wehen in die 
Anstalt. Bald nach der Aufnahme trat völlige Bewußtlosigkeit ein. im 
Urin Eiweiss. Temp. 37,0, Puls kräftig, gespannt, regelmassig, 88 Schläge. 
An den unteren Extremitäten Ödeme. Mässige Cyanose. Schwitzbett. Morph, 
mur. 0,03 subcutan. Am 23., IL 4 Uhr 20 Min. vormittags typischer 
eklamptischer Anfall, starke Cyanose, totale Bewusstlosigkeit. Am Nachmittag 
wiederholen sich derartige Anfälle, deren jeder ;, M Minute dauert, 22 mal. Die 
Herzaktion des Kindes, welche am Vormittag noch regelmässig war, verschlechterte 
sich hinsichtlich ihrer Frequenz und Deutlichkeit. Da der Kopf in L Schädel- 
lage zangengerecht stand, nachmittags 3 Uhr 30 Min. Forceps. Glatte Extraktion, 
Kind stark asphyktisch, durch Hautreize zum Leben gebracht. Nach der 
Entfernung des Kindes deutliche Besserung. Patientin hat noch 7 Anfälle. 
Am 24./II. im Urin V2 Vol. Eiweiss, gegen 7 /s Vol. am gestrigen Tage. 
Abnehmende Bewusstlosigkeit. Am 23. /II. Zeichen von Pneumonie in den 
Unterlappen. Tod am 26./II. vorm. 4 Uhr im Koma. 

Sektionsbericht. Grosser, kräftig gebauter weiblicher Leichnam. Sehr 
guter Ernährungszustand. Die Haut im allgemeinen blass, die sichtbaren Schleim- 
häute stark cyanotisch. Keine Spur von Ikterus. Keine Ödeme. Die Mammae 
sehr gut entwickelt, von praller Konsistenz, lassen reichlich Colostrum ausfliessen. 
Am Abdomen frische Striae. Linea alba stark pigmentirt. Muskulatur graurot, 
kräftig. Fettgewebe sehr gut entwickelt. 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldecken sehr blutreich, von vereinzelten 
Ekchymosen durchsetzt. Das Schädeldach symmetrisch; an der Aussenfläche des 
rechten Stirnbeins und rechten Seitenwandbeines findet sich eine dünne, sich 
derb anfühlende Auflagerung von sammetähnlichem, blassrötlichem Aussehen, 
welche der Tabula externa fest anhaftet. An dem linken Stirnbein ist das 
Periost stark verdickt und fest adhärent. Die Diploe blutreich. Tabula interna 
zeigt ausgedehntes Schwangerschaftsosteophyt. Die Dura mater wenig gespannt, 
an der Innenfläche längs des Sinus longitud. inferior eine ausgedehnte Blutung. 
Der Sinus longitud. superior ist durch einen roten Thrombus verschlossen. Die 
weichen Hirnhäute glatt und zart. Die Gyri vorspringend. In den Subarachnoideal- 
räumen klare Flüssigkeit. Das weisse Marklager stark feuchtglänzend, sehr 
blutreich, fleckig gerötet. Die Rinde grauviolett gefärbt, lässt hie und da 
punktförmige Ekchymosen erkennen. Am vorderen Pol des rechten Streifenhügels 
bemerkt man einen etwa zehnpfennigstückgrossen, verwaschenen, bläulichrot ge- 
färbten, weichen Herd, in dessen Umgebung vereinzelte punktförmige Blutungen 
erkennbar sind. Letztere finden sich auch in den hinteren Teilen des Streifen- 
hügels, sowie im Thalamus opticus. Kechts sowohl, als auch links zeigen die 
Centralganglien, sowie die Brücke ein rotgeflecktes, marmorirtes Aussehen. 

Kleinhirn ohne Besonderheiten. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand rechts am oberen Kand der 4., links an der 
5. Rippe. Thymusdrüse bis auf Reste geschwunden. Die linke Pleurahöhle ent- 
hält circa ein Wasserglas klarer Flüssigkeit. Die vorliegenden Lungenteile sind 
blass-graurot gefärbt. Die Lungen sinken gut zurück. 

Im Herzbeutel etwas vermehrter Flüssigkeitsgehalt. 

Das Herz von normaler Grösse; der rechte Ventrikel und der rechte Vorhof 
enthalten eine reichliche Menge dunklen Cruors, Ventrikel nicht erweitert, die 
Muskulatur von fester Konsistenz, bräunlichrot gefärbt. Klappen intakt. Linker 
Ventrikel und linker Vorhof sind etwas erweitert und fast leer. Die Muskulatur 
von guter Konsistenz, bräunlich graurot gefärbt. Klappen glatt und zart. 
Foramen ovale vollständig geschlossen. 

Die linke Lunge ist ziemlich voluminös, in den vorderen Teilen gut luft- 



— 89 — 



haltig, blass-graurot gefärbt. Die hintereu Abschnitte sind luftleer und zeigen 
eine dunkelblaurote Farbe. Erstere wenig blutreich, lassen auf der Schnittfläche 
vereinzelte Hämorrhagien erkennen; die letzteren dagegen äusserst blutreich auf 
der Schnittfläche vorquellend und von vereinzelten erbsen- bis kirschgrossen in 
eitriger Schmelzung begriffenen Herden durchsetzt. Die rechte Lunge zeigt im 
allgemeinen dasselbe Aussehen wie die linke. Aus den durchschnittenen Bronchien 
entleert sich reichlich eitriger Schleim. Die Schleimhaut der grösseren Bronchien 
ist gerötet und geschwollen. Die Bronchialdrüsen stark durchfeuchtet, geschwollen 

Bauchhöhle. In der Bauchhöhle keine freie Flüssigkeit. Unter dem parietalen 
Blatte des Bauchfells bemerkt man vereinzelte streifenförmige Ekehymosen. 

Die Milz von normaler Grösse und ziemlich fester Konsistenz, Oberfläche 
glatt, bläulichrot gefärbt, die Schnittfläche wenig vorspringend, Pulpa dunkel- 
graurot gefärbt, von fester Konsistenz. Follikel undeutlich. 

Die Nebennieren von normaler Grösse, ziemlich fester Konsistenz. Die 
Marksubstanz fleckig gerötet. 

Die Nieren etwas vergrössert, von fester Konsistenz. Die Oberfläche glatt, 
grauweiss gefärbt. Die Kinde nicht wesentlich verbreitert, blass. Zeichnung 
im allgemeinen deutlich, nur hie und da vereinzelte kleine, trübe Stellen. Die 
Marksubstanz hebt sich durch ihre dunkelrote Farbe scharf von der blassen Rinde 
ab. Ihre Zeichnung ist deutlich. In den Nierenbecken vereinzelte punkt- bis linsen- 
grosse Ekehymosen. Die Ureteren nicht erweitert. 

Die Harnblase enthält eine reichliche Menge klaren Urins, ihre Schleim- 
haut ziemlich blass. 

Der Uterus etwa kindskopfgross, zeigt eine schlaffe Konsistenz. Die Serosa 
überall glatt. Die Vagina weit. Ihre Schleimhaut dunkelblaurot gefärbt und von 
vereinzelten ziemlich ausgedehnten Blutungen durchsetzt. Am Cervix zwei ober- 
flächliche Schleimhautrisse. In der Uterushöhle eine geringe Menge bräunlichroter 
Flüssigkeit. Die Innenfläche im allgemeinen glatt, nur an der hinteren Wand 
des Fundus etwas uneben und höckerig; hier bemerkt man vereinzelte Pia- 
centarreste. Die Muscularis des Uterus weich, gelblichweiss gefärbt. Das ab- 
dominale Ende beider Tuben ist stark injicirt. 

Die Leber ist grösser als normal. Zwischen Zwerchfell und Oberfläche der 
Leber finden sich vereinzelte lockere Verklebungen. Die Oberfläche ist glatt und 
im allgemeinen braunrot gefärbt, doch treten sowohl auf der Oberfläche als 
auch besonders auf der Schnittfläche beider Lappen zahlreiche linsen- bis mark- 
stückgrosse, opake, gelblichweisse und gelblichbraune Flecken hervor, welche 
sich scharf von der Umgebung abgrenzen und meist unter das Niveau der Schnit- 
fläche zurücksinken. Die acinöse Struktur ist im Bereich derselben vollständig 
verwaschen. Daneben bemerkt man noch vereinzelte frische, dunkelrote Flecken, 
welche aber nur wenig umfangreich sind. Die Gallenblase enthält eine geringe 
Menge fadenziehender Galle. Gallengang durchgängig. Pfortader intakt. 

Magenschleimhaut fleckig gerötet. 

Pankreas von derber Konsistenz, blutarm. 

Schleimhaut des Darraes im allgemeinen blass. 

Bakteriologische Untersuchung. Zu derselben werden aus Gehirn, 
Leber, Herz, Nieren, Lungen, Uterus und Milz Impfungen vorgenommen. Es 
gehen nur aus den Lungen reichliche Kolonien von Staphylokokken auf (Staphylo - 
coccus pyogenes aureus und albus). Die letzteren lassen sich auch in Schnitt- 
präparaten der Lunge im Bereich der Abscesse nachweisen. In den übrigen 
Organen bleibt sowohl die Kultur, als die mikroskopische Untersuchung bez. der 
Mikroorganismen ohne Resultat. 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. In der Leber zahlreiche anä- 



— 90 — 



mische und hämorrhagische Nekrosen schon etwas älteren Datums: nirgends mehr 
in den nekrotischen Herden scharf konturirte Leberzellen vorhanden, sondern 
nur homogene, von Kerndetritus durchsetzte, hie und da geschrumpfte rote Blut- 
körperchen einschliessende Herde in der bekannten Lage in der unmittelbaren 
Nähe des periportalen Gewebes. In der Umgebung der Herde Me und da etwas 
reichliche Anhäufung von Leukocyten. Die intakten Leberzellen auflallend gross, 
ihre Kerne intensiv färbbar, hie und da Teilungsfiguren zeigend; das übrige 
Lebergewebe ziemlich stark verfettet. In zahlreichen interlobulären Venen und 
in den aus ihnen hervorgehenden Kapillaren hyaline Thromben; in etwas grösseren 
Pfortaderästen teils wand ständige, teils obturirende Plättchenthromben. Arterien 
meist leer, ebenso die Lebervenen. An den Gallengängen keine Veränderungen. 

Nieren. Die Nieren zeigen sich bei der mikroskopischen Untersuchung nur 
sehr wenig verändert, die Glomeruli fast sämmtlich intakt; nur vereinzelte er- 
scheinen kernreicher und enthalten in ihren Kapseln feinkörniges Exsudat. An 
den Epithelien besteht eine geringe Trübung, herdweise auch eine etwas stärkere 
Verfettung, nur ganz vereinzelte Epithelien sind kernlos. Im Lumen der Kanälchen 
vielfach feinkörnige Eiweissniederschläge, in den Sammelröliren hyaline Cylinder, 
denen mitunter feinste Pigmentkörnchen aufgelagert sind. Im interstitiellen 
Gewebe hie und da ganz spärliche Leukocyten in der Umgebung kleiner Venen. 
An den Gelassen keine Veränderungen. 

Liuujcn. In den Unterlappen eine ausgedehnte hyaline Thrombose der 
Kapillaren, sowie kleinster Arterien und Venen; die Wand zahlreicher Kapillaren 
mit hyalinen Massen austapeziert und stellenweise von feinen Fibrinfäden 
durchzogen, in deren Maschen nur ganz spärliche Leukocyten erkennbar sind. 
Nur hie und da reichlichere Anhäufung von weissen Blutkörperchen, aber nirgends 
Mikroorganismen. Die thrombosirten Kapillaren erscheinen teils völlig kernlos, 
teils lassen sie spärliche geschrumpfte Kerne erkennen. An anderen Stellen der 
Unterlappen besteht starke Gefässfüllung. Hier finden sich in den Alveolen 
häufig mehr oder minder dichtgedrängte rote Blutkörperchen. In vereinzelten 
kleinen Arterien und Venen die Intima mit einem Mantel von hyalinem Material 
ausgekleidet. In den Oberlappen nur vereinzelte Blutungen und hyaline Kapillar- 
thromben. Die Abscesse zeigen das bekannte Aussehen. 

Gehirn. Der Thrombus im Sinus longitud. superior besteht aus dichtge- 
drängten roten Blutkörperchen, zwischen denen sich ein feinfädiges Fibrinnetz 
und feinkörnige Massen nachweisen lassen. In den angrenzenden Partien der 
Hirnrinde starke Füllung der Kapillaren und Venen; in der Umgebung der 
letzteren häufig wenig ausgedehnte Blutungen. Hie und da in den genannten 
Gefässen hyaline Thromben. Die Lymphscheide vereinzelter Arterien mit roten 
Blutkörperchen gefüllt, hie und da im Lumen kleiner Arterien feinfädige und 
feinkörnige Pfropfe. 

Der am vorderen Pol des rechten Streifenhügels gefundene Herd erweist 
sich bei der mikroskopischen Untersuchung als eine Blutung mit Erweichung 
der Hirnsubstanz; im Bereich und in der Umgebung derselben sind sämmtliche 
Kapillaren und Venen durch homogene oder feinstreifige, hyaline Thromben ver- 
schlossen, die spärliche geschrumpfte Kerne einschliessen. Die Arterien, deren 
Lymphscheide durch pralle Anfüllung mit roten Blutkörperchen dilatirt ist, 
enorm gefüllt. Dicht hinter dieser Blutung ein kleiner Erweichungsherd ohne 
Blutung, auch hier sämmtliche Kapillaren durch hyaline Thromben geschlossen. In 
den Centraiganglien und der Brücke zahlreiche, wenig ausgedehnte Blutungen 
und Erweichungen und hyaline Thrombose zahlreicher Kapillaren und kleinster 
Venen. 

Herz. Am Herzen keine Veränderungen. 



— 91 — 



Pankreas ebeufalls normal. 

Uterus. Die Uterusvenen an der Placentarstelle meist nicht thrombosirt, 
nur in vereinzelten kleinen Venen rote Thromben. 



Fall XV. 

Krankengeschichte. Lange, Amalie, Zimmermannsehefrau . 27 Jahre. 
Primipara. Aulgen. 11. /III. 1891, gest. 12./III. 1891. 

Patientin war vor 4 Wochen wegen Hydraranios auf der gynäkologischen 
Abteilung, ist bei iln-er jetzigen Aufnahme im 10. Monat gravid. Kind lebt. 
Temp. 37,9; Puls 86. Urin trübe, enthält 7 4 °/ 0 Eiweiss. Gracil gebaute Frau 
ohne Ödeme. Am ll.;III. bewusstlos wegen Eklampsie der Anstalt zugeführt. 

Der Befund bei der inneren Untersuchung am ll./III. vormittags 12 Uhr 
ergab: Scheide weit, Portio 2 cm lang, Muttermund knapp für 2 Finger durch- 
gängig, ohne Narben, ziemlich derb. Blase gesprungen. Als vorliegenden Teil 
fühlt man den Kopf mit starker Kopfgeschwulst. Fontanellen kaum zu fühlen. 
Die Pfeilnaht nahe am Promontorium. Letzteres zu erreichen (10,75 1. D.). Bei 
dem Versuch höher hinauf zu palpiren, fühlt man einen anscheinend beweg- 
lichen, mit dem Promontorium und dem Os sacrum nicht zusammenhängenden 
Tumor (Tumor der Mutter oder des Kindes?). Herztöne des Kindes nicht hörbar. 
Die Frau ist völlig soporös, stark cyanotisch. Wehen kräftig, doch ohne Erfolg. 
Ausgedehntes Easselu auf der Brust. Exitus am 12./III. 

Sektionsbericht. Mittelgrosser, kräftig gebauter weiblicher Leichnam 
von gutem Ernährungszustand. Im allgemeinen blasse Hautfarbe. Das Gesicht 
und die sichtbaren Schleimhäute stark cyanotisch. An den unteren und oberen 
Extremitäten ziemlich ausgedehnte Blutergüsse ins subkutane Gewebe. Das Ab- 
domen halbkugelig aufgetrieben. Die Linea alba stark pigmentirt, reichliche 
frische Striae an der Bauchwand. An den unteren Extremitäten keine Ödeme. 
Panniculus adiposus sehr gut entwickelt. Muskulatur dunkelrot, stark durch- 
feuchtet. Im Pectoralis major links vereinzelte bis linsengrosse Blutungen. 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldecken blass. Knöchernes Schädeldach 
mesocephal. Periost leicht abziehbar. Tabula externa glatt, grauweiss gefärbt. 
Die Nähte erhalten. An der Innenfläche der Tabula vitrea reichliche Schwanger- 
schaf tsosteophyten. Dura mater massig gespannt, die Aussenfläche glatt, an der 
Innenfläche in der Umgebung des Sinus longitud. superior, der mit dunkelrotem 
flüssigen Blut gefüllt ist, vereinzelte, ziemlich ausgedehnte Blutungen. Die 
weichen Hirnhäute mässig blutreich, zart. Die Gefässe an der Hirnbasis ziemlich 
reichlich mit dunkelrotem flüssigen Blute gefüllt. Das Gehirn besitzt eine weiche 
Konsistenz; das weisse Marklager lässt zahlreiche abspülbare Blutungen erkennen. 
Die Rinde graubläulich gefärbt, vorquellend. In ihr hie und da vereinzelte punkt- 
förmige Hämorrhagien, besonders im Bereich der Stirnwindung. In den Seiten- 
ventrikeln eine geringe Menge sanguinolenter Flüssigkeit. Dritter und vierter 
Ventrikel leer. 

Die Grosshirnganglien fleckig gerötet. Das Kleinhirn ziemlich weich und 
blutreich. Die Brücke und Medulla oblongata zeigen fleckige Rötung. In den 
Sinus der Basis dunkelrotes, flüssiges Blut. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand links an der 5., rechts an der 4. Rippe. Die 
•Thymusdrüse noch in ganzer Ausdehnung erhalten, blutreich. Die Pleurahöhlen 
leer. Die Lungen sinken gut zurück. 

Das Herz von normaler Grösse, ausserordentlich schlaff. Im rechten Vorliot 
und Ventrikel dunkelrotes flüssiges Blut, in welchem bei der mikroskopischen 
Untersuchung vereinzelte Leberzellen, sowie spärliche, sehr grosse, vielkernige 



— 92 — 



Zellon nachweisbar sind. Die Höhle des rechten Ventrikels ist nicht erweitert, 
die Muskulatur von braunroter Farbe und schlaffer Konsistenz. Klappen intakt. 
Der linke Ventrikel enthalt eine Spur flüssigen Blutes. Die Muskulatur von 
weicher Konsistenz, bräunlichrot gefärbt, mattglänzend. Auf Flachschnitten 
bemerkt man hie und da verwaschene, graurot gefärbte Streifen, sowie einzelne 
punktförmige Hämorrhagien. Klanpen intakt. Foramen ovale geschlossen. 

linke Lunge überall gut lufthaltig. Pleuraler Überzug glatt und spiegelnd. 
Die Oberfläche bläulichrot gefärbt. Von der Schnittfläche fliesst dunkelrote 
schaumige Flüssigkeit ab. Man bemerkt auf derselben vereinzelte erbsen- bis 
kirschengrosse, wenig scharf umschriebene Blutungen. Die rechte Lunge ist im 
Unter- und Mittellappen gut lufthaltig, blutreich, ödematös und von vereinzelten 
Blutungen durchsetzt. Der Oberlappen, dessen Pleura mit einer dünnen gelli- 
granen Fibrinschicht bedeckt ist, völlig luftleer. Die Schnittfläche durkelgraurot 
gefärbt, fein granulirt und lässt eine geringe Menge trüben Saftes abstreilen. 
Hie und da bemerkt man in den pneumonisch infiltrirten Partien vereinzelte 
Blutungen. Bronchialschleimhaut und Bronchien von feinschaumiger Flüssigkeit 
gefüllt; ihre Schleimhaut stark injicirt. Bronchialdrüsen etwas vergrössert 

Halsorgane bieten keine Veränderungen dar. 

Bauchhöhle. In der Bauchhöhle eine geringe Menge bernsteingelber Flüs- 
sigkeit. 

Die Milz etwas vergrössert, zeigt eine schlaffe, weiche Konsistenz. Ober- 
fläche glatt, bläulichrot gefärbt. Die Pulpa mässig blutreich. Am oberen Pol 
zwei dicht nebeneinander stehende, erbsengrosse, blasse Infarkte. 

Die Nieren von normaler Grösse, fester Konsistenz; Kapsel abziehbar, die 
Oberfläche glatt, graurot gefärbt. Die Kinde nicht verbreitert, graurot gefärbt, 
zeigt fleckweise Trübungen. Marksubstanz blutreich. In der rechten Niere, die 
im allgemeinen dasselbe Aussehen zeigt, wie die linke, bemerkt man mehrere 
erbsengrosse Infarkte. Nierenbecken und Ureteren nicht erweitert. 

Die Harnblase enthält eine geringe Menge trüben Urins. Schleimhaut blass. 
Im Urin Eiweiss, Cylinder und Gallenfarbstoff. 

Die Leber ungefähr normal gross, von praller Konsistenz. Die Oberfläche 
bräunlichgraurot gefärbt, glatt. Sowohl auf ihr, als auf der Schnittfläche treten 
zahlreiche hirsekorn- bis linsengrosse rote Flecken hervor, die durch eine nn- 
regelmässige, zackige Grenze von der Umgebung scharf abgegrenzt sind und die 
acinöse »Struktur, die im übrigen Lebergewebe deutlich hervortritt, nicht mehr 
erkennen lassen. Ausserdem bemerkt man vereinzelte stecknadelkopfgrosse, opake, 
gelbweisse Flecken, die in der Umgebung der Pfortaderverzweigung liegen. 

Im Magen eine geringe Menge schwärzlicher kaffeesatzähnlicher Flüssigkeit. 
Schleimhaut etwas geschwollen. An der kleinen Kurvatur vereinzelte punktför- 
mige Hämorrhagien, sowie eine strahlige Narbe. 

In der Darmschleimhaut zahlreiche punktförmige Blutungen. Galleugang 
durchgängig. 

Der Uterus weit über mannskopfgross, enthält ein der Eeife nahes 
47 cm langes Kind. Zwischen Uterus und Rectum liegen, durch strangförmige 
Adhäsionen an beiden Organen augeheftet, die beiden Ovarien und Tuben, von 
denen die rechte an ihrem abdominellen Ende verschlossen ist. Ausserdem 
findet sich in dem Douglas'schen Raum unter der Serosa des Uterus ein etwa 
hühnereigrosser, in toto verkalkter Tumor, der sich nur in die oberflächlichen- 
Schichten der Uterusmuskulatur erstreckt und durch eine straffe, bindegewebige 
Kapsel von demselben abgegrenzt ist. Uterusmuskulatur dünn, an seiner Innen- 
fläche haften die Eihäute fest an. Die Placenta sitzt an der vorderen Wand 
und ist von mehreren kirsch- bis taubeneigrossen gelbweissen, teils keilförmigen, 



— 93 — 



teils unregelmässig zackig geformten Herden durchsetzt, die sich durch eine 
feine, tiefrot gefärbte Linie scharf von der Umgebung abgrenzen. Ausserdem 
bemerkt man in der Placenta einzelne verwaschen graurot gefärbte Herde die 
meist dem kindlichen Teile der Placenta angehören. 

Sektion des Fötus. 47 cm langes, reifes Kind, vollständig normal ge- 
bildet. Die Haut mit Vernix caseosa und Lanugo bedeckt. Am linken Seiten- 
wandbein ein ausgedehntes, an der Galea gelegenes Hämatom. Gehirn zeigt 
keine Abnormität. Gesichtshaut intensiv cyanotisch. Im subcutanen Gewebe 
hie und da punktförmige Blutungen. Nabelstrang ohne Abnormitäten. Lungen 
völlig luftleer. An der Pleura, am Perikard und in der Thymusdrüse punktförmige 
Hämorrhagien. Herzfleisch blass, von weicher Konsistenz. Milz ziemlich gross 
weich, dunkelblaurot gefärbt. Nieren vergrössert, von weicher Konsistenz. Sowohl 
auf der Oberfläche, wie auf der Schnittfläche, die verwaschen gelblichrot gefärbt 
ist, treten zahlreiche punkt- und streifenförmige Blutungen hervor. Im Nieren- 
becken vereinzelte Blutungen. Leber sehr gross, dunkelblaurot gefärbt, von weicher, 
schlaffer Konsistenz, sehr blutreich. Der Dannkanal zeigt keine Abnormitäten! 
Die Epiphysenlinie des Oberschenkels zeigt keine Veränderungen. 

Bakteriologische Untersuchung. Auf den aus dem rechten Ober- 
lappen der Lunge angelegten Kulturen wachsen reichlich FränkePsche Pneumonie- 
kokken, daneben vereinzelte Kolonien von Staphylococcus pyogenes aureus. Aus 
Milz und Nieren spärliche Kolonien des Pneumoniecoccus. Auf den aus dem 
Gehirn, der Leber, der Placenta und den kindlichen Organen angelegten Kul- 
turen wachsen massig zahlreiche Kolonien eines beweglichen, gelben Farbstoff 
bildenden Bacillus, welcher die Gelatine verflüssigt. 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. Die Leberzellen stark getrübt, 
nirgends stärker verfettet. Zahlreiche hämorrhagische, spärliche anämische 
Nekrosen. Im periportalen Gewebe zum Teil sehr ausgedehnte Blutungen. In 
zahlreichen Interlobularvenen hyaline und fibrinöse Thromben; in zahlreichen, 
etwas grösseren Pfortaderästen Plättchenthromben , die teils wandständig , teils 
obturirend sind. Arterien meist leer. In den Lebervenen ziemlich reichliche 
Leberzellen. In den Gallengängen hie und da rote Blutkörperchen. 

Nieren. In zahlreichen Glomerulusschlingen grössere, zum Teil wurstförmig 
gestaltete Fetttropfen; die Epithelien zeigen intensive Trübung, welche auf Zu- 
satz von Essigsäure fast gänzlich verschwindet. Die Glomeruli meist intakt, 
vereinzelte erscheinen kernreich; in anderen besteht Desquamation des Schiingen- 
epithels. Die nackten Schlingen stark glänzend, durch hyaline Thromben ver- 
schlossen. In zahlreichen Kapselräumen feinkörniges Eiweiss und rote Blut- 
körperchen. In der Umgebung vereinzelter Glomeruli Rundzellenanhäufung. 
Die Epithelien meist intakt, nur vereinzelte kernlos; im Lumen feinkörniges Exsudat 
und hyaline Cylinder, letztere besonders reichlich in den Sammelröhren. In spär- 
lichen Kanälchen rote Blutkörperchen. Im interstitiellen Gewebe trifft man hie 
und da auf eine sehr starke Anhäufung von Rundzellen, die Kapillaren herdweise 
stark gefüllt; in ihnen, sowie in kleinen Venen zahlreiche Rundzellen. In ver- 
einzelten Fränkel'sche Diplokokken. Die Arterien meist leer, nur in kleineren 
Ästen hie und da wandständige feinkörnige Massen. 

Die Infarkte sind, wie sich bei der mikroskopischen Untersuchung ergielit, 
als embolische aufzufassen, da sich an der Spitze des Infarktes der verstopfte 
Arterienast nachweisen Hess. Der Embolus ist deutlich geschichtet, schliesst 
desquamirte Gefässepithelien ein und sitzt der Teilungsstelle der Arterie 
reitend auf. In der Umgebung des Infarktes und in seiner Peripherie Blutungen 
und Anhäufungen von Leukocyten. 

Lungen. Im rechten Oberlappen eine typische croupöse Pneumonie. In 



— 94 — 



den übrigen Ltmgenteüen starke Hyperämie, in zahlreichen Alveolen Blutungen. 
In den Kapillaren hie und da hyaline Throniben; in zahlreichen kleineren und 
mittleren Arterien und Venen wandständige und obturirende Thromben, welche, 
aus feinkörnigen und foinfädigen Massen bestehen, die mehr oder minder reichlich 
rote und weisse Blutkörperchen einschliesseu. Ausgedehnte Fettembolie. In 
allen Lungenahsohnitten lassen sieh in den Kapillaren und kleinen Arterien zahl- 
reiche Placentarzellen und Leberzellen nachweisen. In einer kapillaren Arterie 
eine grosse Riesenzelle, mit der mehrere kleine Epithelien zusammenhängen. 

Gehirn. In der Rinde und in den Centraiganglien, spärlicher in der 
Medulla und in der Brücke Blutungen und Erweichungen; zahlreiche Kapillaren 
und Venen durch hyaline Thromben geschlossen. In einer kleinen Vene der 
weichen Häute an der Konvexität finden sich zahlreiche kubische und polyedrische 
Zellen mit grossen bläschenförmigen Kernen; dieselben liegen teils einzeln, 
teils hängen sie zu zweien und vieren zusammen. Ihr Durchmesser ist ver- 
schieden, in vereinzelten sind feine goldgelbe Pigmentkörnchen erkennbar, [ch 
stehe nicht an, diese Zellen als Leberzellen anzusprechen, mit welchen sie in 
ihrer Grösse und ihrem sonstigen morphologischen Verhalten völlig überein- 
stimmen (retrograder Transport). 

Herz. Starke Trübung der Muskelfasern; hie und da Blutungen, in deren 
Bereich die Muskelfasern teils wachsig degenerirt, teils in trübe kernlose Schollen 
zerfallen sind. In vereinzelten Gefässen feinkörnige Thromben. 

Pankreas normal. 

Magen und Darm. Die Blutungen im Magen und Darm liegen in der 
Umgebung von prall gefüllten Kapillaren und kleinen Venen, welche, wie sich 
in Serienschnitten nachweisen lässt, in thrombosirte grössere Venen der Submucosa 
einmünden. In den kleinen Arterien nur ganz spärliche Plättchenthromben. 

Fötus. Nieren. Die Epithelien der gewundenen Kanälchen und der 
Henle'schen Schleifen fast sämmtlich nekrotisch, stark geschwollen. Die Glomeruli 
meist intakt; die Kapselräume hie und da prall mit roten Blutkörperchen ge- 
füllt. In den Henle'schen Schleifen und Sammelröhren feinkörnige Eiweissnieder- 
schläge und rote Blutkörperchen. Im interstitiellen Gewebe ausgedehnte Blutungen. 
Die Gefässe enorm gefüllt. 

Leber. In der Leber trifft man auf ganz spärliche, wenig ausgedehnte 
nekrotische Herde, die teils hämorrhagischen, teils anämischen Charakter zeigen. 
Dieselben liegen ebenso wie die Nekrosen in der mütterlichen Leber, mit denen 
sie in Bezug auf ihr morphologisches Verhalten völlig übereinstimmen, in der 
Umgebung des periportalen Gewebes, welches stellenweise dicht von roten Blut- 
körperchen infiltrirt ist. Auch hier lassen sich in den interlobulären Venen 
Plättchen- und hyaline Thromben nachweisen. 

Fall XYI. 

Krankengeschichte. Prössdorf, Ida. 22 Jahre, Fabrikarbeiterin. Primi- 
para. Aufnahme d. 17. VI., gest. 24. VI. 1891. 

Bei der Aufnahme normaler Zustand, mit Ausnahme ödematöser Schwellung 
der Genitalien. Während der Nacht vom 17. zum 18. VI. typische eklamptische 
Anfälle, welche sich innerhalb 14 Stunden 24 mal wiederholten. Im Harn 
reichlich Eiweiss. Schwitzbett. Acid. citric, Liq. Kai. acet., Morphium. Von da 
ab allmähliche Rückkehr des Bewusstseins und leidliches Befinden. Schwellung an 
den Genitalien hat abgenommen. Am 20. VI. normale Geburt in L Schädel- 
lage. Nach der Geburt gutes Befinden. Am 3. Tage hat Patientin nach leichten 
psychischen Störungen (Irrereden) plötzlich heftige eklamptische Anfälle mit 



— 95 — 



tiefem Koma. Cyanose. Exitus am 24. VI. im Koma. Temperatur welche bis 
zum 22. VI. normal gewesen war, stieg am 22. abends bis auf 39 2 am 23 
auf 40, 2. ' ' 

Sektionsbericht. Sektion am 25. VI. 1891. 

Grosser, kräftig gebauter weiblicher Körper; guter Ernährungszustand 
blasse Hautfarbe. An den unteren Extremitäten mässige Ödeme. Die grossen 
Schanilippen dunkelblaurot gefärbt, hochgradig geschwollen, mit vereinzelten 
diphtherisch belegten, oberflächlichen Geschwüren bedeckt. An der hinteren 
Kommissur ein zehnpfennigstückgrosses Geschwür mit diphtherischem Bela°- und 
stark iidematösen, hämorrhagisch infiltrirten Bändern. Fettgewebe gut° ent- 
wickelt, an den oberen und unteren Extremitäten von Blutungen durchsetzt 
Muskulatur dunkelrot, sein* kräftig, feuchtglänzend. 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldecken zeigen vereinzelte stecknadelkopf- 
grosse Hämorrhagien, sehr blutreich. Das knöcherne Schädeldach symmetrisch. 
Periost leicht abziehbar. Tabula externa glatt, graugelb gefärbt, Diploe blut- 
reich, an der Innenfläche des Stirnbeins, sowie längs des Sulcus longit. sup. 
dünne Lagen von Schwangerschaftsosteophyt. 

Dura mater straff gespannt, durchscheinend. Aussenfläche blutreich, Innen- 
fläche wenig glänzend. Die Oberfläche der Grosshirnhemisphären ist trocken 
alänzend. Die Gyri abgeplattet, die Sulci schmal. Die weichen Hirnhäute sehr 
blutreich, an der Konvexität und Basis von zahlreichen feinsten Ekchymosen 
durchsetzt. Grosshirn zeigt sehr weiche Konsistenz, auf der stark feuchtglänzen- 
den Schnittfläche treten mässig zahlreiche, abspülbare Blutpunkte hervor. In 
der Rinde des Stirn- und Mittelhirns, weniger im Hinterhirn feinste punkt- bis 
stecknadelkopfgrosse Blutungen, in deren Umgebung die Hirnsubstanz vorquillt. 
Im Seitenventrikel die gewöhnliche Menge Flüssigkeit. Das Ependym weich; im 
Schwanz des rechten Nucleus caudatus eine stecknadelkopfgrosse Blutung; ver- 
einzelte punktförmige Blutungen in beiden Thalami optici. 

Brücke, Medulla oblongata und Kleinhirn ohne Besonderheit. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand rechts an 5., links an 4. Rippe. Sternuin 
normal. Pleurahöhlen leer; Thymusdrüse geschwunden. 

Im Herzbeutel die gewöhnliche Menge Flüssigkeit; das parietale Blatt 
spiegelnd, an dem visceralen vereinzelte Ekchymosen. 

Im rechten Vorhof und rechten Herzventrikel dunkle Cruormassen und 
dunkles flüssiges Blut. Muskulatur sehr schlaff, bräunlichrot gefärbt. Endokard 
glatt. Linker Ventrikel etwas dilatirt; Muskulatur normal dick, sehr weich und 
brüchig. Auf Flachschnitten zeigt sie ein buntes Aussehen, indem verwaschen 
graurote Herde mit dunkelbraunroten abwechseln; im Bereich der ersteren be- 
merkt man feine gelbweisse Streifen. An der hinteren Wand ein etwa erbsen- 
grosser Infarkt. Klappen intakt, ebenso Coronargefässe. 

Die linke Lunge ausserordentlich fest an die Thoraxwand angeheftet, von 
zäher Konsistenz, ist überall lufthaltig. Das Gewebe im allgemeinen blutarm, 
graurot gefärbt. Im Unterlappen vereinzelte Blutungen. Die rechte Lunge ist 
sehr voluminös, an den hinteren unteren Abschnitten die Pleura mit dünnen 
Fibrinlagen bedeckt; hier das Lungengewebe dunkelrot gefärbt und fester als 
die vorderen Partien, welch' letztere gut lufthaltig sind. Die dunkelroten 
Partien sind luftleer, auf dem Schnitt etwas vorspringend, glatt und lassen eine 
trübe gelbweisse Flüssigkeit abstreifen. An der Basis des Oberlappens ein dicht 
unter der Pleura gelegener erbsengrosser Abscess, der von schlaffem, pneumonisch 
inflltrirtem Gewebe umgeben ist. Bronchialschleimhaut mit zähem Schleim be- 
deckt, fleckig gerötet. 

Halsorgane zeigen keine Veränderung. 



Bditchhühle. Bei Eröffnung der Bauchhöhle entleert sich eine geringe 
Menge klarer, gelber Flüssigkeit; die Serosa überall glatt und spiegelnd. Dünn- 
darm stark mit Luft aufgetrieben; die Höhle des kleinen Beckens ist von dem über 
kindskopfgrossen Uterus angefüllt, dessen Serosa überall glatt und spiegelnd erscheint. 

Die Milz ist etwas vergrössert, von schlaffer Konsistenz und bräunlich- 
roter Farbe, Pulpa dunkelrot gefärbt, stark vorquellend. Follikel deutlich. 

Nieren etwas vergrössert, von schlaffer Konsistenz, Kapsel leicht abziehbar. 
Oberfläche glatt, verwaschen graurot gefärbt, Rinde verbreitert, vorquellend, 
sehr stark getrübt. Hie und da bemerkt man feine weisse Streifen. Marksubstanz 
gleichfalls verwaschen, an der Grenze zwischen Rinde und Mark vereinzelte 
feinste Blutungen. Nierenbecken nicht erweitert, Ureteren eng, Schleimhaut intakt. 

Die Harnblase ist stark dilatirt, enthält reichliche Mengen klaren Urins 
von eigentümlich grüulichschwarzer Farbe; in demselben lassen sich Gallenfarb- 
stoffe und Eiweiss nachweisen. 

Die Scheide ist weit, die Schleimhaut im allgemeinen glatt, mit vereinzelten 
oberflächlichen Substanzverlusten, die mit diphtherischer Pseudomembran belegt 
sind. In der Uterushöhle eine reichliche Menge geronnenen Blutes, das stellen- 
weise schwärzlichgrün verfärbt und übelriechend ist. An der Placentarstelle, 
die sich an der hinteren Wand des Fundus befindet, sitzen mehrere tauben- bis 
hühnereigrosse Piacentarreste auf. Nach Entfernung des Blutes aus der Höhle 
erscheint die Wand glatt, stellenweise etwas gerötet. Beim Einschneiden auf 
die Placentarstelle erscheinen die Venen in der Uteruswand fast leer, nur in 
einzelnen finden sich geschichtete, rötlichweiss gefärbte feste Thromben. Die 
Tuben intakt. Im rechten Ovarium ein Corpus luteum verum. Parametrien frei. 

Die Leber etwas grösser als normal, ausserordentlich weich und schlaff. 
Die Oberfläche glatt, im allgemeinen graurot gefärbt. An der oberen Fläche, 
sowie an der unteren treten ganz vereinzelte dunkelrote mohnkorn- bis steck- 
nadelkopfgrosse Flecken hervor; etwas zahlreicher sind dieselben an der unteren 
Fläche des linken Lappens ; daneben finden sich, besonders auf der Schnittfläche, 
spärliche feinste, opake, bräunlichgelbe und gelbweisse Herde, welche durch 
einen tiefrot gefärbten Saum von der Umgebung, unter deren Niveau sie liegen, 
abgesetzt sind. Die acinöse Struktur im übrigen verwaschen; das Gewebe wenig 
blutreich. In der Gallenblase zähe, dickflüssige Galle. Gallengang durchgängig. 
Der Hauptstamm der Pfortader durch einen das Lumen prall ausfüllenden und 
der Wand fest anhaftenden Pfropf fest verschlossen; derselbe setzt sich in die 
primären Verzweigungen der Pfortader in die Leber fort und endigt in denselben 
mit kegelartig abgestumpften Spitzen. Peripheriewärts setzt er sich 1 cm 
weit fort in die Vena lienalis, während die Vena mesenterica sup. frei von 
Thromben, aber prall durch dunkelrotes, flüssiges Blut gefüllt ist. Der Pfropf 
besitzt eine feste Konsistenz und zeigt eine deutliche Schichtung derart, dass 
gelbweisse Partien, die der Wand unmittelbar anliegen, mit dunkelroten Streifen 
abwechseln. Im Centrum ist der Pfropf etwas weicher, als in der Peripherie. 

Die Schleimhaut des Magens im Fundus grauweiss gefärbt, stark geschwollen, 
zum Teil erweicht. An der kleinen Kurvatur in der Nähe des Pylorus ver- 
einzelte punktförmige Ekchymosen mit vereinzelten Erosionen ; hier ist die Schleim- 
haut mit kaffeesatzähnlichen Massen belegt. 

Die Schlehnhaut des Duodenum und Dünndarms zeigt stark venös? Hyper- 
ämie. Hie und da finden sicli vereinzelte Blutungen, 

Bakteriologische Untersuchung. Auf den aus der Lunge angelegten 
Gelatine- und Agarplatten wachsen spärliche Kolonien von Staphylokokken und 
Streptokokken. Ebendieselben Kolonien aus der Milz. Die mit Leber- und 
Gehirnsaft beschickten Platten bleiben steril, aus den Nieren gehen vereinzelte 



— 97 — 



Streptokokkenkolonien auf. Aus dem Uterus wachsen zahlreiche Kolonien von 
Staphylococcus pyogenes aureus und albus, ferner von Streptococcus pyogenes 
und massenhafte Fäulnisbakterien, besonders zahlreich Proteus vulgaris 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. Die Leber bietet im Verhältnis 
zu den vorhergehenden Fällen nur geringfügige Veränderungen dar. Die im 
Sektionsprotokoll erwähnten bräunlichgelben, opaken Herde stellen sich als 
ältere hämorrhagische Nekrosen heraus. Das Lebergewebe ist im Bereich der- 
selben vollständig zerfallen und in eine homogene oder schollige, glänzende 
Masse verwandelt, die geschrumpfte rote Blutkörperchen, goldgelbe Pigment- 
körnchen und Kerndetritus einschliesst. In der Umgebung der nekrotischen 
Herde mitunter reichliche Ansammlung von Leukocyten, zwischen denen bei ge- 
eigneter Färbung vereinzelte Kokken nachweisbar sind. Die gelbweissen Herde 
bestehen aus homogenen glänzenden Massen, in denen färbbare Kerne nicht mehr 
nachweisbar sind (anämische Nekrosen). Sowohl die erst- als die letztbe- 
schriebenen Herde sind nur wenig ausgedehnt, sehr spärlich und liegen stets in 
der Nachbarschaft des periportalen Bindegewebes. Die in letzterem verlaufenden 
Interlobularvenen und die aus ihnen hervorgehenden Kapillaren sind durch 
hyaline Thromben verschlossen. Arterien leer. Gallengänge intakt. Die im 
Sektionsbericht erwähnten roten Herde entsprechen frischen im periportalen 
Gewebe und seiner Umgebung gelegenen Blutungen. Die Leberzellen im Bereich 
der Blutungen meist noch gut kernhaltig, nur hie und da die Zellen mit schwach 
färbbaren Kernen. Zwischen den Leberzelle.n hie und da ein feines Fibrinnetz. 
Im Bereich der Blutungen die Interlobularvenen teils durch hyaline, teils durch 
Plättchenthromben geschlossen, im übrigen Lebergewebe die Leberzellen stark 
getrübt, mitunter etwas stärker verfettet. Im periportalen Gewebe keine zellige 
Infiltration. Der Thrombus in der Pfortader zeigt bei der mikroskopischen 
Untersuchung eine deutliche Schichtung. Die der Wand anhaftende Schicht be- 
steht aus feinkörnigem und feinfädigem Material, das spärliche geschrumpfte 
und abgeblasste rote Blutkörperchen und geschrumpfte Leukocytenkerne ein- 
schliesst. Hieran schliesst sich eine Schicht, die vorwiegend aus roten und 
weissen Blutkörperchen besteht. Die centralen Teile bestehen aus einem feinen 
Fibrinnetz, in welchem zum Teil gut erhaltene rote und zahlreiche weisse 
Blutkörperchen enthalten sind. 

Nieren. Die Nieren zeigen bei der Untersuchung am frischen Präparat 
ausgedehnte Trübung der Epithelien, bei Zusatz von Essigsäure verschwindet, 
dieselbe nur teilweise; die Kerne treten an den wenigsten Epithelien hervor. 
In zahlreichen Epithelien feinglänzende Tröpfchen, die sich mit Osmiumsäure 
schwärzen. Im Lumen zahlreicher gewundener Kanälchen und Henle'scher 
Schleifen stösst man auf schwärzlich glänzende Massen, die bei auffallendem 
Lichte weisslich glänzen, bei Zusatz von Salzsäure sich unter Gasentwicklung 
auflösen (Kalk). 

Bei Untersuchung der gehärteten Präparate zeigt sich, dass eine ausge- 
dehnte Nekrose der Epithelien, gewundenen Kanälchen und Henle'schen Schleifen 
vorliegt; nur an wenigen Stellen findet man noch kernhaltige Epithelien. Letztere 
erscheinen gequollen, trübe. An zahlreichen Stellen finden sich in den mit 
Hämatoxylin gefärbten Präparaten teils vereinzelte, teils in Gruppen zusammen- 
liegende, schwarzgrau gefärbte, kernlose Epithelien. Bei Anwendung von starker 
Vergrößerung erkennt man teils feinere, teils gröbere, unregelmässig geformte, 
schwarzblau gefärbte Körnchen. Ähnliche Zellen finden sich auch desquamirt, 
frei im Lumen der Kanälchen liegend, mitunter sind mehrere zu einem schwarz- 
blauen Klumpen zusammengebacken. Häufiger bemerkt man auch Kanälcheu, 
die auf weite Strecken hin mit schwarzblauen klumpigen Massen ausgefüllt 

7 

Schmorl, Eklampsie. 



— 98 — 



sind. Eine epitheliale Auskleidung lässt sich an solchen Stellen nicht mehr 
nachweisen. In den übrigen Harnkanälchen feinkörnige Eiweissniederschläge 
und hyaline Cylinder. Die Glomeruli auffallend wenig verändert, nur hie und 
da erscheinen einzelne derselben kernreicher als normal, in manchen besteht 
Epitheldesquamation und in ziemlich zahlreichen hyaline Degeneration der 
Schlingen. Im Hohlraum fast sämmtlicher Glomeruli feinkörniges Exsudat. Im 
interstitiellen Gewebe hie und da in der Umgebung kleiner Venen eine spärliche 
Anhäufung von Eundzellen, daneben hie und da wenig ausgedehnte Blutungen. 
Die Kapillaren in manchen Bezirken leer, in anderen aber prall mit roten Blut- 
körperchen gefüllt und stellenweise durch hyaline Thromben verlegt. Die 
Arterien meist leer, in einigen kleineren aber bemerkt man der Intima dicht 
aufliegend ein glänzendes, mit Eosin leuchtend rot gefärbtes, hyalines Band, 
welches mitunter vereinzelte geschrumpfte Kerne einschliesst. Die Venen der 
Marksubstanz sehr prall mit roten Blutkörperchen gefüllt. In vereinzelten 
starke Anhäufung von Leukocyten, die durch ein feinfädiges Fibrinnetz zu- 
sammengehalten werden. 

Lungen. In den Lungen findet sich in den Unterlappen ausgedehnte 
katarrhalische, zum Teil hämorrhagische Pneumonie. In den Alveolen mitunter 
sehr reichliche Kokken. Neben den schon bei der makroskopischen Betrachtung 
deutlich erkennbaren Blutungen finden sich im Ober- und Mittellappen zahlreiche 
erst mikroskopisch nachweisbare Hämorrhagien. Im Bereich der Hämorrhagien 
finden sich in den Kapillaren Stasen und spärliche Thromben. In den kleineren 
Arterien und Venen teils wandständige, teils total obturirende Pfropfe, welche 
teils aus homogenem, teils aus feinkörnigem und feinfädigem Material und 
spärlichen roten und weissen Blutkörperchen bestehen. In vereinzelten Kapillaren, 
wie in vereinzelten kleinen Arterien, welch' letztere nicht thrombosirt sind, 
vereinzelte vielkernige Riesenzellen. 

Gehirn. In den weichen Hirnhäuten, sowie in der Hirnrinde und den 
Centraiganglien spärliche, durch hyaline Thromben verschlossene Kapillaren und 
kleine Venen, in deren Umgebung die Gehirnsubstanz häufig blutig infiltrirt 
oder erweicht ist. Daneben in zahlreichen Kapillaren und kleineu Venen enorme 
Füllung mit roten Blutkörperchen. In der Lymphscheide kleiner Arterien hie 
und da zahlreiche rote Blutkörperchen. In ganz vereinzelten Arterien fibrinöse 
Thromben. 

Herz. Im Herzblut finden sich bei der frischen Untersuchung ganz spärliche 
vielkernige Riesenzellen. Die Herzmuskelfasern intensiv getrübt, zum Teil ver- 
fettet; zwischen ihnen vereinzelte Blutungen. Der an der hinteren Fläche des 
Herzens gefundene gelbweisse Herd stellt sich bei der mikroskopischen Unter- 
suchung als blasser Infarkt heraus, in dessen Umgebung eine massige Blutung 
besteht. An Serienschnitten lässt sich nachweisen, dass der zuführende Arterien- 
ast durch einen Pfropf verschlossen ist, der teils aus hyalinem, teils fein- 
körnigem Material besteht. 

Pankreas. Im Pankreas vereinzelte Blutungen und nekrotische Herde. 

Uterus. Die inneren Schichten des Uterus kleinzellig infiltrirt, von massen- 
haften Bakterien durchsetzt. Die tieferen Schichten frei. Die der Placentar- 
stelle fest aufsitzenden Piacentarreste zeigen noch gut erhaltenes Placentargewebe. 
Die intervillösen Räume teils leer, teils mit gut färbbaren roten Blutkörperchen 
gefüllt; daneben findet man aber Stellen, wo das Placentargewebe in eine homo- 
gene, stark glänzende Masse umgewandelt ist, in der nur andeutungsweise 
Zotten erkennbar sind. Innerhalb der glänzenden Massen liegen spärliche grosse 
Riesenzellen. Ferner findet man Stellen, wo die intervillösen Räume ausgefüllt 
sind mit trübem, feinkörnigem und feinfädigem Material, welch' letzteres spärliche 



99 - 



geschrumpfte rote Blutkörperchen und Leukocyten einschliesst. Die Zotten sind 
hier deutlich zu erkennen, aber kernlos und von Blutungen durchsetzt. In der 
Umgehung dieser Herde sind diese Zotten noch gut kernhaltig, aber ihr Gewebe 
erscheint eigentümlich aufgelockert und ist hie und da von Blutungen durch- 
setzt. Der epitheliale Ueberzug hie und da in Petzen abgehoben. Dieselben 
Veränderungen finden sich auch in der geborenen Placenta. 

Fall XVII. 

Krankengeschichte. Eutzsch, Marie, Setzersfrau, 23 Jahre alt, Primi- 
para. Aufnahme 30. VII, gest. 30. VII. 1891. 

Patientin wird heute früh total bewusstlos in die Anstalt gebracht. Nach 
Angabe des Mannes hat sie seit dem 24. VII. Kopfschmerz und Übelkeit, seit 
der vergangenen Nacht heftige Anfälle. Guter Ernährungszustand, an den 
unteren Extremitäten geringe Ödeme; im Urin reichlich Eiweiss. Patientin ist 
im 9. Monat schwanger, Kind lebt, Blase steht. Zur Einleitung der künstlichen 
Frühgeburt wird mit Laminaria dilatirt. Während des Aufenthalts in der 
Klinik wurden 21 Anfälle mit vollständiger Bewusstlosigkeit beobachtet. Patientin 
erhält subcutan Morphium und wegen drohender Herzparalyse zwei Spritzen 
Äther. Tod abends 11 Uhr in tiefem Koma. 

Temperatur betrug früh 7 Uhr 37,5°, 2 Uhr nachmittags 39°, abends 
9 Uhr 39,1°. 

Sektionsbericht. Mittelgrosse, gracil gebaute weibliche Leiche; guter 
Ernährungszustand. Haut im allgemeinen blass. Das Gesicht, besonders die 
Ohren hochgradig cyanotisch, ebenso die Fingerspitzen. Ausserdem finden sich 
am ganzen Körper zahlreiche linsen- bis markstückgrosse, bläulichrote Flecken, 
die sich beim Einschneiden teilweise als Blutpunkte herausstellen. An den 
unteren Extremitäten keine Ödeme. Äussere Genitalien bläulichrot gefärbt, 
leicht geschwollen. Aus der Scheide fiiesst eine geringe Menge rötlichwässriger 
Flüssigkeit ab. 

Kopfhöhle. Die weichen Schädeldecken sehr stark hyperämisch, hie und 
da vereinzelte Blutungen. Das knöcherne Schädeldach mesocephal, symmetrisch. 
Die Aussenfläche glatt, grauweiss gefärbt. Periost leicht abziehbar; Diploe 
mässig blutreich. Die Vitrea grauweiss gefärbt, mit minimalen Spuren von 
Osteophytbildung. Dura mater stark gespannt, an ihrer Aussenfläche stark in- 
jicirt. Im Sulcus longitud. sup. ein schlaffes Gerinnsel; die Innenfläche der Dura 
glatt. Über der linken Hemisphäre findet sich in den Subarachnoi'dealräumen 
ein die ganze Konvexität einnehmender Bluterguss, der im Bereich des Stirn- 
und Mittelhirns fast 2 mm dick ist, während er im Hinterhirn kaum die Dicke 
von V-, mm üat - D er Bluterguss erstreckt sich auf die laterale und untere Fläche 
des Schläfen- und Stirnlappens. Die Gyri der rechten Hemisphäre sind stark 
abgeplattet; die Oberfläche zeigt trockenen Glanz und schwache Gefässinjektiou, 
nur im Bereich des Stirnhirns sind die Subarachnoi'dealrämne mit klarer Flüssig- 
keit gefüllt. An der Basis cerebri keine Veränderungen; die Gefässe zartwandig, 
leer. An der hinteren Fläche des Kleinhirns längs der Venen blutige Infiltration. 
In den Sinus der Schädelbasis flüssiges Blut, Dura der Schädelbasis glatt. 

Im linken Stirnlappen findet sich eine etwa hühnereigrosse buchtige Höhle, 
teils mit flüssigem, teils mit fest geronnenem Blute gefüllt. Die Wand derselben 
ist zerfetzt, die umgebende Hirnsubstanz breiig erweicht, gelblich-graurot gefärbt 
und von zahlreichen Blutungen durchsetzt. Lateralwärts reicht diese Höhle bis 
an die Rinde, die an einer Stelle durchbrochen ist. Hier steht die oben erwähnte 
intermeningeale Blutung mit dem eben beschriebenen apopiektischen Herde in 

7 * 



— lüü — 



Verbindung. In der weiteren Entfernung von dieser Blutung und in der 
rechten Homisphäre erscheint die Hirnsubstanz fest, trocken, glänzend. Auf 
der Schnittfläche treten zahlreiche abspülbare Blut]iunkte hervor. Dicht unter 
der Riude der linken Central Windung ein erbsengrosser erweichter, graugelber 
Herd. Die Seiteuventrikel leer, das Ependym im allgemeinen glatt. Am vor- 
deren Pol des linken Nucleus caudatus eine subependymäre linsengrosse Blutung. 
Im vorderen Drittel desselben ein kirschkerngrosser Herd, in dessen Bereich 
die Gehirnsubstanz in eine breiige, bläulichrote Masse verwandelt ist; in der 
Umgebung derselben feinste Blutungen. Am Boden des 4. Ventrikels zwei 
punktförmige Ekchymosen. In der Brücke und Medulla oblongata spärliche punkt- 
förmige Blutungen. 

Kleinhirn ohne Veränderungen. 

Brusthöhle. Zwerchfellstand rechts an der 4., links an der 5. Rippe. 
Sternum normal. Thymus noch in ganzer Ausdehnung vorhanden, ödematös, 
graurot gefärbt. Aus der durchschnittenen Vena anonyma entleert sich reichlich 
dunkelrotes flüssiges Blut. Die Lungen sinken gut zurück. In den Pleurahöhlen 
ein Weinglas voll klarer, seröser Flüssigkeit. 

Im Herzbeutel circa 2 Esslöffel klarer Flüssigkeit. Beide Blätter glatt 
und spiegelnd. Unter dem visceralen Blatt vereinzelte punkt- und streifenförmige 
Blutungen. 

Das Herz zeigt normale Grösse. Im rechten Ventrikel dunkelrotes flüssiges 
Blut, ganz spärliche Gerinnsel. Sowohl im flüssigen Blut als in den Gerinnseln 
lassen sich spärliche Leberzellen und grosse vielkernige Riesenzellen nachweisen. 
Die Höhle des rechten Ventrikels nicht erweitert, die Muskulatur schlaff, ver- 
waschen, graubräunlich gefärbt. Klappen intakt. Die linke Herzhälfte stark 
kontrahirt. Im Ventrikel eine Spur flüssigen Blutes, im Vorhof eine mässige 
Menge Cruor. Muskulatur von normaler Dicke, von massig fester Konsistenz. 
Auf Flachschnitten zeigt sie ein geflecktes Aussehen, derart, dass verwaschen 
graurot gefärbte Stellen mit feinen gelbweissen, opaken Streifen und Flecken 
abwechseln. Hie und da erkennt man punkt- und streifenförmige Blutungen. 
Besonders reichlich sind dieselben an den Spitzen der Papillarmuskeln. Klappen 
intakt. Foramen ovale offen. Herzohr leer. 

Die Lungen sind im allgemeinen gut lufthaltig. Beide an der Spitze ver- 
wachsen. Hier finden sich im Lungengewebe narbige Einziehungen, die stark 
pigmentirt sind und bis erbsengrosse verkalkte Herde einschliessen. Der pleurale 
Überzug überall glatt und spiegelnd; sowohl an der Pleura, als an den centralen 
Lungenteilen treten spärliche erbsen- bis bohnengrosse, wenig scharf umschriebene 
Blutungen hervor. Die Unterlappen etwas blutreicher als die Oberlappen, mässig 
ödematös. In letzteren treten vereinzelte erbsen- bis kirschgrosse, auf der Schnitt- 
fläche vorspringende, derbere Herde hervor, die eine hellgraurote Farbe und ein 
trockenes, körniges Aussehen zeigen. Bronchialschleimhaut intakt. 

An den Halsorganen keine Abnormitäten. 

Bauchhöhle. Der Leib ist halbkugelig aufgetrieben, die unteren Abschnitte 
desselben werden durch den graviden Uterus eingenommen. In den abhängigen 
Teilen findet sich circa l \ x 1 klare, rötlichgelb gefärbte Flüssigkeit. Im rechten 
Musculus rectus abdominis eine zehnpfennigstückgrosse Blutung; vereinzelte punkt- 
förmige Ekchymosen in der Serosa, letztere glatt, lebhaft injicirt. 

Die Milz 12:7:3. Oberfläche glatt, tief schwarzblau gefärbt, ziemlich fest. 
Schnittfläche ziemlich blutreich, nicht vorquellend. Follikel und Trabekel undeutlich. 

Die Nebennieren ziemlich derb, blutarm. 

Die linke Niere normal gross, von fester Konsistenz. Kapsel leicht ab- 
ziehbar, Oberfläche glatt, bräunlichgrau gefärbt. Die Oberfläche zeigt mässige 



— 101 — 



Gefässinjektion. Von der Schnittfläche fliesst reichlich dunkelrotes Blut ab. Die 
Rinde ist nicht verbreitert, zeigt einen eigentümlichen braungrauen Farbenton. Die 
Zeichnung stellenweise etwas verwaschen, hie und da vereinzelte gelblichweisse 
Streifen. Die Marksubstanz dunkelblaurot gefärbt. Nierenbecken nicht erweitert, 
ebenso Ureter. Die rechte Niere etwas grösser als die linke, zeigt im allge- 
meinen dasselbe Verhalten wie jene, nur sind liier die gelblich weissen Flecken 
und Streifen deutlicher ausgesprochen. Auch hier das Nierenbecken nicht er- 
weitert; im Nierenbecken vereinzelte Hämorrhagien. 

Die Harnblase leer, die Schleimhaut blass, im Fundus punktförmige Hämor- 
rhagien. 

Serosa des Uterus glatt; die Tuben zeigen starke Gefässinjektion, die Venae 
uterinae und spermaticae enorm dilatirt, mit dünnflüssigem Blute gefüllt. Die 
Scheidenschleimhaut tief dunkelrot gefärbt. Der äussere Muttermund 5 cm weit 
offen, mit oberflächlichen Einrissen. Im Uterus eine 45 cm lange, gut entwickelte 
Frucht. Sektionsbefund der Frucht s. unten. 

Die Leber 27 cm breit, davon 17 cm auf den rechten Lappen. Letzterer 
15 cm hoch, 8,5 cm dick. Der linke Lappen 13 cm hoch, 6 cm dick. Sie be- 
sitzt eine ziemlich derbe Konsistenz. Im Ligam. Suspensorium vereinzelte punkt- 
förmige Ekchymosen. Die Oberfläche zeigt ein ausserordentlich buntes Aussehen. 
Man bemerkt einmal Herde, die verwaschen grau aussehen, daneben landkarten- 
artig angeordnete, tiefrote Flecken und Streifen, die an der Oberfläche des rechten 
Leberlappens in der Nähe des Ligam. Suspensorium zu etwa handtellergrossen 
Herden konfluiren. Bei näherem Zusehen zeigt sich, dass diese eben erwähnten 
Herde eine komplicirte Zusammensetzung besitzen. An der Peripherie sind sie 
meist tief dunkelrot gefärbt, im Centrum dagegen gelbweiss. An den kleinsten 
derartigen Herden kann man nachweisen, dass sie stets in der Umgebung der 
Pfortaderverzweigung liegen. Neben den eben erwälmten Flecken und Streifen 
finden sich punkt- bis hirsekorngrosse, opake, gelbweisse Flecken. Auf der Schnitt- 
fläche dasselbe bunte Aussehen. Im Lobulus Spigelii ausgedehnte rote Flecken und 
Streifen. Das zwischen den hämorrhagisch infiltrirten Partien liegende Ge- 
webe zeigt eine verwaschen graurote Farbe und eine undeutlich acinöse Struktur. 
Die grösseren Lebervenen frei; die in ihrer Umgebung gelegenen Blutungen 
schimmern durch ihre Waud bläulichrot hindurch, Pfortader nicht thrombosirt. 
Gallenblase enthält dünnflüssige Galle. Gallengänge durchgängig. 

Der Magen enthält eine geringe Menge grauer, trüber Flüssigkeit, in 
der ziemlich zahlreiche, braunrote, kaffeesatzähnliche Flocken flottiren. Letztere 
haften der mit zähem Schleim bedeckten Schleimhaut fest an. Die Schleimhaut 
ist geschwollen und fleckig gerötet. Auf der Höhe der Schleimhautfalten, besonders 
an der kleinen Kurvatur, zahlreiche punktförmige Ekchymosen und linsen- bis 
fünfpfeunigstückgrosse, hämorrhagische Erosionen. 

Die Schleimhaut des Dünndarms blass, mit zahlreichen Hämorrhagien. 
Letztere sind besonders zahlreich im Dickdarm. 

Sektion des Fötus. 45 cm langes Kind, noch nicht völlig reif. Nasen- 
und Ohrenknorpel noch weich. Finger- und Zehennägel überragen noch nicht die 
Finger- bez. Zehenspitzen; die kleinen Schamlippen ragen noch ziemlich weit 
zwischen den grossen hervor. Die äusseren Bedeckungen mit dichter Schicht von 
Vernix caseosa bedeckt. Kopfhaare schwärzlich, 1 cm lang. In den weichen 
Schädeldecken vereinzelte punktförmige Ekchymosen. Grosse und kleine Fonta- 
nelle weit offen. An der Innenfläche der Dura vereinzelte punktförmige Blutungen, 
ebenso auf der Pia. Gehirn ziemlich weich, sonst ohne Befund; nirgends Blutungen. 
Bei Eröffnung der Bauchhöhle entleert sich ein Theelöffel voll bräunliche Flüssig- 
keit. Im Dünn- und Dickdarm reichlich Meconium, Serosa glatt und spiegelnd. 



102 



Lebor im ungemeinen duukelblanrot gefärbt, mit vereinzelten gelbgrauen Fleckchen 
und punktförmigen Blutungen auf der Oberfläche und im Parenchym, welcli' letzteres 
weich und ziemlich blutreich ist. — Milz gross, fest, tief blaurot gefärbt. Nieren 
etwas vergrössert. Kapsel leicht abziehbar. Konsistenz mässig fest. An der 
Oberfläche sowohl, wie auf der Schnittfläche der Rinde treten punkt- und streifen- 
förmige Blutungen hervor. Rinde entschieden verbreitert und vorquellend, zeigt 
eine verwaschene, gelbgraue Farbe. Marksubstanz blutreicher. Im Nierenbecken 
einzelne Blutungen. Magen und Darm ohne Besonderheiten. — Zwerchfellstand 
beiderseits an der 8. Rippe. Pleurahöhlen leer. Lungen zurückgesunken, luftleer. 
An der Ober- und Schnittfläche zahlreiche punkt- bis strichförmige Ekchymosen. 
Letztere finden sich auch im Herzbeutel. Herz enthält dunkelrotes, flüssiges 
Blut; von normaler Beschaffenheit. 

Das Placentargewebe zeigt im allgemeinen geringen Blutgehalt und eine 
trübe braunrote Farbe. Hie und da treten vereinzelte, teils runde, teils keil- 
förmige gelbe, trockene Herde hervor von der Grösse eines Kirschkerns bis zu 
der einer Wallnuss. Daneben dunkelrot gefärbte, undeutlich abgegrenzte kirsch- 
grosse Herde und endlich mattgrau gefärbte, derbere Partien, welche deutlich 
über die Schnittfläche prominiren und durch einen tiefroten Saum unregelmässig 
zackig, aber scharf begrenzt sind. Im Blut der Uterusvenen vielkernige Riesen- 
zellen. 

Bakteriologische Untersuchung. Der bakteriologischen Untersuchung 
werden Gehirn, Leber, Herz, Nieren und Lungen der Mutter und des Kindes, 
sowie die Placenta unterzogen. In letzterer wurde besonders mit Rücksicht auf 
Favre's Untersuchungen den älteren und frischen Infarkten Aufmerksamkeit 
geschenkt. Sämmtliche Platten aber blieben steril; nur hie und da ganz ver- 
einzelte oberflächliche Kolonien, die auf Verunreinigungen zu beziehen sind. Auch 
in Ausstrich- und Schnittpräparaten lassen sich keine Mikroorganismen nachweisen. 

Mikroskopische Untersuchung. Leber. In der Leber multiple hämor- 
rhagische Nekrosen älteren und frischeren Datums. In zahlreichen Interlobular- 
venen hyaline und Plättchenthromben. Geringe Gallenstauung. In den Lebervenen 
spärliche Leberzellen. 

Nieren. Die Nieren zeigen nur geringe Veränderungen, im frischen Prä- 
parat geringe Trübung der Epithelieu, keine Verfettung; dagegen in zahlreichen 
Glomerulusschlingen grosse, zum Teil wurstförmige, glänzende Fetttröpfchen 
(Fettembolien). 

Im gehärteten Präparat die Epithelien meist ohne Veränderungen; nur 
hie und da finden sich in den gewundenen Kanälchen kernlose Epithelien. Im 
Lumen der Kanälchen feinkörniges Exsudat und hyaline Cylinder. Glomeruli in 
der Mehrzahl intakt; in den Kapselräumen häufig feinkörniges und homogenes 
Exsudat; in den Schlingen mitunter hyaline Thromben. Im interstitiellen Gewebe 
keine Veränderungen. Die intertubulären Kapillaren meist prall gefüllt mit roten 
Blutkörperchen, in zahlreichen hyaline Thromben. Die Venen prall gefüllt, die 
Arterien meist leer; nur hie und da wandständige Plättchenthromben. In den 
Sammelröhren Cylinder, denen braune Pigmentkörnchen anhaften. 

Lungen. In den Lungen findet sich eine hochgradige Fettembolie. In zahl- 
reichen Kapillaren und kleineren und grösseren Arterien massenhafte Riesen- 
zellen; daneben ausgedehnte hyaline Thrombose der Kapillaren. In zahlreichen 
grösseren und kleineren Arterienästen und Venen wandständige und obturirende 
Thromben. Die wandständigen Thromben bestehen meist aus Blutplättchen, 
welche vereinzelte rote und weisse Blutkörperchen einschliessen. Die lokal 
obturirenden Thromben zeigen einen verschiedenen Bau, teils bauen sie sich 
ebenfalls aus Blutplättchen auf, teils aber sind sie geschichtet, derart dass meist 



— 103 — 



der Gefässwand eine Lage feinkörnigen Materials vorliegt, an welche sich gegen 
das Centrum des Thrombus Schichten, die aus weissen und roten Blutkörperchen 
bestehen, anschliessen ; zwischen den letzteren häufig ein feinf'ädiges Fibrinnetz- 
endlich findet mau Thromben, welche sich nur aus feinfädigem Fibrin und fein- 
körnigen Massen aufbauen. In den Alveolen häufig zahlreiche rote Blutkörperchen 
zwischen denen sich mitunter ein feines Fibrinnetz nachweisen lässt Ein eigen- 
tümliches Bild zeigt sich bei der mikroskopischen Untersuchung der im Sektions- 
bericht erwähnten, in den Oberlappen gefundenen derberen, grauroten Herde. 
Hier sind die Alveolen ausgefüllt mit einem Fibrinnetz, welches aus feinen und 
gröberen Fäden besteht; die Alveolenwände sind mit einer breiten Schicht von 
hyalinen Massen austapeziert; zwischen den Fibrinfäden liegen meist nur ganz 
spärliche geschrumpfte Leukocyten mit fragmentirtem Kern und feinkörnige 
Eiweissniederschläge. Mikroorganismen lassen sich durch die Färbung nicht 
nachweisen. Die Kapillaren sind hier sämmtlich enorm aufgetrieben und enthalten 
teils homogene, teils schollige, hyaline Massen. Ihre Endothelkerne sind meist 
vollständig geschwunden. 

Gehirn. Im Gehirn findet sich eine ausgedehnte hyaline Thrombose der 
Kapillaren, in deren Umgebung sich zahlreiche, wenig umfangreiche Blutungen 
nachweisen lassen. Besonders zahlreich sind die Blutungen in der Rinde, in den 
Centraiganglien und in der Brücke. An Stellen, wo sich die Thrombose auf eine 
ganze Provinz von Kapillaren erstreckt, ist die Gehirnsubstanz erweicht, besonders 
ist dies der Fall im linken Nucleus caudatus und in der linken Centraiwindung, 
wo diese Erweichungen schon bei der makroskopischen Betrachtung erkennbar 
waren. Die Venen meist enorm gefüllt, hie und da durch hyaline und Plättchen- 
thromben versetzt; in zahlreichen Venen wandständige Plättchenthromben. Die 
Arterien der Pia an vielen Stellen prall mit roten Blutkörperchen gefüllt, aber 
meist nicht verstopft, nur hie und da wandständige Plättchenthromben. Die 
kleinen Arterien der Gehirnsubstanz meist ebenfalls stark gefüllt, ihr Lumen 
mitunter durch feinkörnige, hyaline und feiustreifige Pfropfe verlegt; ihre Lymph- 
scheide mitunter durch rote Blutkörperchen enorm dilatirt. Die Wand des 
apoplektischen Herdes von äusserst zahlreichen Blutungen durchsetzt; an einem 
der medialen Wand entnommenen Stück trifft man bei der mikroskopischen Unter- 
suchung auf eine etwa stricknadeldicke, thrombosirte Vene. Die Randpartien 
des Thrombus bestehen zum grössten Teil aus hyalinen, scholligen Massen, 
während die centralen Teile sich aus abgeblassten und aus geschrumpften roten 
Blutkörperchen und in Zerfall begriffenen Leukocyteu aufbauen, welche in fein- 
körnigen und feinfädigen Massen eingebettet liegen. Die Vene wird auf Serien- 
schnitten verfolgt; an diesen Serienschnitten lässt sich eine weite Ruptur der 
Venenwand nachweisen, jenseit der Rupturstelle ist die Vene enorm dilatirt und 
prall mit roten Blutkörperchen gefüllt. Ich stehe nicht an, diese geborstene 
Vene als Quelle der ausgedehnten Hämorrhagie anzusprechen. Eine analoge 
Beobachtung ist von Pfannenstiel 49 ) mitgeteilt worden. 

Herz. Die Muskelfasern grösstenteils intakt, nur hie und da stärkere 
Trübung, keine Verfettung. Die streifenförmigen Blutungen liegen in der Um- 
gebung stark dilatirter Venen und Kapillaren, in welchen spärliche hyaline 
Pfropfe nachweisbar sind. Im Bereich der Blutungen sind die Muskelfasern 
kernlos und zu glänzenden Schollen zerfallen. 

Pankreas intakt. 

Magen. Die Blutungen im Magen liegen stets um prall gefüllte Kapillaren 
und kleine Venen herum. In Serienschnitten lässt sich nachweisen, dass dieselben 
in thrombosirte Venen der Submucosa einmünden. Die Thromben bestehen teils 
aus feinkörnigem Material, teils aus einem Fibrinnetzwerk; in beiden Fällen 



— 104 — 



sind an dem Auib.au des Thrombus rote und weisse Blutkörperchen beteiligt, wenn 
auch in spärlicher Monge. 

Die Blutungen im Darm zeigen ein analoges Verhalten. Die Arterien sind 
nieist leer, nur in ganz vereinzelten lassen sich Thromben nachweisen. 

Placmta. Die intervillösen Bäume nur spärlich gefüllt; hie und da trifft 
man auf freiliegende, von der Zellenoberfläche abgelöste Epithelien und Riesen- 
zellen (Epithelknospen). Die gelb weissen, trockenen Herde zeigen die bekannte 
Struktur der weissen Infarkto. Im Bereich der im Sektionsbericht erwähnten 
festeren, mattgrau gefärbten Herde ist die Struktur der Placenta im allgemeinen 
noch gut erhalten, aber die Zellen erscheinen völlig kernlos, ihr Gewebe auf- 
gequollen, mattglänzend und von spärlichen roten Blutkörperchen durchsetzt, 
die Gefässe meist prall mit abgeblassten roten Blutkörperchen gefüllt. Das 
Zottenepithel völlig kernlos, mitunter in ein homogenes glänzendes, mit Eosin 
sich leuchtend rot färbendes Band umgewandelt. Die intervillösen Räume mit 
feinkörnigen, trüben Massen ausgefüllt, welche spärliche, abgeblasste rote Blut- 
körperchen, geschrumpfte Leukocyten und Pigmentkörnchen einschliessen. In der 
Umgebung dieser Herde sind die intervillösen Räume prall mit roten Blut- 
körperchen erfüllt, zwischen denen sich ziemlich reichlich abgelöste Zotten- 
epithelien und Riesenzellen finden. Die Zottengefässe enorm dilatirt; die Zotten- 
substanz von roten Blutkörperchen durchsetzt, welche häufig zwischen dem 
Epithel und dem bindegewebigen Grundstock der Zotten liegen, wodurch es zu 
einer partiellen oder totalen Abhebung des Zottenepithels kommt. Die dunkel- 
roten, derberen Herde zeigen bei der mikroskopischen Untersuchung genau das- 
selbe Verhalten, wie es eben von der Umgebung der mattgrauen Herde be- 
schrieben wurde. 

Fötus. Lungen. An den Lungen ausser den subpleuralen Blutungen keine 
Veränderungen. 

Nieren. Fast sämmtliche Epithelien der gewundenen Kanälchen sind kernlos, 
enorm geschwollen, so dass stellenweise ein Lumen nicht mehr nachweisbar ist. 
Die Epithelien der Henle'schen Schleifen meist gut erhalten, nur hie und da 
kernlos. Im Lumen derselben, sowie in dem der Sammelröhren feinkörnige 
Eiweissniederschläge, nur spärliche hyaline Cylinder. Glomeruli intakt, in einigen 
Kapselräumen feinkörniges Exsudat und spärliche rote Blutkörperchen. Im 
interstitiellen Gewebe ausgedehnte Blutungen. Die Gefässe enorm gefüllt, ohne 
Thromben. 

Gehirn. Im Gehirn ganz spärliche, erst mikroskopisch nachweisbare Blutun- 
gen, die in der Umgebung prall gefüllter Kapillaren und Venen liegen. 

Leber. In der Leber spärliche Blutungen im periportalen Gewebe, welche 
um interlobuläre Venen liegen, die durch hyaline Thromben verschlossen sind. 



Litteratur. 



1. Lever, Guy's ljospital reports. 1843. — 2. Jürgens, Berl. klin. Wochen- 
schrift. 1886. — 3. Klebs, Ziegler's Beiträge zur pathol. Anatomie. Bd. EL — 
4. Pilliet, Nouv. Archives d'obstetrique et de gynecologie. 1884. — Derselbe, 
ibidem. 1888. — Pilliet et Letienne, ibid. 1889. — Pilliet et Morel, ibid. 
1890. — Pilliet, Gaz. hebdomad. 1890. — Derselbe, Nouv. Arch. d'obstetrique. 
1890. — 5. Lu barsch, Verhandl. d. Naturforschervers. Halle 1891. und 
Prutz. Zeitschr. für Gynäkol. Bd. 23. — 6. Virchow, Berlin, klin. Wochen- 
schrift. 1886. — 7. Klebs, 1. c. — 8. Stumpf, Verhandig. d. deutschen 
Gesellsch. f. Gynäkologie I. Kongr. 1886. — 9. Pilliet, Gaz. hebdomad. 
1890. — 10. Frerichs, Klinik d. Leberkrankheiten. I. S. 80. — 11. Jürgens, 
L c. — 12. Klebs, 1. c. — 13. Heller, Deutsch Archiv f. klin. Med. VII. — 
14. v. Recklinghausen, Virch. Arch. Bd. 106. — 15. Arnold, Virch. 
Arch. 124. — 16. Leyden, Zeitschr. f. klin. Medicin. 1880 u. 1886. — 
17. v. Recklinghausen, Handbuch d. allg. Path. S. 134 u. 135. — 18. Wiedow, 
Zeitschr. f. Geburtshülfe u. Gynäkol. Bd. XIV. — 19. Langerhans, Virch. 
Arch. 124. — 20. Leyden, 1. c. — 21. Klebs, L c. — 22. Osthoff, Sammlung, 
klin. Vorträge, herausgeg.- von Volkmann. Nr. 266. — 23. v. Herff, Münch, 
med. Woch. 1891. — 24. Blanc, Arch. de tocologie. 1889. — 24. Derselbe, 
Acad. des sciences. Seance du 25 marsl889. — Derselbe, Lyon medical. 1890. — 
25. Dol6vis, Nouvelles archives d'obstetrique etc. 1886. — 26. Favre, Virch. 
Arch. 123. 124. 127. — 27. Naunyn, Arch. f. experiment. Pathol. Bd. I. — 
28. Franken, Inaug. Dissert. Dorp. 1870. — 29. Plosz u. Györgyni, Arch. 
f.experim. Pathol. Bd. II. — 30.Magendie, Lee. sur le sang. 1838. — 31.Panum, 
Virch. Arch. 63 u. 66. — 32. Landois, Die Transfusion des Blutes. — 
33. Ponfick, Virch. Arch. 62. — 34. A. Köhler, Inaug.-Dissert. Dorpat, 
1877. — 35. Edelberg, Arch. f. experim. Pathol. Bd. XII. — 36. Wooldridge, 
Die Gerinnung d. Blutes. Übers, v. Dr. M. v. Frey. 1891. — Derselbe, 
Arch. f. Physiol. 1888. — Derselbe, Proced. of. royal. soc. 1889. — 
37. Groth, Inaug.-Dissert. Dorpat 1884. — 38. Nauck, Inaug.-Dissert. Dorpat 



- 106 — 



1886. — 39. Foa u. Pellacani, Arch. ital. de Biol. 4. — 40. Hanau, Fort- 
schritte, d. Mediän. 1886. — 41. Kleba, Pathol. Morphol. — 42. Silbermann, 
Virch. Arch. 119. — 43. Welti, Ziegler's Beiträge Bd. V. — 44. v. Beck- 
linghausen, Handb. d. allg\ Pathol. — 45. Franken, 1. c. S. 44. — 46. Cohn- 
heim u. Litten, Virch. Arch. Bd. 67. — 47.Eberth,Fortschr. d.Medicin 1888. — 
48. Fehling:, Arch. f. Gyn. u. Geburtsh. 327. — 49. Pfannenstiel, Central- 
blatt f. Gyniikol. 1887. 



Tafel-Erklärung. 1 ) 



Tafel I. II. 

Fig. 1. H ämorrhagische Lebernekrose. Ffbrinnetz zwischen den Leberzellen 
fibrinöse Thromben in den Interlobularvenen. 

Fig. 2. Anämische Lebernekrose. Die Leberzellen in ihren Konturen noch er- 
halten; die Kerne teils schwach gefärbt, teils überhaupt nicht mehr 
färbbar. 

Fig. 3. Fibrinöse Thromben in den Interlobularvenen. Fibrinnetz in den an- 
liegenden Leberpartien bei anämischer Lebernekrose. 

Fig. 4. Multiple hyaline Kapillarthromben in der Lunge. Fibrinnetz in den 
Lungenalveolen. 

Tafel III. IV. 

Fig. 5. Wandständige und obturirende Thromben in den Lungengefässen. 

Fig. 6. Hyaline Thromben in einem Gehirngefäss mit Erweichung in der 
Umgebung. 

Figg. 7. 8. 9. 10. 11. Placentarzellen in Lungenkapillaren. 

Tafel V. 

Figg. 7a. 8a. 9 a . 10a. Ha. Placentarzellen in Lungenkapillaren. 



1) Die bunten Figuren sind z. T. nach Photogrammen in der Weise hergestellt, 
dass von der photographischen Platte ein schwaches Positiv angefertigt und letzteres 
in Anlehnung an das mikroskopische Präparat bunt übermalt wurde. Die Photographien 
auf Tafel V, die mit dem grossen Zeiss'schen Apparat hergestellt wurden, gebe ich des- 
halb, weil dadurch für die Richtigkeit der Zeichnung gewährleistet wird. 





Schmorl, Eklampsie 

Verlag 1 



Tafel 1,11. 





Srhmorl, Eklampsie 



Verlag von 



Tafel in, IV. 





Tafel V. 




Schmor], Eklampsie. 



F. C. W. Vogel in Leipzig. 



Julius Klinkhartlt. Leipzig. 



I